Kurzgeschichten zum Thema „Schuld“ (Mat4165)

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Kurzgeschichten zum Thema Schuld – ein Überblick

Kaum ein Thema taucht in der Weltliteratur so häufig auf wie Schuld – und kaum ein Genre ist dafür so geeignet wie die Kurzgeschichte. Auf wenigen Seiten verdichtet sie einen Moment, eine Entscheidung, eine Unterlassung – und lässt den Leser mit der ganzen Wucht des Geschehens zurück. Die folgenden Texte zeigen, wie unterschiedlich Schuld aussehen kann: als Unfall, als Feigheit, als Lüge, als Schweigen.

Bekannte Kurzgeschichten zum Thema Schuld

Dagermann, Stig – „Ein Kind töten“

Auf sehr besondere Weise gelingt es dieser Geschichte, Betroffenheit auszulösen. Am Ende nimmt man das Leben und seine Bedrohungen vielleicht ein bisschen ernster.

Unsere Seite: textaussage.de – Dagermann: Ein Kind töten

Dische, Irene – „Liebe Mom, lieber Dad“

Eine junge Frau schreibt ihren Eltern einen Brief. Darin enthalten zunächst der Rückblick auf ein heftiges Streitgespräch mit schlimmen Folgen. Dann die Aufklärung: Die gab es gar nicht, aber ihre Eltern sind jetzt bereit, die Heirat ihrer Tochter mit einem angeblich ungeeigneten Partner zu akzeptieren – und sich vielleicht auch ein bisschen wegen ihrer falschen Akzentsetzung zu schämen.

Unsere Seite: textaussage.de – Dische: Liebe Mom, lieber Dad

Stamm, Peter – „Feuer“

Dass Peter Stamm auch anders kann als den Eindruck von Belanglosigkeit zu erwecken, zeigt diese Kurzgeschichte. Der Ich-Erzähler berichtet aus seiner Jugend: Beim Schießen auf Scheiben fordert er seinen Freund aus einer Laune heraus auf, kurz aus dem Unterstand hinauszuschauen. Der Freund nimmt es ernst – und wird in genau diesem Moment von einer Kugel tödlich getroffen. Der Erzähler behält seinen Anteil für sich. Den bitteren Abschluss bildet die Nachricht, dass der Vater des Freundes seinen Sohn angeblich nur traf, weil er ein so schlechter Schütze war.

Hinweis: Die Geschichte ist erschienen im Band „Der Lauf der Dinge“ (Google Books – Der Lauf der Dinge).

Mrozek, Slawomir – „Schuld und Sühne“

In der Geschichte geht es um einen kleinen Jungen, der so ziemlich gegen alle Regeln verstößt, die ihm gegeben werden. Sein Schutzengel weiß sich nicht mehr anders zu helfen, als zu Formen der Gewalt zu greifen. Die scheinen auch Positives zu bewirken – bis im Elternhaus schließlich eine Bombe explodiert und der Junge auf dem Weg nach Südamerika ist. Interessant ist vor allem die Frage, welche Alternativen es zur Gewalt gegeben hätte.

Unsere Seite: schnell-durchblicken.de – Mrozek: Schuld und Sühne

Schnurre, Wolfdietrich – „Beste Geschichte meines Lebens“

Diese Geschichte liest sich gar nicht wie eine normale Kurzgeschichte – sie tut so, als würde sie aus dem Gedächtnis einen Zeitungsbericht wiedergeben, eine raffinierte Konstruktion. Viel wichtiger ist aber der ungeheuerliche Vorfall: Auf eine unterlassene Hilfeleistung mit schrecklichen Folgen folgt auf ebenso raffinierte Art und Weise die Strafe.

Unsere Seite: schnell-durchblicken.de – Schnurre: Beste Geschichte meines Lebens

Schmitz, Edith – „Ein Zeuge“

In der Geschichte geht es um einen Einbrecher, der es auch nach zehn Jahren Gefängnis nicht lassen kann – diesmal aber arbeitet er allein, weil er meint, dann keinen Zeugen fürchten zu müssen. Nach dem Einbruch in ein Juweliergeschäft sieht er im Obergeschoss eine Gestalt, die ihn zu beobachten scheint. In seiner Erregung entscheidet er sich, sie zu erschießen – und bricht danach am Steuer zusammen und stirbt. Später stellt sich heraus: Der angebliche Beobachter war eine Schneiderpuppe. Hier kann man gut die Frage des „perfekten Verbrechens“ diskutieren – und warum Pläne scheitern.

Unsere Seite: textaussage.de – Schmitz: Ein Zeuge

Signer, Luca – „Herbstvergessen“

In dieser Geschichte verarbeitet ein Ich-Erzähler auf ganz besondere Art die Schuld am Tod seines kleinen Bruders. Die Geschichte ist auf leselupe.de erschienen – der Verfasser ist also noch nicht so bekannt wie die anderen hier aufgeführten Autoren. Um so mehr kann seine gut gemachte Geschichte Schülerinnen und Schülern Mut machen, sich selbst mal an einer Kurzgeschichte zu versuchen.

Zur Geschichte: leselupe.de – Signer: Herbstvergessen

Stamm, Peter – „Am Eisweiher“

Ein junger Mann lässt sich bei einem Ausflug von der Freundin eines Freundes verführen. Als der das entdeckt, springt er in den See und verletzt sich dabei tödlich. Die beiden anderen reagieren seltsam emotionslos – besonders die Freundin. Am Ende bleibt offen, von wem das Kind ist, das sie einige Monate später bekommt, und wie sich der Ich-Erzähler ihr gegenüber weiter verhält.

