Gedichte des Expressionismus – sortiert nach Themen (Mat1726-ths)

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Wilde Gefühle, extreme Bilder – ein Überblick hilft

Es lohnt sich, sich zunächst einmal die Besonderheit der Gedichte des Expressionismus klarzumachen.
Denn wer das Gegenüber kennt, kann besser mit ihm umgehen.
Und das zahlt sich besonders bei Klausuren aus.

Eine ausdrucksstarke Nahaufnahme eines Mannes mit intensivem, leicht gequältem Gesichtsausdruck und zerzaustem Haar, der seine Hände an den Kopf presst, umrahmt von dunklen Schatten und dramatischem Licht.
  • Tja, so wie auf dem Bild links sind manche Dichter aus der Zeit des Expressionismus.
  • Sie haben wilde Gefühle – und die drücken sie zum Teil in sehr eigenwilligen Bildern aus.
  • Wer unsere thematische Übersicht hier nutzt, hat auf jeden Fall bessere Chancen.

Das Besondere dieser Seite: Zu jedem der 13 Themen zeigen wir kurz, was der Expressionismus daraus macht, und stellen ein bis drei Paradegedichte vor. So kann man schnell wiederholen – und weiß sofort, welches Gedicht man in der Klausur als Beispiel heranziehen kann.

Das Video erklärt die Besonderheit

Alle Themen auf einen Blick

Die Tabelle zeigt in alphabetischer Reihenfolge, was für das jeweilige Thema typisch expressionistisch ist und welches Gedicht sich als Beispiel besonders eignet. Ein Klick auf das Thema führt direkt zum passenden Abschnitt weiter unten.

ThemaTypisch expressionistischParadegedicht
ArbeitsweltFabrik als kalte, enge Gegenwelt zur NaturZech, „Fabrikstraße Tags“
Dichter über sich selbstKünstler denken über Kunst und Regeln nachStadler, „Form ist Wollust“
FormexperimenteVerkürzte, neu gebaute SpracheStramm, „Schwermut“
KriegKrieg als dämonische Macht – oft schon vor 1914Heym, „Der Krieg“
LiebeLiebe als Trieb, Rausch und VerlustangstStramm, „Trieb“
Menschen und AufbruchVereinsamung – und Sehnsucht nach dem „neuen Menschen“Stadler, „Der Aufbruch“
NaturBedrohte, kranke Natur statt IdylleHeym, „Frühjahr“
Religion, TranszendenzReligiöse Bilder für neue Mächte und HoffnungenLotz, „Aufbruch der Jugend“
Schock des HässlichenLeichen, Krankheit, Elend als ProvokationBenn, „Kleine Aster“
StadtGroßstadt als lauter, übermächtiger GötzeHeym, „Der Gott der Stadt“
Untergang, ApokalypseWeltende-Visionen, die Ordnung zerbrichtvan Hoddis, „Weltende“
VerfallFriedliche Stimmung kippt in AuflösungTrakl, „Verfall“
Vergleich mit der RomantikGleiche Motive, andere WeltsichtHeym, „Die Stadt“ – Eichendorff, „In Danzig“

Thema „Arbeitswelt“: Fabrik, Kälte, Enge

Was der Expressionismus daraus macht: Fabrik und Industrie erscheinen als Mächte, die den Menschen eng, kalt und naturfern machen – meist eng verbunden mit dem Thema Großstadt.

Thema „Dichter über sich selbst“: Kunst ohne Regeln

Was der Expressionismus daraus macht: Die Expressionisten schreiben nicht nur über die Welt, sondern auch über sich selbst: über ihre Rolle als Künstler, über die Sprache und über den Anspruch, alle Regeln zu sprengen.

Thema „Formexperimente“: Wenn die Sprache explodiert

Was der Expressionismus daraus macht: Die Sprache selbst wird zum Experimentierfeld: Wörter werden verkürzt, neu gebildet und aneinandergereiht. Spannend für die Klausur: Viele Expressionisten bleiben trotzdem bei Reim und Sonett – das Chaos steckt dann in einer strengen Form.

Thema „Krieg“: Visionen vom Grauen – schon vor 1914

Was der Expressionismus daraus macht: Erstaunlich: Viele Kriegsgedichte entstehen schon vor 1914 – als düstere Visionen. Der Krieg erscheint als dämonische Macht, und manche Dichter schwanken zwischen Grauen und Aufbruchsbegeisterung.

Thema „Liebe“: Rausch, Trieb und Verlustangst

Was der Expressionismus daraus macht: Auch die Liebe wird extrem: als Trieb, als Rausch, oft aber auch als Angst vor dem Verlust – und manchmal wirkt sie überraschend modern.

Thema „Menschen und Aufbruch“: eingesperrt – und auf dem Weg zum „neuen Menschen“

Was der Expressionismus daraus macht: Der Mensch hat im Expressionismus zwei Gesichter: einerseits vereinsamt und eingesperrt in der modernen Welt, andererseits voller Sehnsucht nach Aufbruch und einem „neuen Menschen“.

Thema „Natur“: keine Idylle mehr

Was der Expressionismus daraus macht: Statt romantischer Idylle eine Natur, die bedrohlich wird, krank wirkt oder einfach versagt: ein Frühling ohne Aufbruch, ein Herbst als Zeit des Verfalls.

Thema „Religion und Transzendenz“: neue Götter, neue Erlöser

Was der Expressionismus daraus macht: Der alte Gott ist fern – dafür tauchen religiöse Bilder an unerwarteten Stellen auf: als Götze der Großstadt oder als Messias-Hoffnung einer Jugend, die eine neue Welt schaffen will. Tipp: Auch Heyms „Der Gott der Stadt“ (siehe Thema Stadt) lebt von religiösen Bildern.

Thema „Schock des Hässlichen“: Provokation mit Absicht

Was der Expressionismus daraus macht: Leichen, Krankheit und Elend werden nüchtern, fast medizinisch gezeigt – als bewusste Provokation gegen eine Kunst, die nur das Schöne zeigen will.

Thema „Stadt“: der Götze Großstadt

Was der Expressionismus daraus macht: Die Großstadt ist laut, übermächtig und krank – und die Menschen bleiben trotz aller Nähe allein. Alfred Wolfenstein bringt das in „Städter“ mit Wänden, „so dünn wie Haut“, auf den Punkt.

Thema „(Welt-)Untergang“: die Ordnung zerbricht

Was der Expressionismus daraus macht: Weltende-Stimmung kurz vor dem Ersten Weltkrieg: Katastrophen kündigen sich an, die gewohnte Ordnung zerbricht – manchmal schaurig, manchmal fast komisch.

Thema „Verfall“: wenn die Stimmung kippt

Was der Expressionismus daraus macht: Leiser als die Großstadtgedichte: Vor allem bei Georg Trakl kippt eine eben noch friedliche Stimmung in Auflösung, Krankheit und Tod – oft in Herbst- und Dämmerungsbildern.

Vergleich mit der Romantik: gleiche Motive, andere Welt

Was der Expressionismus daraus macht: Stadt, Nacht, Natur, Einsamkeit – die Motive sind oft dieselben, die Weltsicht ist eine völlig andere. Deshalb sind Vergleiche zwischen Romantik und Expressionismus ein Klassiker in Klausuren.

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