
- So kann man das Leben sehen.
- Als Wanderung zu den Gipfeln, die man sich aussucht.
- Die Kurzgeschichte, die wir hier vorstellen, macht aber etwas deutlich, was mit diesen beiden Figuren zu tun hat.
- Der ältere Herr wird dann wohl gleich zurückblicken, der junge Mann sich den Abenteuern seines Lebens zuwenden.

Wie man sieht: Zeichnen ist nicht unsere Stärke. Aber Überblick können wir! Jeder blaue Eintrag im Inhaltsverzeichnis ist ein Link – einfach antippen, und du springst direkt an die passende Stelle. Zurück geht’s mit dem Zurück-Pfeil deines Browsers.
Inhaltsverzeichnis
- Zwei Männer, eine Karaffe Wein und eine Seite Text
- Was passiert
- Was der Text sagen will
- Womit der Text das erreicht
- Eine offene Frage gleich am Anfang
- Für wen eignet sich der Text?
- Weitere Kurzgeschichten, die zu dieser passen
- Weitere Infos, Tipps und Materialien
Zwei Männer, eine Karaffe Wein und eine Seite Text
Kurt Martis „Der schrumpfende Raum“ ist kaum länger als eine Seite und besteht fast nur aus Gespräch. Zwei Männer sitzen bei einer Karaffe Wein. Der Ältere sagt, das Leben sei ein Raum, der immer enger werde. Der Jüngere will davon nichts hören. Mehr passiert äußerlich nicht. Trotzdem steckt viel in dem Text: die Angst vor dem Älterwerden, die Frage, was man alles nicht getan hat, und ein Gespräch, in dem zwei Menschen aneinander vorbeireden.
Auf dieser Seite stellen wir den Text vor: Wir sagen kurz, was passiert, was der Text aussagen will und womit er das erreicht – und für wen er sich im Unterricht eignet. Der Text selbst ist urheberrechtlich geschützt und deshalb hier nicht abgedruckt. Am besten liest du ihn vorher in der Fassung, die ihr im Unterricht habt. Das dauert nur ein, zwei Minuten.
In: Theodor Karst (Hrsg.): Generationen. Geschichten und Gedichte über Junge und Alte. Stuttgart: Reclam, 1999 (Universal-Bibliothek Nr. 15042), S. [70-71].
Was passiert
- Der Anfang: Die beiden Männer haben keine Namen, sie heißen nur „der Ältere“ und „der Jüngere“. Der Jüngere beginnt mit „Du wirst doch nicht“, der Ältere wiegelt ab: „O nein“.
- Die These: Der Ältere behauptet: „Das Leben ist ein schrumpfender Raum“. Der Jüngere hält dagegen: Es werde „immer wieder schön“.
- Die Erklärung: Der Ältere meint nicht Runzeln, sondern wirklichen Raum – und der schrumpfe auch hinter einem. Die Vergangenheit überfahre einen „von hinten her“, wie eine Lokomotive.
- Die Bilanz: Sein Raum sei auf ein Häuschen zusammengeschrumpft, mit Garten und Frau. Aber es gebe eben auch „tausend Gärten und tausend Frauen“. Der Jüngere versteht das zuerst als Geständnis, der Ältere wolle fremdgehen. Der Ältere stellt klar: Er meint nur, dass man sich auch als treuer Mensch ausmalt, was noch möglich wäre.
- Das Ende: Zuletzt bleibe „nur noch ein Punkt“, sagt der Ältere, und dann gehe die Luft zum Atmen aus. Der Jüngere wehrt mit „Ach Quatsch“ ab und lacht. Die Karaffe zwischen ihnen ist leer.
Was der Text sagen will
- Älterwerden heißt: Möglichkeiten verlieren. Der „Raum“ ist kein Ort, sondern alles, was man noch tun, sein oder werden könnte. Wer alt wird, hat nicht nur weniger Zeit, sondern auch weniger Auswahl.
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Auch die Vergangenheit engt ein: Sie holt einen ein, so wie die Lokomotive, die von hinten kommt. - Die Enge kommt nicht vom Mangel. Der Ältere hat Haus, Garten und Frau, und leidet trotzdem. Er leidet an den ungelebten Möglichkeiten, die er sich vorstellen kann, aber nicht mehr verwirklichen wird.
- Zwei Arten, mit der Endlichkeit umzugehen. Der Ältere denkt sie zu Ende, der Jüngere weicht aus: „Das Leben geht weiter.“ Der Text sagt nicht, wer recht hat. Er zeigt, dass die beiden nicht zueinander kommen.
Womit der Text das erreicht
- Die Metapher „schrumpfender Raum“: Sie macht aus etwas Abstraktem (Alter, Lebenszeit) etwas, das man körperlich spürt: Enge und Luftnot.
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Die Sprache schrumpft mit: erst „Raum“, dann „Häuschen“, am Ende „Punkt“. - Der Vergleich mit der Lokomotive: Das Bild ist unheimlich, weil man sie nicht kommen sieht – sie kommt von hinten. So wirkt die Vergangenheit als etwas, dem man nicht ausweichen kann.
- Der Dialog ohne Kommentar: Es gibt fast nur „sagte der Ältere“ und „sagte der Jüngere“, dazu Alltagssprache wie „Du spinnst“ oder „Ach Quatsch“. Der Text liefert keine Deutung mit, wir müssen sie selbst finden. Das große Thema wirkt gerade deshalb beiläufig und echt.
- Die Karaffe als kleiner Raum: Am Anfang ist Wein darin, am Ende nichts mehr. Während die beiden über den schrumpfenden Raum reden, schrumpft vor ihren Augen ihr gemeinsamer Abend. Der Jüngere lacht und merkt es nicht.
