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Kategorie: Werther

LT2V2 Goethes „Werther“ – Video-Übersicht zum Inhalt, mit wichtigen Zitaten und Vorschlägen für Fragestellungen – Buch 2

Das Video

Das Video, in dem der zweite Teil des Werther-Romans vorgestellt wird, ist hier zu finden:

Videolink
Die Dokumentation kann hier angeschaut bzw. heruntergeladen werden:
Die folgenden Teile sind Vorarbeiten.

Schaubild – Skizze

Der rote Faden – Leitlinie für die Positionierung der einzelnen Handlungs- und Erlebniselemente

Vielleicht zwischen Leben und Tod

Leben steht dann für Freiheit, Vielfalt, Glück, Positive Gefühle

Tod steht dann für gefesselt sein Alternativlosigkeit, Unglück, Negative Gefühle

Erläuterung der Skizze

  1. Nach der Flucht aus den quälenden Entwicklungen in der Dreierbeziehung mit Lotte und Albert arbeitet Werther als Sekretär für einen Gesandten am Fürstenhof. Dort leidet er unter der Engstirnigkeit seines Vorgesetzten und den Zwängen des höfischen Gesellschaftslebens.
  2. Besonders belastet ihn der peinliche Rauswurf aus einer gesellschaftlichen Veranstaltung, in der er als Nichtadeliger nicht erwünscht ist.
  3. Zusätzlich empört ihn, dass er erst nach der Hochzeit von Lotte und Albert über diesen wichtigen Schritt informiert wird. Demonstrativ entfernt er den Schattenriss von Lotte, den er sonst immer im Blick hatte.
  4. Er bittet um seine Entlassung aus dem Hofdienst und wird erstaunlich positiv verabschiedet. Vor dem Hintergrund seine Auseinandersetzungen mit seinem Vorgesetzten erscheint das allerdings sehr fragwürdig.
  5. Er besucht zunächst in einer Art „Wallfahrt“ (EB87)  seine Heimatstadt und blickt dort auf Jugenderlebnisse zurück. Dabei sieht er vor allem ein Missverhältnis zwischen den Hoffnungen, mit denen er damals in die Zukunft und in die Ferne geblickt hat, und den Enttäuschungen, die in der Realität gefolgt sind.
  6. Dann lebt er einige Zeit mit einem Fürsten auf dessen Landgut, stellt dort aber bald fest, dass mehr sein Verstand als sein Herz geachtet werden. So verlässt er auch diesen Platz  nach kurzer Zeit und kehrt zu Lotte zurück.
  7. Dort verschärfen sich verständlicherweise seine Beziehungsprobleme. Seine Freundin trägt dazu allerdings durch recht kokettes Verhalten auch noch bei.
  8. Lottes Vorschlag einer Beschränkung ihres Verhältnisses auf eine reine Freundschaftsbeziehung lehnt Werther ab. Als Albert schließlich gegenüber Lotte eine Reduzierung der Besuche Werthers verlangt, versuch diese ihn dazu zu bewegen, zumindest die vier Tage bis Weihnachten von ihr Abstand zu halten.
  9. Nicht einmal  das schafft Werther . Bei seinem nächsten Besuch wird er nach intensiver Ossian-Lektüre gegenüber Lotte sogar übergriffig und küsst sie so intensiv, dass sie sich in einem Nachbarzimmer einschließen muss.
  10. Werther setzt daraufhin die schon lange gehegte Idee des Selbstmordes um, indem er sich mit einer von Albert ausgeliehenen Pistole erschießt. Vorher macht er noch deutlich, dass er auf ein Wiedersehen im jenseits hofft. Er wird dann seinem Wunsch gemäß ohne kirchliche Begleitung an einem von ihm ausgewählten Platz vom Amtmann begraben.

Weiterführende Hinweise

LT2V1 Goethes „Werther“ – Video-Übersicht zum Inhalt, mit wichtigen Zitaten und Vorschlägen für Fragestellungen – Buch 1

Inzwischen gibt es auch ein Video dazu:

Videolink

Die Doku findet sich hier:

Mat4084 Pcfe Werther Inhalt Zitate Fragen Buch 1

Dazu die passende Audio-Beschreibung:

Noch einige Ergänzungen zum Video

Man merkt deutlich, dass Werther tatsächlich mit einem Bein schon im romantischen Denken und Fühlen steckt.

  1. Intensive Wahrnehmung der Natur
  2. Freude am einfachen Leben
  3. vor allem auch früherer Zeiten (der Patriarchen)
  4. Intensive Beziehungen zu gleichgesinnten oder gleichbeseelten Menschen
  5. Distanz zum städtischen Leben
  6. Und auch zum Arbeitsleben sowie Karrieredenken
  7. In gewisser Weise ist er auch ein Taugenichts, wie ihn Eichendorff beschrieben haben, aber ein unglücklicher.

