„Heimsuchung“ und „Jahrhundertroman“ – ein Musterbeispiel für die Notwendigkeit eines „Notfallkastens“
- Ein Notfallkasten ist eine Art Werkzeugkasten, der für bestimmte Notfälle alles enthalten muss, um sie zu bewältigen.
- Und was für einen größeren „Notfall“ in der Schule gibt es, als Klausuren und mündliche Prüfungen.
- Denn dort wird man mit Aufgaben bzw. Fragen konfrontiert, die man in sehr begrenzter Zeit, also unter Stress, lösen bzw. beantworten muss.
- Wer dann anfängt, sich was zurechtzudenken, wird nur nervöser und hast fast schon verloren.
- Deshalb liefern wir mit dem folgenden „Notfallkasten“ ein erstes Beispiel für eine Sammlung von Infos und Argumenten – in optimaler systematischer Ordnung und durch ein Schaubild „gedächtnisfest“ gemacht.
Das Video ist hier zu finden:
https://youtu.be/za-nKhiHSaM
Hier die direkten Sprungmarken:
zunächst die „unbemalte“ Fassung
Mat8704-nfk-jhr unb Notfallkoffer Heimsuchung Jahrhundertroman
Dann die „bemalte“ Fassung, die uns viel besser gefällt 🙂
Mat8704-nfk-jhr bem Notfallkoffer Heimsuchung Jahrhundertroman
NFK zum Thema „‚Heimsuchung‘ – ein Jahrhundertroman“?
Wir sprechen hier von „linearer Systematik“ – also einer Ordnung, die folgerichtig, Schritt für Schritt entwickelt wird.
- Was die Bezeichnung als Jahrhundertroman angeht, so ist sie insofern zunächst einmal richtig, als etwa ein Jahrhundert von 1892 bis zur Zeit nach der Wende im Roman thematisiert wird.
— - Allerdings wird geschichtliches Wissen eher vorausgesetzt, als dass man es durch den Roman bekommt.
Besonders deutlich wird das an der Schraubengeschichte, wo niemand ohne Hintergrundwissen versteht, warum der intelligente Einfall des Architekten, die fehlenden Schrauben im Westen zu besorgen, ihm sogar Haft eintragen kann.
— - Das Kapitel der Großbauer und seine vier Töchter behandelt nur einen ganz kleinen Ausschnitt der Sozialgeschichte um den Ersten Weltkrieg herum und konzentriert sich bei den vier Töchtern, gerade auf die, die krankheitsbedingt kaum etwas über die Zeit aussagt. Bezeichnenderweise wird überhaupt nicht darauf eingegangen, wie zum Beispiel die Leute bis hin zu übergeordneten Institutionen damit umgegangen sind, dass eine Frau zwar das Amt nicht haben durfte, obwohl aber die Funktion ausüben.
- Hier bietet Theodor Storms Schimmelreiter sehr viel mehr, was die Tochter des Deichgrafen angeht.
- Auch das Schicksal des jüdischen Tuchfabrikanten wird sehr eigenwillig behandelt. es gibt interessante Andeutungen, aber mehr nicht. Problematisch zudem die fiktiv, extrem drastisch ausgestalte Tötung im Gaswagen, was man fast als Störung der Totenruhe bezeichnen kann. Absicht und Wirkung mögen in Ordnung sein, aber die Darstellung ist eine Zumutung, wenn man daran denkt, dass der Roman stolz darauf ist, sich auf eine konkrete realeFamilie zu beziehen. Fazit: Konzentration auf einen konkreten Moment statt eines historischen Blicks.
- Was die andere Seite der NS-Zeit angeht, beschränkt sich der Roman auch nur auf punktuelle Phänomene, wie die sehr private Regelung der Arier-Frage beim Architekten. Was die Episode mit den jüdischen Figuren in Filmen angeht, ist sie wieder sehr effektvoll, bringt aber nur wenig Licht in die historischen Hintergründe.
- Auch bei der Wendezeit nach 1989 beschäftigt sich der Roman mehr mit den Schmerzen von jemandem, der wegen Ausgleichsmaßnahmen sein Haus verlassen muss als mit dem komplexen Umfeld dieser Entscheidung (staatliche Eingriffe, problematische Eigentumsübertragung).
- Die Vorstellung vom Jahrhundertroman wird auch dadurch noch relativiert, dass das Verhältnis von Prolog und Epilog zeigt, dass dieses Jahrhundert mit seinen ganzen menschlich schmerzlichen Erfahrungen im Licht der geologischen oder sogar kosmischen Geschichte im Nebel der Belanglosigkeit versinkt.
- Bezeichnend ist auch, dass der eigentliche Protagonist des Romans das Haus am Ende genauso verschwindet
- wie die mythische Figur des Gärtners, der die menschlichen Schicksale zugleich eigenwillig und bereitwillig begleitet hat.
- Dabei ist immer wieder klar geworden, dass nicht Geschichte in diesem Roman das Wesentliche ist, sondern die Auseinandersetzung zwischen Natur und menschlicher Zivilisation und die menschliches Leiden, das zwar punktuell sichtbar gemacht wird, aber letztlich ohne darüber hinausgehende Bedeutung ist. Es handelt sich höchstens um Beispiele, die zudem noch sehr fragmentarisch, fast im Andeutungsstil entwickelt werden.