Gedichte der Aufklärung – Überblick und Beispiele (Mat1958-lyr-sb-erk-allged)

Lyrik der Aufklärung – übersichtlich mit System

Mit Schaubild und Erklärung – Sa1149 mit IV

Weil unsere Seiten manchmal sehr umfangreich sind, hier zunächst eine Übersicht mit der Möglichkeit rechts direkt zu einer bestimmten Stelle zu springen.

Inhaltsübersicht mit Links zum direkten Sprung 🙂

✏️ Für Schülis

Du brauchst ein Gedicht aus der Zeit der Aufklärung – am besten eins, das sich gut verstehen lässt und bei dem du auch weißt, was du dazu schreiben kannst?
Hier findest du eine Auswahl mit Erklärungen, Themenvorschlägen und Aufgabenideen.
Ideal für Hausaufgaben, Interpretationen oder Vorbereitung auf eine Klassenarbeit.



⚙️ Für Lehrkräfte

  • Diese Sammlung bietet einen schnellen Zugriff auf Gedichte der Aufklärung – mit hilfreichen Links, Aufgabenideen und Kontexthinweisen.
  • Ideal zur gezielten Vorbereitung einer Unterrichtseinheit, für die gezielte Suche nach geeignetem Material oder den Einsatz in Klausuren.
  • Didaktische Überlegungen zur Verbindung mit epochentypischen Themen wie Vernunft, Fortschritt oder Religionskritik sind enthalten.

Wir helfen beim Suchen 🙂

  • Unser Motto:
  • Nicht ewig suchen – sondern sich zeigen lassen
  • Wir sind leidenschaftliche Sammler
    und immer mit der richtigen „Laterne“ unterwegs.
  • Hier nun unsere schönsten Funde – natürlich mit Erklärung – damit man weiß, woran man ist.

Die Literatur der Aufklärung ist wie die Philosophie der Zeit eine, in der die Vernunft des Menschen eine große Rolle spielt. Man glaubt an eine „Erziehung des Menschengeschlechts“. Ein berühmtes Beispiel ist Lessings Drama „Nathan der Weise“ mit der berühmten Ringparabel.

Weil Epochen im Deutschunterricht gerne an Hand von Gedichten vorgestellt werden, stellen wir hier einige Beispiele zusammen.

Nun zu unserer Liste – alphabetisch nach Autoren

Dichter Nr. 1: Barthold Heinrich Brockes

  • Der „Natur-Entdecker“ mit dem Mikroskop:
    Brockes war kein weltfremder Träumer, sondern ein Hamburger Ratsherr, der die Natur als gigantisches Kunstwerk Gottes feierte. In seinem Hauptwerk „Irdisches Vergnügen in Gott“ betrachtete er Grashalme, Tautropfen und Käferbeine so präzise, als hätte er ein Mikroskop in der Feder – er brachte den Deutschen das genaue Hinschauen bei.
  • Vom Barock-Schwulst zur Aufklärungs-Klarheit:
    Er bildete die perfekte Brücke. Während das Barock oft düster und kompliziert war, setzte Brockes auf eine helle, sinnliche Sprache. Er wollte, dass der Leser die Welt nicht nur versteht, sondern durch die Sinne (Sehen, Hören, Riechen) die Vernunft und Ordnung dahinter begreift.
  • Der multimediale Bestseller-Autor:
    Sein Werk war im 18. Jahrhundert ein echter „Blockbuster“. Er wurde so populär, dass sogar Weltstars wie Georg Friedrich Händel seine Texte vertonten (die berühmten Neun Deutschen Arien). Brockes lesen hieß damals, absolut am Puls der Zeit zu sein.
  • Physikotheologie als Abenteuer:
    Brockes machte die Wissenschaft populär. Er verband Religion mit der modernen Naturforschung seiner Zeit. Für ihn war jede naturwissenschaftliche Erkenntnis ein Beweis für die Genialität des Schöpfers – eine sehr optimistische Form der Aufklärung, die Neugier und Glauben versöhnte.
  • Sprachschöpfer für die „Schule fürs Leben“:
    Er kämpfte leidenschaftlich für die deutsche Sprache und erfand neue, bildhafte Begriffe, um die Nuancen der Natur auszudrücken. Er zeigte, dass man auf Deutsch genauso präzise und schön über die Welt philosophieren kann wie auf Latein oder Französisch.
Barthold Heinrich Brockes: Gedicht „Einleitung“
  • Anspielung auf das berühmte Höhlengleichnis. Da versucht jemand sich und andere „aufzuklären“, nämlich zu einer neuen Erkenntnis zu bringen.
  • Hier geht es raus aus dauernder Dämmerung in das helle Licht der Sonne.
  • Es folgt eine Beschreibung der ganzen Wunder irdischer Wirklichkeit.
  • Am Ende dann die selbstkritische Frage, warum wir Menschen daraus manchmal eine Hölle machen.
  • Man merkt, den Aufklärern geht es um die „Erziehung des Menschengeschlechts“.
  • Näheres dazu auf dieser Seite:
    https://schnell-durchblicken.de/barthold-heinrich-brockes-einleitung
Barthold Heinrich Brockes, Die Heide
  • Typisch für die Aufklärung ist das Hinausgehen in die Natur und die genaue Betrachtung.
  • Bezeichnend ist aber auch, dass am Ende ein Bezug zu Gott hergestellt wird, womit sich eine Verbindung zur Barocklyrik ergibt.
  • Näheres dazu siehe hier: https://schnell-durchblicken.de/brockes-die-heide
Barthold Heinrich Brockes, „Kirschblüte bei Nacht“ (1727)

