Schiller, „Die Künstler“ – Überblick über ein extrem langes Gedicht (Mat7424-ulf)

Überblick über die Strophen:

Wer sich das Gedicht kurz vorstellen lassen möchte – mit zwei anderen Gedichten – und einem tieferen Verständnis der Ideen der Klassik, der kann sich dieses Video anschauen:

Hier zunächst ein Video, das die Grundideen der Klassik am Beispiel von drei Gedichten klärt:


Nun zu den einzelnen Strophen:

  • Strophe 1 (Zeile 5):Lobpreisung des modernen Menschen am Ende des Jahrhunderts, der durch Vernunft frei und zum „Herrn der Natur“ gereift ist.
  • Strophe 2 (Zeile 17):Mahnung an den Menschen, die Kunst (als seine „Amme“) nicht zu vergessen, die ihn spielerisch zur Tugend erzogen und vor niederen Begierden geschützt hat.
  • Strophe 3 (Zeile 34):Feststellung der Einzigartigkeit des Menschen: Während Tiere ihn in Fleiß oder Geschicklichkeit übertreffen können, besitzt nur der Mensch die Kunst.
  • Strophe 4 (Zeile 38):Die Kunst als notwendiges „Morgentor“ zur Erkenntnis; der Verstand übt sich erst am Schönen, bevor er nach höherer Wahrheit strebt.
  • Strophe 5 (Zeile 46):Das Schöne als Vorbote der Vernunft; die Menschheit ahnte große Wahrheiten (wie den ewigen Raum) bereits im Symbol des Schönen, bevor sie diese wissenschaftlich begriff.
  • Strophe 6 (Zeile 58):Die göttliche Wahrheit (Urania) zeigt sich den Menschen in ihrer gemilderten Form als „Schönheit“, damit sie für sie fassbar wird.
  • Strophe 7 (Zeile 70):Die Schönheit als treue Begleiterin des Menschen in seiner Sterblichkeit, die ihm Trost spendet und „Elysium auf seine Kerkerwand“ malt.
  • Strophe 8 (Zeile 82):Die friedensstiftende Wirkung der Kunst in der frühen Menschheitsgeschichte, die rohe Gewalt und niedere Triebe bändigte.
  • Strophe 9 (Zeile 95):Preisung der Künstler als Auserwählte, durch die die Schönheit wirkt und die der Menschheit den Weg in die „erhabne Geisterwelt“ geebnet haben.
  • Strophe 10 (Zeile 107):Rückblick auf den Urzustand der Welt als Chaos, das erst durch den ordnenden Sinn der Künstler („Gleichmaß“) für den Menschen fassbar wurde.
  • Strophe 11 (Zeile 125):Die Entdeckung der ästhetischen Form in der Natur (z.B. der Wuchs der Zeder) und der Beginn der Nachahmung durch den Menschen.
  • Strophe 12 (Zeile 137):Das Erwachen der schöpferischen Bildkraft im Menschen; die erste Kunst entsteht durch das Nachahmen von Schatten und Umrissen in Sand oder Ton.
  • Strophe 13 (Zeile 143):Der forschende Geist erkennt die Gesetze des Reizes und verknüpft sie zu ersten menschlichen Bauwerken und Liedern.
  • Strophe 14 (Zeile 155):Die Weiterentwicklung der Kunst: Aus der einfachen Nachahmung der Natur entsteht durch Auswahl und Komposition eine „zweite höhere Kunst“.
  • Strophe 15 (Zeile 161):Die Idealisierung in der Kunst; das geschaffene Werk verliert seine „Krone“, sobald es der Wirklichkeit und dem Gleichmaß unterworfen wird.
  • Strophe 16 (Zeile 169):Die zivilisatorische Macht der Kunst: Gesänge über Helden und Mythen verwandeln die „Barbaren“ in staunende und gesellige Menschen.
  • Strophe 17 (Zeile 178):Die Befreiung des Geistes durch die Kunst; der Mensch löst sich aus dem „Sinnenschlaf“, überwindet die Tierheit und beginnt zu denken.
  • Strophe 18 (Zeile 191):Die äußere Verwandlung des Menschen: Er blickt aufrecht zu den Sternen, zeigt Gefühl und entwickelt Sprache und Gesang.
  • Strophe 19 (Zeile 201):Die Veredelung der Liebe: Aus reinem Trieb wird durch das „Hirtenlied“ eine geistige, seelenvolle Verbindung.
  • Strophe 20 (Zeile 214):Die Erschaffung von Idealen: Die Künstler vereinen das Beste (Weisheit, Kraft, Anmut) in Götterbildern, denen die Menschen nachstreben.
