In dem Text „Über Lesen und Bücher“ kritisiert Arthur Schopenhauer, dass exzessives Lesen das eigene Denken eher lähmt als fördert, und warnt davor, die geistige Selbstständigkeit durch das bloße Konsumieren fremder Gedanken zu verlieren.
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Gefunden haben wir den Text hier:
https://aboq.org/schopenhauer/parerga2/lesen.htm

- Diese Seite zeigt, wie man die künstliche Intelligenz als Assistenten verwenden kann.
— - Dementsprechend haben wir den Text von Schopenhauer mal von NotebookLM im Hinblick auf den Argumentationsgang auswerten lassen.
— - Die Ergebnisse haben wir allerdings durch MIA (Menschliche Intelligenz in Aktion) überprüft und erweitert. Das rächt hoffentlich an, so etwas auch selbst zu machen.
Erläuterung des Aufbaus der Argumentation
Die Angabe der Textzeilen bezieht sich auf folgende Druckausgabe:
1. Sinnabschnitt (Zeile 1–9):
Lesen als passiver Prozess und die Gefahr der geistigen Trägheit
- Schopenhauer beginnt mit der These, dass Lesen ein rein passiver Vorgang ist, bei dem man lediglich den „mentalen Prozess“ eines anderen wiederholt.
- MIA: (menschliche Intelligenz in Aktion)
Bereits hier kann Kritik ansetzen. Denn jeder, der in der Schule mal einen schwierigen Text lesen musste, weiß, dass dabei ein aktiver Vorgang nötig war.
- MIA: (menschliche Intelligenz in Aktion)
- Er vergleicht den Leser mit einem Schüler, der beim Schreibenlernen die Linien des Lehrers nur mit der Feder nachzieht, wodurch die „Arbeit des Denkens uns zum größten Teile abgenommen“ wird (Zeile 3–4).
- MIA: nicht jeder Vergleich macht etwas klarer. Man denke etwa an den Vergleich von Äpfel und Birnen. Oder noch schlimmer: Es macht nicht viel Sinn, einem Apfel vorzuwerfen, dass er keine Internetverbindung herstellen kann.
- Diese Entlastung führt laut dem Autor dazu, dass Menschen, die fast den ganzen Tag lesen, die „Fähigkeit, selbst zu denken, allmählich“ verlieren (Zeile 7–8).
- MIA: Da gibt es wohl gefährlichere Nicht-Tätigkeiten, die das Denken nicht gerade befördern.
- Er geht sogar so weit zu behaupten, dass sich viele Gelehrte schlichtweg „dumm gelesen“ haben (Zeile 9), da sie wie Reiter, die das Gehen verlernen, ihren eigenen Verstand nicht mehr aktiv gebrauchen.
- MIA: Da mag etwas dran sein. Allerdings ist das eine besondere Gefahr, der Gelehrte ausgesetzt ist. Es gibt nämlich etwas, was man Déformation professionnelle genannt hat.Gemeint ist damit, dass man so sehr Experte geworden ist und sich dann auch auf die Ergebnisse versteift, dass man überhaupt nicht mehr für andere Erkenntnisse offen ist.
- Wenn man jemanden als Fachidioten bezeichnet, dann ist das zwar eine Beleidigung, aber es könnte genau diese Veränderung im Denken gemeint sein, wenn man sich immer tiefer mit einer ganz bestimmten Theorie, zum Beispiel, beschäftigt.
2. Sinnabschnitt (Zeile 10–16):
Die Lähmung des Geistes durch äußeren Druck
Wir haben weiter oben gezeigt, wie man sich kritisch mit den einzelnen Abschnitten auseinandersetzen kann.
Das kann ab hier jeder für sich selbst mal überprüfen, wie das geht.
Am Ende dieser Seite gibt es auf jeden Fall eine zusammenfassende kritische Stellungnahme.
- In diesem Abschnitt verdeutlicht der Autor, dass ständiges Lesen „geisteslähmender“ ist als körperliche Arbeit, weil man beim Lesen nicht einmal seinen eigenen Gedanken nachhängen kann (Zeile 10–12).
- Er nutzt hier zwei starke Metaphern:
- Erstens vergleicht er den Geist mit einer „Springfeder“, die durch den „anhaltenden Druck eines fremden Körpers ihre Elastizität“ verliert (Zeile 12–13).