Das Vorgänger-Schaubild – nur eine Skizze, aber interessant

Der rote Faden – Leitlinie für die Positionierung der einzelnen Handlungs- und Erlebniselemente

Vielleicht zwischen Leben und Tod

Leben steht dann für Freiheit, Vielfalt, Glück, Positive Gefühle

Tod steht dann für gefesselt sein Alternativlosigkeit, Unglück, Negative Gefühle

Erläuterung der Skizze

  1. Allgemeines zu Goethes „Werther“
    1. Briefroman
    2. autobiografische Bezüge
    3. macht Goethe prominent, löst ein regelrechtes Werther-Fieber aus.
  2. Thema ist zum einen die Auseinandersetzung eines Sturm-und-Drang-Genies mit der ihn umgebenden Gesellschaft
  3. Zum anderen geht es um eine komplizierte Dreiecksbeziehung zwischen dem Protagonisten und einer jungen Frau, die schon mit einem Mann verlobt ist, der ganz in bürgerlichen Normen steckt. Damit ergibt sich die Verbindung zwischen den beiden Teilthemen.
  4. Ausgangspunkt ist die Flucht des jungen Werthers aus einer unglücklichen Liebesgeschichte heraus, verbunden mit der Regelung einer Erbschaft für seine Mutter.
  5. W. genießt die blühende Natur in der Nähe der Stadt, in der er untergekommen ist, und versucht sich als Künstler mit Zeichnungen.
  6. W. lernt einen freundlichen Amtmann kennen, dessen Tochter Lotte nach dem Tod der Mutter die Rolle der Hausfrau und der Mutter für die übrigen acht Kinder übernommen hat.
    Im Zusammenhang mit einer Ballveranstaltung tanzt Werther sehr intensiv mit Lotte,  erfährt aber auch, dass sie mit einem Albert, der zur Zeit abwesend ist, verlobt ist.
  7. Bei der gemeinsamen Betrachtung eines Gewitters entdecken Werther und Lotte eine Art Seelenverwandtschaft.
    Dabei spielt das Gespräch über den Empfindsamkeitsdichter Klopstock eine wichtige Rolle.
    In der nächsten Zeit bemüht Werter sich, möglichst häufig mit Lotte zusammen zu sein, und wird praktisch in ihre Familie aufgenommen.
  8. Auch als Lottes Verlobter Albert zurückkehrt, ändern sich die äußeren Verhältnisse zunächst nicht, aber Werther leidet doch ziemlich darunter, dass er Lotte nicht mehr für sich alleine hat und kann sich nur noch „ausgelassen närrisch“ (EB50) verhalten.
  9. Albert zeigt sich sehr verständnisvoll, ja großzügig gegenüber Werther. Bald zeigen sich aber doch die Unterschiede zwischen ihnen.
    Lottes Verlobten prägt das Bemühen um Normalität und Verantwortung.
    Werther dagegen zeigt immer wieder extreme Verhaltensweisen (leichtfertiger Umgang mit einer Pistole) und Einstellungen (etwa bei der Verteidigung des Selbstmords).
  10. Schließlich wird der Zwiespalt zwischen seiner Leidenschaft und der notwendigen Rücksichtnahme auf die Verlobung mit Albert für Werther unerträglich (vgl. EB66).
    Es kommt zu einem letzten quälenden Gespräch zu dritt, in dem es um den Tod von Lottes Mutter und die daraus für sie entstehende Verpflichtung geht.
    Dann verlässt Werther heimlich seine Freunde und nimmt eine Stelle als Sekretär eines Gesandten am Fürstenhof an.

Weiterführende Hinweise

Facharbeit – Aufbau und Darstellungsweise – Vorbild: Bachelorarbeit zu „Werthers Leiden“

Herausforderung und Chance

Eine Facharbeit ist in der Schule eine besondere Herausforderung.

Man kennt zwar die typischen Analysen, Interpretationen und auch Erörterungen – aber eine wissenschaftliche Darstellungsweise haben Schüler in der Regel nicht kennengelernt.

Da kann es helfen, sich mal eine sogenannte „Bachelorarbeit“ anzuschauen – das ist in der Regel der erste Versuch im Studium, eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben.

Ein lohnendes Beispiel

Im Folgenden stellen wir ein Beispiel vor:

Robert Roth, „Werthers Leiden: Romantische Ideale gegen spießbürgerliche Werte. Werthers Leiden:
Romantische Ideale gegen spießbürgerliche Werte. Ein gesellschaftlicher Konflikt am Ende des 18. Jahrhunderts“, entstanden im Wintersemester 2011/2012 an der Universität Wien.