  • Strophe 21 (Zeile 222):Die Kunst als ordnendes Prinzip, das die wilden Leidenschaften und das Chaos des Lebens in eine harmonische Ordnung bringt.
  • Strophe 22 (Zeile 236):Die Kunst als frühe Lehrerin der Menschheit; Mythen wie die „Ilias“ lösten Schicksalsfragen, bevor die Philosophie dazu in der Lage war.
  • Strophe 23 (Zeile 241):Die Künstler als Überwinder der Endlichkeit; sie führen das unvollendete Leben in der Dichtung weiter und finden Trost im Bild des Fortlebens.
  • Strophe 24 (Zeile 258):Das Streben des Genies nach immer höheren Schöpfungen; Kraft und Reiz verschmelzen zu göttlicher Schönheit.
  • Strophe 25 (Zeile 270):Die gegenseitige Bereicherung von Mensch und Natur durch die Kunst; neue „Schönheitswelten“ entstehen aus der Arbeit des Menschen.
  • Strophe 26 (Zeile 278):Die Kunst bereitet den Geist auf die Wissenschaft vor; der Mensch lernt, die Natur mit ihren eigenen Maßen zu verstehen und Harmonie im Weltgebäude zu sehen.
  • Strophe 27 (Zeile 292):Das Ideal des Gleichmaßes durchdringt das gesamte Leben; die Schönheit wird zur ständigen Begleiterin in Freude und Leid.
  • Strophe 28 (Zeile 307):Das friedliche Dahingleiten des Lebens im „Harmonienmeer“; der Geist versöhnt sich mit der Notwendigkeit.
  • Strophe 29 (Zeile 320):Dank an die Künstler: Sie haben dem Menschen gelehrt, seine Pflichten zu lieben und Freiheit in der Ordnung zu finden.
  • Strophe 30 (Zeile 333):Der Künstler eifert dem „großen Künstler“ (Gott/Naturgeist) nach, der selbst die Notwendigkeit mit Grazie umgibt.
  • Strophe 31 (Zeile 340):Die Dichtung als tröstlicher „Zauberschein“, der die harten Realitäten und Sorgen des Lebens (wie den Tod) mit Schönheit verhüllt.
  • Strophe 32 (Zeile 351):Rückblick auf die Geschichte: Die Menschheit blüht dort auf, wo die Künstler weilen, und verfällt ohne sie in Traurigkeit.
  • Strophe 33 (Zeile 363):Die Wiederbelebung der Kultur durch die Kunst; zweimal (Antike und Renaissance) rettete sie das Wissen vor der Barbarei.
  • Strophe 34 (Zeile 371):Der Sieg des Lichts und der Humanität; durch die Kunst fallen Ketten, und Menschenrechte werden anerkannt.
  • Strophe 35 (Zeile 383):Bescheidenheit der Künstler; sie freuen sich am Glück der Menschheit und treten demütig zurück.
  • Strophe 36 (Zeile 387):Verteidigung der Kunst gegenüber der Wissenschaft; der Forscher darf die Kunst nicht als bloße Dienerin abtun, da sie ihn erst zur Vollendung führt.
  • Strophe 37 (Zeile 397):Die Kunst als Anfang und Ende der Naturgeschichte; sie veredelt das Wissen zur Schönheit.
  • Strophe 38 (Zeile 413):Die Erweiterung des menschlichen Horizonts durch die Schönheit; das Schicksal verliert seine Macht, je mehr der Mensch die Weltharmonie begreift.
  • Strophe 39 (Zeile 429):Der Aufstieg über die „Blumenleiter“ der Dichtung bis hin zur endgültigen Vereinigung mit der Wahrheit.
  • Strophe 40 (Zeile 437):Die endgültige Enthüllung: Schönheit (Cypria) und Wahrheit (Urania) erweisen sich am Ziel als eins.
  • Strophe 41 (Zeile 447):Der berühmte Appell: Die Würde der Menschheit liegt in der Hand der Künstler; sie sinkt oder steigt mit ihrem Schaffen.
  • Strophe 42 (Zeile 450):Die Dichtung als Schützerin der Wahrheit in dunklen Zeiten; sie rächt sich an den Verfolgern durch ihren unvergänglichen Glanz.
  • Strophe 43 (Zeile 462):Aufforderung an die Künstler, mutig nach der höchsten Schönheit zu streben und sich über ihren eigenen Zeitgeist zu erheben.
  • Strophe 44 (Zeile 474):Vision der Einheit: Am Ende fließen alle Wege der Vielfalt, Wahrheit und Schönheit im „Thron der hohen Einigkeit“ zusammen.

