Schillers „Der Handschuh“ – ein Musterbeispiel für eine Ballade – mit kreativen Spielmöglichkeiten (Mat4222)

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Inhaltsverzeichnis

  1. Das Besondere: Gedicht, Geschichte und Drama zugleich
  2. Die Ballade – Strophe für Strophe erklärt
  3. Kreative Spielmöglichkeiten: die Ballade weiterdenken
  4. Materialien zur Inhaltsangabe
  5. Weitere Infos, Tipps und Materialien

Das Besondere: Gedicht, Geschichte und Drama zugleich

Schillers Ballade „Der Handschuh“ ist ein Musterbeispiel für eine Ballade. Denn sie ist:

  1. ein Gedicht, also ein Text in Versform,
  2. zugleich eine Geschichte,
  3. die außerdem auch noch dramatisch ist.

Schauen wir uns das mal genauer an. Und wer am Ende Lust bekommt, die Geschichte weiterzudenken, findet weiter unten kreative Varianten – bis hin zu einer modernen Kurzgeschichte.

Die Ballade – Strophe für Strophe erklärt

Friedrich Schiller
Der Handschuh

1. Ein Fest am Löwengarten – ganz normaler Erzählbeginn

Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone
Die Damen in schönem Kranz.

  • Zusammenfassung: Es geht um die festliche Veranstaltung eines Königs Franz, bei der vor einem Löwengarten ein Kampfspiel erwartet wird und zu der sowohl wichtige Herren wie auch Damen erschienen sind.
  • Also eine ganz normale Einleitung in eine Geschichte, nur eben in Gedichtform.

2. Der Löwe gähnt – Spannung, die gleich wieder verpufft

Und wie er winkt mit dem Finger,
Auf tut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein Löwe tritt,
Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen,
Und streckt die Glieder,
Und legt sich nieder.

  • Zusammenfassung: Das Kampfspiel beginnt: Zunächst wird ein Löwe aus seinem Zwinger in die Arena gelassen, der sich nur kurz umschaut und dann ruhig niederlegt.
  • Hier kommt schon ein bisschen Spannung rein, die aber gleich abgebaut wird. Umso mehr wirkt es später, wenn dann etwas passiert.

3. Der Tiger brüllt – und legt sich ebenfalls hin

Und der König winkt wieder,
Da öffnet sich behend
Ein zweites Tor,
Daraus rennt
Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor,
Wie der den Löwen erschaut,
Brüllt er laut,
Schlägt mit dem Schweif
Einen furchtbaren Reif,
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu
Grimmig schnurrend;
Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.

  • Zusammenfassung: Als zweites Tier kommt ein Tiger hinzu, der den Löwen nur kurz anbrüllt und sich dann ebenfalls an der Seite niederlegt.
  • Hier geht es auf die gleiche Weise weiter: potenzielle Spannung, die aber erst mal pausiert.

4. Zwei Leoparden – kurze Rauferei, dann gefährliche Stille

Und der König winkt wieder,
Da speit das doppelt geöffnete Haus
Zwei Leoparden auf einmal aus,
Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
Auf das Tigertier,
Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll
Richtet sich auf, da wird’s still,
Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern die greulichen Katzen.

  • Zusammenfassung: Als weitere Raubtiere kommen zwei Leoparden dazu, die sich auf den Tiger stürzen, von ihm aber problemlos abgewehrt werden. Da sich auch noch der Löwe mit Gebrüll aufrichtet, wird es gleich wieder ruhig – aber es liegt eine große Spannung in der Luft.
  • Hier noch mal eine Steigerung der Verzögerung echter Spannung.

5. Ein Handschuh fällt – die Spannung kommt von ganz anderer Seite

Da fällt von des Altans Rand
Ein Handschuh von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leun
Mitten hinein.

  • Zusammenfassung: Jetzt kommt etwas völlig Neues hinzu: Der Handschuh einer Dame fällt in die Arena – mitten zwischen den Tiger und den Löwen.
  • Jetzt kommt plötzlich Spannung auf – und zwar an einer Stelle, an der man es gar nicht erwartet hat.
  • Eine Spitzenidee von Schiller.

6. Kunigundes Spott: Liebesbeweis oder Bloßstellung?

Und zu Ritter Delorges spottenderweis
Wendet sich Fräulein Kunigund:
»Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
Wie Ihr mir’s schwört zu jeder Stund,
Ei, so hebt mir den Handschuh auf.«

  • Zusammenfassung: Die Dame, die Kunigunde heißt, fordert den Ritter Delorges, der anscheinend in sie verliebt ist, auf, diese Liebe zu beweisen, indem er ihr den Handschuh zurückbringt.
  • Hier geht es nicht mehr nur um die wilden Tiere und auch nicht mehr um den Handschuh selbst, sondern um die Herausforderung an einen Ritter.
  • Er hat jetzt nur die Wahl, sein Leben zu riskieren oder seinen guten Ruf.

7. Der Ritter steigt hinab – und holt den Handschuh

Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

  • Zusammenfassung: Der Ritter steigt tatsächlich in den Zwinger hinab und holt den Handschuh.
  • Die halbe Spannung ist wieder weg – aber man fragt sich: Wie geht das aus?

8. Der eigentliche Höhepunkt: der Handschuh im Gesicht

Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehen’s die Ritter und Edelfrauen,
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick –
Er verheißt ihm sein nahes Glück –
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
»Den Dank, Dame, begehr ich nicht«,
Und verlässt sie zur selben Stunde.

  • Zusammenfassung: Alle sehen erstaunt, aber auch mit Grauen, wie der Ritter den Handschuh zurückbringt. Während alle begeistert sind und ihn feiern und Kunigunde ihn zärtlich anblickt, wirft er ihr den Handschuh ins Gesicht und verlässt sie.
  • Hier der unglaubliche Höhepunkt – nicht in der Arena, sondern in der Konfrontation zwischen dieser Frau und dem Mann. Sie hat ihn bloßgestellt – was wird daraus werden?
  • Und dann eine Reaktion, die heute wohl nicht mehr als die beste angesehen wird.
  • Von daher kann man nicht nur über dieses spannende Drama in Geschichten- und Gedichtform nachdenken, sondern die Handlung auch weiterdenken – Anregungen dazu im nächsten Abschnitt.

Kreative Spielmöglichkeiten: die Ballade weiterdenken

Der Schluss der Ballade lädt geradezu dazu ein, die Geschichte weiterzudenken: Was sagen die Zuschauer? Wie reagiert der König? Und wie sähe so ein „Handschuh-Moment“ heute aus?

Der Handschuh-Schluss bei Doderer – und heute

Der Satz, mit dem der Ritter geht, hallt bis in die moderne Literatur nach. In Heimito von Doderers Kürzestgeschichte „Das Verhängnis“ verlässt ein junger Mann eine Frau mit einem ganz ähnlichen Satz – allerdings aus einem viel weniger ehrenvollen Grund. Und in unserer Kurzgeschichte „Hinterausgang“ bekommt diesmal die Frau das letzte Wort.

Materialien zur Inhaltsangabe

Weitere Infos, Tipps und Materialien

Weitere Infos, Tipps und Materialien