Zu finden ist die Arbeit hier:

Interessant zunächst das Inhaltsverzeichnis, das wir im Folgenden vorstellen:

Check des Inhaltsverzeichnisses


I. Kunst und Gesellschaft – Zeitgenössische Diskurse im Werther……………………………………………… S. 3

  • (Anmerkung dazu: Das ist die Einleitung, in der die These aufgestellt wird, dass es in Goethes Roman um die Auseinandersetzung geht zwischen Kunst und Gesellschaft.)

II. „Romanticism“ – Das Problem des Epochenbegriffes ……………………………………………………………. S. 5

  • Anmerkung
    Hier wird ein Problem elegant gelöst: Werther gehört ja in die Epoche des Sturm und Drang.
  • Indem  nach z.B. englischem Vorbild eine größere Epoche aufgemacht wird, die auch noch die Klassik und Romantik einbezieht, kann man über die Kennzeichene des reinen „Sturm und Drang“ hinausblicken.
  • Man hat kein Epochenproblem mehr.

III. Vermitteltheit und Erzähler – Generelle Probleme der Werther-Analyse…………………………… S. 7
1. Exkurs zur „Vermitteltheit“…………………………………………………………………………………………………….. S. 7
2. Werther als unzuverlässiger Erzähler ……………………………………………………………………………………….. S. 8
3. Der Herausgeber als unzuverlässiger Erzähler …………………………………………………………………………. S. 10

  • Bevor der Verfasser auf das eigentliche Thema, nämlich die Epochenzugehörigkeit des Romans, eingeht, klärt er erst mal das Besondere des Romans.
  • Das besteht darin, dass dieser Roman nicht grundsätzlich wie alle anderen über einen Erzähler vermittelt wird, sondern dass dieser auch in besonderer Weise unzuverlässig ist.
  • Das hängt damit zusammen, dass Werther sich als jemand präsentiert, der sehr subjektiv beurteilt und auch schnell mal seine Meinungen ändert – je nach Gefühlslage.

IV. Der Philister – Albert und andere spießbürgerliche Stereotypen…………………………………………..S. 12
1. Abgrenzung Typus Charakter ……………………………………………………………………………………………. S. 12
2. Der Philister: Typus des Spießbürgers…………………………………………………………………………………….. S. 12
3. Albert als Paradebeispiel des Philisters …………………………………………………………………………………… S. 14
4. Andere stereotype Spießbürger im Werther …………………………………………………………………………….. S. 17

  • Hier schaffte Verfasser sich eine klare Grundlage für seine Untersuchung.
  • Die besteht darin, dass er zum einen erst einmal zwischen dem individuellen Charakter der Figuren und dem unterscheidet, was bei Ihnen auch typisch ist für die entsprechende Zeit.
  • Zum anderen macht er deutlich, dass die Frage der Romantik in Goethes Roman sehr gut sichtbar gemacht werden kann, wenn man den hoffnungslos verliebten Werther mit Albert vergleicht der für ihn zwar erschreckend normal ist, dafür aber die umworbene Frau bekommt.
  • Auf diesen völlig und romantischen Typ des Spießbürgers wird dann genauer eingegangen.
  • Damit hat der Verfasser ein erstes Ziel erreicht, nämlich das Gegenbild der Romantik im Roman sichtbar gemacht.

V. Genie und Künstlertum – Werther und andere romantische Menschen ………………………………S. 21
1. Das Ideal des romantischen Menschen ……………………………………………………………………………………. S. 21
2. Individuum und Muster – Problematisierung des Typusbegriffes ……………………………………………….. S. 23
3. Werther als romantischer Mensch ………………………………………………………………………………………….. S. 24
4. Andere romantische Menschen im Werther …………………………………………………………………………….. S. 31

  • Nach dem Gegenbild wird hier das Idealbild eines Romantikers am Beispiel von Goethes Werther aus dem Roman herausgearbeitet.

VI. Das Ende des 18. Jahrhunderts – Ein Epochenwechsel …………………………………………………..S. 35

  • Am Ende geht der Blick über die konkrete Frage hinaus.
  • Es wird gezeigt, dass in Goethes Roman von 1774 bereits etwas grundsätzlich und zugleich anschaulich bearbeitet wird, was als Problem die nächsten Jahrzehnte noch bestimmen wird.

Literaturverzeichnis…………………………………………………………………………………………….. S. 37

Wir setzen das hier noch fort.