Die wichtigsten Elemente des Gedichtes:

  1. Was in den ersten zwei Strophen steht

Hier erfährt man bereits Wesentliches über Schillers Sicht:

  • Der Status Quo: Der Mensch ist am Ende seiner Entwicklung „frei durch Vernunft“ und „Herr der Natur“.
  • Die Rolle der Kunst: Sie ist die „Gütige“, die den Menschen „in hohen Pflichten spielend unterwies“. Das bedeutet: Die Kunst bereitet uns spielerisch auf die Moral (die Pflicht) vor.
  • Die Warnung: Der Mensch soll nicht zu „niedern Dienerinnen“ (reiner Sinnlichkeit/Gier) abfallen.

Fazit: Man versteht hier die Kunst als Erzieherin, aber noch nicht den philosophischen Mechanismus, warum das so ist.

  1. Die „besseren“ Zeilen im weiteren Gedicht

Wenn du Schillers Theorie für die Klausur wirklich auf den Punkt bringen willst, sind diese Zeilen aus dem restlichen Urwald fast noch wichtiger:

  1. Die Einzigartigkeit des Menschen (Die Anthropologie)

„Die Kunst, o Mensch, hast du allein.“

  • Bedeutung: Wissenschaft und Fleiß teilen wir (theoretisch) mit anderen Wesen, aber die Ästhetik ist das Alleinstellungsmerkmal des Menschen.
  1. Die Kunst als Wegbereiter der Erkenntnis

„Nur durch das Morgentor des Schönen / Drangst du in der Erkenntnis Land.“

  • Bedeutung: Das ist eine der wichtigsten Zeilen der Klassik. Man kann die reine Wahrheit/Vernunft nicht direkt ertragen; man muss erst durch das „Tor der Schönheit“ gehen, um den Verstand zu schärfen.
  1. Die Identität von Schönheit und Wahrheit

„Was wir als Schönheit hier empfunden, / Wird einst als Wahrheit uns entgegengehn.“

  • Bedeutung: Für den Klassiker Schiller sind das Schöne und das Wahre am Ende dasselbe. Die Kunst ist nur die „sinnliche“ Form der Wahrheit.
  1. Der Trost in der Sterblichkeit

„Und malt mit lieblichem Betruge / Elysium auf seine Kerkerwand.“

  • Bedeutung: Die Kunst hilft uns, das „Gefängnis“ der irdischen Endlichkeit und Sterblichkeit zu ertragen, indem sie uns eine Vision des Ideals (Elysium) zeigt.
  1. Der berühmte Appell (Die moralische Verantwortung)

„Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, / Bewahret sie! / Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!“

  • Bedeutung: Das ist das absolute Kernzitat. Die Künstler tragen die Verantwortung für den moralischen Zustand der gesamten Gesellschaft.

Nun das komplette Gedicht, das wir hier gefunden haben:
http://www.zeno.org/nid/20005595517

