Lese-Scout zu Keun, „Nach Mitternacht“, Kap 1

  • Dieser Lese-Scout soll helfen, schnell einen Überblick über ein Romankapitel zu bekommen.
  • Wir haben das Kapitel deshalb in Erzählabschnitte eingeteilt und diese jeweils mit einer Zwischenüberschrift versehen.
  • Die ersten fünf Wörter führen wir jeweils auf, damit man selbst den entsprechenden Abschnitt in seiner Textausgabe schnell findet.
  • Es folgt eine kurze Beschreibung des Inhalts.
  • Dazu kommt das ein oder andere Schlüsselzitat, das von besonderer Bedeutung für diesen Abschnitt ist.

Die Textstellen-Verweise beziehen sich auf die Kindle-EBook-Ausgabe:
Ullstein EBooks ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3843726986

Es kann sein, dass wir auf dieser Seite etwas übersehen haben. Darum bitte alle wichtigen Dinge selbst prüfen.


1. Ein beunruhigender Brief von Franz

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Einen Briefumschlag macht man auf
  • Inhalt: Sanna erhält einen Brief von Franz aus Köln, der sie wiedersehen möchte. Die unklaren Andeutungen beunruhigen sie zutiefst und wecken Sorgen um seine Gesundheit; dennoch reist sie vorerst nicht zu ihm ab, sondern trägt den Brief als schmerzhafte Erinnerung nah bei sich.
  • Schlüsselzitat:»Einen Briefumschlag macht man auf und zieht etwas heraus, das beißt oder sticht, obwohl es kein Tier ist. Heute kam so ein Brief von Franz.« (EB5)

2. Politische Spannungen im Henninger-Bräu

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Ich bin müde. Alles war
  • Inhalt: In der dichten Atmosphäre des Frankfurter Henninger-Bräu am Abend des Führer-Besuchs versucht Sanna, einen drohenden politischen Eklat abzuwenden. Ihre Freundin Gerti provoziert den SA-Mann Kurt Pielmann, indem sie die Soldaten der neuen Reichswehr als attraktiver darstellt, was in der politisierten Stimmung brandgefährlich ist.
  • Schlüsselzitat:»…aber wenn ich das Wort Weltanschauung höre, weiß ich ja, daß Krach kommt. Die Gerti sollte es lassen, einen SA-Mann zu reizen…« (EB6)

3. Sanna und Gerti – Ein ungleiches Paar

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Wunderschön sieht die Gerti aus
  • Inhalt: Sanna vergleicht sich mit ihrer selbstbewussten, auffälligen Freundin Gerti. Während Gerti optisch „leuchtet“, empfindet sich Sanna in Gesellschaft oft als unscheinbar. Allein vor dem Spiegel träumt Sanna jedoch von ihrer eigenen geheimnisvollen Schönheit und der Bewunderung der Männer.
  • Schlüsselzitat:» Wenn ich neben der Gerti sitze, finde ich mich jedenfalls nur klein, blaß und mickrig. Noch nicht mal mein Haar leuchtet. Es hat eine blonde Farbe, die schläft.« (EB8)

4. Ein Toast auf den Führer im Qualm der Kneipe

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Ich hätte das Bier nicht
  • Inhalt: Sanna bestellt eine Runde Bier, woraufhin der Kellner Herr Kulmbach mit einer Runde Kirschlikör auf den Führer anstößt. SS-Männer am Nebentisch signalisieren eine unheimliche, allgegenwärtige Präsenz und trinken mit.
  • Schlüsselzitat:»»Auf unseren Führer!« Ein wunderbarer Tag sei heute, sagt Kulmbach – ein einzigartiges Erlebnis für die Frankfurter Bevölkerung…« (EB9)

