Das Gedicht „Beschreibung vollkommener Schönheit“ von Christian Hofmann von Hofmannswaldau ist u.a. hier zu finden:
http://www.zeno.org/nid/20005085128
Wir stellen es hier strophenweise vor, und zwar mit einer Übersetzung in heutiges Deutsch.
Anmerkungen zur Überschrift

- Die Überschrift macht deutlich, das hier vollkommene Schönheit beschrieben werden soll.
- Wenn man sich in der Barock-Lyrik etwas auskennt, ist man gespannt, in welche Richtung das geht.
- Spannend ist dabei die Gewichtung von irdischer und überirdischer Schönheit.
Anmerkungen zu Strophe 1

- Das lyrische Ich beginnt mit einer detailreichen Aufzählung körperlicher Merkmale, die es in höchstem Maße idealisiert.
- Es vergleicht die Haare mit dem Sternbild der Berenike und den Mund mit Rosen und Perlen. Dabei nutzt es wertvolle Materialien wie Rubin und Alabaster, um die Brüste zu beschreiben.
- Trotz dieser Bewunderung führt das Ich bereits ein bedrohliches Element ein: Die Zunge der Person wird als Trägerin eines „Gifts“ für tausend Herzen bezeichnet, was die gefährliche Macht dieser Schönheit andeutet.
Anmerkungen zu Strophe 2

- In der zweiten Strophe setzt das lyrische Ich die Lobpreisung fort und betont die Überlegenheit dieser Schönheit gegenüber der Natur.
- Der Hals der Geliebten übertrifft die Weiße von Schnee und Schwänen, und ihre Wangen verkörpern die Pracht des Frühlings (Flora).
- Das Ich nimmt die Wirkung dieser Schönheit als aggressiv und bezwingend wahr: Ihr Blick schlägt wie ein Blitz ein und ihre Arme besitzen eine Kraft, die sogar Löwen bändigen könnte.
Anmerkungen zu Strophe 3

- In der dritten Strophe verschiebt sich der Fokus von der rein äußerlichen Beschreibung hin zu den schmerzhaften Auswirkungen auf das lyrische Ich.
- Das Ich identifiziert das Herz der Person als die Quelle seines eigenen „Verderbens“ und Unglücks.
- Es fühlt sich durch ihre Worte, die zwar „himmlisch“ klingen, „verdammt“ und durch die harte Art ihrer Hände in einen unfreien Bann gezogen.
- Die Bewunderung schlägt hier deutlich in ein Empfinden von Qual um.
Anmerkungen zu Strophe 4