Friedrich Schiller

Die Künstler

  1. Wie schön, o Mensch, mit deinem Palmenzweige
  2. Stehst du an des Jahrhunderts Neige,
  3. In edler stolzer Männlichkeit,
  4. Mit aufgeschloßnem Sinn, mit Geistesfülle,
  5. Voll milden Ernsts, in tatenreicher Stille,
  6. Der reifste Sohn der Zeit,
  7. Frei durch Vernunft, stark durch Gesetze,
  8. Durch Sanftmut groß, und reich durch Schätze,
  9. Die lange Zeit dein Busen dir verschwieg,
  10. Herr der Natur, die deine Fesseln liebet,
  11. Die deine Kraft in tausend Kämpfen übet
  12. Und prangend unter dir aus der Verwildrung stieg!
  13. Berauscht von dem errungnen Sieg,
  14. Verlerne nicht, die Hand zu preisen,
  15. Die an des Lebens ödem Strand
  16. Den weinenden verlaßnen Waisen,
  17. Des wilden Zufalls Beute, fand,
  18. Die frühe schon der künftgen Geisterwürde
  19. Dein junges Herz im stillen zugekehrt,
  20. Und die befleckende Begierde
  21. Von deinem zarten Busen abgewehrt,
  22. Die Gütige, die deine Jugend
  23. In hohen Pflichten spielend unterwies,
  24. Und das Geheimnis der erhabnen Tugend
  25. In leichten Rätseln dich erraten ließ,
  26. Die, reifer nur ihn wieder zu empfangen,
  27. In fremde Arme ihren Liebling gab,
  28. falle nicht mit ausgeartetem Verlangen
  29. Zu ihren niedern Dienerinnen ab!
  30. Im Fleiß kann dich die Biene meistern,
  31. In der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein,
  32. Dein Wissen teilest du mit vorgezognen Geistern,
  33. Die Kunst,o Mensch, hast du allein.
  34. Nur durch das Morgentor des Schönen
  35. Drangst du in der Erkenntnis Land.
  36. An höhern Glanz sich zu gewöhnen,
  37. Übt sich am Reize der Verstand.
  38. Was bei dem Saitenklang der Musen
  39. Mit süßem Beben dich durchdrang,
  40. Erzog die Kraft in deinem Busen,
  41. Die sich dereinst zum Weltgeist schwang.
  42. Was erst, nachdem Jahrtausende verflossen,
  43. Die alternde Vernunft erfand,
  44. Lag im Symbol des Schönen und des Großen
  45. Voraus geoffenbart dem kindischen Verstand.
  46. Ihr holdes Bild hieß uns die Tugend lieben,
  47. Ein zarter Sinn hat vor dem Laster sich gesträubt,
  48. Eh noch ein Solon das Gesetz geschrieben,
  49. Das matte Blüten langsam treibt.
  50. Eh vor des Denkers Geist der kühne
  51. Begriff des ewgen Raumes stand,
  52. Wer sah hinauf zur Sternenbühne,
  53. Der ihn nicht ahndend schon empfand?
  54. Die, eine Glorie von Orionen
  55. Ums Angesicht, in hehrer Majestät,
  56. Nur angeschaut von reineren Dämonen,
  57. Verzehrend über Sternen geht,
  58. Geflohn auf ihrem Sonnenthrone,
  59. Die furchtbar herrliche Urania,
  60. Mit abgelegter Feuerkrone
  61. Steht sie – als Schönheitvor uns da.
  62. Der Anmut Gürtel umgewunden,
  63. Wird sie zum Kind, daß Kinder sie verstehn:
  64. Was wir als Schönheit hier empfunden,
  65. Wird einst als Wahrheituns entgegengehn.
  66. Als der Erschaffende von seinem Angesichte
  67. Den Menschen in die Sterblichkeit verwies
  68. Und eine späte Wiederkehr zum Lichte
  69. Auf schwerem Sinnenpfad ihn finden hieß,
  70. Als alle Himmlischen ihr Antlitz von ihm wandten,
  71. Schloß sie, die Menschliche, allein
  72. Mit dem verlassenen Verbannten
  73. Großmütig in die Sterblichkeit sich ein.
  74. Hier schwebt sie, mit gesenktem Fluge,
  75. Um ihren Liebling, nah am Sinnenland,
  76. Und malt mit lieblichem Betruge
  77. Elysium auf seine Kerkerwand.
  78. Als in den weichen Armen dieser Amme
  79. Die zarte Menschheit noch geruht,
  80. Da schürte heilge Mordsucht keine Flamme,
  81. Da rauchte kein unschuldig Blut.
  82. Das Herz, das sie an sanften Banden lenket,
  83. Verschmäht der Pflichten knechtisches Geleit;
  84. Ihr Lichtpfad, schöner nur geschlungen, senket
  85. Sich in die Sonnenbahn der Sittlichkeit.
  86. Die ihrem keuschen Dienste leben,
  87. Versucht kein niedrer Trieb, bleicht kein Geschick;[175]
  88. Wie unter heilige Gewalt gegeben
  89. Empfangen sie das reine Geisterleben,
  90. Der Freiheit süßes Recht, zurück.
  91. Glückselige, die sie – aus Millionen
  92. Die reinsten – ihrem Dienst geweiht,
  93. In deren Brust sie würdigte zu thronen,
  94. Durch deren Mund die Mächtige gebeut,
  95. Die sie auf ewig flammenden Altären
  96. Erkor, das heilge Feuer ihr zu nähren,