Empfehlen aber auf jeden Fall mal, diese Arbeit zumindest durchzublättern und sich an der einen oder anderen Stelle auch auf die besondere Darstellungsweise einzulassen.

Weiterführende Hinweise

 

 

LT4: Goethe, „Die Leiden des jungen Werther“ – Fragen und Antworten

Was macht Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ so interessant?

  1. Der Roman macht anschaulich deutlich, wohin die Leidenschaft der Liebe führen kann.
  2. Man kann natürlich auch gut darüber diskutieren, um was für eine Art von Liebe es sich handelt.
  3. Die hat viel mit „Narzissmus“ zu tun – einem psychologischen Phänomen, das zu kennen sich lohnt.
  4. Man kann an dem Roman sehr gut die Kennzeichen der Epoche des „Sturm und Drang“ erkennen – und sich dann fragen, ob es so etwas nicht heute auch noch gibt.
  5. Interessant ist der Roman auch für das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft.

 

LT2-T2: Goethe, „Die Leiden des Jungen Werther“: Inhalt, Zitate, Fragen, Teil2

Die ersten Briefe vom 4. bis 30. Mai sind:

hier zu finden:
https://www.einfach-gezeigt.de/leiden-werther-inhalt-zitate

S. 19: „Am 16. Junius“:

  • Werther trifft den bald nicht mehr wegzudenkenden Traum seiner Tage und Nächte, Charlotte, die Tochter des schon erwähnten Amtmannes.
  • Ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht.“
  • „Ich bin vergnügt und glücklich“
  • „Sie hat allen meinen Sinn gefangengenommen.“
  • Ich hab’s nicht überwinden können, ich musste zu ihr hinaus.“
  • Bald zeigt sich auch die Gemeinsamkeit der Interessen, zum Beispiel im Hinblick auf den Umgang mit Romanen:
  • Charlotte erklärt:
    • „Und der Autor ist mir der liebste, in dem ich meine Welt wiederfinde, bei dem es zugeht wie um mich,
    • und dessen Geschichte mir doch so interessant und herzlich wird als mein eigen häuslich Leben,
      das freilich kein Paradies, aber doch im ganzen eine Quelle unsäglicher Glückseligkeit ist”.
  • Werther dazu:
  • “Ich bemühte mich, meine Bewegungen über diese Worte zu verbergen.
  • Das ging freilich nicht weit: denn da ich sie mit solcher Wahrheit im Vorbeigehen vom Landpriester von Wakefield, vom—reden hörte, kam ich ganz außer mich, sagte ihr alles, was ich musste,
  • und bemerkte erst nach einiger Zeit, da Lotte das Gespräch an die anderen wendete, dass diese die Zeit über mit offenen Augen, als säßen sie nicht da, dagesessen hatten.
  • Die Base sah mich mehr als einmal mit einem spöttischen Näschen an, daran mir aber nichts gelegen war.“
  • Später kommen sich beide beim Tanzen noch näher, allerdings gibt es auch eine Frau, die Lotte „den Namen Albert im Vorbeifliegen mit viel Bedeutung“ (27) nennt, was bei Werthers Begleiterin „einiges Nachdenken“ (27) auslöst. Dann erfährt Werther von ihr: „Albert ist ein braver Mensch, dem ich so gut als verlobt bin.“ (27), was er schon weiß, was aber in dieser Situation dazu führt: „Genug, ich verwirrte mich, vergaß mich […] dass alles drunter und drüber ging und Lottens ganze Gegenwart und Zerren und Ziehen nötig war, um es schnell wieder in Ordnung zu bringen.“ (27)
  • Als ein Gewitter aufkommt, überbrückt Lotte die aufkommenden Ängste durch ein Spiel, bei dem sich Werther freut, dass er von ihr zwei Ohrfeigen bekommt, bei denen er „mit innigem Vergnügenbemerkt, „dass sie stärker seien, als sie den Übrigen zuzumessen pflegte.“ (29/30).
  • Die Verbundenheit erreicht dann am Ende einen Höhepunkt, als sie bei dem Naturereignis auf Klopstocks gefühlsintensives Gedicht „Frühlingsfeier“ zu sprechen kommen und Werther Gelegenheit bekommt, die Hand Lottes „unter den wonnevollsten Tränen“ (30) zu küssen.

S. 30: „Am 19. Junius.“

  • Werther beschreibt die Situation am Morgen nach dem Ballbesuch.
  • Er freut sich, Lotte  bald wieder besuchen zu können: „und seit der Zeit können Sonne, Mond und Sterne geruhig ihre Wirtschaft treiben, ich weiß wieder dass Tag noch dass Nacht ist, und die ganze Welt verliert sich um mich her.“(31)
  • Man merkt hier, dass der junge Mann völlig hingerissen und nicht mehr ganz klar bei sich ist.

