Hedwig  Dransfeld 

Mittagszauber

  • Der Titel des Gedichtes gibt nur eine Tageszeit an und verweist darauf, dass da etwas Zauberhaftes passiert.
  • Das erinnert ein bisschen an den antiken Gott Pan, der in der Mittagszeit sein Wesen oder auch Unwesen trieb. Man denke an das von ihm abgeleitete Wort Panik.
    Näheres hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Pan_(Mythologie)
  • Aber das ist zunächst nur eine Vermutung, die man genauer überprüfen muss. Sie muss natürlich vor allem auch mit dem Rest des Gedichtes über einstimmen.

Goldstaub die Luft! – Der stille Park verträumt,
Die Rosen schwer, vom eignen Dufte trunken,
Und jeder Halm von weißem Licht umsäumt,
Und selbst das Erlenlaub in Schlaf versunken.

  • In der ersten Strophe wird eine Situation geschildert, die mit ganz bestimmten Eindrücken verbunden ist.
  • Verbunden ist die Situation mit einem ganz bestimmten Ort, einem Park.
  • Deutlich wird in den ersten beiden Zeilen schon, dass es um eine Stimmung geht, die sich von der Realität entfernt („verträumt“ beziehungsweise „trunken“).

Es ist so still – nur dann und wann im Hag
Ein Wachtelruf, des Hähers Liebeslocke
Ein schluchzend abgebrochner Amselschlag,
Ein kurzes Brausen wie versunkne Glocken.

  • Die zweite Strophe lebt von dem Miteinander, vielleicht auch dem Gegensatz zwischen Stille und einigen Naturgeräuschen.
  • In der zweiten Hälfte der Strophe verändert sich die Atmosphäre in Richtung Trauer beziehungsweise Vergänglichkeit.

Ich selbst verträumt, das Auge sonnenschwer,
Es flutet über mich mit schwüler Welle,
Ein blauer Falter taumelt um mich her,
Vom Schilfe tönt das Schwirren der Libelle.

  • In der dritten Strophe bringt sich dann das lyrische Ich selbst ein.
  • Es ist beeindruckt von den Eindrücken, vor allen Dingen von der Sonne.
  • Wenn von „schwüler Welle“ die Rede ist, kann das durchaus auf eine blitzartige Veränderung hinauslaufen.

In meiner Seele wird es licht und weit,
Ein Schwanken ist’s, ein selig Untergehn. …
Des Sommertags verlor’ne Einsamkeit
Fühl ich wie gold’ne Nebel mich umwehn.

  •  Die vierte Strophe geht dann weiter, macht zunächst einmal deutlich, dass die Seele eine Art Aufschwung erlebt.
  • Die zweite Zeile scheint mit „Schwanken“ und „Untergehn“ ins Negative überzugehen, dagegen spricht aber das Attribut „selig“.
  • Auch etwas eindeutig Negatives wie „die verlor’ne Einsamkeit“ gehört der Vergangenheit an und kehrt auf eine besondere Art und Weise aktuell wieder zurück:
    Fühl ich wie gold’ne Nebel mich umwehn.“

Noch sieht mein Aug‘ ein fallend Rosenblatt,
Ein Wasserhuhn ist taumelnd aufgeflogen.
Ich sinke hin – so still und traumesmatt
Und treibe steuerlos auf Traumeswogen.

  • Die letzte Strophe nimmt noch einmal Motive aus dem Anfangsteil des Gedichtes auf.
  • Die letzten beiden Zeilen machen dann deutlich, dass das lyrische Ich in dieser Gesamtatmosphäre versinkt. Das Wort „steuerlos“ scheint wieder ins Negative zu gehen, im Gesamtkontext des Gedichtes dominieren aber Elemente der Entspannung, der Ruhe, des Eingehens in die Natur.

Weiterführende Hinweise