Anmerkungen zur Kurzgeschichte „Eifersucht“ von Tanja Zimmermann (Mat4276)

Erst „Tussi“, dann „ganz nett“: drei Fragen vorab

Handgezeichnetes Männchen kratzt sich gut gelaunt am Kopf, über ihm schweben Fragezeichen – hier warten Rätselfragen

Eine Party, ein Junge, zwei Mädchen – und eine Geschichte, die fast nur im Kopf spielt. Bevor es losgeht, drei Fragen zum Mitdenken:

1. Erst „Tussi“, dann „ganz nett“ – wie passt das zusammen?
Am Anfang lässt die Erzählerin kein gutes Haar an dem anderen Mädchen, am Ende findet sie es „ganz nett, eigentlich“. Ist das plötzliche Einsicht – oder ein geschickter Rückzieher?

2. Kopfkino – kennst du das?
Jemand antwortet nicht, lacht mit einer anderen Person, steht auf einem Foto neben der „Falschen“ – und im Kopf läuft schon der ganze Film. Wie viel von dem, was die Erzählerin auf der Party „sieht“, hat sie wirklich gesehen?

3. Warnung – oder Augenzwinkern?
Will die Verfasserin vermutlich vor Eifersucht warnen? Oder lädt die Geschichte eher dazu ein, ein bisschen über die Erzählerin – und über sich selbst – zu schmunzeln? Und macht das für die Aussage überhaupt einen Unterschied?

Die Antworten findest du weiter unten: Auflösung der Einstiegsfragen

Handgezeichnetes Männchen mit Sprungtuch als Wegweiser zum Inhaltsverzeichnis

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Inhaltsverzeichnis

  1. Worum es geht – und wo man die Geschichte findet
  2. Die Überschrift: Was für eine Eifersucht?
  3. Die Geschichte Schritt für Schritt
  4. Was die Geschichte zeigt – die Aussagen
  5. Die Frage hinter der Geschichte
  6. Wie die Geschichte gemacht ist
  7. Unser Urteil: Wie gut ist die Geschichte?
  8. Und heute? Eifersucht zwischen Story, Likes und „zuletzt online“
  9. Ideen zum Weiterarbeiten
  10. Auflösung der Einstiegsfragen
  11. Weitere Infos, Tipps und Materialien

Worum es geht – und wo man die Geschichte findet

  • Eine Party, ein Junge, zwei Mädchen – und eine Ich-Erzählerin, in deren Kopf wir die ganze Zeit stecken. Mehr braucht diese sehr kurze Geschichte nicht.
  • Spannend wird sie dadurch, dass man beim Lesen nach und nach merkt: Die eigentliche Geschichte spielt nicht auf der Party, sondern im Kopf der Erzählerin.
  • Die Geschichte stammt aus den 1980er Jahren und steht in mehreren Lesebüchern und Arbeitsheften, zum Beispiel im Arbeitsheft P.A.U.L. D. (2022).
  • Die Kurzgeschichte im Netz (unterrichtsmaterial.ch)
    https://www.unterrichtsmaterial.ch/arbeitsblatt/54904-deutsch-lesefoerderung-literatur-tanja-zimmermann-eifersucht
    Arbeitsblatt zur Leseförderung, auf dem die Geschichte zu finden ist.

Die Überschrift: Was für eine Eifersucht?

  • Die Überschrift ist kurz und knapp und nennt einfach das Gefühl, um das es in der Kurzgeschichte geht.
  • Man erwartet vielleicht eine Dreiecksgeschichte mit viel Drama. Bekommen tut man eine Geschichte, in der das Drama fast nur im Kopf stattfindet.
  • Es wird sich herausstellen, dass „Eifersucht“ nicht das ganze Thema ist. Es geht um eine Art blinde Eifersucht, die mit der Situation nicht übereinstimmt, sondern eher von eigenen Minderwertigkeitsgefühlen bestimmt ist.

Die Geschichte Schritt für Schritt

Wir gehen die Geschichte Abschnitt für Abschnitt durch. Zu jedem Schritt: Was passiert – und was merkt man als Leser jetzt mehr als vorher?