Seite 31: „Am 21. Junius.“

  • Werther fühlt sich inzwischen in Wahlheim „völlig etabliert“ (31), nicht weit von Lotte entfernt.
  • Er möchte dort offensichtlich heimisch werden, die „Ferne“ (32) bietet ihm anscheinend nichts mehr.
  • Er liebt die „Züge patriarchalischen Lebens“ (33) und meint damit wohl ein einfaches Leben im Kreise einer Familie.
  • Hier gibt es interessante Querverbindungen zum Thema Heimat und „unterwegs sein“.

Seite 33: „Am 29. Junius“

  • Werthers vertrauter Umgang mit den Geschwistern Lottes wird von einem Arzt als „unter der Würde eines gescheiten Menschen“ kritisiert (33) „Kinder wären so schon ungezogen genug, der Werther verderbe sie nun völlig.“ (34)
  • Dies bringt ihn dazu, noch einmal ausführlicher auf sein Verhältnis zu Kindern einzugehen, die für ihn ein besonders enges Verhältnis zu Gott haben.
  • Das ist natürlich eine gute Gelegenheit, mal darüber zu diskutieren, welche Vorzüge Kinder gegenüber Erwachsenen haben.

Brief 15: 1. Juli: Werthers Rede gegen die „üble Laune“

  1. Nun verdrießt mich nichts mehr, als wenn die Menschen einander plagen, am meisten, wenn junge Leute in der Blüte des Lebens, da sie am offensten für alle Freuden sein könnten, einander die paar guten Tage mit Fratzen verderben und nur erst zu spät das Unersetzliche ihrer Verschwendung einsehen.“
    • Erstaunliche Altersperspektive
    • Möglicherweise auch Bewältigung eigener Probleme
  2. Werthers Position:
    Wenn wir immer ein offenes Herz hätten, das Gute zu genießen, das uns Gott für jeden Tag bereitet, wir würden alsdann auch Kraft genug haben, das Übel zu tragen, wenn es kommt.“ –
  3. „es ist mit der üblen Laune völlig wie mit der Trägheit, denn es ist eine Art von Trägheit. Unsere Natur hängt sehr dahin, und doch, wenn wir nur einmal die Kraft haben, uns zu ermannen, geht uns die Arbeit frisch von der Hand, und wir finden in der Tätigkeit ein wahres Vergnügen.“ –
  4. Ist es nicht genug, dass wir einander nicht glücklich machen können, müssen wir auch noch einander das Vergnügen rauben, das jedes Herz sich noch manchmal selbst gewähren kann? Und nennen Sie mir den Menschen, der übler Laune ist und so brav dabei, sie zu verbergen, sie allein zu tragen, ohne die Freude um sich her zu zerstören! Oder ist sie nicht vielmehr ein innerer Unmut über unsere eigene Unwürdigkeit, ein Missfallen an uns selbst, das immer mit einem Neide verknüpft ist, der durch eine törichte Eitelkeit aufgehetzt wird? Wir sehen glückliche Menschen, die wir nicht glücklich machen, und das ist unerträglich.“
  5. Lotte lächelt ihn an und „eine Träne in Friederikens Auge“ spornt ihn an fortzufahren.
  6. Er kritisiert diejenigen die sich der Gewalt bedienen, die sie über ein Herz haben, um ihm die einfachen Freuden zu rauben, die aus ihm selbst hervorkeimen. Alle Geschenke, alle Gefälligkeiten der Welt ersetzen nicht einen Augenblick Vergnügen an sich selbst, den uns eine neidische Unbehaglichkeit unsers Tyrannen vergällt hat.“

6. Juli

  • Zu einer peinlichen  Szene kommt es, als Werther am Brunnen in einer Art Übersprungshandlung ein  kleines Mädchen küsst. Er wird daraufhin von Lotte streng getadelt und sie hilft dem Kind, diese Verunreinigung sich abzuwaschen.
  • Werther hat nichts Besseres zu tun, als sein Vergehen zur Sünde einer ganzen Nation hochzustilisieren. Lotte erklärt er zur Vater Prophetin, die dann ein ganzes Volk davon befreit.
  • Es wird  deutlich, wie wenig Verständnis Werther für die Situation hat und wie sehr er sofort eigenen Interpretationen anhängt. 
  • Interessant für die Frage der Epochenzuordnung ist eine anschließende Episode, in der Werther diesen Vorfall einem Bekannten erzählt, den er für einen vernünftig hält. Der äußert sich ganz im Sinne der Aufklärung, indem er Lotte tadelt, dass sie hier einen Aberglauben unterstützt hat. Das Kind hat offensichtlich gehört, dass ein Kuss einem Mädchen einen Bart wachsen lässt und wollte sich deshalb davon reinigen.

