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- Die Epoche der Aufklärung (ca. 1720–1800) markiert den Übergang von der Frühen Neuzeit zur Moderne und grenzt sich durch ein völlig neues Menschen- und Weltbild vom vorangegangenen Barock (ca. 1600–1720) ab. Während der Barock durch Kriegserfahrungen, religiöse Dogmatik und das Bewusstsein der Vergänglichkeit geprägt war, rückte die Aufklärung die menschliche Vernunft und die Emanzipation in das Zentrum.
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- Hier sind die entscheidenden Merkmale, in denen sich die Aufklärung vom Barock unterscheidet:
1. Weltbild: Optimismus statt Vanitas-Gedanke
- Barock: Die Weltsicht war von einem tiefen Naturpessimismus und dem Fokus auf die eigene Sündhaftigkeit und Vergänglichkeit (Vanitas) geprägt.
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- Aufklärung: Die Welt wurde nun als eine von Gott geschaffene, vollkommene Maschine betrachtet. Durch Naturbeobachtung (Empirismus) und logisches Denken (Rationalismus) wollte man die göttliche Ordnung beweisen. Dieser Optimismus sah das Diesseits nicht mehr nur als Durchgangsstadium zum Jenseits, sondern als Ort der Freude und Erkenntnis.
2. Die Instanz des Handelns: Vernunft statt Autorität
- Barock:
Wissen wurde weitgehend unkritisch von religiösen und staatlichen Autoritäten übernommen.
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- Aufklärung:
Die Ratio (Vernunft) wurde zur obersten Instanz. Nach Kant sollte der Mensch den Mut haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, um sich aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ und der Bevormundung durch Adel und Kirche zu befreien
3. Gesellschaft: Bürgertum statt Absolutismus
- Barock: Die Gesellschaft war streng hierarchisch in Ständen geordnet, wobei der Adel den absolutistischen Herrschaftsanspruch stellte. Dichter arbeiteten meist als Hofdichter im Auftrag eines adligen Mäzens.
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- Aufklärung: Das Bürgertum erstarkte durch Bildung und Wohlstand und forderte Menschenrechte sowie die Gleichheit aller Menschen. Schriftsteller emanzipierten sich und arbeiteten zunehmend als freie Autoren für ein breiteres Publikum.
4. Literatur und Stil: Klarheit statt „Schwulst“
- Barock: Die Sprache war oft „schwülstig“, hochgradig ornamental und nutzte komplexe Formen wie das Sonett oder den Alexandriner.
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- Aufklärung: Man forderte eine Abkehr vom Ornamentalen hin zu einem klaren, sachlichen und nützlichen Stil. Literatur sollte eine didaktische Funktion erfüllen, also den Leser moralisch bilden und erziehen. In der Lyrik verdrängten kürzere, „tänzelnde“ Verse (z. B. in der Anakreontik) die schweren barocken Formen.
5. Religion: Toleranz statt Dogmatismus
- Barock: Die Zeit war durch die Reformation und heftige Glaubenskonflikte zwischen Katholiken und Protestanten geprägt.
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- Aufklärung: Es setzte eine zunehmende Säkularisierung ein. Ein zentrales Thema war die religiöse Toleranz, insbesondere zwischen den Weltreligionen, wie sie Lessing in seinem Drama Nathan der Weise thematisierte.
Zusammenfassung
- Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aufklärung das „Licht der Erkenntnis“ in die „Dunkelheit“ des Mittelalters und des konfessionell gebundenen Barocks bringen wollte
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