  97. Vor deren Aug allein sie hüllenlos erscheint,
  98. Die sie in sanftem Bund um sich vereint!
  99. Freut euch der ehrenvollen Stufe,
  100. Worauf die hohe Ordnung euch gestellt:
  101. In die erhabne Geisterwelt
  102. Wart ihr der Menschheit erste Stufe.
  103. Eh ihr das Gleichmaß in die Welt gebracht,
  104. Dem alle Wesen freudig dienen –
  105. Ein unermeßner Bau, im schwarzen Flor der Nacht
  106. Nächst um ihn her mit mattem Strahle nur beschienen,
  107. Ein streitendes Gestaltenheer,
  108. Die seinen Sinn in Sklavenbanden hielten
  109. Und ungesellig, rauh wie er,
  110. Mit tausend Kräften auf ihn zielten,
  111. – So stand die Schöpfung vor dem Wilden.
  112. Durch der Begierde blinde Fessel nur
  113. An die Erscheinungen gebunden,
  114. Entfloh ihm, ungenossen, unempfunden,
  115. Die schöne Seele der Natur.
  116. Und wie sie fliehend jetzt vorüber fuhr,
  117. Ergriffet ihr die nachbarlichen Schatten
  118. Mit zartem Sinn, mit stiller Hand,
  119. Und lerntet in harmonschem Band
  120. Gesellig sie zusammengatten.[176]
  121. Leichtschwebend fühlte sich der Blick
  122. Vom schlanken Wuchs der Zeder aufgezogen;
  123. Gefällig strahlte der Kristall der Wogen
  124. Die hüpfende Gestalt zurück.
  125. Wie konntet ihr des schönen Winks verfehlen,
  126. Womit euch die Natur hilfreich entgegen kam?
  127. Die Kunst, den Schatten ihr nachahmend abzustehlen,
  128. Wies euch das Bild, das auf der Woge schwamm.
  129. Von ihrem Wesen abgeschieden,
  130. Ihr eignes liebliches Phantom,
  131. Warf sie sich in den Silberstrom,
  132. Sich ihrem Räuber anzubieten.
  133. Die schöne Bildkraft ward in eurem Busen wach.
  134. Zu edel schon, nicht müßig zu empfangen,
  135. Schuft ihr im Sand – im Ton den holden Schatten nach,
  136. Im Umriß ward sein Dasein aufgefangen.
  137. Lebendig regte sich des Wirkens süße Lust –
  138. Die erste Schöpfung trat aus eurer Brust.
  139. Von der Betrachtung angehalten,
  140. Von eurem Späheraug umstrickt,
  141. Verrieten die vertraulichen Gestalten
  142. Den Talisman, wodurch sie euch entzückt.
  143. Die wunderwirkenden Gesetze,
  144. Des Reizes ausgeforschte Schätze
  145. Verknüpfte der erfindende Verstand
  146. In leichtem Bund in Werken eurer Hand.
  147. Der Obeliske stieg, die Pyramide,
  148. Die Herme stand, die Säule sprang empor,
  149. Des Waldes Melodie floß aus dem Haberrohr,
  150. Und Siegestaten lebten in dem Liede.
  151. Die Auswahl einer Blumenflur,
  152. Mit weiser Wahl in einen Strauß gebunden,
  153. So trat die erste Kunst aus der Natur;
  154. Jetzt wurden Sträußeschon in einen Kranz gewunden,[177]
  155. Und eine zweite höhre Kunst erstand
  156. Aus Schöpfungen der Menschenhand.
  157. Das Kind der Schönheit, sich allein genug,
  158. Vollendet schon aus eurer Hand gegangen,
  159. Verliert die Krone, die es trug,
  160. Sobald es Wirklichkeit empfangen.
  161. Die Säule muß, dem Gleichmaß untertan,
  162. An ihre Schwestern nachbarlich sich schließen,
  163. Der Held im Heldenheer zerfließen,
  164. Des Mäoniden Harfe stimmt voran.
  165. Bald drängten sich die staunenden Barbaren
  166. Zu diesen neuen Schöpfungen heran.
  167. Seht, riefen die erfreuten Scharen,
  168. Seht an, das hat der Mensch getan!
  169. In lustigen, geselligeren Paaren
  170. Riß sie des Sängers Leier nach,
  171. Der von Titanen sang und Riesenschlachten,
  172. Und Löwentötern, die, so lang der Sänger sprach,
  173. Aus seinen Hörern Helden machten.
  174. Zum erstenmal genießt der Geist,
  175. Erquickt von ruhigeren Freuden,
  176. Die aus der Ferne nur ihn weiden,
  177. Die seine Gier nicht in sein Wesen reißt,
  178. Die im Genusse nicht verscheiden.
  179. Jetzt wand sich von dem Sinnenschlafe
  180. Die freie schöne Seele los,
  181. Durch euch entfesselt, sprang der Sklave
  182. Der Sorge in der Freude Schoß.
  183. Jetzt fiel der Tierheit dumpfe Schranke,
  184. Und Menschheit trat auf die entwölkte Stirn,
  185. Und der erhabne Fremdling, der Gedanke
  186. Sprang aus dem staunenden Gehirn.
  187. Jetzt standder Mensch, und wies den Sternen
  188. Das königliche Angesicht,[178]
  189. Schon dankte in erhabnen Fernen
  190. Sein sprechend Aug dem Sonnenlicht.