- Zweitens zieht er eine Parallele zur Ernährung: So wie zu viel Nahrung dem Magen und dem Körper schadet, kann man den Geist durch zu viel „Geistesnahrung“ überfüllen und förmlich „ersticken“ (Zeile 14–16).
3. Sinnabschnitt (Zeile 16–21):
Die Notwendigkeit der „Rumination“ (Wiederkäuen)
- Der Autor stellt hier fest, dass man sich das Gelesene erst durch das spätere Nachdenken wirklich aneignen kann. Er nennt diesen Prozess „Rumination“ (Zeile 17). Ohne dieses reflektierende Verarbeiten fasse das Gelesene keine Wurzel und gehe verloren (Zeile 18). Er behauptet, dass nur ein Bruchteil dessen, was man liest, tatsächlich „assimilirt“, also in den eigenen Wissensschatz aufgenommen wird, während der Rest wirkungslos verpufft (Zeile 20–21).
4. Sinnabschnitt (Zeile 22–25):
Die begrenzte Erkenntnis durch Bücher
- Abschließend erklärt Schopenhauer, dass geschriebene Gedanken lediglich die „Spur eines Fußgängers im Sande“ sind (Zeile 22–23).
- Man könne zwar sehen, welchen Weg der Autor gegangen ist, aber um die eigentliche Erkenntnis – das, was der Autor auf dem Weg gesehen hat – wirklich zu begreifen, müsse man „seine eigenen Augen gebrauchen“ (Zeile 24–25).
- Damit betont er noch einmal, dass Bücher nur Wegweiser sein können, die eigene Wahrnehmung und das selbstständige Denken aber nicht ersetzen.
Zusammenfassung der Aussagen
- Der Text behauptet, dass Lesen im Kern ein passiver Vorgang ist, bei dem man lediglich den „mentalen Prozess“ eines anderen nachahmt, wodurch die eigene Denkarbeit fast vollständig zum Erliegen kommt (Zeile 1–4).
— - Es wird versucht, deutlich zu machen, dass die geistige Selbstständigkeit durch exzessive Lektüre verkümmert, da die ständige Konfrontation mit fremden Gedanken dazu führt, dass man die „Fähigkeit, selbst zu denken, allmählich“ verliert (Zeile 7–8).
— - Der Autor vergleicht den menschlichen Geist mit einer „Springfeder“, die durch den „anhaltenden Druck“ fremder Ideen ihre natürliche Spannkraft und Elastizität einbüßt (Zeile 12–13).
— - Die Schrift will darauf aufmerksam machen, dass reiner Informationskonsum ohne anschließende Reflexion – die Schopenhauer als „Rumination“ bezeichnet – nutzlos bleibt, da das Gelesene keine Wurzeln schlägt (Zeile 17–18).
— - Der Text versucht zu veranschaulichen, dass Bücher lediglich die „Spur eines Fußgängers im Sande“ sind; sie zeigen zwar den Weg auf, den ein anderer gegangen ist, können aber die eigene Erkenntnis und Wahrnehmung niemals ersetzen (Zeile 22–25).
— - Es soll offensichtlich gemacht werden, dass ein Übermaß an „Geistesnahrung“ den Verstand eher „ersticken“ kann, vergleichbar mit einer Überfütterung des Körpers, die die natürliche Funktion des Systems beeinträchtigt (Zeile 14–16).
— - Der Text behauptet sogar, dass wahre Gelehrsamkeit nicht durch die Quantität der gelesenen Bücher, sondern durch die Qualität der eigenen, aktiven Verarbeitung des Stoffes entsteht (Zeile 20–21).
Kritische Prüfung von KI-Tipps zur Stellungnahme
- Wenn du dich kritisch mit Schopenhauers Text auseinandersetzt, solltest du versuchen, seine radikalen Thesen gegen die Realität deines eigenen Lern- und Lesealltags zu prüfen. Hier sind einige Tipps und Argumentationsansätze, wie du eine Stellungnahme aufbauen könntest:
—- MIA: sehr gut ist natürlich der Tipp, von der eigenen Lebenswelt auszugehen.Dazu gehört alles, was man selbst erlebt, gehört oder gelesen hat.Hier hätte notebookLM von Sorgen im Hinblick auf die vermehrte Nutzung künstlicher Intelligenz eingehen können. Dem wird dabei ja meistens das Lesen positiv entgegengesetzt – und damit hätte man schon viele Möglichkeiten der Kritik.