5. Erinnerungen an die Heimat Lappesheim und den Hunsrück

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Ich erzähle dem Kulmbach, daß
  • Inhalt: Um das Gespräch in der Kneipe zu entschärfen, erzählt Sanna von ihrer ländlichen Heimat an der Mosel. Sie zeichnet das idyllische Bild des Tals, kontrastiert es jedoch sogleich mit der Armut des kälteren Hunsrücks und philosophiert über den Schrecken unbarmherziger Vergrößerung.
  • Schlüsselzitat:»Eine Sommersprosse auf meiner Hand sah aus wie ein Kuhfladen. Welcher Mensch sieht denn an sich so was gern? Alle Vergrößerungsgläser sollte man kaputtmachen.« (EB10)

6. Susanne Moders Familiengeschichte

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Ich heiße Susanne. Susanne Moder.
  • Inhalt: Sanna gibt Einblicke in ihre Herkunft und das familiäre Gefüge. Sie stellt ihren Vater, ihre ungeliebte Stiefmutter und ihren wesentlich älteren Stiefbruder, den berühmten Schriftsteller Algin Moder, vor. Gleichzeitig erinnert sie sich mit Groll an die Gehässigkeiten ihrer Tante Adelheid.
  • Schlüsselzitat:»Ich bin froh, so verkürzt genannt zu werden, weil es doch ein Zeichen ist, daß Freundlichkeit um mich war.« (EB10)

7. Stadtleben contra ländliche Heimat-Ideologie

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Der ganze Ort ist mir
  • Inhalt: Sanna bekennt sich offen zu ihrer Vorliebe für das Großstadtleben und bricht mit der nationalsozialistischen Heimat- und Schollen-Verherrlichung. Sie entlarvt die ideologische Heuchelei der Dichter und Politiker, die das entbehrungsreiche Landleben im Winter selbst nie ertragen würden.
  • Schlüsselzitat:»Der Sinn der Erdschollen besteht darin, daß die Dichter sie besingen müssen, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen und nachzudenken, was in den Städten los ist und mit den Menschen.« (EB12)

8. Das Leben bei Tante Adelheid in Köln

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): kommen, die hat ein Papierwarengeschäft
  • Inhalt: Sanna beschreibt die zwei Jahre, die sie bei ihrer Tante Adelheid in Köln verbringen musste, um Schulden abzuarbeiten. Trotz Adelheids tiefem Hass gegen sie half Sanna erfolgreich im Papierwarengeschäft aus. Einzig ihr Cousin Franz machte diese Zeit erträglich.
  • Schlüsselzitat:»Und das war ein weiterer Grund für die Tant Adelheid, mich zu hassen.« (EB14)

9. Adelheids politischer Aufstieg und der Luftschutzterror

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Als der Führer kam, wurde
  • Inhalt: Mit der Machtergreifung entdeckt Tante Adelheid den Nationalsozialismus für ihr soziales Geltungsbedürfnis. Als Hauswartin schikaniert sie die Bewohner mit brutalen Luftschutzübungen und treibt den herzkranken Rentner Herrn Pütz unter einer erstickenden Gasmaske beinahe in den Tod.
  • Schlüsselzitat:»»Pütz«, sagte die Tant Adelheid streng, »Sie haben das neue Deutschland nicht begriffen, Sie haben den Aufbauwillen des Führers nicht begriffen.«« (EB15)

10. Erpressung im Nationalsozialismus: Der Fall Schauwecker

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Auf das Haus, in der
  • Inhalt: Sanna porträtiert den Nachbarn Schauwecker, einen Theaterinspizienten mit pädophilen Neigungen, der sich aus Opportunismus dem Antisemitismus zuwendet. Tante Adelheid erpresst ihn mit regimekritischen Aussagen über das Winterhilfswerk, um die begehrte Hauswart-Position an sich zu reißen.
  • Schlüsselzitat: »Vor tausend feindlichen Flugzeugen hätte ich nicht so viel Angst wie vor der Tant Adelheid, wenn sie eine Schußwaffe hat und Befehlsgewalt.« (EB16)