Schritt 1: „Diese Tussi!“ – Abwertung als Startschuss

Abschnitt 1 und 2: „Diese Tussi! […] wie ne Filmdiva.“

  • Die Geschichte beginnt ohne jede Vorbereitung mitten in den Gedanken einer Ich-Erzählerin. Wir wissen nicht, wo wir sind und wer da denkt – wir hören nur, wie heftig jemand über ein Mädchen herzieht.
  • Kritisiert wird zunächst nur Äußeres: die herauswachsende Dauerwelle, die „albernen“ Stiefelchen – und dann ganz pauschal: „keine Ahnung“.
    —
    Auffällig: Die Vorwürfe sind klein und kleinlich. Wer so genau nach Fehlern sucht, hat offenbar ein Interesse daran, welche zu finden.
  • Im zweiten Absatz kommt der eigentliche Anlass zum Vorschein: „Immer, wenn sie ihn sieht“ – es gibt einen Jungen, um den sich alles dreht. Das Mädchen will ihm gefallen und wirft die Haare zurück „wie ne Filmdiva“.
  • Wir gehen im Folgenden davon aus, dass die Ich-Erzählerin, deren Gedanken wir lesen, ein konkurrierendes Mädchen ist. Natürlich sind auch andere Konstellationen denkbar. Aber für die Entstehungszeit der Geschichte ist die Konstellation
    —
    Mädchen denkt über ein anderes Mädchen nach, das hinter einem Jungen her ist,
    —
    die wahrscheinlichste.
  • Die Sprache zeigt den Erregungszustand direkt: kurze, abgehackte Sätze und Umgangssprache („Tussi“, „ne“, „Von nix und wieder nix“). So redet man nicht, wenn man in Ruhe nachdenkt, sondern wenn man sich aufregt.
  • Was macht der Text mit uns? Wir stehen zunächst auf der Seite der Erzählerin – wir haben ja keine andere Sicht. Zugleich ahnt man schon: Da ist jemand nicht ganz fair.

Schritt 2: „Besser als ich. Zugegeben.“ – Die Abwertung bekommt Risse

Abschnitt 3: „Das sieht doch ein Blinder […] nach fünf Minuten auf die Nerven.“

  • „Das sieht doch ein Blinder“ – die Erzählerin beruft sich auf etwas, das angeblich jeder sehen muss. Die Übertreibung zeigt vor allem: Sie braucht Bestätigung für ihr Urteil.
  • Dann der überraschende Umschwung: „Ja, o.k., sie kann ganz gut tanzen. Besser als ich. Zugegeben.“ Dazu kommen noch eine gute Stimme und schöne Augen.
    —
    Diese Zugeständnisse kommen Stück für Stück, wie widerwillig abgerungen. Gerade das knappe „Zugegeben.“ zeigt, wie schwer ihr das fällt.
  • Damit wird deutlich: Das Problem ist nicht, dass das andere Mädchen nichts kann – sondern dass es etwas kann, und zwar besser als die Erzählerin selbst. Hinter der Abwertung stecken Konkurrenz und Neid.
  • Am Ende rettet sie sich wieder ins Allgemeine: „dieses ständige Getue“ – ein Vorwurf, den man weder beweisen noch widerlegen kann.

Schritt 3: „Damit die ihren Triumph hat.“ – Zuspitzung und Zwickmühle

Abschnitt 4: „Und der redet mit der […] Damit die ihren Triumph hat.“

  • Jetzt rückt der Junge ins Bild: Er redet „stundenlang“ mit dem anderen Mädchen (wieder eine Übertreibung) und legt schließlich „auch noch den Arm um die“.
  • „Extra nicht hingucken“ – ein Befehl an sich selbst, der verrät, dass sie die ganze Zeit hinguckt.
  • Höhepunkt der Anspannung: „Ich will hier weg!“ Doch gleich danach die Zwickmühle: Wenn sie geht, könnte das als Eingeständnis ihres Problems verstanden werden – ein „Triumph“ für die Konkurrentin, den sie ihr nicht gönnt.
  • Interessant: Selbst beim Fluchtwunsch denkt sie vor allem daran, wie es auf die anderen wirkt. Es geht ums Gesicht-Wahren – und genau das kommt am Schluss wieder.