Am achten Julius

  •  Werther ist sehr müde, muss aber unbedingt noch etwas loswerden.
  • Es hat eine Abschiedssituation gegeben, in der Lotte ihn zunächst nicht angesehen hat,
  • dann hat sie sich noch einmal umgewendet und zurückblickt aus der Kutsche
  • und jetzt weiß der arme Werther nicht, ob sie das seinetwegen getan hat oder nicht.
  • Das macht ihn ganz fertig.
  • Die typische Situation eines frisch Verliebten in der Unruhephase.

Am zehnten Julius

  • Hier wird Werthers Verliebtheit auch auf eine andere Weise deutlich.
  • Er kann es absolut nicht haben, wenn ihn jemand fragt, wie Lotte ihm gefällt.
  • Angesichts seiner eigenen Hingerissenheit findet er das einfach als absolut unangemessen.
  • „Gefällt! Das Wort hasse ich auf den Tod. Was muss das für ein Mensch sein, dem Lotte gefällt, dem sie nicht alle Sinne, alle Empfindungen ausfüllt!“
  • Interessant ist, dass die Anmerkung zu diesem Tage damit schließt, dass Werther sich mit offensichtlichen Abscheu vorstellt, dass ihn jemand fragen könnte, wie der fiktive Dichter Ossian ihm gefallen.
  • Das ist für Werther so eine Art zweiter Homer, erdacht von einem schottischen Dichter.

Am 11. Julius

  • Werther muss etwas loswerden, was er von Lotte gehört hat.
  • Die kümmert sich um eine sterbende Frau, die ihrem Mann kurz vor ihrem Tod erzählt, dass sie das zu geringe Haushaltsgeld eigenmächtig aufgebessert hat.
  • Sie hat sich einfach das fehlende Geld hinter dem Rücken ihres Mannes aus einem anderen Bereich geholt.
  • Werther hält es gegenüber Lotte für eine „unglaubliche Verblendung des Menschensinns“ wenn jemand so dumm sein kann wie dieser Mann. Das ist natürlich sehr oberflächlich gedacht und berücksichtigt in keiner Weise die vielen Dinge, um die Werther sich nicht angemessen kümmert.
  • Ansonsten zeigt diese kleine Episode deutlich die Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau in den Ehen um 1800.
  • Deutlich wird aber auch, woran damals Menschen kurz vor ihrem Tode gedacht haben, weil sie alles positiv geregelt wissen wollten.

Am 13. Julius

  • Werther glaubt in den Augen Lottes zu sehen, dass sie ihn liebt.
  • Interessant ist, dass er das sofort für eine Vergötterung seiner selbst nutzt.
  • Das Gefühl verkehrt sich aber gleich ins Gegenteil.
  • Werther macht sich nämlich klar, mit welcher Wärme Lotte immer von ihrem abwesenden Verlobten spricht.

Am 16. Julius

  • Werther beschreibt Situationen, in denen er kleine Vertraulichkeient mit Lotte sieht.
  • Er leidet darunter, dass Lotte in ihrer Unschuld das nicht in gleicher Weise empfindet.
  • In den nächsten Passagen merkt man Werther den Kampf an, bis er sich dann doch zu einer moralischen Haltung zwingt.
  • Wie weit sie wirklich trägt, bleibt angesichts des Gefühlschaos und der Zerrissenheit in ihm fraglich.
  • Erlösung aus dieser Qual, die ihn manchmal sogar an Selbstmord denken lässt, findet Werther nur, wenn Lotte ihm ein bestimmtes Lied vorspielt.

Am 18. Julius

  • Zunächst schreibt Werther zusammenfassend das Glück der Liebe.
  • Wenn er mal verhindert ist, Leute zu besuchen, schickt er seinen Diener hin, um wenigstens jemanden um sich zu haben, der Lotte gesehen hat.
  • Nur die Scham hält ihn davon ab, den Diener auch noch zu küssen.