11. Algins literarischer Ruhm und der Stolz des Vaters

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Tant Adelheid beging dann eine
  • Inhalt: Nach einer schweren Demütigung durch ihre Tante flieht Sanna zu ihrem Stiefbruder Algin nach Frankfurt. Sie erinnert sich an Algins glanzvollen Aufstieg zum gefeierten, verfilmten Bestsellerautor und den tiefen, unbändigen Stolz ihres Vaters im Heimatdorf.
  • Schlüsselzitat:»Wir hatten im Kino so richtig das Gefühl, als wenn das Kino dem Algin gehörte und als wenn ihm die ganzen Schauspieler gehörten und als wenn er überhaupt alles gemacht hätte.« (EB18)

12. Die Zensur schlägt zu: Schwarze Listen und Widerstand im Dorf

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Darum mußte mein Vater sich
  • Inhalt: Der Wind dreht sich: Algins Werke landen auf der „schwarzen Liste“ der Nationalsozialisten. Sannas Vater beugt sich dem Druck, ersetzt Algins Kritiken durch das Führerbild und verteidigt die Verhaftung von Abweichlern im Dorf, um die eigene Existenz zu schützen.
  • Schlüsselzitat: »Das Buch vom Algin liegt nicht mehr auf dem Tisch neben der Theke, weil die Nationalsozialisten es auf eine schwarze Liste gesetzt haben.« (EB20)

13. Algins schwindendes Glück in der neuen Wohnung

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Jedenfalls hatte der Algin es
  • Inhalt: Sanna beschreibt das unglückliche, von materieller Repräsentanz und Zensur gelähmte Eheleben zwischen Algin und seiner Frau Liska. Der erzwungene literarische Konformismus mindert Algins Einnahmen, während die prachtvolle, kalte Wohnung an der Bockenheimer Landstraße nur noch als teure Kulisse dient.
  • Schlüsselzitat: »Jetzt leidet er unter seinem Aufbau, und er ist ihm eine Last, von der er nicht mehr loskommt. Weil die neue Regierung ein Buch vom Algin verboten hat, muß er sich einwandfrei benehmen beim Schreiben…« (EB21)

14. Die rassistische Realität im Café am Roßmarkt

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Jetzt bestellt der Herr Kulmbach
  • Inhalt: Am Nachmittag suchen Sanna und Gerti ein Café am Roßmarkt auf. Sanna schildert die absurde Segregation und die permanente Angst der jüdischen und arischen Bevölkerung vor Denunziation. Gerti hofft dort vergeblich auf ein Treffen mit Dieter Aaron, einem jüdischen Mischling.
  • Schlüsselzitat:»…denn wenn die Gerti auch nur einfach mit dem Dieter zusammensitzt in der Ecke von einem Café… dann können sie gleich schwer bestraft werden wegen Erregung des Volksempfindens.« (EB24)

15. Die Familie Aaron und Dieters unbestimmte Zukunft

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Man sollte gar nicht meinen,
  • Inhalt: Dieter Aaron ist ein verbotener „Mischling“, dessen vermögender, jüdischer Vater mit Textilexporten politisch arrangiert ist und sogar den nationalsozialistischen Antisemitismus verharmlost. Dieter selbst ist arbeitslos, steht unter dem dominanten Einfluss seiner Mutter und liebt Gerti in einer ausweglosen Zukunft.
  • Schlüsselzitat:»Gerti denkt, der liebe Gott wird schon helfen, weil sie so schön ist, und der liebe Gott ist männlich.« (EB26)

16. Sannas Angst als Anstands-Drittes

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Manchmal gehe ich mit ihnen,
  • Inhalt: Sanna begleitet das Liebespaar Gerti und Dieter als schützende, arische Begleiterin. Dabei durchleidet sie Todesängste vor Entdeckung und Denunziation in den Frankfurter Lokalen, während die beiden Liebenden sich blind den Gefühlen hingeben.
  • Schlüsselzitat: »Ich möchte heulen vor Angst. Hübsch und nett sind die beiden, vielleicht müssen sie morgen ins Zuchthaus. Warum sind sie so wahnsinnig?« (EB26)

