Worum es geht – vom Einzelnen bis zur ganzen Gesellschaft
Auf dieser Seite stellen wir Kurzgeschichten vor, in denen es um das Zusammenleben von Menschen geht: um Erwartungen, die andere an uns stellen, um Außenseiter und Fremde, um Einsamkeit mitten unter vielen Menschen – und um die Frage, wie eine Gesellschaft mit Konflikten und Gefahren umgeht.
Die Geschichten sind nicht einfach alphabetisch aufgereiht, sondern bilden eine Treppe: Wir beginnen beim Einzelnen, der seinen eigenen Weg sucht, und weiten den Blick Stufe für Stufe – über die Gruppe und die Begegnung mit Fremden bis hin zu Geschichten, in denen eine ganze Gesellschaft auf dem Prüfstand steht.
Zwei Tipps vorweg

Ganz neu und schülernah: Kimia Tivag, „Nicht mein Grabstein“ – ein Sohn will Musiker werden, der Vater träumt vom gemeinsamen Familienbetrieb. → Stufe 1
Hochaktuell und abiturerprobt: Günter Kunert, „Sintflut“ – eine Gesellschaft, die eine Katastrophe lieber schönredet als erkennt. Jetzt mit ausführlicher Erklärung und Insider-Tipps. → Stufe 6
Stufe 1: Den eigenen Weg finden – gegen die Erwartungen anderer
Am Anfang steht der Einzelne: Was will ich selbst – und was erwarten Eltern, Lehrer oder die Gesellschaft von mir?
- Kimia Tivag, „Nicht mein Grabstein“
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Ein Sohn mit wirtschaftlichem Talent will Musiker werden, sein Vater träumt von der gemeinsamen Zukunft im Familienbetrieb. Beim Mittagessen prallen die Vorstellungen aufeinander – und es zeigt sich, dass Selbstbestimmung manchmal bedeutet, Enttäuschung in Kauf zu nehmen. - Kimia Tivag, „Die glückliche Täuschung“
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Eine Tochter kommt begeistert aus der Philosophiestunde: die Idee eines sorglosen Lebens in Freiheit, wie bei Diogenes in seiner Tonne. Der Vater hält wenig davon. Gezeigt wird der Wert von Glück – auch wenn es nur kurz anhält. - Kathrin Schrocke, „Ira“ – jugendliche Protesthaltung
https://schnell-durchblicken.de/kathrin-schrocke-ira
Eine Schülerin erzählt rückblickend von einem Gespräch mit einer Beratungslehrerin, die nicht zu ihren wirklichen Problemen vordringt. Gut geeignet zum Weitererzählen nach dem Motto: „Was mir später geholfen hat, war …“
Stufe 2: Am Rand der Gruppe – dazugehören und ernst genommen werden
Vom eigenen Weg zur Gruppe: Wer gehört dazu – und was passiert mit denen, die am Rand stehen oder sich selbst dorthin manövrieren?
- Caro Finelli, „Die Überraschung“
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Ben bezieht zum Studium seine erste eigene Wohnung. Seine erste Fete endet peinlich: Schimmel im Joghurt, vergammelte Würstchen, eine Maus im Flur. Um es allen zu zeigen, putzt er vier Wochen lang und sagt jede Einladung ab – doch zu seiner großen Überraschungsfeier will dann niemand mehr kommen. Eine Geschichte darüber, dass Freundschaften Pflege brauchen und falscher Ehrgeiz einsam machen kann. - Lars Krüsand, „Der Außenseiter“
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Ein Mensch am Rand einer Gruppe, der ihr viel bieten könnte. Es braucht nur den glücklichen Moment, in dem darüber gesprochen wird – und genau der kommt in dieser Geschichte. - Marlene Röder, „Chuck Norris und seine Freunde“
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Ein Rollstuhlfahrer lässt sich für eine gefährliche Mutprobe auf eine Halfpipe tragen. Er will nicht mehr nur das freundlich behandelte Maskottchen der Gruppe sein, sondern für voll genommen werden. Besonders reizvoll: das offene Ende. - Marlene Röder, „Scherben“
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Ein 14-jähriger Junge, vom Vater misshandelt, wird von einer Pfarrersfamilie aufgenommen und kann deren Freundlichkeit kaum annehmen. Als die Tochter zufällig die Spuren der Schläge sieht, eskaliert die Situation. Mit Anregung zum Weiterschreiben und Video-Hinweis.
Stufe 3: Begegnungen mit Fremden – Vorurteile, Missverständnisse, Annäherung
Über die eigene Gruppe hinaus: Was geschieht, wenn Menschen aufeinandertreffen, die sich fremd sind?
- Federica de Cesco, „Spaghetti für zwei“
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Ein Missverständnis, das Vorurteile sichtbar macht – und in Freundschaft endet. - H. C. Artmann, „Keine Menschenfresser, bitte!“ (5-Minuten-Tipp)
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Eine recht extreme Lernerfahrung einer älteren Dame als Vermieterin. - Pattie Wigand, „Ein Montagmorgen im Bus“
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Ein Busfahrer versucht – etwas problematisch, aber erfolgreich –, seine Fahrgäste miteinander ins Gespräch zu bringen. Gut vergleichbar mit einer Szene aus dem „Club der toten Dichter“ und mit der feinfühligeren Geschichte „Die Botschaft“ von Jutta von der Lühe-Tower.