  191. Das Lächeln blühte auf der Wange,
  192. Der Stimme seelenvolles Spiel
  193. Entfaltete sich zum Gesange,
  194. Im feuchten Auge schwamm Gefühl,
  195. Und Scherz mit Huld in anmutsvollem Bunde
  196. Entquollen dem beseelten Munde.
  197. Begraben in des Wurmes Triebe,
  198. Umschlungen von des Sinnes Lust,
  199. Erkanntet ihr in seiner Brust
  200. Den edlen Keim der Geisterliebe.
  201. Daß von des Sinnes niederm Triebe
  202. Der Liebe beßrer Keim sich schied,
  203. Dankt er dem ersten Hirtenlied.
  204. Geadelt zur Gedankenwürde,
  205. Floß die verschämtere Begierde
  206. Melodisch aus des Sängers Mund.
  207. Sanft glühten die betauten Wangen,
  208. Das überlebende Verlangen
  209. Verkündigte der Seelen Bund.
  210. Der Weisen Weisestes, der Milden Milde,
  211. Der Starken Kraft, der Edeln Grazie,
  212. Vermähltet ihr in einemBilde
  213. Und stelltet es in eine Glorie.
  214. Der Mensch erbebte vor dem Unbekannten,
  215. Er liebte seinen Widerschein;
  216. Und herrliche Heroen brannten,
  217. Dem großen Wesen gleich zu sein.
  218. Den ersten Klang vom Urbild alles Schönen,
  219. Ihrließet ihn in der Natur ertönen.
  220. Der Leidenschaften wilden Drang
  221. Des Glückes regellose Spiele,
  222. Der Pflichten und Instinkte Zwang[179]
  223. Stellt ihr mit prüfendem Gefühle,
  224. Mit strengem Richtscheit nach dem Ziele.
  225. Was die Natur auf ihrem großen Gange
  226. In weiten Fernen auseinander zieht,
  227. Wird auf dem Schauplatz, im Gesange
  228. Der Ordnung leicht gefaßtes Glied.
  229. Vom Eumenidenchor geschrecket,
  230. Zieht sich der Mord, auch nie entdecket,
  231. Das Los des Todes aus dem Lied.
  232. Lang, eh die Weisen ihren Ausspruch wagen,
  233. Löst eine Ilias des Schicksals Rätselfragen
  234. Der jugendlichen Vorwelt auf;
  235. Still wandelte von Thespis‘ Wagen
  236. Die Vorsicht in den Weltenlauf.
  237. Doch in den großen Weltenlauf
  238. Ward euer Ebenmaß zu früh getragen.
  239. Als des Geschickes dunkle Hand,
  240. Was sie vor eurem Auge schnürte,
  241. Vor eurem Aug nicht auseinanderband,
  242. Das Leben in die Tiefe schwand,
  243. Eh es den schönen Kreis vollführte –
  244. Da führtet ihr aus kühner Eigenmacht
  245. Den Bogen weiter durch der Zukunft Nacht;
  246. Da stürztet ihr euch ohne Beben
  247. In des Avernus schwarzen Ozean
  248. Und trafet das entflohne Leben
  249. Jenseits der Urne wieder an:
  250. Da zeigte sich mit umgestürztem Lichte,
  251. An Kastor angelehnt, ein blühend Polluxbild:
  252. Der Schatten in des Mondes Angesichte,
  253. Eh sich der schöne Silberkreis erfüllt.
  254. Doch höher stets, zu immer höhern Höhen
  255. Schwang sich der schaffende Genie.
  256. Schon sieht man Schöpfungen aus Schöpfungen erstehen,
  257. Aus Harmonien Harmonie.[180]
  258. Was hier allein das trunkne Aug entzückt,
  259. Dient unterwürfig dort der höhern Schöne;
  260. Der Reiz, der diese Nymphe schmückt,
  261. Schmilzt sanft in eine göttliche Athene:
  262. Die Kraft, die in des Ringers Muskel schwillt,
  263. Muß in des Gottes Schönheit lieblich schweigen;
  264. Das Staunen seiner Zeit, das stolze Jovisbild,
  265. Im Tempel zu Olympia sich neigen.
  266. Die Welt, verwandelt durch den Fleiß,
  267. Das Menschenherz, bewegt von neuen Trieben,
  268. Die sich in heißen Kämpfen üben,
  269. Erweitern euren Schöpfungskreis.
  270. Der fortgeschrittne Mensch trägt auf erhobnen Schwingen
  271. Dankbar die Kunst mit sich empor,
  272. Und neue Schönheitswelten springen
  273. Aus der bereicherten Natur hervor.
  274. Des Wissens Schranken gehen auf,
  275. Der Geist, in euren leichten Siegen
  276. Geübt, mit schnell gezeitigtem Vergnügen
  277. Ein künstlich All von Reizen zu durcheilen,
  278. Stellt der Natur entlegenere Säulen,
  279. Ereilet sie auf ihrem dunkeln Lauf.
  280. Jetzt wägt er sie mit menschlichen Gewichten,
  281. Mißt sie mit Maßen,die sie ihm geliehn;
  282. Verständlicher in seiner Schönheit Pflichten,
  283. Muß sie an seinem Aug vorüberziehn.
  284. In selbstgefällger jugendlicher Freude
  285. Leiht er den Sphären seine Harmonie,
  286. Und preiset er das Weltgebäude,
  287. So prangt es durch die Symmetrie.
  288. In allem, was ihn jetzt umlebet,