17. Massenrausch und Straßensperren am Opernplatz

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Die Gerti wollte noch einen
  • Inhalt: Nach dem enttäuschenden Warten am Nachmittag wollen Gerti und Sanna nach Hause. Sie geraten in die weiträumigen Straßensperren am Opernplatz, wo sich eine gewaltige Menschenmenge für den Besuch des Führers formiert. Sanna dekonstruiert das Phänomen des Massenrausches als Geltungssucht und Nervenkitzel
  • Schlüsselzitat:»…es ist ihnen egal. Weil es ihnen nämlich nur ein Sport ist und Stolz: einen Platz zu haben, von dem aus sie was sehen konnten, und um glauben und sagen zu können, sie seien dabeigewesen.« (EB29)

18. Die Verhaftung des kleinen Mannes an der Absperrung

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Wir kamen zur Mainzer Landstraße,
  • Inhalt: Sanna wird Zeugin einer grausamen Festnahme: Ein einfacher, nervlich zerrütteter Mann mit einem Fahrrad beklagt die Verspätung an der SA-Absperrung und äußert leisen Spott über die „Ideale des Führers“. Er wird sofort abgeführt, woraufhin die verängstigte Menge mit gespielter, hysterischer Empörung gegen sein Fahrrad tritt.
  • Schlüsselzitat:»»Ja, der Führer hat die Ideale, und wir haben’s Nachsehen.« Die Stimme des grauen Mannes zitterte… Drei SA-Männer führten ihn fort, er wehrte sich nicht.« (EB31)

19. Überlebensstrategien und ungelesene Klassiker im Café Esplanade

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Gerti und ich hätten die
  • Inhalt: Sanna und Gerti flüchten vor dem Regen ins jüdisch geprägte Café Esplanade. Sanna rät Gerti taktisch, dem SA-Mann Kurt Pielmann mit scheinbarem Bildungsinteresse zu schmeicheln. Heinis zynische Beobachtung über das deutsche Bürgertum, das Klassiker (und Hitlers Buch) besitzt, ohne sie je gelesen zu haben, wird zitiert.
  • Schlüsselzitat:»…sie haben so viel von dem Buch gehört und so viel Schwierigkeiten damit gehabt durch Gekaufthaben oder Wiedergebenmüssen, daß ihnen das Buch wirklich fast so vertraut ist wie das Hemd, das sie tragen.« (EB33)

20. Das Horst-Wessel-Lied und der Blick vom Balkon

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Gerti und ich saßen im
  • Inhalt: Als im Café das Horst-Wessel-Lied ertönt, erheben sich alle Gäste aus purer Angst vor Denunziation. Ein Kellner verhilft Sanna und Gerti zu einem Platz auf einem überfüllten Aussichtsbalkon mit direktem Blick auf den Opernplatz, wo die Menge im trüben Licht ausharrt.
  • Schlüsselzitat:»Das muß man, weil man nie weiß, wer einen beobachtet und anzeigt. Vielleicht hatten sie voreinander Angst.« (EB34)

21. Der Vorbeimarsch der Prunkkarossen und des Führers

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Dann glitten auf einmal Autos
  • Inhalt: Eine endlose Kolonne prachtvoller, unerschwinglicher Limousinen mit NS-Funktionären rollt vorbei. Sanna rechnet den unüberbrückbaren finanziellen Abstand zum einfachen Arbeiter vor. Schließlich fährt der Führer stehend im Wagen vorbei und die „Reihendurchbrecherin“ Bertchen Silias wird medienwirksam für die Propaganda inszeniert.
  • Schlüsselzitat:»…und langsam fuhr ein Auto vorbei, darin stand der Führer wie der Prinz Karneval im Karnevalszug. Aber er war nicht so lustig und fröhlich… sondern hob nur eine leere Hand.« (EB36)