- In den abschließenden Versen reflektiert das lyrische Ich über seinen Zustand der vollkommenen Abhängigkeit.
- Es beschreibt, wie ein „süßes Gift“ seine Seele einhüllt. Obwohl es die Schönheit als ein im „Paradies“ gemachtes Juwel anerkennt, ist das Fazit des Ichs destruktiv:
- Die Begegnung mit dieser vollkommenen Schönheit hat dazu geführt, dass es sowohl seinen Verstand („Witz“) als auch seine persönliche Freiheit vollständig verloren hat.
Aussagen des Gedichtes – die verwendeten Mittel
- Das Gedicht zeigt, dass die körperliche Erscheinung der Frau durch extreme Übersteigerungen und Vergleiche mit kostbaren Materialien (Rubin, Alabaster, Perlen) als eine Form der absoluten, fast übermenschlichen Vollkommenheit dargestellt wird.
- Metaphern aus der Welt der Edelsteine und Flora: Um die Unnahbarkeit und den Wert der Schönheit zu betonen, nutzt das lyrische Ich Begriffe wie „rosen“ für die Lippen, „perlen“ für die Zähne (Z. 2) sowie „rubin“ und „alabaster“ für die Brüste (Z. 4).
— - Mythologische Allusionen (Anspielungen): Der Vergleich der Haare mit „Berenice“ (Z. 1) und der Wangen mit der „Pracht der Flora“ (Z. 6) rückt die Frau in eine göttliche oder legendäre Sphäre.
- Hyperbel (Übersteigerung): Die weiße Haut des Halses wird so extrem idealisiert, dass sie „schwanen-schnee weit weit zurücke sticht“ (Z. 5).
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- Metaphern aus der Welt der Edelsteine und Flora: Um die Unnahbarkeit und den Wert der Schönheit zu betonen, nutzt das lyrische Ich Begriffe wie „rosen“ für die Lippen, „perlen“ für die Zähne (Z. 2) sowie „rubin“ und „alabaster“ für die Brüste (Z. 4).
- Das Gedicht macht deutlich, dass diese Schönheit eine aggressive und bezwingende Macht ausübt, die Männer wie ein Blitzschlag trifft und sogar die Kraft besitzt, Löwen zu bändigen.
- Metapher der Naturgewalt: Der Blick der Frau wird als etwas beschrieben, das „blitze führt“ (Z. 7), was die plötzliche und einschlagende Wirkung auf Männer verdeutlicht.
— - Hyperbel: Die Stärke ihrer Arme wird so massiv übersteigert, dass ihnen die Kraft zugeschrieben wird, „leuen“ (Löwen) hinzurichten (Z. 8).
— - Personifikation: Das Haar wird als „kühnlich“ (mutig/frech) beschrieben, als besäße es einen eigenen, herausfordernden Willen (Z. 1).
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- Metapher der Naturgewalt: Der Blick der Frau wird als etwas beschrieben, das „blitze führt“ (Z. 7), was die plötzliche und einschlagende Wirkung auf Männer verdeutlicht.
- Es wird ersichtlich, dass hinter der perfekten Fassade eine tiefe Ambivalenz (Zweideutigkeit) liegt; so wird die Zunge als Trägerin von Gift und das Herz als Quelle des persönlichen Verderbens beschrieben.
- Kontrastreiches Diminutiv: Das Wort „zünglein“ (Z. 3) wirkt zunächst verniedlichend, steht aber im krassen Gegensatz zu der Aussage, dass es „gifft vor tausend hertzen träget“.
— - Metaphorik des Verderbens: Das Herz wird nicht als Ort der Liebe, sondern als Quelle beschrieben, aus der das „verderben quillet“ (Z. 9).
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- Kontrastreiches Diminutiv: Das Wort „zünglein“ (Z. 3) wirkt zunächst verniedlichend, steht aber im krassen Gegensatz zu der Aussage, dass es „gifft vor tausend hertzen träget“.
- Das Gedicht illustriert, dass die Begegnung mit diesem Ideal ein paradoxes (widersprüchliches, gegensätzliches) Erleben auslöst: Die Worte der Frau werden als „himmlisch“ wahrgenommen, führen aber gleichzeitig zur „Verdammung“ des lyrischen Ichs.
- Antithese (Gegensatz): Das lyrische Ich stellt direkt gegenüber, dass ein Wort zwar „himmlisch“ sein kann, es aber gleichzeitig „verdammen kan“ (Z. 10).
— - Oxymoron (Widerspruch in sich): Die Wirkung auf die Seele wird als „süsses gifft“ (Z. 12) bezeichnet. Dies verdeutlicht die unauflösbare Verbindung von Genuss und Zerstörung.
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- Antithese (Gegensatz): Das lyrische Ich stellt direkt gegenüber, dass ein Wort zwar „himmlisch“ sein kann, es aber gleichzeitig „verdammen kan“ (Z. 10).
- Schließlich zeigt das Gedicht, dass die totale Faszination durch diese Schönheit zwangsläufig in den Verlust der eigenen Autonomie mündet, da das lyrische Ich am Ende sowohl seinen Verstand („Witz“) als auch seine Freiheit einbüßt
- Anapher und Aufzählung: Die ständige Wiederholung von „Ein…“, „Ein…“, „Zwey…“ am Versanfang (Z. 1-11) erzeugt einen hämmernden Effekt, der die Totalität der Schönheit unterstreicht.
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- Anapher und Aufzählung: Die ständige Wiederholung von „Ein…“, „Ein…“, „Zwey…“ am Versanfang (Z. 1-11) erzeugt einen hämmernden Effekt, der die Totalität der Schönheit unterstreicht.
- Zusammenfassende Schlusswendung:
Am Ende bilanziert das Ich den Verlust seiner rationalen und persönlichen Identität:
Es wurde um seinen „witz“ (Verstand) und seine „freyheit bracht“ (Z. 14)
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Barock, bsd. Lyrik
https://textaussage.de/lyrik-der-epoche-des-barock-themenseite
— - Barock – die wichtigsten Gedichte
https://textaussage.de/barock-die-wichtigsten-gedichte
— - Barock – Klausur – wer Gruppen kennt – Dichter und Themen – hat Vorteile
https://schnell-durchblicken.de/barock-klausur-wer-gruppen-kennt-dichter-und-themen-hat-vorteile
— - Unsere Videos zum Thema „Barock“
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