  289. Spricht ihn das holde Gleichmaß an.
  290. Der Schönheit goldner Gürtel webet
  291. Sich mild in seine Lebensbahn;[181]
  292. Die selige Vollendung schwebet
  293. In euren Werken siegend ihm voran.
  294. Wohin die laute Freude eilet,
  295. Wohin der stille Kummer flieht,
  296. Wo die Betrachtung denkend weilet,
  297. Wo er des Elends Tränen sieht,
  298. Wo tausend Schrecken auf ihn zielen,
  299. Folgt ihm ein Harmonienbach,
  300. Sieht er die Huldgöttinnen spielen
  301. Und ringt in still verfeinerten Gefühlen
  302. Der lieblichen Begleitung nach.
  303. Sanft, wie des Reizes Linien sich winden,
  304. Wie die Erscheinungen um ihn
  305. In weichem Umriß ineinander schwinden,
  306. Flieht seines Lebens leichter Hauch dahin.
  307. Sein Geist zerrinnt im Harmonienmeere,
  308. Das seine Sinne wollustreich umfließt,
  309. Und der hinschmelzende Gedanke schließt
  310. Sich still an die allgegenwärtige Cythere.
  311. Mit dem Geschick in hoher Einigkeit,
  312. Gelassen hingestützt auf Grazien und Musen,
  313. Empfängt er das Geschoß, das ihn bedräut,
  314. Mit freundlich dargebotnem Busen
  315. Vom sanften Bogen der Notwendigkeit.
  316. Vertraute Lieblinge der selgen Harmonie,
  317. Erfreuende Begleiter durch das Leben,
  318. Das Edelste, das Teuerste, was sie,
  319. Die Leben gab, zum Leben uns gegeben!
  320. Daß der entjochte Mensch jetzt seine Pflichten denkt,
  321. Die Fessel liebet, die ihn lenkt,
  322. Kein Zufall mehr mit ehrnem Zepter ihm gebeut,
  323. Dies dankt euch – eure Ewigkeit,
  324. Und ein erhabner Lohn in eurem Herzen.
  325. Daß um den Kelch, worin uns Freiheit rinnt,
  326. Der Freude Götter lustig scherzen,[182]
  327. Der holde Traum sich lieblich spinnt,
  328. Dafür seid liebevoll umfangen!
  329. Dem prangenden, dem heitern Geist,
  330. Der die Notwendigkeit mit Grazie umzogen,
  331. Der seinen Äther, seinen Sternenbogen
  332. Mit Anmut uns bedienen heißt,
  333. Der, wo er schreckt, noch durch Erhabenheit entzücket,
  334. Und zum Verheeren selbst sich schmücket,
  335. Demgroßen Künstler ahmt ihr nach.
  336. Wie auf dem spiegelhellen Bach
  337. Die bunten Ufer tanzend schweben,
  338. Das Abendrot, das Blütenfeld,
  339. So schimmert auf dem dürftgen Leben
  340. Der Dichtung muntre Schattenwelt.
  341. Ihr führet uns im Brautgewande
  342. Die fürchterliche Unbekannte,
  343. Die unerweichte Parze vor.
  344. Wie eure Urnen die Gebeine,
  345. Deckt ihr mit holdem Zauberscheine
  346. Der Sorgen schauervollen Chor.
  347. Jahrtausende hab ich durcheilet,
  348. Der Vorwelt unabsehlich Reich:
  349. Wie lacht die Menschheit, wo ihr weilet,
  350. Wie traurig liegt sie hinter euch!
  351. Die einst mit flüchtigem Gefieder
  352. Voll Kraft aus euren Schöpferhänden stieg,
  353. In eurem Arm fand sie sich wieder,
  354. Als durch der Zeiten stillen Sieg
  355. Des Lebens Blüte von der Wange,
  356. Die Stärke von den Gliedern wich
  357. Und traurig, mit entnervtem Gange,
  358. Der Greis an seinem Stabe schlich.
  359. Da reichtet ihr aus frischer Quelle
  360. Dem Lechzenden die Lebenswelle.[183]
  361. Zweimal verjüngte sich die Zeit,
  362. Zweimal von Samen, die ihr ausgestreut.
  363. Vertrieben von Barbarenheeren,
  364. Entrisset ihr den letzten Opferbrand
  365. Des Orients entheiligten Altären
  366. Und brachtet ihn dem Abendland.
  367. Da stieg der schöne Flüchtling aus dem Osten,
  368. Der junge Tag, im Westen neu empor,
  369. Und auf Hesperiens Gefilden sproßten
  370. Verjüngte Blüten Joniens hervor.
  371. Die schönere Natur warf in die Seelen
  372. Sanft spiegelnd einen schönen Widerschein,
  373. Und prangend zog in die geschmückten Seelen
  374. Des Lichtes große Göttin ein.
  375. Da sah man Millionen Ketten fallen,
  376. Und über Sklaven sprach jetzt Menschenrecht,
  377. Wie Brüder friedlich miteinander wallen,
  378. So mild erwuchs das jüngere Geschlecht.
  379. Mit innrer hoher Freudenfülle
  380. Genießt ihr das gegebne Glück
  381. Und tretet in der Demut Hülle
  382. Mit schweigendem Verdienst zurück.
  383. Wenn auf des Denkens freigegebnen Bahnen
  384. Der Forscher jetzt mit kühnem Glücke schweift
  385. Und, trunken von siegrufenden Päanen,
  386. Mit rascher Hand schon nach der Krone greift;