Schritt 4: Der Blick in den Spiegel

Abschnitt 5: „Auf dem Klo […] ich könnte kotzen.“

  • Sie ist doch gegangen – aber nur aufs Klo, also an einen Ort, an dem ein Rückzug nicht auffällt.
  • Im Spiegel findet sie „meine Augen widerlich“ – ausgerechnet die Augen, die sie bei der Konkurrentin gerade noch „schön“ nennen musste.
    —
    Hier kippt die Wut: Sie richtet sich nicht mehr gegen die Rivalin, sondern gegen sich selbst.
  • „ich könnte kotzen“ ist ein derbes Wort, aber es zeigt, wie stark der Ekel vor sich selbst ist. Jetzt wird klar: Die ganze Abwertung des anderen Mädchens war wohl auch ein Schutz gegen das Gefühl, selbst nicht zu genügen.
  • Das ist der eigentliche Wendepunkt im Inneren der Geschichte – noch bevor die äußere Wende kommt.

Schritt 5: Die Ohnmachts-Fantasie

Abschnitt 6: „Genau, ich müsste jetzt in Ohnmacht fallen, […] sich stundenlang mit der zu unterhalten.“

  • Die Erzählerin spielt in Gedanken durch, einfach in Ohnmacht zu fallen. Dann, so stellt sie sich vor, würde der Junge darunter leiden, dass er sich so lange mit der anderen unterhalten hat.
  • Eine typische Mischung aus Mitleids- und Rachefantasie: Man malt sich aus, wie der andere endlich merkt, was er angerichtet hat.
  • Das „Genau“ am Anfang wirkt fast komisch – als hätte sie gerade die geniale Lösung gefunden. Spätestens hier darf man als Leser ein bisschen schmunzeln.

Schritt 6: „Sollen wir gehen?“ – die überraschende Wende

Abschnitt 7: „Als ich aus dem Klo komme […] was denn mit Kirsten ist.“

  • Der Junge wartet vor der Tür und fragt: „Sollen wir gehen?“ – Er will mit ihr weg, nicht mit der anderen.
  • Das „wir“ lässt aufhorchen: Vielleicht sind die beiden ja zusammen auf die Party gekommen. Dann wäre die ganze Eifersucht noch unbegründeter, als sie ohnehin schon wirkt.
    —
    Die Geschichte lässt das offen – eine schöne Leerstelle zum Diskutieren.
  • Die Erzählerin reagiert „betont gleichgültig mit einem Wenn-du-Willst“ – und verrät uns im selben Atemzug: „kann gar nicht sagen, wie froh ich bin“.
    —
    Innen große Erleichterung, außen gespielte Lässigkeit: Das bereitet die Pointe schon vor.
  • An der Tür kann sie es trotzdem nicht lassen und fragt nach dem anderen Mädchen. Erst jetzt erfahren wir seinen Namen: Kirsten.

Schritt 7: „Och, ich find die ganz nett, eigentlich“ – die Pointe

Abschnitt 8: „O Gott, eine Nervtante, nee, vielen Dank!“ – „Och, ich find die ganz nett, eigentlich“, murmel ich.

  • Die Antwort des Jungen ist eindeutig: Kirsten ist für ihn eine „Nervtante“. Ausgerechnet das Mädchen, das die Erzählerin als übermächtige Rivalin gesehen hat, lehnt er ab.
  • Bezeichnend ist die Schlussbemerkung der Ich-Erzählerin: Sie mag nicht zugeben, dass sie mit Kirsten auch ein – wenn auch ganz anderes – Problem hatte. Deshalb tut sie jetzt so, als ob sie sie ganz nett finde.
  • Zwei kleine Wörter verraten viel:
    —
    „murmel ich“: Sie sagt es leise, also nicht mit voller Überzeugung.
    —
    „eigentlich“: Das klingt nach Großzügigkeit, ist aber eher eine Hintertür. Als Siegerin kann man es sich leisten, nett zu sein.