S. 46: „Den 19. Julius“

  • Die Vorfreude darauf, Lotte wieder zu sehen, lässt Werther schreiben:
    Und da habe ich für den ganzen Tag keinen Wunsch weiter. Alles, alles verschlingt sich in dieser Aussicht.“ (46)

S. 46: „Den 20. Julius“

  • Werther  ist nicht begeistert von der Aussicht, als Begleiter mit einem Gesandten unterwegs zu sein. Ihn stört dabei zum einen die Subordination, zum anderen, dass der Man noch dazu ein niedriger Mensch ist.
  • Hintergrund ist, dass seine Mutter ihn gern wieder „in Aktivität haben“ möchte. Darüber kam Werter nur lachen: „Bin ich jetzt nicht auch aktiv, und ist’s im Grunde nicht einerlei, ob ich Erbsen zähle oder Linsen? Alles in der Welt läuft doch auf eine Lumperei hinaus, und ein Mensch, der um anderer willen, ohne daß es seine eigene Leidenschaft, sein eigenes Bedürfnis ist, sich um Geld oder Ehre oder sonst was abarbeitet, ist immer ein Tor.“ (46)
  • Man merkt hier deutlich, dass dieser Werther sich nicht die geringsten Sorgen um seinen Lebensunterhalt machen muss. Sonst würde er sicherlich über „Aktivitäten“ anders sprechen.
  • Eine interessante Aufgabe könnte sein, das mal genauer zu beschreiben, was Werther hier nur andeutet, nämlich, dass er selbst angeblich auch „aktiv“ sei.

S. 46: „Am 24. Julius“

  • Werther entschuldigt sich gegenüber Wilhelm, dass er längere Zeit nicht gezeichnet hat. Seine Erklärung:
    • „Noch nie war ich glücklicher,
    • noch nie war meine Empfindung an der Natur, bis aufs Steinchen, aufs Gräschen herunter, voller und inniger,
    • und doch – Ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken soll,
    • meine vorstellende Kraft ist so schwach, alles schwimmt und schwankt so vor meiner Seele, dass ich keinen Umriß packen kann“
  • Dreimal hat er vergeblich versucht, von Lotte ein Porträt zu erstellen, nur ein Schattenriss ist ihm gelungen.
  • Dadurch soll wohl die Verwirrung deutlich werden, in der Werther sich befindet, vielleicht auch, dass er nicht nur weit von Kunst entfernt ist, sondern auch von Lebenskunst.

„Am 26. Julius“, Teil 1

  • Werther bittet anscheinend um Aufträge von Lotte.
  • Wichtig ist ihm dabei, dass sie zum Trocknen der Tinte keinen Sand mehr verwendet. Offensichtlich küsst er alles, was Lotte geschrieben hat, und will dabei, dass ihm die Zähne knistern.
  • Das erinnert sehr an den Umgang mit den Kleidern seines Dieners, den er zu Lotte geschickt hat.

„Am 26. Julius“, Teil 2

  • Werther beschreibt hier, wie er vergeblich versucht, sich zumindest etwas von Lotte fern zu halten.
  • Ihre Anziehungskraft erinnert ihn an das Märchen vom Magnetenberg, das ihm seine Großmutter erzählt hat.
  • Interessant ist der Hinweis auf das, was mit den betroffenen Menschen auf den Schiffen passiert ist: „und die armen Elenden scheiterten zwischen den übereinander stürzenden Brettern.“ (48)

 

 

Weiterführende Hinweise

LT3: Goethe, Die Leiden des jungen Werther“: Wie man gleich mitreden kann ;-)

Vorschlag für einen schnellen Einstieg in die Besprechung des Romans

An anderer Stelle hat mir gezeigt, wie man sich schnell einen Überblick über Goethes Roman die Leiden des jungen Wärter verschaffen kann – einschließlich der Kenntnis einiger wichtiger Textstellen:
https://textaussage.de/goethe-werther-inhalt-zitate

Jetzt noch ein zweiter Tipp: Wenn man gleich zu Beginn im Unterricht eine intelligente Frage zu einer Lektürestellen will, dann könnte die zum Beispiel so aussehen:

Ist Werther nicht eigentlich auch ein Romantiker?

Hierzu kann man sich gut den Brief vom 22. Mai anschauen (Seite 12 folgende).