Dichter Nr. 2: Gellert

Wer wissen will, was an diesem Autor interessant ist, der findet hier entsprechende Infos.

Und hier nun Gedichte von Gellert

  • Dies Bild hier links bezieht sich auf das „Kutschpferd“, auf das wir etwas weiter unten eingegangen sind.
  • Wir haben das Bild hier schon mal eingefügt, um ein bisschen Lust auf diesen Dichter zu machen.
  • Der hat hier nämlich eine Situation gestaltet, die auch heute noch eine große Bedeutung hat.

Der Dichter Hagedorn und seine Gedichte

Wer wissen will, was an diesem Autor interessant ist, der findet hier entsprechende Infos.

  • Friedrich von Hagedorn, „Die Küsse“
  • Wir haben mal den Untertitel hinzugesetzt:
    „kreativ sein für die Gerechtigkeit“
  • Und das Gedicht hat es wirklich in sich:
    • Es geht nämlich um Macht und Anziehung in einer Beziehung –, wobei der zunächst spielerische „Handel“ mit Küssen und Schafen heute kritisch hinterfragt werden kann.
    • Es bietet die perfekte Steilvorlage, um selbst kreativ zu werden und eine „Rache-Strophe“ zu verfassen, in der die Frau die Kontrolle zurückgewinnt und den unvorsichtigen Mann für seine Arroganz büßen lässt.
    • Es geht nämlich um Werte wie Gleichberechtigung und Selbstbehauptung.
    • Ganz nebenbei zeigt dieses Gedicht der sogenannten Anakreontik, dass Literatur des 18. Jahrhunderts überraschend frech, erotisch und diskussionswürdig sein kann.
  • Näher eingegangen sind wir auf das Gedicht hier:
    https://textaussage.de/friedrich-von-hagedorn-die-kuesse-kreativ-fuer-gerechtigkeit
Hagedorn, „An die Freude“
  • Das Gedicht liefert ein leidenschaftliches Plädoyer für ein glückliches Leben.
  • Es beschreibt die Freude nicht als flüchtiges Gefühl, sondern als eine Art mentale Superkraft und „Göttin edler Herzen“, die uns hilft, den Alltag zu meistern.
  • Das Gedicht macht deutlich, dass wahre Lebensqualität nicht von „toten Schätzen“ oder materiellem Reichtum abhängt, sondern davon, ob man die Freude als innere „Kraft der Seelen“ gewinnt.
  • Das Gedicht ist ein Paradebeispiel für die Aufklärung, da es zeigt, wie die Freude sogar die Vernunft erheitern kann. Es ist ein Aufruf zu Ehrlichkeit und Mut sowie eine Absage an alle „finstern Splitterrichter“ (Hater) und Heuchler dieser Welt.
  • Und man kann von diesem Gedicht aus auch sehr gut überlegen, in welchen Gelegenheiten man selbst vor Freude fast ein Gedicht schreiben könnte – oder vielleicht eine Nachricht an jemanden, der darauf wartet.
  • Näher eingegangen sind wir auf das Gedicht hier:
    https://textaussage.de/friedrich-von-hagedorn-an-die-freude

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Und hier nun Gedichte von Karsch- und unten weitere Autoren