Unsere Seite: schnell-durchblicken.de – Stamm: Am Eisweiher

Borchert, Wolfgang – „Vielleicht hat sie ein rosa Hemd“

Zwei Soldaten kehren aus dem Krieg zurück und beobachten von einem Brückengeländer aus Frauen – das Erste, worauf sie so lange verzichten mussten. Am Ende bekennt einer dem anderen eine alte Schuld, die ihn noch immer quält. Offen bleibt, ob dieses Teilgeständnis ihn von der Erinnerung befreien kann.

Unsere Seite: schnell-durchblicken.de – Borchert: Vielleicht hat sie ein rosa Hemd

Malecha, Herbert – „Die Probe“

Passend zum Satz: „Nach dem Sieg binde den Helm fester.“

Unsere Seite: textaussage.de – Malecha: Die Probe

Geibel / Droste-Hülshoff – Kann eine Schuld durch eine andere beglichen werden?

Keine Kurzgeschichten, aber zwei Balladen, die es in sich haben. Auf dieser Seite werden zwei ziemlich lange Geschichten in Balladenform kurz zusammengefasst, die eine besondere Art von Gerechtigkeit zeigen.

Bei Emanuel Geibels „Die Goldgräber“ werden zwei Leute zu Mördern – aber das Opfer ist auch nicht besser. Am Ende sind alle drei tot. Hier scheint die Welt noch in Ordnung: textaussage.de – Geibel: Die Goldgräber

Bei Annette von Droste-Hülshoffs „Batavia 510″ gibt es ebenfalls eine Untat – und der Übeltäter wird bestraft, allerdings für eine Tat, die er gar nicht begangen hat: textaussage.de – Droste-Hülshoff: Batavia 510

Kurzgeschichten aus dem Schulalltag – Ergänzungen für Lehrkräfte

Die folgenden Texte wurden ergänzend ausgewählt, weil sie das Thema Schuld in Situationen zeigen, die Schülerinnen und Schülern aus dem eigenen Alltag vertraut sind. Sie eignen sich besonders gut als Einstieg oder als Kontrastlektüre zu den „klassischen“ Kurzgeschichten oben.

Frerichs, Hajo – „Zu schnell – zu langsam“

Diese Geschichte setzt sich am intensivsten mit moralischer Schuld und Verantwortung auseinander. Die Protagonisten nutzen in einem Stau unberechtigterweise die Rettungsgasse und behindern dadurch – auch durch ungeduldiges Hupen – das Durchkommen der Rettungskräfte. Erst am Abend erfahren sie, dass ein Bekannter in den Unfall verwickelt war und die Hilfe für ihn zu spät kam. Das Thema: das fatale Zusammenspiel von Bequemlichkeit, Situationsdruck und moralischem Fehlverhalten.
https://textaussage.de/hajo-frerichs-zu-schnell-zu-langsam-das-ende-eines-gaffer-tages

Lankert, Björn – „Der Streber“

Mitschüler schieben dem neuen Schüler Peter einen Spickzettel unter – woraufhin ihm der Lehrer fälschlicherweise einen Täuschungsversuch vorwirft. Später gesteht sein Banknachbar Stefan unter dem Druck seines schlechten Gewissens und seiner wütenden Mutter die Tat. Die Geschichte thematisiert die Feigheit der Gruppe und die Last einer ungerechtfertigten Anschuldigung.
https://textaussage.de/bjoern-lankert-der-streber-oder-manchmal-lernt-man-nur-unter-schmerzen

https://textaussage.de/klassenarbeit-zur-kurzgeschichte-der-streber-von-bjoern-lankert

Krüsand, Lars – „Der Held“

Jan wird nach einem Unfall im Eis fälschlicherweise als Retter gefeiert, obwohl er selbst nur durch Zufall ins Wasser geriet. Er lässt die Lüge stehen und fühlt sich dadurch zunehmend von der Wahrheit entfernt. Die Geschichte zeigt, wie eine kleine Unwahrheit zu einer belastenden moralischen Last werden kann.
https://textaussage.de/klassenarbeit-kurzgeschichte-lars-kruesand-der-held

https://textaussage.de/lars-kruesand-der-held

Maatmann, Thore – „Man muss sich auch mal Luft machen!“

Tim lässt seinen Frust über seinen Chef bei einem Fremden auf einer Party ab – und muss am Ende feststellen, dass dieser Fremde der neue Assistent eben jenes Chefs ist. Hier geht es um das Risiko unkontrollierter Offenheit und die daraus resultierende berufliche und persönliche Misere.
https://textaussage.de/thore-maatmann-man-muss-sich-auch-mal-luft-machen

Tivag, Anders – „Gelernt ist gelernt“

Ein Vater – selbst Deutschlehrer – reagiert extrem enttäuscht auf eine schlechte Note seines Sohnes und wirft ihm Faulheit vor. Der Sohn nutzt daraufhin die rhetorischen Mittel der väterlichen Standpauke, um sich zu wehren. Eine Geschichte über Erwartungsdruck, Schuldgefühle – und die Wirkung von Sprache als Waffe.
https://schnell-durchblicken.de/anders-tivag-gelernt-ist-gelernt

Lars Krüsand, „Untergrundarbeit“

  • In dieser Geschichte geht es etwas humorvoll zu. Eine Vertretungslehrkraft meint, bei einem Schüler einen Verstoß gegen Regeln entdeckt zu haben. Wenn man das auch als Schuld verstehen will, klärt sich die ganze Geschichte auf sehr originelle Art und Weise auf. Das wäre auch etwas in Richtung Vermutung einer Schuld, wo keine echte ist.
  • https://schnell-durchblicken.de/lars-kruesand-untergrundarbeit

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