  387. Wenn er mit niederm Söldnerslohne
  388. Den edeln Führer zu entlassen glaubt,
  389. Und neben dem geträumten Throne
  390. Der Kunst den ersten Sklavenplatz erlaubt:
  391. Verzeiht ihm – der Vollendung Krone
  392. Schwebt glänzend über eurem Haupt.
  393. Mit euch, des Frühlings erster Pflanze,
  394. Begann die seelenbildende Natur,[184]
  395. Mit euch, dem freudgen Erntekranze,
  396. Schließt die vollendende Natur.
  397. Die von dem Ton, dem Stein bescheiden aufgestiegen,
  398. Die schöpferische Kunst, umschließt mit stillen Siegen
  399. Des Geistes unermeßnes Reich;
  400. Was in des Wissens Land Entdecker nur ersiegen,
  401. Entdecken sie, ersiegen sie für euch.
  402. Der Schätze, die der Denker aufgehäufet,
  403. Wird er in euren Armen erst sich freun,
  404. Wenn seine Wissenschaft, der Schönheit zugereifet,
  405. Zum Kunstwerk wird geadelt sein –
  406. Wenn er auf einen Hügel mit euch steiget,
  407. Und seinem Auge sich, in mildem Abendschein,
  408. Das malerische Tal – auf einmal zeiget.
  409. Je reicher ihr den schnellen Blick vergnüget,
  410. Je höhre, schönre Ordnungen der Geist
  411. In einemZauberbund durchflieget,
  412. In einemschwelgenden Genuß umkreist;
  413. Je weiter sich Gedanken und Gefühle
  414. Dem üppigeren Harmonienspiele,
  415. Dem reichern Strom der Schönheit aufgetan –
  416. Je schönre Glieder aus dem Weltenplan,
  417. Die jetzt verstümmelt seine Schöpfung schänden,
  418. Sieht er die hohen Formen dann vollenden,
  419. Je schönre Rätsel treten aus der Nacht,
  420. Je reicher wird die Welt, die erumschließet,
  421. Je breiter strömt das Meer, mit dem er fließet,
  422. Je schwächer wird des Schicksals blinde Macht,
  423. Je höher streben seine Triebe,
  424. Je kleiner wird er selbst, je größer seine Liebe.
  425. So führt ihn, in verborgnem Lauf,
  426. Durch immer reinre Formen, reinre Töne,
  427. Durch immer höhre Höhn und immer schönre Schöne
  428. Der Dichtung Blumenleiter still hinauf –[185]
  429. Zuletzt, am reifen Ziel der Zeiten,
  430. Noch eine glückliche Begeisterung,
  431. Des jüngsten Menschenalters Dichterschwung,
  432. Und – in der WahrheitArme wird er gleiten.
  433. Sie selbst, die sanfte Cypria,
  434. Umleuchtet von der Feuerkrone
  435. Steht dann vor ihrem mündgen Sohne
  436. Entschleiert – als Urania;
  437. So schneller nur von ihm erhaschet,
  438. Je schönerer von ihr geflohn!
  439. So süß, so selig überraschet
  440. Stand einst Ulyssens edler Sohn,
  441. Da seiner Jugend himmlischer Gefährte
  442. Zu Jovis Tochter sich verklärte.
  443. Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben,
  444. Bewahret sie!
  445. Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!
  446. Der Dichtung heilige Magie
  447. Dient einem weisen Weltenplane,
  448. Still lenke sie zum Ozeane
  449. Der großen Harmonie!
  450. Von ihrer Zeit verstoßen, flüchte
  451. Die ernste Wahrheit zum Gedichte
  452. Und finde Schutz in der Kamönen Chor.
  453. In ihres Glanzes höchster Fülle,
  454. Furchtbarer in des Reizes Hülle,
  455. Erstehe sie in dem Gesange
  456. Und räche sich mit Siegesklange
  457. An des Verfolgers feigem Ohr.
  458. Der freisten Mutter freie Söhne,
  459. Schwingt euch mit festem Angesicht
  460. Zum Strahlensitz der höchsten Schöne,
  461. Um andre Kronen buhlet nicht.[186]
  462. Die Schwester, die euch hier verschwunden,
  463. Holt ihr im Schoß der Mutter ein;
  464. Was schöne Seelen schön empfunden,
  465. Muß trefflich und vollkommen sein.
  466. Erhebet euch mit kühnem Flügel
  467. Hoch über euren Zeitenlauf;
  468. Fern dämmre schon in euerm Spiegel
  469. Das kommende Jahrhundert auf.
  470. Auf tausendfach verschlungnen Wegen
  471. Der reichen Mannigfaltigkeit
  472. Kommt dann umarmend euch entgegen
  473. Am Thron der hohen Einigkeit.
  474. Wie sich in sieben milden Strahlen
  475. Der weiße Schimmer lieblich bricht,
  476. Wie sieben Regenbogenstrahlen
  477. Zerrinnen in das weiße Licht:
  478. So spielt in tausendfacher Klarheit
  479. Bezaubernd um den trunknen Blick,
  480. So fließt in einenBund der Wahrheit,
  481. In einen Strom des Lichts zurück!

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