Was die Geschichte zeigt – die Aussagen

Die Geschichte macht deutlich, wie sehr sich jemand im Gefühl der Eifersucht …

  1. … in etwas versteigen kann.
    Aus ein paar Beobachtungen – Haare zurückwerfen, reden, Arm um die Schulter – wird im Kopf eine ganze Geschichte von Rivalität und Niederlage.
    —
    Gestützt wird das durch den inneren Monolog (wir sind im Kopf der Erzählerin gefangen und bekommen keine Gegenansicht) und durch die Übertreibungen („stundenlang“, „Das sieht doch ein Blinder“). Sie zeigen, wie sich die Wahrnehmung aufbläht.
  2. … sich dabei selbst ganz schlecht fühlt.
    Am Ende richtet sich die Eifersucht gegen einen selbst: Wer sich ständig vergleicht, verliert.
    —
    Gestützt wird das durch die widerwilligen Zugeständnisse („Besser als ich. Zugegeben.“) und den Spiegel-Moment („finde meine Augen widerlich“). Der Ortswechsel aufs Klo macht aus dem Blick nach außen einen Blick nach innen.
  3. … und am Ende versucht, aus der Nummer rauszukommen, indem man eine Größe zeigt, die man vorher gar nicht hatte.
    —
    Gestützt wird das durch den scharfen Kontrast zwischen Anfang („Diese Tussi!“) und Ende („ganz nett, eigentlich“), durch das leise „murmel ich“ und die gespielte Gleichgültigkeit („Wenn-du-Willst“).
  4. Ergänzend: Die Bedrohung war vor allem eine im Kopf.
    Was die Erzählerin als Flirt deutet, ist für den Jungen nur eine lästige Unterhaltung. Eifersucht sagt oft mehr über den Eifersüchtigen als über die Situation.
    —
    Gestützt wird das durch die Pointe („Nervtante“): Erst die Außensicht des Jungen ganz am Schluss rückt das Bild zurecht.

Die Frage hinter der Geschichte

  • Man kann die Aussagen einer Geschichte wie Antworten lesen – und dann zurückfragen: Auf welche Frage antwortet sie eigentlich?
  • Ein Vorschlag:
    —
    Woher kommt Eifersucht – aus dem, was der andere tut, oder aus dem, was ich von mir selbst halte?
    —
    Die Geschichte antwortet ziemlich deutlich: eher aus dem Zweiten.
  • Daneben steckt noch eine zweite, ganz praktische Frage darin:
    —
    Wie kommt man aus einer peinlichen Lage heraus, ohne das Gesicht zu verlieren?
    —
    Die Antwort der Erzählerin ist nicht unbedingt vorbildlich – aber sehr menschlich.

Wie die Geschichte gemacht ist

  • Erzählform
    Eine Ich-Erzählerin denkt in der Gegenwart vor sich hin: ein innerer Monolog. Es gibt keinen Erzähler, der einordnet oder bewertet.
    —
    Kleiner Tipp für die Klausur: Manchmal liest man hier „erlebte Rede“. Die steht aber in der dritten Person und meist im Präteritum („Sie wollte hier weg!“). Hier heißt es „Ich will hier weg!“ – also innerer Monolog.
  • Aufbau
    Einstieg mitten in den Gedanken, Steigerung bis zum Arm um die Schulter, Rückzug und innerer Tiefpunkt vor dem Spiegel, überraschende Wende an der Tür, Pointe in einem einzigen Satz. Typisch Kurzgeschichte – und dabei kaum eine Seite lang.
  • Figuren
    Drei Figuren, aber nur eine hat ein Innenleben. Das andere Mädchen sehen wir nur durch die Brille der Erzählerin, den Jungen nur von außen – er bekommt nicht einmal einen Namen.
    —
    Auffällig: Die Rivalin heißt die ganze Zeit nur „Tussi“, „sie“ oder „die“. Ihren Namen Kirsten erfahren wir erst, als sie keine Gefahr mehr ist. Erst dann wird sie für die Erzählerin wieder ein Mensch.
  • Räume
    Die Party ist der Ort des Beobachtens und Vergleichens, das Klo mit dem Spiegel der Ort der Selbstbegegnung, die Tür der Ort der Wende.
  • Sprache
    Jugend- und Umgangssprache, unvollständige Sätze und Ausrufe machen den Text lebendig und glaubwürdig. Einzelheiten wie Dauerwelle und Stiefelchen verraten die 1980er Jahre – das Gefühl dahinter ist zeitlos.
  • Das strategische Mittel: Pointe statt Predigt
    Die Geschichte erhebt keinen Zeigefinger. Sie endet mit einer Pointe, über die man schmunzelt.
    —
    Für einen Text, der in Lesebüchern Jugendliche erreichen soll, ist das klug: Wer sich wiedererkennt, fühlt sich nicht ertappt, sondern verstanden – und redet deshalb eher darüber.

Unser Urteil: Wie gut ist die Geschichte?