- 1. Die These vom „passiven Lesen“ hinterfragen
- Schopenhauer behauptet, beim Lesen nehme uns ein anderer die „Arbeit des Denkens […] zum größten Teile“ ab.
— - • Kritikpunkt: Hier kannst du widersprechen. Aktives oder kritisches Lesen ist keineswegs passiv. Wenn man einen Text hinterfragt, Randnotizen macht oder verschiedene Quellen vergleicht, ist das eine enorme geistige Eigenleistung. Das Lesen ist dann nicht das „Nachziehen von Linien“, sondern eher ein Dialog oder eine Debatte mit dem Autor.
- MIA: das ist ein ganz wichtiger Punkt. Man könnte noch darauf hinweisen, dass hier allerdings die intelligente Auseinandersetzung mit der künstlichen Intelligenz noch den Vorteil hat, dass man mit ihr eine Art Gespräch führen kann und auf neue Gedanken kommt.
- Das ist beim reinen Lesen tatsächlich nicht der Fall.
- Und das wäre ein schönes Beispiel für das Weiterdenken im Sinne des Anforderungsbereiches III, was in einer Klausur Zusatzpunkte bringen kann.
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- 2. Das Bild der „Springfeder“ und die geistige Elastizität
- Der Autor warnt, dass der Geist durch das „Aufdringen fremder Gedanken“ seine Elastizität verliert, wie eine überbeanspruchte Feder.
- Kritikpunkt: Man könnte argumentieren, dass der Geist eher wie ein Muskel funktioniert als wie eine Feder. Ohne Input (also das Lesen) hat der Verstand gar kein Material, an dem er trainieren kann. Fremde Gedanken müssen die eigene Kreativität nicht „ersticken“, sondern können sie erst entzünden. Wer nichts weiß, kann auch über nichts Neues nachdenken.
- MIA: hier kann man natürlich den Vergleich mit einem Muskel noch weiter ausbauen.
- Darauf ergibt sich dann automatisch die Frage, ob es beim Lesen auch eine Art über Beanspruchung geben kann wie bei einem Muskel.
Auch das ein schönes Beispiel für Weiterdenken.
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- 3. Die „Gelehrten-Schelte“ und die Praxis
- Schopenhauer behauptet, viele Gelehrte hätten sich „dumm gelesen“.
— - • Kritikpunkt: Das ist eine sehr provokante und einseitige Sichtweise. In der modernen Wissenschaft ist Fortschritt ohne das Studium der Arbeiten anderer gar nicht möglich. Man muss wissen, was andere bereits herausgefunden haben, um darauf aufzubauen. Schopenhauers Vorwurf, Lesen sei „geisteslähmender […] als beständige Handarbeit“, wirkt aus heutiger Sicht extrem übertrieben.
- MIA: hier haben wir weiter oben schon darauf hingewiesen, dass die Gefahr bei Fachwissenschaftlern wohl eher in eine andere Richtung geht. Zum anderen geht kaum ein Mensch gerne von etwas ab, womit er sich intensiv beschäftigt hat.Dazu kommt das Problem des Autoritätsarguments. Wir Menschen neigen dazu, etwas für wahr zu halten, weil es von einer Fachautorität kommt. Dabei vergessen wir, dass in der Fachwissenschaft auch tüchtig gestritten wird und es unterschiedliche Meinungen gibt.
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- MIA: hier haben wir weiter oben schon darauf hingewiesen, dass die Gefahr bei Fachwissenschaftlern wohl eher in eine andere Richtung geht. Zum anderen geht kaum ein Mensch gerne von etwas ab, womit er sich intensiv beschäftigt hat.Dazu kommt das Problem des Autoritätsarguments. Wir Menschen neigen dazu, etwas für wahr zu halten, weil es von einer Fachautorität kommt. Dabei vergessen wir, dass in der Fachwissenschaft auch tüchtig gestritten wird und es unterschiedliche Meinungen gibt.
- 4. Das Metapher der „Fußstapfen im Sand“
- Er schreibt, Gedanken auf Papier seien nur die „Spur eines Fußgängers“, und man müsse seine eigenen Augen gebrauchen, um zu sehen, was der Autor sah.
— - • Kritikpunkt: Diesem Punkt kann man teilweise zustimmen, ihn aber ergänzen: Ja, man muss selbst denken, aber die „Spuren“ (Bücher) helfen uns, Gebiete zu erkunden, die wir alleine niemals erreichen würden. Bücher sind wie Landkarten: Sie ersetzen nicht die Reise, aber sie machen sie erst möglich und verhindern, dass wir uns im Kreis drehen.