- Der Leser steht zuerst beim Jüngeren: Wer jung ist, hält den Älteren erst für übertrieben und gibt dem Jüngeren recht. Erst am Ende, beim Lachen und der leeren Karaffe, merkt man vielleicht, dass man selbst gerade abgewehrt hat.
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Der Text führt also vor, wie Verdrängen funktioniert, indem er uns dabei mitmachen lässt. Das ist eine Lesart, kein Beweis. Sie lässt sich aber am Text gut überprüfen.
Eine offene Frage gleich am Anfang
Schon der erste Satz hat es in sich: „Du wirst doch nicht“, sagt der Jüngere. Er sagt nicht, was der Ältere nicht tun soll. Der Ältere antwortet nur: „O nein“. Der Text lässt offen, was gemeint ist. Offenbar fürchtet der Jüngere, der Ältere könnte etwas Drastisches vorhaben, vielleicht eine Dummheit, vielleicht einen Ausbruch aus seinem bisherigen Leben.
Frage zum Weiterdenken: Warum fragt der Jüngere nicht nach? Und was bedeutet dann sein Lachen am Schluss: Erleichterung, dass nichts passiert ist, oder Abwehr, weil er das Thema nicht an sich heranlassen will? Beides lässt sich am Text begründen.
Für wen eignet sich der Text?
- Klassenstufe: Gut geeignet ab Klasse 9/10 und in der Oberstufe. Der Text ist kurz, aber dicht, und lässt sich in einer Stunde erarbeiten.
- Sachurteil: Der Text zeigt typische Merkmale der modernen Kurzgeschichte: ein Alltagsgespräch, namenlose Figuren, kaum Hintergrund und ein Schluss, der etwas offen lässt.
- Werturteil: Gelungen ist, dass eine große Lebensfrage in einem beiläufigen Gespräch steckt. Eine Hürde ist, dass Jugendliche sich fast automatisch beim Jüngeren wiederfinden und den Älteren für jammernd halten.
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Tipp: Das Gespräch zuerst mit verteilten Rollen lesen und dann fragen, was der Ältere eigentlich genau befürchtet. - Was hat der Text mit uns heute zu tun? Auch junge Menschen erleben, wie sich Raum verengt: Wer sich für eine Ausbildung oder ein Studienfach entscheidet, schließt andere Türen. Und wann hast du zuletzt auf ein ernstes Thema mit „Ach Quatsch“ reagiert?
Weitere Kurzgeschichten, die zu dieser passen
Diese Kurzgeschichte und diese Sammlungen passen thematisch zu Martis Text. Sie greifen Älterwerden, Vergänglichkeit, ungelebte Möglichkeiten und das Aneinander-Vorbeireden auf.
- Kurt Marti, „Happy End“ – für die Schule vorgestellt
https://textaussage.de/kurt-marti-happy-end
Eine weitere Kurzgeschichte desselben Autors, gut zum Vergleich von Martis Erzählweise.
— - Kurzgeschichten zum Thema „Tod“
https://textaussage.de/kurzgeschichten-zum-thema-tod
Geschichten, in denen Endlichkeit und Vergänglichkeit eine Rolle spielen. Das passt zu Martis Bild vom Raum, der am Ende auf einen Punkt zusammenschrumpft.
— - Kurzgeschichten zum Thema Missverständnisse in der Kommunikation
https://schnell-durchblicken.de/kurzgeschichten-zum-thema-missverstaendnisse-in-der-kommunikation
Texte, in denen Menschen aneinander vorbeireden. Das passt zum Gespräch zwischen dem Älteren und dem Jüngeren, die einander nicht erreichen.
— - Kurzgeschichten zum Thema Kommunikation (Vorstellung)
https://textaussage.de/kurzgeschichten-zum-thema-kommunikation
Überblick über die Kurzgeschichten zur Kommunikation mit Verweisen auf die einzelnen Unterthemen. Hilfreich, wenn man den Dialog bei Marti mit anderen Gesprächen vergleichen will.
— - Kurzgeschichten zum Thema „Ausbruch aus der Beziehung“
https://schnell-durchblicken.de/kurzgeschichten-thema-beziehungen-ausbruch
Geschichten über den Gedanken an ein anderes Leben. Das passt zur Stelle mit den „tausend Gärten und tausend Frauen“, an der der Ältere die ungelebten Möglichkeiten erwähnt.
Weitere Infos, Tipps und Materialien
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Wie interpretiert man Kurzgeschichten schnell und sicher?
https://textaussage.de/kurzgeschichten-interpretieren-themenseite
— - Übersicht über interessante Kurzgeschichten, nach Themen geordnet
https://textaussage.de/kurzgeschichten-nach-themen-geordnet
— - Kurzgeschichten für die Klasse 8
https://textaussage.de/kurzgeschichten-klasse-8
— - Kurzgeschichten zum Thema „Kommunikation“ – bsd. für Klasse 11
https://textaussage.de/kurzgeschichten-zum-thema-kommunikation
— - Playlist auf unserem Youtube-Kanal zum Thema „Kurzgeschichten“
https://www.youtube.com/playlist?list=PLNeMBo_UQLv3e3yDjzZmprl-tdkHqOimm
— - Infos, Tipps und Materialien zu weiteren Themen des Deutschunterrichts
https://textaussage.de/weitere-infos - Kurzgeschichten, nach Themen geordnet
https://textaussage.de/kurzgeschichten-nach-themen-geordnet
Gesamtübersicht über alle thematischen Gruppen, falls du nach weiteren Kurzgeschichten zu anderen Themen suchen willst.