Zwei Segel

  • Der Titel nennt zunächst nur einfach zwei wichtige Bestandteile eines Segelschiffes.
  • Das Gedicht zeigt dann, dass sein Geheimnis in der Zahl „Zwei“ und dem Verhältnis der beiden Segel zueinander liegt.

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

  • Die erste Strophe zeigt in kurzer Form den ersten Teil dessen, worum es geht.
  • Nämlich die zwei Segel als pars pro toto (Teil für das Ganze) in einer Bucht in starker, aber ruhiger Bewegung.
  • Übrigens: Kreuzreim
  • und Walzertakt (daktylisch)
    „Zwei Segel erhellend / Die tiefblaue Bucht! /Zwei Segel sich schwellend /Zu ruhiger Flucht!“
    xXxxXx / xXxxX / xXxxXx / xXxxX

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

  • Dann ein erster Hinweis auf das, was die beiden Segel (und die damit verbundenen Schiffe) verbindet:
  • nämlich das Miteinander der Bewegung bei entsprechendem Wind.
  • Dabei ist die Personifizierung wichtig, denn diesen Segeln wird sogar ein „Empfinden“ zugesprochen – samt anschließender Erregung.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
Verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.

  • Die dritte Strophe verstärkt noch den Eindruck, dass man es hier mit richtigen Wesen zu tun hat,
  • die letztlich wohl für zwei sich liebende Menschen stehen.
  • Das jeweils andere Schiff passt sich über sein  Segel dem „Gesell“ an.

Insgesamt ein Gedicht,

  • das am Beispiel von zwei Segelschiffen, die den gleichen Kurs haben, zeigt, wie gemeinsames Vorankommen, aber auch Pausieren und Neu-Starten aussehen kann.
  • Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich man als Leser darauf kommt, dass das ein Bild für zwei Liebende ist,
  • auch wenn im Gedicht selbst davon keine Rede iste.

Erweiterung:

  • Das Gedicht kann man sehr gut vergleichen mit Brechts „Die Liebenden“
    https://textaussage.de/bertolt-brecht-die-liebenden-oder-terzinen-ueber-die-liebe
  • Dort ist zwar ausdrücklich die Rede von Liebenden, aber am Ende wird ihre Gemeinsamkeit als kurzzeitiger Schein entlarvt –
  • was glücklicherweise nicht für alle Beziehungen gilt – wie nicht nur Meyers Gedicht andeutet.
  • Man könnte hier wirklich recherchieren, wann es unter welchen Bedingungen und Umständen eine dauerhafte Partnerschaft gegeben hat.
  • Hier lohnt es sich z.B., sich mit Leben und Werk von Mascha Kaléko zu beschäftigen – denn da spielte ihr zweiter Ehemann über viele Jahrzehnte eine ganz entscheidende inspirierende und stabilisierende Rolle in der Partnerschaft zweier Künstler.

 

 Wer noch mehr möchte …