Stufe 4: Nebeneinander statt miteinander – Einsamkeit, Gaffen und schöner Schein
Manchmal leben Menschen dicht beieinander – und sind sich trotzdem fern. Hier geht es um Einsamkeit, Sensationslust und Fassaden.
- Ilse Aichinger, „Das Fenstertheater“
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Eine Geschichte über Einsamkeit, Sensationslust und Menschlichkeit – mit einer Idee, wie man sie weiterschreiben könnte. - Undine Gruenter, „XLII“
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Die Hauptperson verhält sich eher voyeuristisch, über alles andere erfährt man sehr wenig. Gerade deshalb ein reizvoller Ausgangspunkt, um über fehlende Anteilnahme in der Gesellschaft nachzudenken – gut vergleichbar mit „Das Fenstertheater“. - Oliver Schöffler, „Bernd“
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Ein Jugendlicher aus einem Wohnheim will am Samstag nur seine Ruhe. Als in der Bahnhofshalle ein Mann zusammenbricht und alle nur zuschauen, handelt ausgerechnet er – und erfährt zum ersten Mal, wie es ist, gebraucht zu werden. Das Gegenstück zur Gaffer-Mentalität. - Thomas Hürlimann, „Der letzte Auftritt“ – Sein und Schein
https://textaussage.de/thomas-huerlimann-der-letzte-auftritt-leben-zwischen-schein-und-sein
Eine noch junge Schauspielerin am Ende ihrer Karriere erlebt beim Treffen mit alten Bekannten eine Art „letzten Auftritt“. Anlass zur Diskussion über Sein und Schein – und darüber, wann Notlügen retten oder in die Ausweglosigkeit führen. - Karl Olsberg, „Taubers Sammlung“
https://schnell-durchblicken.de/karl-olsberg-taubers-sammlung
Ein einsamer alter Mann sammelt Erinnerungen an das Glück anderer. Als er seine Nachbarn einbezieht, wird aus dem Nebeneinander im Wohnhaus eine Gemeinschaft – ein hoffnungsvolles Gegenstück zu den anderen Geschichten dieser Stufe.
Stufe 5: Der Mensch im System – Arbeitswelt, Bewerbung, Behörden
Jetzt rücken die großen Strukturen in den Blick: Bewerbungsverfahren, Befragungen, Wirtschaft – und die Frage, wo der einzelne Mensch darin bleibt.
- Josianne Maas, „Fragebogen“
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Aus der Sicht einer Hausfrau und Mutter wird der enge Horizont einer Volksbefragung um 1960 kritisiert, die sich weder für erbrachte Leistungen noch für berechtigte Bedürfnisse interessiert. Mit Vorschlägen für Recherchen und zur Bedeutung der Geschichte für heute. - Georg M. Oswald, „Mit Menschen“ (5-Minuten-Tipp)
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Aus Bewerbungsmappen werden alle aussortiert, die gern „etwas mit Menschen“ machen – satirisch zugespitzt, wie das Menschliche in manchen Arbeitsverhältnissen zu kurz kommt. Mit Schaubild und Idee für eine kreative Ergänzung. - Anders Freistein, „Die Wortmeldung 2 – Entlassungsquote und Human Touch“ (KI-Debatte)
https://textaussage.de/ki-debatte-anders-freistein-die-wortmeldung-2-entlassungsquote-und-human-touch
Ausgehend von einem Bericht über Entlassungsquoten erinnert sich der Erzähler an die kritische Frage einer Schülerin an einen Karriereredner: Passt das Loblied auf künftige „menschliche Qualitäten“ zur renditeorientierten Wirklichkeit? Ein Anstoß, über die berufliche Zukunft mit KI zu diskutieren.
Stufe 6: Wenn eine ganze Gesellschaft versagt – Eskalation, Verdrängung, Warnung
Den Schluss bilden Geschichten, in denen nicht mehr Einzelne scheitern, sondern das Zusammenleben insgesamt – weil Konflikte eskalieren oder Gefahren verdrängt werden.
- Gerhard Zwerenz, „Nicht alles gefallen lassen“ (Klassenarbeit zur Satire)
https://textaussage.de/klassenarbeit-zur-satire-nicht-alles-gefallen-lassen-von-gerhard-zwerenz
Eher eine Satire – gut geeignet, um Gattungsunterschiede herauszuarbeiten. Vor allem zeigt sie ein zentrales Problem gesellschaftlicher Konflikte: die Gefahr der Eskalation. - Thomas Hürlimann, „Flug durch Zürich“
https://schnell-durchblicken.de/thomas-huerlimann-flug-durch-zuerich
Wirft die spannende Frage auf, was ein literarischer Text leisten kann, bevor man sich mit der Sachebene – hier dem Drogenthema – beschäftigt. - Günter Kunert, „Sintflut“ – Abschnitt für Abschnitt erklärt
https://textaussage.de/kunert-sintflut-interpretation
Das Wasser steigt weltweit, doch die Gesellschaft reagiert mit Regenschirmen, Schönreden und Gewöhnung – bis zum Untergang. Hochaktuell, abiturerprobt (Sachsen-Anhalt 2007) und mit dem Trick der Zeitformen als Schlüssel zur Erzählhaltung. - Günter Kunert, „Sintflut“ – Insider-Tipps für Lehrkräfte u.a. Interessierte
https://textaussage.de/guenter-kunert-sintflut-insider-tipps
Autor, Entstehung, Erzähltechnik, Deutungsansätze und Unterrichtsideen – mit Vergleichstexten wie Frischs „Biedermann und die Brandstifter“.
Weitere Infos, Tipps und Materialien
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