Das Gedicht „Es ist wahr“ von Elisabeth Borchers ist vor allem interessant wegen des Spiels mit Motiven der Romantik.

Zunächst ein Schaubild, weiter unten dann die Erklärung.

 

Titel

  • Das Gedicht stammt aus dem Jahre 1976 und will anscheinend eine Tatsache bestätigen. Das macht zumindest der Titel deutlich: „Es ist wahr“

Strophe 1

  • Es folgt dann allerdings in der ersten Strophe eine etwas banale Feststellung, die jeder nachvollziehen kann, wenn der Sommer vorbei ist und die Nächte kälter werden.
  • Dass der Mond auch wieder runder wird, sich also offensichtlich Richtung Vollmond entwickelt, ist auch nichts Besonderes. Vor allem hat es nichts mit dem Übergang vom Sommer zum Herbst zu tun, sondern dieses Phänomen gibt es Jahr im Monatsrhythmus.

Strophe 2

  • In der zweiten Strophe wird dann schon mehr geboten, auch hier wird wieder etwas als Tatsache festgestellt. Allerdings ist es diesmal nicht so etwas Selbstverständliches, sondern man muss schon durch einen Wald laufen und eine besondere Perspektive herstellen, um tatsächlich zu sehen, wie die Fixsterne des Himmels, bedingt durch die eigene Fortbewegung, perspektivisch schscheinbar von Zweig zu Zweig springen.
  • Dann verlässt das Gedicht aber völlig den Bereich der wahrnehmbaren Realität, wenn es sich die Sterne beim Springen als „neugierig“ vorstellt.
  • Anschließend wird der Fantasie volle Umgang mit der Umgebung noch weiter verstärkt, bis in den Scherzbereich hinein. Denn das lyrische Ich stellt sich vor, dass diese Sterne auf der Suche nach Heine sind. Dabei handelt es sich um einen berühmten Dichter aus dem 19. Jahrhundert, der ursprünglich auch sehr romantische Gedichte geschrieben hat. Dann hat er aber sich mehr in Richtung Politik und Kritik der sozialen und kulturellen Verhältnisse entwickelt (Epoche des Vormärz).

Das Phänomen der Intertextualität

  • Wenn in einem literarischen Text ein solcher Verweis auf einen anderen Autor und sein Werk auftaucht, spricht man von Intertextualität. Das Wort haben sich die Wissenschaftler ausgedacht:
    Wörtlich heißt es einfach, dass es Beziehungen und Übergänge gibt zwischen Texten zum Beispiel aus verschiedenen Epochen.
  • Die nächste Wahrheitsfeststellung ist dann noch fremdartiger, denn man weiß nicht so richtig, was damit gemeint ist, dass der Himmel sich überschneidet. Gemeint ist damit mit dem Begriff gemeinhin der Übergang von etwas zu etwas anderem. So können sich zum Beispiel zwei Linien überschneiden und das ist vielleicht eine Vorstellung, die man auf diese Situation auf einer Wanderung im Wald haben kann.
  • Diese Hypothese muss aber wohl etwas infragegestellt werden, wenn man sich die zehnte Zeile anschaut. Dann hat man eher den Eindruck, dass man „sich überschneiden“ auch ersetzen könnte durch „die Kontrolle verloren haben“, „ganz außer sich sein vor …“.
  • Hintergrund sind zwei sehr intensive Gefühle, nämlich einmal Liebe und dann Vergänglichkeit also das Bewusstsein, dass nichts so bleibt, wie es ist. Das ist natürlich besonders schmerzlich bei schönen Dingen. Und das passt dann natürlich sehr gut zur Liebe, der man ja vor allem Ewigkeit oder zumindest Haltbarkeit, „bis dass der Tod uns scheidet“, wünscht.

Strophe 4

  • Die vierte Strophe bezieht sich dann auf die eigene Fortbewegung des lyrischen Ichs. Die wird verbunden damit, dass alles andere im Umfeld auch mitgeht. Das kann man sicherlich auch auf Vergänglichkeit beziehen. Offensichtlich sind das Gefühle, die vor allem in der Nacht aufkommen, am Tag hat man anscheinend mehr das Gefühl, dass die Bänke dann „still stehen“ und sich nicht bewegen.

Strophe 5

  • Es folgt eine Art Fazit, die noch einmal die Fortbewegung hervorhebt. Anschließend wird dann behauptet, dass dabei die Geographie verändert wird. Gemeint ist damit wohl das Umfeld.

Aussage des Gedichtes

  • Insgesamt zeigt das Gedicht eine Intensivierung von Wahrnehmungen und Vorstellungen, die wohl mit der nächtlichen Situation zu tun haben. Und die Nacht ist ja ein besonderer Ort der Romantik und auf die wird ja zumindest mit dem Namen Heine eindeutig angespielt.
  • Im zweiten Teil des Gedichtes geht es nicht mehr so sehr um konkrete Wahrnehmungen als vielmehr um ihre Interpretation in Richtung Veränderung und vielleicht sogar Vergänglichkeit.

Wer noch mehr möchte …