Gedichte des Expressionismus – schnell und sicher erkennen (Mat4767)

Worum es hier geht

Dieses Video zeigt, wie man expressionistische Gedichte schnell erkennen kann. Das Entscheidende: Nicht irgendwelche Checklisten auswendig lernen, sondern möglichst viele Gedichte kurz checken und so ein Gefühl für die Epoche bekommen.

Genau das wird im Video vorgemacht – an drei Gedichten von Georg Heym, Georg Trakl und Ernst Wilhelm Lotz. Das Wichtigste dazu findest du weiter unten auch in Kurzform.

Das Video und das Begleitmaterial

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Das Problem – und unsere Lösung

Das Problem:

  1. Normale Aufgabe: Gedicht nicht nur analysieren, sondern Epoche erkennen.
  2. Man lernt dann Kennzeichen auswendig – auch nicht schlecht, aber besser ist es:

Unsere Lösung:

  1. wenn man neben den Kennzeichen
  2. auch Beispiele für sie hat
  3. und am besten möglichst viele Gedichte „kurz gecheckt“ hat.
  4. Wir können hier auf eine schöne Sammlung von Gedichten zugreifen, die schon geordnet sind.

Kennzeichen von Gedichten des Expressionismus

Der Spickzettel: die Kennzeichen auf einen Blick

Spickzettel mit den Kennzeichen von Gedichten des Expressionismus
  • Dieser Spickzettel stammt aus dem Buch „In drei Tagen fit für Klausuren und Prüfungen: Lyrik der Romantik und des Expressionismus“. Im Video kann man die Pause-Taste drücken und ihn in Ruhe ansehen.
  • Die Nummern im Schaubild findest du in der Liste unten wieder. So kannst du schnell vergleichen.
  • Wichtig: Eine solche „Buchliste“ ist nur der Anfang. Sicher wird man erst mit einer „Erfahrungsliste“ – also wenn man die Kennzeichen an möglichst vielen Gedichten selbst wiedergefunden hat.

Die Kennzeichen im Überblick:

  1. starke Gefühle,
  2. die ungewohnt krass präsentiert werden (Farben und Formen)
  3. Leiden an der Fabrikwelt
  4. Leiden an der Vermassung des Menschen
  5. die gleichzeitig Einsamkeit bedeuten kann
  6. Gefühl von Verfall
  7. Richtung Sinnlosigkeit
  8. oder auch Apokalypse
  9. Aber auch Aufbruch, Sehnsucht nach einem neuen Menschen, einer neuen Welt, verbindet sich mit Ekstase, s. o.
  10. Risikobereitschaft

Drei Beispielgedichte – die Schaubilder aus dem Video

Im Video werden drei Gedichte kurz „gecheckt“ – genau so, wie wir es empfehlen. Die Gedichtauszüge in den Schaubildern stammen aus einer Sammlung von rund 50 kurz vorgestellten Gedichten. Die Farben helfen beim Lesen: Romantisch klingende Stellen sind anders markiert als das, was diese Stimmung stört oder zerstört.

1. Georg Heym, „Die Stadt“ – romantischer Anfang, der kippt

Schaubild zu Georg Heym, „Die Stadt“: farbig markierte Textstellen mit Deutung
  • Auf den Punkt gebracht: Hier wird eine scheinbare Idylle zerstört – romantische Atmosphäre schlägt um in Masse, Leere und Bedrohung.
  • Der Anfang klingt fast romantisch: eine weite Nacht, Wolkenschein, tausend Fenster, die „blinzeln“. Doch die Stimmung kippt schnell.
  • Dann das typisch Expressionistische: Menschenmassen, Eintönigkeit und ein Leben von der Geburt bis zum Tod, das stumpf und „einerlei“ vorbeigeht.
  • Am Ende stehen Feuer und Bedrohung – und das alles in der strengen Form eines Sonetts. Traditionelle Form, verstörender Inhalt: Das findet man im Expressionismus häufig.

2. Georg Trakl, „Grodek“ – Schönheit und Grauen nebeneinander

Schaubild zu Georg Trakl, „Grodek“: farbig markierte Textstellen mit Deutung
  • Auf den Punkt gebracht: Das Gedicht lebt von der Gegensatzspannung zwischen schönen Naturbildern und drastischen Bildern des Krieges.
  • Grodek ist der Ort einer Schlacht zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Das muss man wissen, sonst bleibt der Titel rätselhaft.
  • Romantische Bilder wie goldene Ebenen und blaue Seen stehen direkt neben der Grausamkeit des Krieges: sterbende Krieger, Straßen, die in „schwarze Verwesung“ münden.
  • Nach Ansätzen von Heldenverehrung folgt ein brutaler Schluss: die „ungebornen Enkel“. Die Toten werden keine Kinder mehr haben.

3. Ernst Wilhelm Lotz, „Aufbruch der Jugend“ – Neubeginn mit kriegerischem Ton

Schaubild zu Ernst Wilhelm Lotz, „Aufbruch der Jugend“: farbig markierte Textstellen mit Deutung
  • Auf den Punkt gebracht: Gefühlsintensität pur – Umsturz, Befreiung und neue Welten, aber mit einer Sprache voller Gewalt.
  • Hier geht es nicht um Untergang, sondern um Aufbruch: Die Jugend will auf den Trümmern der alten eine neue Welt bauen.
  • Auffällig: Auch ohne direkten Krieg klingt der Aufbruch kriegerisch – Kolonnen, Waffen, Barrikaden.
  • Typisch für die Epoche ist die Sprache, die bis an die Grenzen ausgereizt wird, bis hin zu messianischem Selbstbewusstsein. Manchmal hat man das Gefühl, es ist etwas dick aufgetragen.
  • Mehr dazu im Video: Lotz, „Aufbruch der Jugend“
    https://www.youtube.com/watch?v=VGI5X7XBidE
    Schritt für Schritt durch das Gedicht – vom Signal zur Aussage.

Weitere Infos, Tipps und Materialien

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