Schiller und die ersten beiden Strophen des Gedichtes „Die Künstler“ (Mat7424-1u2 )

Schillers Vorstellung von „Klassik“ in zwei ersten Strophen von „Die Künstler“

Gefunden haben wir sie hier:

https://www.friedrich-schiller-archiv.de/gedichte-schillers/highlights/die-kuenstler/

Wer sich das Gedicht im Vergleich zu zwei anderen Gedichten der Klassik kurz vorstellen lassen möchte – der versteht die Klassik anschließend viel besser:


Friedrich Schiller

Die Künstler

(Strophe 1 und 2)

Strophe 1:

  1. Wie schön, o Mensch, mit deinem Palmenzweige
  2. Stehst du an des Jahrhunderts Neige,
  3. In edler stolzer Männlichkeit,
  4. Mit aufgeschloßnem Sinn, mit Geistesfülle,
  5. Voll milden Ernsts, in tatenreicher Stille,
  6. Der reifste Sohn der Zeit,
  7. Frei durch Vernunft, stark durch Gesetze,
  8. Durch Sanftmut groß, und reich durch Schätze,
  9. Die lange Zeit dein Busen dir verschwieg,
  10. Herr der Natur, die deine Fesseln liebet,
  11. Die deine Kraft in tausend Kämpfen übet
  12. Und prangend unter dir aus der Verwildrung stieg!

Anmerkungen zu dieser Strophe:

  • Die erste Strophe von Friedrich Schillers Gedicht “Die Künstler” beschreibt die Errungenschaften und Ideale des Menschen, insbesondere am Ende eines bedeutenden Jahrhunderts.
  • Die Strophe stellt den Menschen in einer idealisierten Form dar, die die klassischen Werte von Humanität, Vernunft und Stärke ausdrückt.

Analyse der einzelnen Aspekte:

  • “Wie schön, o Mensch, mit deinem Palmenzweige”: Der Mensch wird wie ein Sieger dargestellt, der mit einem Palmenzweig (Symbol für Sieg und Frieden) am Ende des Jahrhunderts steht. Hier wird die Selbstbeherrschung und der Triumph des Menschen über seine Unvollkommenheiten symbolisiert.
  • “In edler stolzer Männlichkeit, Mit aufgeschloßnem Sinn, mit Geistesfülle”: Der Mensch wird als gereift beschrieben, mit offenem Geist und reichem Wissen. Die Eigenschaften von Männlichkeit (im Sinne von Stärke und Würde) und Geistesfülle stehen für die Vollkommenheit und Weisheit, die in der Klassik angestrebt werden.
  • “Voll milden Ernsts, in tatenreicher Stille”: Diese Zeilen heben die Fähigkeit hervor, ernst und ruhig zu handeln, ohne lautes Aufsehen. Die Vorstellung von “tatenreicher Stille” zeigt eine Haltung der inneren Reife, wo Taten aus Vernunft und Überlegung, nicht aus Impulsivität entstehen.
  • “Frei durch Vernunft, stark durch Gesetze”: Hier wird die Bedeutung der Vernunft als Quelle der Freiheit betont und die Rolle von Gesetzen, die dem Menschen Stärke und Struktur verleihen. Diese Zeilen verkörpern das klassizistische Ideal der Selbstbestimmung und der Regelhaftigkeit.
  • “Durch Sanftmut groß, und reich durch Schätze”: Der Mensch ist nicht nur groß durch körperliche oder militärische Macht, sondern durch seine Sanftmut und innere Reichtümer. Die Werte von Mäßigung und innerem Reichtum sind Kernideale der Klassik.
  • “Herr der Natur, die deine Fesseln liebet”: Der Mensch wird als Herrscher über die Natur beschrieben, wobei die Natur ihm gegenüber liebevoll und respektvoll ist, da er sie nicht tyrannisiert, sondern ihre Kräfte lenkt und kultiviert.
  • “Die deine Kraft in tausend Kämpfen übet Und prangend unter dir aus der Verwildrung stieg!”: Diese Zeilen verweisen darauf, dass der Mensch die Natur zu zähmen und kultivieren wusste. Aus dem Chaos (der Verwilderung) hat er durch seine Vernunft und Ordnung eine geordnete, ästhetisch ansprechende Welt geschaffen.

Zusammenfassung:

Die erste Strophe fasst das Idealbild des Menschen zur Zeit der Klassik zusammen: vernünftig, sanft, gesetzestreu und naturverbunden. Schiller stellt den Menschen als reifen “Sohn der Zeit” dar, der durch seine Tugenden und kulturellen Errungenschaften zu einer harmonischen Einheit mit der Natur und sich selbst gelangt ist.

Strophe zwei

  1. Berauscht von dem errungnen Sieg,
  2. Verlerne nicht, die Hand zu preisen,
  3. Die an des Lebens ödem Strand
  4. Den weinenden verlaßnen Waisen,
  5. Des wilden Zufalls Beute, fand,
    • Hier wird das ergänzt durch Dankbarkeit und Bescheidenheit.
  6. Die frühe schon der künftgen Geisterwürde
  7. Dein junges Herz im stillen zugekehrt,
  8. Und die befleckende Begierde
  9. Von deinem zarten Busen abgewehrt,
  10. Die Gütige, die deine Jugend
  11. In hohen Pflichten spielend unterwies,
  12. Und das Geheimnis der erhabnen Tugend
  13. In leichten Rätseln dich erraten ließ,
  14. Die, reifer nur ihn wieder zu empfangen,
  15. In fremde Arme ihren Liebling gab.
    • Hier wird genauer ausführt, was die Kunst Positives bewirkt hat.
  16. O falle nicht mit ausgeartetem Verlangen
  17. Zu ihren niedern Dienerinnen ab!
  18. Im Fleiß kann dich die Biene meistern,
  19. In der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sein,
  20. Dein Wissen teilest du mit vorgezognen Geistern,
  21. Die Kunst, o Mensch, hast du allein.
    • Das wird hier um grundsätzliche Mahnungen im Blick auf die Zukunft und die Verantwortung ergänzt.

Ü3: Weitere Infos, Tipps und Materialien