  1. Gellert, „Das Kutschpferd“

  2. Anna Louisa Karsch, An den Domherrn … – Liebe und Poesie zwischen Aufklärung und Sturm und Drang

    https://schnell-durchblicken.de/anna-louisa-karsch-an-den-domherrn-liebe-und-poesie-in-der-aufklaerung
    • Die Dichterin wehrt sich hiergegen die Behauptung eines Domherrn wehrt, ihr poetisches Talent stamme allein aus ihren Erfahrungen mit der Liebe. Sie stellt dieser männlichen Zuschreibung ihre eigene, schmerzhafte Biografie gegenüber.
    • Karsch entlarvt das Klischee, dass Frauen nur über Liebe dichten können, und fordert Anerkennung für ihre künstlerische Fantasie und Kraft ein.
    • Statt romantischer Gefühle beschreibt sie die Härte einer Zwangsehe und nutzt schockierende Metaphern wie den „wilden Krieg“, um sexuelle Übergriffe und Leid zu thematisieren.
    • Das Werk ist ein faszinierendes Zeugnis zwischen Aufklärung (rationales Argumentieren) und Sturm und Drang (starke Emotionalität und Ich-Stärke).
    • Als eine der ersten anerkannten Autodidaktinnen (menschen, die sich selbst etwas beibringen mussten) ihrer Zeit bietet sie eine seltene und kraftvolle weibliche Perspektive des 18. Jahrhunderts.
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  3. Lessing, Gotthold Ephraim, „Das Muster der Ehen“
    Lessing präsentiert hier das Gegenteil von dem, was die Überschrift behauptet. So problemlos funktioniert die Ehe nur, weil: „Der Mann war taub, die Frau war blind“. Wir präsentieren das Gedicht mit interessanten Anregungen für Diskussionen und Recherchen. https://schnell-durchblicken.de/lessing-gotthold-ephraim-das-muster-der-ehen
  4. Ergänzung: Lessings Prosa-Fabel „Die Wasserschlange“ modernisiert und in Gedichtform gebracht:
    Der Weg vom alten Äsop über Lessing bis in unsere Gegenwart wird auf dieser Seite vorgestellt: https://schnell-durchblicken.de/lessing-die-wasserschlange-eine-fortsetzung-einer-fabel-des-griechen-aesop
  5. Lessing, „Der Tanzbär“
    Am Beispiel eines aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Tanzbären wird gezeigt, dass dessen scheinbarer Fortschrittsgewinn ein Verrat an der Natur ist und letztlich zu verurteilen ist. Zugleich kann man an dem Gedicht zeigen, was eine Fabel im Sinne der Aufklärung leisten kann. https://schnell-durchblicken.de/lessing-der-tanzbaer-vorstellung-einer-fabel-aus-der-zeit-der-aufklaerung

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  6. Magnus Gottfried Lichtwer, Der Hänfling
    Eine Fabel der Aufklärung, die vor extremen Lösungen warnen will. Man kann gut darüber diskutieren, inwieweit es sich am Ende um einen praktikablen Vorschlag handelt. https://schnell-durchblicken.de/fabel-lichtwer-haenfling

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  7. Karl Wilhelm Ramler, „An den Frieden“
    Sehr rational aufgebaut, aber durchaus auch Einsatz von Gefühlen. Sehr diskussionswürdig finden wir den Nebenbei-Hinweis, dass „nicht-europäisch-zivilisierte“ Völker möglicherweise friedfertiger sind und ruhig unter einer Palme leben können. Dazu lässt sich sicher viel sagen – und vor allem ein bisschen recherchieren. https://schnell-durchblicken.de/karl-wilhelm-ramler-an-den-frieden

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Übergänge zu anderen Epochen

Was ist aus der Aufklärung geworden?

Wer sich für die Frage interessiert, was aus der Aufklärung bis heute geworden ist, sollte hier nachschauen:
https://schnell-durchblicken.de/aufklaerung-wie-aktuell-sind-ihre-ideen

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Die verschiedenen Themen/Aspekte der Aufklärung

Zur Anordnung der Gedichte

Hier haben wir noch zusätzliche Gedichte passend hinzugefügt.

