Cassandra Steen und Adel Tawil, „Stadt“ – Song von 2009 (Mat4183 )

Was diesen Song so interessant macht …

Bei dem Song „Stadt“ handelt es sich um einen Song aus dem Jahre 2009, der die Beschäftigung mit dem Thema „Stadtgedichte“ bereichern kann. Denn er macht deutlich, dass es auch eine Art von Gedichten gibt, die ganz selbstverständlich – zusammen mit Musik – präsentiert und angehört werden.

Näheres zu dem Song findet sich z.B. hier:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Stadt_(Lied)

Im Folgenden beziehen wir uns auf den Text, wie er z.B. auf der folgenden Seite zu finden ist:
https://genius.com/Cassandra-steen-stadt-lyrics

„Strophe 1: Adel Tawil“

  • Die erste Strophe beginnt mit einer Art Klage über zu viel Reklame in der Stadt.
  • Die zweite Zeile führt das näher aus – unter Anspielung auf die Unterhaltung bei den alten Römern mit Brot und Spielen. Die Leute in Rom wurden versorgt mit Lebensmittel und sehr problematischen Veranstaltungen (zum Beispiel Gladiatorenkämpfen) und damit ruhiggestellt.
  • Der Hinweis auf die Namenlosigkeit des Glückes soll wohl deutlich machen, dass das nicht wirklich in den Köpfen der Menschen verankert ist.
  • Die nächste Zeile macht dann deutlich, dass es zwar Verkehr auf den Straßen gibt, aber in den Herzen gibt es keine Wärme.
  • Die letzte Zeile soll wohl deutlich machen, dass die Menschen nicht wissen, woran sie bei den anderen sind.
  • Der Hinweise zum Klima bleibt erst mal unklar, vielleicht soll er bedeuten, dass es ein mildes, also angenehmes Klima nur außerhalb der Menschen gibt.

„Refrain: Cassandra Steen“

  • Der Refrain soll wohl den Willen zeigen, für sich und einen anderen Menschen, vielleicht den Partner, eine eigene Stadt zu bauen.
  • Glas und Gold stehen wohl für eine Art von Pracht, die zwar teuer sein mag, aber eben keine Wärme ausstrahlt. Der Stein könnte dann für einen natürlichen Baustoff stehen.
  • Wichtig scheint vor allem zu sein, dass die Straßen, die hinausführen, einen auch wieder zurückbringen. D.h.: es geht um Verlässlichkeit, vielleicht sogar so etwas wie Heimat.

„Strophe 2: Adel Tawil & Beide“

  • Die zweite Strophe geht noch mal genauer auf alles ein, was in dieser Stadt schief läuft. Dabei wird das Motiv der Namenlosigkeit wieder aufgenommen.
  • Dazu kommt der Gedanke der Flucht und der Kälte zwischen den Menschen. Flucht ist genau das Gegenmodell zu der Stadt, die man sich wünscht und zu der man immer wieder zurückkehren kann.
  • Dann wird deutlich gemacht, dass es hier so nicht weitergeht. dass man Halt und Schutz haben möchte und einen Himmel, der einen nicht erdrückt.
  • Das lyrische Ich will sich nicht mehr mit falschen Fragen beschäftigen. Ihm ist klar, dass es nicht endlos Zeit hat. Die Konsequenz daraus ist der Wunsch, das Glück zu jagen.
  • Kritische Anmerkung: Produziert das nicht gerade wieder neue Hektik? Gäbe es nicht auch andere Möglichkeiten, sein Leben anders zu gestalten?

„Strophe 3: Cassandra Steen & Adel Tawil“

  • In dieser Strophe wird die alternative Stadt genauer beschrieben. Sie zeigt dem lyrischen Ich die Abwesenheit von Angst und im Gegenzug Vertrauen. Abgelehnt werden „Gier“ und „Verächtlichkeit“, also uferlose Habsucht und Missachtung der anderen Menschen.
  • Man wünscht sich Licht, und Träume, die sich lohnen.
  • Was den Kontakt zwischen den Menschen angeht, sollen es Blicke sein, die auch das Herz erreichen.

Die beiden Welten, die sich gegenüberstehen

Die aktuelle Realität
  1. “so viel“
  2. „Reklame“
  3. Brot und Spiele
  4. Unbenanntes Glück
  5. „In den Herzen kalte Bilder“
  6. Menschen kennen sich nicht (mehr)
  7. Auf der Flucht
  8. Tränen aus Eis
  9. Himmel aus Blei
Die geplante Welt (mit konkreten Ideen)
  1. Eine Stadt „für dich und für mich“
  2. Statt Glas und Gold – normaler, natürlicher Stein
  3. Rückkehrmöglichkeit der Straßen
    • Man muss nicht fliehen.
  4. Man braucht Halt, Schutz
    • Das kann ein anderer Mensch sein, eine vertraute Umgebung: „My home is my castle“
  5. Keine Antwort mehr auf falsche Fragen
    • Zum Beispiel: Wo kann ich noch mehr Geld verdienen?
  6. Erkenntnis der rasch verspielten Zeit
    • Das kann man erleben, wenn ein geliebter Mensch plötzlich stirbt.
  7. Erkenntnis, dass man das Glück jagen muss
    • Positiv verstanden: Man muss etwas dafür tun, z.B. solange eine Freundschaft oder gar Liebe pflegen, bis sie dem Traum entspricht.
  8. keine Angst mehr
    • Z.B. weil man Menschen kennt, die einem helfen, denen man vertrauen kann.
  9. Abbau der Mauern aus Gier und Verächtlichkeit
    • Gier kann krank machen und die Menschen gegeneinander abschotten.
    • Empathie, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, das geben, was man sich selbst wünscht (vgl. Nr. 8)
  10. Licht hell
    • Das kann man im übertragenen Sinne verstehen, z.B. weil man Hoffnung hat, sich auf die Zukunft freut.
  11. Wasser hellt
    • Im Text steht „hellt“,  das ist erst mal seltsam, aber vielleicht ist so etwas wie auswaschen gemeint, wie es die Goldschürfer kennen.
  12. Blicke erreichen das Herz
    • Das kann der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein.
    • Statt dass man sich vor dem anderen verschließt.

Zusammenfassung

  • Insgesamt ein Song, der die bestehenden Lebensverhältnisse kritisiert und Ihnen positive Möglichkeit gegenüberstellt.
  • Ein Problem ist, dass die Vorstellungen relativ allgemein sind. Das hat aber den Vorteil, dass jeder Hörer des Songs beziehungsweise Leser der Zeilen sich selbst etwas darunter vorstellen kann
  • Man könnte sich also überlegen, welche Zeilen man konkret, mit menschlichen Erfahrungen anreichern könnte.
  • Spannend ist die Frage, welche Bedeutung so ein Song für die Hörer hat oder zumindest haben kann. Auf jeden Fall wird deutlich, dass entsprechend formulierte Texte etwas leisten, im Idealfall drücken sie etwas besonders gut aus, was viele Menschen fühlen, was sie selbst aber nicht so klar ausdrücken können.
  • Spannend im Vergleich zu einem Gedicht ist natürlich auch die Rolle der Musik. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall gibt es auch so etwas wie Sprachmusik, zum Beispiel einen Rhythmus, der auch mehr leistet als nur die Ansammlung der Wörter.
  • Anregung: Auch das könnte man mal ausprobieren: Kann man durch einen entsprechenden Vortrag zumindest etwas von dem überbringen, was der Song mit seiner Musik leistet.

Weiterführende Hinweise