• In der Kurzgeschichte „Der verlorene Enkel“ von Günter Kunert, geht es um eine Familie, die ein Enkel anscheinend vor einigen Jahren verlassen hat. Man schwankt jetzt zwischen Sehnsucht nach ihm und Überlegungen, wie man diesen Abweichler von der Normalität am besten bestrafen könnte.
  • Die Geschichte beginnt mit der Beschreibung einer Situation, in der alle eine Art Wachtposten bezogen haben, um für den Fall gerüstet zu sein, dass der Enkel wieder erscheint.
  • Man geht davon aus, dass diese Rückkehr von dem Enkel als Glück empfunden werden würde.
  • Dementgegen stehen anschließend ausführliche Überlegungen, wie man den Rückkehrer wegsperren oder auf andere Art und Weise bestrafen könnte.
  • Am Ende werden zwei Dinge betont,
    • zum einen der zunehmende „Verfall des Gehöftes“. Offensichtlich ist die zurückgebliebene Familie voll auf eine Sache konzentriert und vernachlässigt dabei alles Sonstige.
    • Zum anderen präsentiert der Erzähler seine Sicht der Dinge, nämlich, dass das „melodiöse Klirren das Gewicht der Ketten [… ]nicht aufwiegt“, wenn man sich einmal davon entfernt hat.
  • Der Leser wird er so hier in eine bestimmte Interpretation hineingelenkt:
    • Das Zuhause enthält Melodiöses, also zunächst mal Wohlklingendes,
    • das ändert aber nichts an den Ketten, die man dort auch spürt.
    • Das Verhalten des Enkels wird als Akt der Befreiung verstanden.
  • Insgesamt ein Text, der sich sicherlich im Randbereich der Kurzgeschichten-Definition befindet.
    • Es gibt einen direkten Einstieg,
    • das Ende ist allenfalls halboffen, weil das Verschwinden des Enkels ja erklärt wird, auch im Hinblick auf seine Zukunft.
    • Offen bleibt allenfalls, ob diese Familie diese Wartehaltung irgendwann abstreifen wird. Ob also die Erkenntnis des Erzählers auch zu Hause diskutiert wird.
  • Eine richtige Handlung gibt es nicht, sondern es wird eine sich ständig wiederholende Situation mit entsprechenden Verhaltensweisen beschrieben.
  • Von dem Enkel erfährt man so gut wie nichts, außer, dass er sich befreit hat und wohl auch befreien musste.
  • Man kann diese Geschichte vergleichen mit der Parabel der Nachbar von Franz Kafka, denn die wird nämlich aus der Perspektive eines möglichen Rückkehrers präsentiert.
    https://textaussage.de/kafka-heimkehr-zwischen-literatur-und-autobiografie

    https://www.schnell-durchblicken2.de/kafka-wichtigste-parabeln

    https://textaussage.de/kreative-uebung-dialog-schreiben-kafka-heimkehr

Wer noch mehr möchte …