Warum man einer Autorität nicht unbedingt glauben sollte
- Beim „Argumentieren“ gibt es bestimmte Typen von Argumenten. Eins davon wollen wir uns jetzt mal etwas genauer ansehen
- Man nennt es „Autoritätsargument“.
Dahinter steckt die Erfahrung, dass wir Menschen mehr oder weniger autoritätsgläubig sind.
— - Wenn also eine anerkannte Persönlichkeit etwas von sich gibt, hat das in einer Diskussion meist erst einmal einen anderen Stellenwert, als wenn es irgendjemand sagt.
— - Hierbei muss man aber sehr vorsichtig sein – und wir bitten darum, einfach die folgenden Gedanken selbst zu überprüfen – und nicht einfach zu sagen: „Den Verfasser kenn ich gar nicht – kann der überhaupt etwas Wichtiges von sich geben?“
— - Vielleicht brauchen wir so etwas wie die Ziegelwand, auf der die Arbeiter im alten Indien auf dem Hinweg einen Satz fanden – ohne Angabe eines Autors – und auf dem Rückweg schrieben sie das Ergebnis ihrer Gedanken dazu.

Der folgende Text macht deutlich, was auf dem Bild beispielhaft „abgeht“
Dazu ein kleiner Tipp:
Wer wirklich selbst denken will – könnte an der einen oder anderen Stelle eine Pause machen und sich erst seine eigenen Gedanken bilden. Dann liest man das Folgende nämlich viel kritischer – ganz gleich, von wem es ist.
An einer Stelle haben wir deshalb gezielt einen Pausen-Vorschlag eingebaut.
Wer sich den Text in einem kurzen Video vorstellen lassen will:
Das Video fügen wir hier noch ein.
Hier sind die Sprungmarken zu den einzelnen Video-Elementen:
0:00 – Einführung: Bus verpasst, Glück gehabt 0:27 – Thema des Tages: Warum man Autoritäten nicht blind vertrauen sollte 0:57 – Was ist ein Autoritätsargument? 1:45 – Autorität ≠ Wahrheit – Worauf man achten muss 2:48 – Problem 1: Gute Aussage, schlechter Ruf 3:52 – Beispiel Metternich: Menschlichkeit trotz negativem Image 4:11 – Problem 2: Fachlich gut – aber nicht überall Experte 4:44 – Problem 3: Negative Autoritäten und gesellschaftlicher Konsens 5:27 – Wandel der Werte: Was früher galt, ist heute fragwürdig 5:30 – Fazit: Kritisch prüfen, nicht nur auf die Person achten 6:02 – Hinweise zur Webseite und weiterführenden Infos
Dies ist schon mal die Dokumentation zum Video:
Nun der Text mit seinen Überlegungen, warum man auch bei Autoritäten kritisch bleiben sollte
Zunächst eine Vorschau – dann auch noch eine PDF-Druckdatei:

Druckdatei:
Mat5308-frb Autoritätsargument als Wahrheitsfalle
Lars Krüsand
Das Autoritätsargument als Wahrheitsfalle
Zunächst eine kurze Klärung: Unter einem Autoritätsargument versteht man ein Mittel in der Argumentation, mit dem man eine These untermauern will. Dabei geht man davon aus, dass der Hinweis auf Goethe, Bismarck oder eine andere berühmte Persönlichkeit der Geschichte eine Garantie dafür ist, dass der Gedanke stimmt.
An dieser Stelle eine Pause für alle, die selbst nachdenken wollen: Inwieweit kann eine Autorität tatsächlich eine These unterstützen? Wann hilft uns ein großer Name, und wann führt er uns in die Irre?
— PAUSE —
—
Wer selbst überprüft hat, dem ist bestimmt aufgefallen: Man muss die Autorität erst einmal prüfen. Ein Fachmann für ein bestimmtes Gebiet hat sicher mehr Gewicht als ein anonymer Kommentar. Aber auch Experten haben Meinungen und berücksichtigen selten alles.
Besonders heikel wird es, wenn man sich auf Größen aus früheren Zeiten beruft.
Goethe kannte seinen Freund Schiller, wusste aber nicht, dass dessen Frauenbild zum Beispiel heute nur noch Kopfschütteln auslöst: Für ihn sollte sich die Frau um Haushalt und Kinder kümmern.
Dies nur als Beispiel für den Satz: „Jede Zeit hat ihre eigenen Irrtümer.“ Und das gilt dann auch für die berühmten Menschen in der jeweiligen Epoche.
Aber es gibt auch noch ein anderes Problem – gewissermaßen das Gegenteil: Da hat jemand einen guten Gedanken – aber einen schlechten Ruf. Schon wird der mit der Person verbunden – und das, was sie sagt, zählt auch nicht.
Das kann man am Beispiel von Metternich zeigen. Der steht vor allem für die freiheitsfeindliche Politik in Europa nach dem Sieg über Napoleon.
Aber er zeigte vorher auch in einem langen Gespräch mit dem französischen Kaiser Mut und Menschlichkeit:
Napoleon plante den nächsten großen Krieg und war stolz darauf, die Deutschen an die vorderste Front zu schicken und „seine“ Franzosen zu schonen. Metternich völlig entsetzt antwortete: „Sire“, das war die damalige Anrede für diesen Kaiser: „Sie sprechen mit einem Deutschen“. Trotz seiner hohen Stellung war es ihm im Gegensatz zu anderen Mächtigen nicht egal, wie viele Menschen im Krieg umkamen.
Wo liegt also die doppelte Falle beim „Autoritätsargument“?
- Eine Autorität auf einem Fachgebiet bedeutet noch nicht, dass man zu allen Themen etwas Schlaues sagen kann.
- Außerdem gibt es in einer gut organisierten Fachwissenschaft auch scharfe Auseinandersetzungen in der Sache – also nicht mal bei Experten ist jede Meinung von vornherein heilig.
- Genauso vorsichtig muss man sein, wenn jemand eine Art „negative“ Autorität ist. Wenn jemand zum Beispiel eine Meinung hat, die in einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit nicht „konsensfähig“ ist, kann das durchaus in anderen Bereichen großen Wert habe.
- Außerdem muss das „Konsensfähig“ von heute nicht auch das von morgen sein.
- Fazit: Nicht so sehr auf den Autor einer Aussage achten, es sei denn, der Betreffende ist als Dauer-Lügner bekannt. Das hat aber mit Autorität überhaupt nichts zu tun.
Also ab jetzt möglichst kritisch alles prüfen, was jemand sagt – nicht so sehr darauf achten, wer etwas sagt – es sein denn – siehe oben 😉
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