Anders Freistein, „Wie man wie Goethe sich seine eigene Pyramide baut“ (Mat5033-pds)

Dem Sinn des Lebens eine Chance?

Entstanden ist dieser Text vor dem Hintergrund eines Gedichtes, dass die Sinnlosigkeit des Lebens beklagte. Dem setzt man gerne versuchsweise etwas Positives entgegen.

In diesem Falle waren es zwei Bausteine, die Goethe lieferte, und auf die wir immer wieder gerne zurückgreifen.

Man könnte auch sagen: Der Sinn des Lebens liegt im Leben selbst. Aber ein bisschen konkreter sollte es schon sein. Ganz präzise können und wollen wir die Wege zum Sinn des Lebens nicht aufzeigen. Denn die sind sehr individuell. Entscheidend sind letztlich gute Anregungen, offene Augen und vielleicht auch der ein oder andere Ratschlag von Freunden, die einen gut kennen.

Die Druckvorlage

Der Argumentationsgang des Textes

Der argumentative Aufbau des Textes

Hier ist der argumentative Aufbau des Textes, strukturiert nach Abschnitten mit Zeilenangaben und einer Erläuterung der jeweiligen Funktion im Textverlauf:

1. Einstieg und Entkräftung einer pauschalen Kulturkritik (Z. 1–5)

  • Inhalt und Argumentation: Der Autor greift zunächst den gängigen gesellschaftlichen Vorwurf auf, das moderne Leben sei oberflächlich und verdränge die Vergänglichkeit. Er entkräftet diese Kritik jedoch sogleich, indem er betont, dass auch einfache Lebensentwürfe wie ein erfülltes Familienleben oder Hobbys zu einem gelungenen Leben führen, ohne dass man dafür philosophische Höhen erklimmen muss.

2. Das Streben nach dem „Mehr“ und die barocke Extrem-Falle (Z. 6–13)

  • Inhalt und Argumentation: Für diejenigen, die bewusst nach etwas suchen, das über den reinen Alltag hinausgeht, wird das historische Beispiel des Barock als Warnung angeführt. Der Autor zeigt auf, dass eine reine Fokussierung auf das Jenseits und die ständige Konfrontation mit dem Tod (wie im Kloster auf Ischia) die Gefahr birgt, das irdische Leben selbst abzuwerten.

3. Der alternative Weg: Goethes Konzept des „Wesentlichen“ (Z. 14–26)

  • Inhalt und Argumentation: Als modernen Ausweg stellt der Text die Verbindung von Angelus Silesius’ Forderung „Mensch, werde wesentlich!“ mit Goethes Lebensphilosophie vor. Goethes Konzept der „Pyramide seines Lebens“ dient als Modell dafür, wie der Mensch dem flüchtigen Augenblick durch schöpferisches Tun (sei es durch Freude, Neugier oder das Verarbeiten von Leid) Dauer verleihen und ein bleibendes Lebensbauwerk errichten kann.

4. Die Demokratisierung der Pyramide für jedermann (Z. 27–33)

  • Inhalt und Argumentation: Im abschließenden Schritt bricht der Autor das elitäre Goethe-Beispiel auf den Alltag jedes Einzelnen herunter. Er argumentiert, dass jeder Mensch auf Basis seiner eigenen Voraussetzungen und Ziele (wie Reisen, Familie oder Hobbys) seine ganz persönliche Pyramide bauen und schon während des Lebens mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken kann.

Zusammenfassung der Aussagen des Textes

  • Der Text zeigt auf, dass ein tiefes und „wesentliches“ Leben kein Privileg von Genies wie Goethe sein muss, sondern ein für jeden Menschen erreichbares Ziel ist, sobald man sich bewusste Lebensziele setzt.
  • Er weist hin auf die schöpferische Fähigkeit des Menschen, der Vergänglichkeit des Daseins etwas Bleibendes entgegenzusetzen, indem er dem Augenblick durch Hingabe und persönliche Projekte Dauer verleiht.
  • Zudem veranschaulicht er, dass der bewusste und schrittweise Aufbau einer eigenen „Lebenspyramide“ eine erfüllende Balance schafft – abseits von alltäglicher Oberflächlichkeit einerseits und einer lebensverneinenden Fixierung auf den Tod andererseits

Informationen zu Bezugsstellen im Text

Nonnenkloster auf Ischia: Die Quelle zum Ritual der täglichen Totenkonfrontation, das im Text als Beispiel für eine radikale, aber lebensfeindliche Form der Sterblichkeitsbetrachtung dient.
https://www.atlasobscura.com/places/poor-clares-cemetery

Goethe, „Das Göttliche“: Der vollständige Text der Hymne, aus der die Schlüsselzeile „Er kann dem Augenblick Dauer verleihen“ stammt.
https://textaussage.de/goethe-das-goettliche

Goethe, Marienbader Elegie: Goethes später Text über Abschied und Vergänglichkeit – und wie man sie zumindest in der Kunst besiegen kann. Das Motto stammt ursprünglich aus „Torquato Tasso“ (1807) – Goethe stellte es 1823 der Elegie voran.
„Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, / Gab mir ein Gott, zu sagen, was ich leide.“
Goethe, Marienbader Elegie
https://de.wikisource.org/wiki/Marienbader_Elegie
Einen Überblick über das lange Gedicht haben wir hier gegeben:
https://textaussage.de/goethe-marienbader-elegie-kunst-als-heilmittel-gegen-seelenschmerz

Goethe und die „Pyramide“ seines Lebens:
Der ausführlichere Hintergrundartikel zum Briefzitat an Lavater, das dem Bild der Lebenspyramide zugrunde liegt.
https://textaussage.de/mdl-abi-de-goethe-zitat-pyramide-als-miniklausur-zum-roman-heimsuchung

Weitere Infos, Tipps und Materialien