  • Oben rechts:
    • zwei Gedichte noch mit Religionsbezug – wie im Barock. Dazu das Gedicht von Karsch, das sich mit der Beziehung der eigenen Lebenserfahrung zu den Gedichten befasst – und am Ende auf Gott verweist. (Anna Louisa Karsch, An den Domherrn … – Liebe und Poesie zwischen Aufklärung und Sturm und Drang)
  • Zweite Zeile:
    • Dann links die Basis – Mensch tritt aus der Höhle = Metapher für Aufklärung
    • In der Mitte dann der Hinweis auf die Vermeintlichkeit des Fortschritts – Notwendigkeit der Beachtung der Natur
    • Ganz rechts dann die Bedeutung der Literatur als Erziehungs-Instrument
    • Hier kann man auch von Gellert „Das Kutschpferd“ hinzunehmen. Es zeigt die Kritik der Aufklärung – aber an dem Problem hat sich bis heute wohl kaum etwas geändert.
  • 3. Zeile von oben = konkrete „erzieherische“ Impulse in Gedicht-Form:
    • gegen Geiz
    • gegen Lüge
    • gegen Überschätzung des Reichtums
    • gegen falsche Freundschaft
    • gegen Stolz
    • Auch hier kann man Gellerts „Das Kutschpferd“ hinzunehmen, weil der zweite Teil des Gedichtes ja den Fabelrahmen sprengt und direkt in die Erziehung einsteigt.
  • Letzte Zeile unten:
    • Problem des Verhältnisses von Sicherheit und Freiheit. Hier könnte man noch das Antikriegsgedicht von Ramler berücksichtigen.
    • Problem der Realität im Vergleich zu den Hoffnungen. Auch hier könnte man Gellerts Kutschpferd hinzunehmen, was gesellschaftliche Probleme angeht. Und natürlich auch das Gedicht von Krüsand zu den „Er-Folgen“ der Aufklärung. Und auch das Gedicht von Karsch, „An den Domherrn“, denn dort beschreibt sie ihre Probleme als Frau im 18. Jhdt.
    • Problem der Beziehungsrealität
    • Hier könnte man auch Brockes, „Die Heide“ noch berücksichtigen, denn dort wird angedeutet, dass die Natur-Realität nicht alles ist, es auch ein Bedürfnis nach Transzendenz gibt, vielleicht auch so etwas wie „Gottesfurcht“ (Dürrenmatt, Physiker) oder wie die „Ehrfurcht vor dem Leben“ (Albert Schweitzer) wichtig ist, um menschliche Vernunft-Hybris zu verhindern.
    • Ganz rechts könnte man ein Gedicht einfügen aus heutiger Sicht auf die Aufklärung (kreative Übung)
  • Hinweisen wollen wir hier auf zwei Gedichte zum Thema Krieg, die das Phänomen sehr unterschiedlich einschätzen:
  • Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Parallel-Strömung „Empfindsamkeit“: Näheres dazu – vor allem im Hinblick auf Unterschiede zum „Sturm und Drang“ finden sich hier: https://textaussage.de/unterschied-zwischen-gedichten-der-empfindsamkeit-und-des-sturm-und-drang
  • Hinzugefügt haben wir inzwischen ein Gedicht von Lars Krüsand, das sich mit den „Er-Folgen“ der Aufklärung aus heutiger Sicht beschäftigt: https://schnell-durchblicken.de/lars-kruesand-trauriger-rueckblick-gedicht-zu-den-er-folgen-der-aufklaerung

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Wer sich dafür interessiert, kann es sich hier in einer Audio-Datei „auf die Ohren“ legen.

Tipps für Klausuren

  • Als wir diese Gedichte zusammengestellt haben, sind uns zwei Gedanken gekommen, die für Klausuren wichtig sein könnten.
  • Zum Einen sollte man sich immer im Klaren darüber sein, dass Epochen keinen festen Beginn haben und kein festes Ende. Das wird zwar überall so beschrieben, aber in der Praxis gibt es natürlich Übergänge, und da ist es gut, wenn man die Entwicklungen kennt.
  • Vom Barock zur Aufklärung Vom Barock zur Aufklärung: Epochenwandel durch Vernunft   
    https://textaussage.de/vom-barock-zur-aufklaerung-epochenwandel-durch-vernunft
  • Und am anderen Ende gibt es natürlich auch Übergänge zwischen der Aufklärung und zum Beispiel dem Sturm und Drang.
    Ein Beispiel ist etwa ein Gedicht von Lessing, in dem er schon so etwas präsentiert, wie ein Genie, das sich selbst die Regeln gibt und sogar in seinen Fehlern schön ist.
    Das war sogar mal eine große Herausforderung in einer mündlichen Abiturprüfung. Glücklicherweise war der Prüfling bei einer Lehrkraft, die so etwas vorher schon im Unterricht besprochen hatte.
    https://schnell-durchblicken.de/muendliche-abiturpruefung-thema-lessing-zwischen-aufklaerung-und-sturm-und-drang-lessing-marpurg
  • Und der zweite Tipp ist der, dass man die Aufklärung nicht reduzieren darf auf die Herrschaft der Vernunft und die Idee der Erziehung der Menschen. Es gibt in jeder Epoche auch verschiedene Strömungen, und die werden auf dieser Seite gut vorgestellt.

