Gegengedichte: Bedeutung, Beispiele, Tipps (Mat4943)

Ein Traum wird wahr. Ein Gedicht wird genannt – kurzer Blick ins Buch – schon hat man eine Idee, was man als „Gegengedicht“ schreiben könnte.

Aber Achtung: Das muss sich nicht gegen den Autor oder die Autorin richten. Vielmehr wird man zu einem „Gegenüber“.

In gewisser Weise erfüllt man den Traum hinter dem Gedicht – dass jemand „antwortet“. Denn „Kunst entsteht ja erst [komplett] im Auge des Betrachters“.

Oder sagen wir hier: Auf dem Notepad – mit einer Handbewegung, die so etwas andeutet: „Ich nehme die Herausforderung an!“

Kreativität kann Spaß machen

Endlich mal nicht nur analysieren.

Stattdessen lässt man sich „anregen“ vom Text. Man kann sogar sagen „ansprechen“. Denn so ein Gedicht kommuniziert mit einem, ohne dass man das gleich merkt.

Wenn man sich aufregt oder zumindest irritiert ist und denkt: Was hat der/die denn für ein Problem. Das kann man doch anders sehen – dann ist das Ziel schon fast erreicht.

Die einfachste Form ist, dem Monolog des Ausgangsgedichtes eine direkte Entgegnung entgegenzusetzen. Dabei kann man auch ruhig den Verfasser ansprechen – auch wenn er nur eingeschränkt mit dem Gedicht zu identifizieren ist.

Hier ein Beispiel, das uns selbst sehr gefällt.

Wie man Gottfried poetisch die Meinung sagt.

Das Ausgangsgedicht ist hier zu finden.

Da jammert der Dichter doch richtig rum, er habe nur gelitten und sich immer gefragt. Wozu?

Angeblich muss man alles nur ertragen.

Alles „verbleicht“, verliert also seine Schönheit – und am Ende bleiben nur:
„die Leere / Und das gezeichnete Ich.“

Einfach mal schauen, was Anders Tivag dazu in Gedichtform zu sagen wusste.
Übrigens: Ein Gedicht muss keinen Reim haben – es reicht, wenn es gut klingt. Kann man still für sich mal ausprobieren.

Anders Tivag

Drei Antworten auf Gottfried Benns „Nur zwei Dinge“

Ach Benn, bei allen diesen Klagen
Will ich dich einfach fragen
Warum so trüb dein Leben.
Wie wär’s mit:  auch mal geben
Und strahlende Augen sehen
bei denen, die voller Flehen.

Statt eines solchen Blicks voll Hohn
Wie wär es denn mit etwas Reflexion?
Wer immer nur nach unten blickt
Der wirklich niemals etwas blickt

Wie schön wär doch der Satz: er kanns
Er sieht im Leben auch den Glanz.

Wer es mal „live“ im Video sehen will

Hier kann man sich anschauen, wie ein Gedicht zu Eichendorffs Gedicht „Abschied“ entstanden ist.

 

 

Beispiele für Gegengedichte: 18./19. Jhdt

Aus aktuellem Anlass stellen wir hier mal die Beispiele von Gegengedichten zusammen, die wir in unserer Datenbank gefunden haben.

Wir werden das noch genauer im Hinblick auf den Zeitbezog des Ausgangsgedichtes sortieren und mit Tipps versehen.

Aber etwas ist immer besser als nichts 😉

Gegengedicht zu Brentano, „Der Spinnerin Nachtlied“
https://textaussage.de/gegengedicht-zu-brentano-der-spinnerin-nachtlied

Gegengedicht zu Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“
https://www.schnell-durchblicken.de/e-books-und-support/unsere-schreibwerkstatt/gegengedicht-zu-goethes-zauberlehrling/

August von Platen, „O wonnigliche Reiselust“ – mit Kritik und Gegengedicht
https://schnell-durchblicken.de/august-von-platen-o-wonnigliche-reiselust

Goethe, Die Erwählte mit Gegengedicht – Entstanden Mitte der 90er Jahre, Erstdruck 1800.
https://schnell-durchblicken.de/goethe-an-die-erwaehlte

Gegengedicht schreiben – zu Eichendorff, Abschied
https://textaussage.de/eichendorff-abschied-gegengedicht-schreiben

Friedrich Rückert Reiseziel Kritik und Gegengedicht
https://textaussage.de/friedrich-rueckert-reiseziel-analyse-kritik-und-kreativitaet

Beispiele für Gegengedichte: 1900 bis 1945

Franz Lichtenstein Städter in der Landschaft,
schönes Gegengedicht zu Wolfensteins „Städter“ als Übungsgedicht Klassenarbeit Klasse 8
https://textaussage.de/franz-lichtenstein-staedter-in-der-landschaft

Gegengedicht Besuch aus der Stadt zu Kästners „Besuch vom Lande“
https://textaussage.de/anders-tivag-besuch-aus-der-stadt-als-gegengedicht

Gegengedicht zu Gottfried Benn, „Reisen“
https://textaussage.de/gegengedicht-zu-gottfried-benn-reisen

Beispiele für Gegengedichte: Gegenwart

Brinkmann, Rolf Dieter, „Selbstbildnis im Supermarkt“
mit kreativem Gegengedicht von Lars Krüsand, Erleichterung
https://schnell-durchblicken.de/brinkmann-rolf-dieter-selbstbildnis-im-supermarkt-mit-kreativem-gegengedicht-von-lars-kruesand-erleichterung

Lars Krüsand, „Erleichterung“
Gegengedicht zu Brinkmann, Selbstbildnis im Supermarkt
https://schnell-durchblicken.de/lars-kruesand-erleichterung-gegengedicht-zu-brinkmann-selbstbildnis-im-supermarkt

Lars Krüsand – „Aufgesang“
Gegengedicht zu Enzensbergers „Kleiner Abgesang auf die Mobilität“
https://schnell-durchblicken.de/enzensberger-kleiner-abgesang-plus-gegengedicht

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