22. Görings Kostüme und die Opfer des Ruhms

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Auf dem langen Balkon des
  • Inhalt: Sanna beobachtet die NS-Elite auf dem Balkon des Opernhauses. Mit beißender Ironie vergleicht sie Hermann Görings Hang zu bunten Kostümen mit arbeitslosen Schauspielern und analysiert die Erschöpfung des Führers, dessen gesamtes Leben im Dienste der medialen Repräsentanz, des Fotografiertwerdens und der diätetischen Selbstinszenierung stehe.
  • Schlüsselzitat: »Der Führer gibt doch schon allein fast sein ganzes Leben hin, für sein Volk fotografiert zu werden.« (EB37)

23. Der große Zapfenstreich – Ein stummes Ballett

  • Suchbegriff (erste 5 Worte): Ich könnte mir denken, daß
  • Inhalt: Das Kapitel schließt mit der Schilderung des nächtlichen Zapfenstreichs der Reichswehr. Sanna beschreibt die stummen, gleichgeschalteten Soldaten mit blinkenden Stahlhelmen und Fackeln als unheimliches, gesichtsloses Massenballett, das sie ironisch mit exotischen Kriegstänzen vergleicht.
  • Schlüsselzitat:»Die Welt war groß und dunkelblau, die tanzenden Männer waren schwarz und gleichmäßig – ohne Gesichter und stumm, in schwarzer Bewegung.« (EB39)

Zusammenfassung: Was macht das Kapitel deutlich?

  • Die lähmende Allgegenwart der nationalsozialistischen Ideologie:
    Sanna beschreibt eine Atmosphäre, in der bereits das bloße Wort „Weltanschauung“ unweigerlich zu Konflikten führt. Jede Form von politischer Abweichung – sei es die regimekritische Bemerkung eines einfachen Mannes an einer Straßensperre oder das provokante Verhalten des Wirts Segebrecht – zieht sofort drakonische Konsequenzen wie Verhaftungen, Schutzhaft oder die Deportation in ein Konzentrationslager nach sich.
  • Der Einzug des Terrors in das Privatleben (Fachbegriff: Mikroterror):
    Am Beispiel von Tante Adelheid zeigt das Kapitel, wie der Nationalsozialismus kleinbürgerlichen Sadismus und Denunziantentum legitimiert.
    Sobald Adelheid sich der NS-Frauenschaft anschließt, tyrannisiert sie ihre Mitmenschen, treibt den herzkranken Untermieter Pütz bei einer Luftschutzübung fast in den Tod und nutzt ihre Macht als Hauswartin schamlos aus, um Nachbarn zu erpressen und zu kontrollieren.
  • Die Korrumpierung und erzwungene Anpassung der Kunst:
    Sannas Stiefbruder, der berühmte Schriftsteller Algin Moder, verdeutlicht das Schicksal von Intellektuellen im Dritten Reich.
    Nachdem sein Roman auf die „schwarze Liste“ gesetzt wurde, muss er sich beim Schreiben fortan „einwandfrei benehmen“.
    Seine schöpferische Freiheit geht verloren, während er seine Arbeit nur noch verrichtet, um die Lasten seines repräsentativen, luxuriösen Lebensstandards zu finanzieren.
  • Die tödliche Bedrohung privater Beziehungen durch die Rassenpolitik:
    Die Liebe zwischen Gerti und dem „Mischling“ Dieter Aaron steht unter dem ständigen Schatten der nationalsozialistischen Rassengesetze.
    Sanna schildert die allgegenwärtige Ausgrenzung im Frankfurter Stadtbild – symbolisiert durch Schilder wie „Juden unerwünscht“ an Lokalen – und die quälende, ständige Angst vor Entdeckung, Denunziation und Zuchthaus.
  • Die Entlarvung der NS-Propaganda als hohle Inszenierung:
    Sanna dekonstruiert den pompösen Personenkult um den „Führer“ und seine Elite.
    Sie vergleicht Hitler mit dem „Prinz Karneval“ und beschreibt den feierlichen Zapfenstreich der Reichswehr nicht als heroisches Ereignis, sondern als eitles, mechanisches Ballett mit „stummen“ und „gesichtslosen“ Soldaten im Scheinwerferlicht.

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