    Die Vielfalt der Aufklärung – Lyrik zwischen Vernunft und Gefühl mit Lebenslust
    https://textaussage.de/die-vielfalt-der-aufklaerung-lyrik-zwischen-vernunft-und-gefuehl-mit-lebenslust


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Infos zu den Dichtern mit „mag-ich-Potenzial“

Hier stellen wir Dichter etwas genauer vor, mit dem Ziel, das Spannende an ihnen zu entdecken.

Infos zum Dichter Gellert

  • Der „Superstar“ der Herzens-Aufklärung:
    Gellert war im 18. Jahrhundert populärer als Goethe oder Schiller. Seine Vorlesungen in Leipzig waren so überfüllt, dass man kaum einen Platz bekam. Er war nicht der kühle Verstandesmensch, sondern der „Lehrer der Nation“, der Moral und Gefühl auf eine Weise verband, die jeden erreichte.
  • Vom Katheder direkt ins Leben:
    Er war der Meister der Fabel und des Lehrgedichts. Statt trockener Theorie nutzte er sprechende Tiere und Alltagsszenen, um den Menschen den Spiegel vorzuhalten – immer mit dem Ziel, sie zu besseren, vernünftigeren Wesen zu machen.
  • Der sensible Melancholiker:
    Trotz seines Erfolges war Gellert ein tief bescheidener und oft kränkelnder Mann. Diese Verletzlichkeit machte ihn für seine Leser so greifbar. Er war einer der ersten, die die „Empfindsamkeit“ in die Aufklärung brachten: Vernunft ja, aber mit Herz!
  • Ein Networking-Genie wider Willen:
    Jeder wollte mit ihm korrespondieren – vom einfachen Bauern bis zum preußischen König Friedrich dem Großen (der ihn den „vernünftigsten aller deutschen Gelehrten“ nannte). Er war das moralische Gewissen seiner Zeit.
  • MIA-Potenzial für heute:
    Seine Fabeln sind wie „Life-Hacks“ des 18. Jahrhunderts. Sie trainieren die Urteilskraft und zeigen, wie man durch Perspektivwechsel Konflikte löst. Gellert lesen heißt, Empathie und kritisches Denken gleichzeitig zu üben.

Infos zum Dichter Hagedorn

  • Der Meister der Leichtigkeit: Hagedorn brachte den Deutschen bei, dass Vernunft nicht trocken sein muss. Er ist der Begründer der anakreontischen Dichtung – Poesie, die Wein, Liebe und Geselligkeit feiert, aber immer mit dem Ziel der moralischen Verfeinerung.
  • Der diplomatische Dichter: Als Sekretär des britischen Gesandten in Hamburg war er ein echter Kosmopolit. Er vernetzte die deutsche Literatur mit der englischen (besonders Alexander Pope) und sorgte für einen modernen, internationalen Wind in der deutschen Lyrik.
  • Vorgänger der Großen: Lange bevor Schiller seine berühmte „Ode an die Freude“ schrieb, setzte Hagedorn mit seinem Gedicht „An die Freude“ bereits den Standard. Er war der Wegbereiter für die lebensbejahende Seite der Aufklärung.
  • Der „Life-Hacker“ des 18. Jahrhunderts: Seine Texte sind frühe Ratgeber für ein glückliches Leben. Er plädiert für die „goldene Mittelstraße“: Genuss ja, aber mit Verstand und ohne Exzess – ein sehr moderner Ansatz für mentale Gesundheit.
  • Sprachlicher Feinschliff: Hagedorn war ein Perfektionist der Form. Er bewies, dass die deutsche Sprache fließen und tanzen kann, weg von der barocken Schwere hin zu einer eleganten, fast spielerischen Klarheit.

Weitere Infos, Tipps und Materialien