  • Sachurteil
    Die Geschichte zeigt mit sehr wenigen Sätzen genau und glaubwürdig, wie Eifersucht im Kopf funktioniert. Aufbau und Pointe sitzen.
  • Werturteil
    Sie verurteilt die Erzählerin nicht, sondern macht ein Verhalten verständlich, das viele von sich selbst kennen. Das kann helfen, mit eigener Eifersucht gelassener umzugehen.
    —
    Ein Einwand: Kirsten bleibt die ganze Zeit Objekt. Auch am Ende wird sie abgewertet, diesmal vom Jungen („Nervtante“). Man kann fragen, ob die Geschichte da nicht ein bisschen auf Kosten einer Dritten lacht.
  • Geschmacksurteil
    Manche finden die Sprache zu flapsig, andere gerade deshalb echt. Und: Man liest die Geschichte in zwei Minuten – und kann trotzdem lange darüber reden.

Und heute? Eifersucht zwischen Story, Likes und „zuletzt online“

  • Die Dauerwelle ist aus der Mode, die Party ist geblieben. Dazugekommen ist das Handy: Wer hat wessen Story angeschaut, wer hat was geliked, wer war „zuletzt online“? Das Kopfkino hat heute viel mehr Futter als 1984.
  • Vergleichen ist durch soziale Medien fast ständig möglich. Die Geschichte zeigt, wohin das führen kann: zu einem Blick in den Spiegel, der nur noch Fehler sieht.
  • Abschlussfrage für die Lerngruppe:
    —
    Was hätte der Erzählerin auf der Party geholfen?
    —
    Und was hätte sie am Ende stattdessen sagen können – ehrlich, aber ohne sich zu blamieren?

Ideen zum Weiterarbeiten

  • Perspektivwechsel
    Die Szene aus der Sicht des Jungen oder aus der Sicht von Kirsten erzählen. Was hat Kirsten wohl gedacht, als die Erzählerin plötzlich verschwand?
  • Weiterschreiben
    Ein Tagebucheintrag der Erzählerin am Abend nach der Party: Gibt sie wenigstens sich selbst gegenüber zu, dass sie sich getäuscht hat?
  • Andere Antwort an der Tür
    Einen ehrlicheren Schlusssatz für die Erzählerin finden – einen, mit dem sie trotzdem nicht ihr Gesicht verliert.
  • Szenisch spielen
    Den Text als kurze Szene spielen: Eine Person spielt die Erzählerin, eine zweite spricht laut aus, was sie dabei denkt.

Auflösung der Einstiegsfragen

  1. Erst „Tussi“, dann „ganz nett“ – wie passt das zusammen?
    Es ist weniger Einsicht als Erleichterung: Sobald klar ist, dass Kirsten keine Gefahr ist, kann sich die Erzählerin Großzügigkeit „leisten“ (Schritt 7).
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    Zugleich ist es ein Rückzieher: Sie will nicht zugeben, wie eifersüchtig sie war, und tut so, als hätte es das Problem nie gegeben. Das leise „murmel ich“ und das „eigentlich“ zeigen, dass sie selbst nicht ganz dahintersteht.
    —
    Kleiner Tipp: Wenn jemand sein Urteil über eine Person plötzlich umdreht, lohnt sich die Frage: Hat sich die Person geändert – oder nur die eigene Lage?
  2. Kopfkino – kennst du das?
    Wirklich gesehen hat die Erzählerin wenig: Haare zurückwerfen, reden, den Arm um die Schulter (Schritt 1 bis 3). Alles andere – „Show“, „Getue“, „Triumph“ – ist ihre Deutung.
    —
    Weil wir nur ihren inneren Monolog hören, laufen wir als Leser zunächst mit ins Kopfkino hinein. Erst der Satz des Jungen am Schluss zeigt eine ganz andere Sicht.
    —
    Praktischer Tipp aus dem Text heraus: In so einer Lage kurz trennen – Was habe ich wirklich gesehen? Was denke ich mir dazu? Meist ist die zweite Liste viel länger als die erste.
  3. Warnung – oder Augenzwinkern?
    Sicher erkennbar ist nur die Aussage: Eifersucht verzerrt die Wahrnehmung und tut am Ende einem selbst am meisten weh.
    —
    Über die Absicht der Verfasserin können wir nur Vermutungen anstellen. Vieles spricht für ein Augenzwinkern: keine Moral, eine fast komische Ohnmachts-Fantasie („Genau, …“) und eine Pointe zum Schluss (Schritt 5 und 7).
    —
    Für die Aussage macht das kaum einen Unterschied, für die Wirkung schon: Wer schmunzelt, erkennt sich leichter wieder als jemand, der ermahnt wird. Hier sieht man schön, dass die Aussage eines Textes und die vermutete Absicht dahinter zwei verschiedene Dinge sind.

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