Bürger, „Der Bauer an seinen Durchlauchtigsten Tyrannen“ – einfach erklärt (Mat4789-sv)

  • Hier zunächst eine kurze Übersicht.
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  • Das Besondere bei uns: wir versuchen, bei den Texten immer deutlich zu machen:
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    • wie man sie schnell versteht
    • Und was man mit ihnen anfangen kann.

Alles auf einen Blick

  • Spannend: Was passiert, wenn ein einfacher Bauer seinem Fürsten einmal ins Gesicht sagt, was er von ihm hält?
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  • Die Idee des Gedichts: Ein Bauer klagt seinen Fürsten an, der selbst nichts leistet, ihm aber großen Schaden zufügt – und spricht ihm am Ende jedes Recht zur Herrschaft ab.
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  • Strophe 1: Der Fürst lässt den Bauern ohne Scheu von Wagen und Pferd überrollen – schon die Frage „Wer bist du, Fürst?“ stellt ihn infrage.
  • Strophe 2: Auch die Jagdhunde des Fürsten dürfen jederzeit auf den Bauern gehetzt werden.
  • Strophe 3: Die Jagd verwüstet die Felder und treibt den Bauern vor sich her – atemlos wie ein gehetztes Wild.
  • Strophe 4: Jetzt geht es ums Ganze: Das Brot, das die Jagd zertritt und der Fürst verzehrt, gehört eigentlich dem Bauern.
  • Strophe 5: Der Fürst hat nie auf dem Feld geschwitzt – Fleiß und Brot gehören dem, der arbeitet.
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  • „Du nicht von Gott, Tyrann!“ Mit diesem Schlusssatz spricht der Bauer dem Fürsten ab, im Auftrag Gottes zu herrschen.
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  • Was zeigt das Gedicht: Eine Herrschaft, die nur nimmt und nichts gibt, verliert ihre Berechtigung – eine Kritik, die weit in die Zukunft weist.
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  • Diskussionsfrage: Warum argumentiert der Bauer ausgerechnet mit Gott – und nicht einfach damit, dass alle Menschen gleich sind?

Nun zu den Details:

Vorgestellt wird ein berühmtes Gedicht aus dem Jahre 1773, in dem ein Bauer die Ansprüche seines Fürsten zurückweist, der selbst nichts leistet, aber ihm großen Schaden zufügt. Letztlich wird eine solche Obrigkeit sogar infrage gestellt, was eine Verbindungslinie direkt zur amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und zur Französischen Revolution hat.

Wir stellen im Folgenden die einzelnen Strophen vor und zeigen auf, wie hier Kritik geübt wird, die weit in die Zukunft weist.

Anmerkungen zur Überschrift

Der Bauer
An seinen durchlauchtigen Tyrannen

Was hier auffällt, ist, dass sich ein Vertreter eines unteren Standes an seinen Souverän wendet, also an den, der die Macht im Staate hat. Er behält mit dem Attribut „durchlauchtig“ die damals übliche Amtsbezeichnung bei – die darauffolgende Anklage stellt sie aber fundamental infrage.

Anmerkungen zu Strophe 1

Wer bist du, Fürst, dass ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Ross?

In der ersten Strophe wird gleich das Verhalten des Fürsten in einem ersten Schritt kritisch infrage gestellt. Es geht darum, dass ein Bauer einfach überrollt und zertreten wird – und genau das wird radikal infrage gestellt.

Anmerkungen zu Strophe 2

Wer bist du, Fürst, dass in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut
Darf Klau' und Rachen haun?

Es folgt ein zweiter Tatbestand, nämlich, dass jederzeit auch der Hund auf den Bauern gehetzt werden kann.

Anmerkungen zu Strophe 3

Wer bist du, dass, durch Saat und Forst,
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? –
  • In der dritten Strophe geht es um das Unheil, das mit den ständigen Jagden verbunden war, die die Felder der Bauern zerstörten.
  • Interessant ist hier, dass der nicht direkt gefährdete Bauer sich genauso fühlt wie das bedrohte Wild. Ein schöner Neologismus, also eine Wortneuschöpfung: Die Jagd „entatmet“ das Wild und den Bauern in ähnlicher Weise, macht sie atemlos, ja nimmt ihnen das Leben.

Anmerkungen zu Strophe 4

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Ross, und Hund, und du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.
  • Die vierte Strophe geht jetzt über von den reinen Übergriffen zum Kernproblem, dass bei der Jagd Brot vernichtet wird.
  • Brot spielt besonders in der Religion eine Rolle – damit wird deutlich, dass der Fürst auch gegen göttliches Recht verstößt.

Anmerkungen zu Strophe 5

Du Fürst hast nicht, bei Egg' und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! –
  • In der fünften Strophe wird der Blick auf die Arbeit gelenkt, auf den Schweiß, der mit der Herstellung von Brot verbunden war und ist.
  • Man wird an das erinnert, was Gott in der Bibel dem aus dem Paradies vertriebenen Adam hinterherruft: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ (1. Mose 3,19)

Anmerkungen zu Strophe 6

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!
  • In der sechsten und letzten Strophe hat der Bauer nur noch ein zorniges Lachen für seinen „Herrn“ übrig. Er spricht ihm die Legitimation, also die Berechtigung zur Herrschaft ab, weil er das Gegenteil von dem tut, was Gott tut.
  • Damit wird das damalige Gottesgnadentum, die Berufung der Fürsten auf Gott, radikal infrage gestellt und eigentlich eine Revolution vorbereitet.

Was zeigt das Gedicht? (Aussagen, Intentionalität)

  • Das Gedicht zeigt, wie rücksichtslos die Fürsten im 18. Jahrhundert mit den Lebensinteressen der Bauern umgehen konnten.
  • Es macht deutlich, dass die Bauern mit ihrer Arbeit die Obrigkeit ernähren, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen.
  • Am Ende steht die Frage, ob eine solche Herrschaft überhaupt noch eine Berechtigung hat.

Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung hat übrigens den gleichen Ansatz: In ihr werden alle Untaten des englischen Königs aufgeführt, um sich am Ende von ihm lossagen zu können.

Wer genauer wissen möchte, wie revolutionär das Gedicht wirklich ist, warum Bürger den Titel nachträglich verschärft hat und was Schiller an Bürgers Gedichten auszusetzen hatte, findet das auf unserer Insider-Tipps-Seite zu „Der Bauer“.

Weitere Infos, Tipps und Materialien