- MIA: hier kann man etwas präziser sein, indem man darauf hinweist: es geht nicht nur darum, das zu sehen, was der Autor gesehen hat, sondern es geht darum, sich anregen zu lassen, zu eigenem Weiterdenken, was auch in Kritik münden kann.
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- MIA: hier kann man etwas präziser sein, indem man darauf hinweist: es geht nicht nur darum, das zu sehen, was der Autor gesehen hat, sondern es geht darum, sich anregen zu lassen, zu eigenem Weiterdenken, was auch in Kritik münden kann.
- 5. Der Widerspruch des Autors (Interne Kritik)
- Ein interessanter Punkt für eine Stellungnahme ist die Ironie des Textes selbst.
- Argument: Schopenhauer nutzt das Medium Buch, um davor zu warnen, zu viel zu lesen. Wenn man seiner Logik konsequent folgt, müsste man auch seinen eigenen Text kritisch sehen oder sogar ignorieren, um „selbst zu denken“. Er setzt voraus, dass wir seine Gedanken „assimilieren“, obwohl er den Prozess des Lesens gleichzeitig so negativ darstellt.
- MIA: gut, dass NotebookLM hier von der Ironie des Textes gesprochen hat und nicht der des Autors.
- Denn es ist eine ganz normale menschliche Erfahrung, dass viele Leute gar nicht merken, dass sie etwas tun, womit sie das gleichzeitig kritisieren, was sie behaupten.
- Man denke etwa an ein Gespräch: in dem die andere Seite behauptet: „Das ist wieder mal ein Beispiel, dass du überhaupt nicht in der Lage bist, selbst zu denken.“
Hier hat der Betreffende nämlich nicht darüber nachgedacht, dass er hier eine 100%-Behauptung anstellt, die in der Form mit Sicherheit nicht richtig ist.
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- Zusammenfassender Tipp für dein Fazit:
Du könntest argumentieren, dass Schopenhauer zwar Recht hat, wenn er vor unkritischem Massenkonsum warnt, aber den Wert des Lesens als Inspirationsquelle und Basis für Bildung völlig unterschätzt. Sein Ideal des einsamen Selbstdenkers wirkt in einer vernetzten Welt fast ein bisschen weltfremd.- MIA: Hier hat die Künstliche Intelligenz vergessen, auf das hinzuweisen, was sie als letztes Argument gegen Schopenhauers These genannt hat.
Man könnte auch sagen: Er ist provokativ, in dem er eben übertreibt. So etwas macht anschaulich und regt zum eigenen Nachdenken an. In der Sache müsste aber differenziert werden zwischen verschiedenen Arten des Lesens.
Hier macht Schopenhauer sich angreifbar. Es lohnt sich, sich näher mit diesem Philosophen zu beschäftigen. Denn soweit wir wissen, war er auch der Meinung, dass alle Philosophen vor ihm sich geirrt haben. - Das lässt sich leicht mit Hilfe der Recherchefähigkeiten künstlicher Intelligenz überprüfen.
- MIA: Hier hat die Künstliche Intelligenz vergessen, auf das hinzuweisen, was sie als letztes Argument gegen Schopenhauers These genannt hat.
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Sachtexte – Infos, Tipps und Materialien
https://textaussage.de/thema-sachtexte-infos-tipps-und-materialien-themenseite
— - Übersicht: Lernkurs Umgang mit Sachtexten
https://textaussage.de/uebersicht-lernkurs-sachtexte
— - Sammlung von Sachtexten für Analyse- und Erörterungs-Übungen
https://textaussage.de/sammlung-sachtexte-deutschunterricht
— - Sachtexte zum Thema „Medien“
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— - Sachtexte zum Thema „Künstliche Intelligenz“ – bsd. praktische Nutzung der neuen KI-Chat-Programme für Fragen des Deutschunterrichts:
https://textaussage.de/ki-mia-praktische-erprobung-der-kuenstlichen-intelligenz-fuer-aufgaben-des-deutschunterrichts
— - Youtube-Playlist
https://www.youtube.com/playlist?list=PLNeMBo_UQLv1bBiPiTy_JWGzGYKD9iBs3
— - Infos, Tipps und Materialien zu weiteren Themen des Deutschunterrichts
https://textaussage.de/weitere-infos