    1. „Dass das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum.
      • Hier könnte man diskutieren, was damit gemeint ist. Was unterscheidet das Leben von einem Traum?
      • Wird nicht auch im Traum das Gefühl vermittelt, hier etwas wirklich zu erleben?
      • Wie wäre es denn dann, wenn auch das, was wir als wirkliches Leben empfinden, nur auch ein Traum ist, der vielleicht erst nach dem Tod oder auch überhaupt nicht in eine höhere Wirklichkeit überführt wird?
    2. Wenn ich
      1. die Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind;
        • Was sind das für Einschränkungen? Was könnte einem dazu einfallen?
        • Man muss sich nur mal überlegen, was man als Schüler zum Beispiel lieber tun würde, als morgens in die Schule zu gehen.
        • Dabei muss man natürlich im Auge behalten, dass es etwas mit den „tätigen und forschenden“ Kräften des Menschen zu tun haben soll.
      2. wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme Existenz zu verlängern,
      3. und dann, dass alle Beruhigung über gewisse Punkte des Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich die Wände, zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten bemalt –
    3. Das alles, Wilhelm, macht mich stumm. Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt!
      1. Wieder mehr in Ahnung und dunkler Begier als in Darstellung und lebendiger Kraft.
      2. Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so träumend weiter in die Welt.
    4. Dass die Kinder
      1. nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelahrten Schul- und Hofmeister einig;
      2. dass aber auch Erwachsene gleich Kindern auf diesem Erdboden herumtaumeln und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen,
      3. ebensowenig nach wahren Zwecken handeln, ebenso durch Biskuit und Kuchen und Birkenreiser regiert werden:
      4. das will niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit Händen greifen.
    5. Ich gestehe dir gern, denn ich weiß, was du mir hierauf sagen möchtest,
      1. dass diejenigen die Glücklichsten sind, die gleich den Kindern in den Tag hinein leben, ihre Puppen herumschleppen, aus- und anziehen und mit großem Respekt um die Schublade umherschleichen, wo Mama das Zuckerbrot hineingeschlossen hat, und, wenn sie das gewünschte endlich erhaschen, es mit vollen Backen verzehren und rufen: »Mehr!« –
      2. Das sind glückliche Geschöpfe.
    6. Auch denen ist’s wohl,
      1. die ihren Lumpenbeschäftigungen oder wohl gar ihren Leidenschaften prächtige Titel geben und sie dem Menschengeschlechte als Riesenoperationen zu dessen Heil und Wohlfahrt anschreiben. – Wohl dem, der so sein kann!
      2. Wer aber in seiner Demut erkennt, wo das alles hinausläuft, wer da sieht, wie artig jeder Bürger, dem es wohl ist, sein Gärtchen zum Paradiese zuzustutzen weiß, und wie unverdrossen auch der Unglückliche unter der Bürde seinen Weg fortkeucht, und alle gleich interessiert sind, das Licht dieser Sonne noch eine Minute länger zu sehn –
      3. ja, der ist still und bildet auch seine Welt aus sich selbst und ist auch glücklich, weil er ein Mensch ist. Und dann, so eingeschränkt er ist, hält er doch immer im Herzen das süße Gefühl der Freiheit, und dass er diesen Kerker verlassen kann, wann er will.“

Zwei Liebhaber – Vorteil für Frauen?

„Albert ist angekommen, und ich werde gehen; und wenn er der beste, der edelste Mensch wäre, unter den ich mich in jeder Betrachtung zu stellen bereit wäre, so wär’s unerträglich, ihn vor meinem Angesicht im Besitz so vieler Vollkommenheiten zu sehen. – Besitz! – Genug, Wilhelm, der Bräutigam ist da! Ein braver, lieber Mann, dem man gut sein muß. Glücklicherweise war ich nicht beim Empfange! Das hätte mir das Herz zerrissen. Auch ist er so ehrlich und hat Lotten in meiner Gegenwart noch nicht ein einzigmal geküsst. Das lohn‘ ihm Gott! Um des Respekts willen, den er vor dem Mädchen hat, muß ich ihn lieben. Er will mir wohl, und ich vermute, das ist Lottens Werk mehr als seiner eigenen Empfindung; denn darin sind die Weiber fein und haben recht; wenn sie zwei Verehrer in gutem Vernehmen mit einander erhalten können, ist der Vorteil immer ihr, so selten es auch angeht.“ (40-41)

Weiterführende Hinweise

 

LT0: Goethe, „Die Leiden des jungen Werther“: Infos, Tipps und Materialien (Themenseite)

 

Zum Einstieg und zur schnellen Wiederholung: Kurzübersicht Werther Inhalt und Zitate

https://textaussage.de/goethe-werther-inhalt-zitate

LT2-V1: Video: Textkenntnis in 12 Minuten (Buch 1)
mit einer Übersicht über den ersten Teil von Goethes Briefroman – mit Herausstellung der inhaltlichen Entwicklung plus Schlüssel-Zitate; dazu Herausarbeit: Was ist das für ein Typ, dieser Werther (Material für eine Charakteristik)
https://textaussage.de/werther-video-inhalt-zitate-fragen-buch-1

Das Video selbst ist hier zu finden:

Videolink

LT2: Werther, Inhalt, Schlüsselzitate, Fragen, Teil 1: Briefe vom 4. Mai bis zum 30. Mai

Videolink
Dokumentation:

LT3: Vorschläge für Möglichkeiten, bei Goethes „Werther“ schnell mitzureden

https://textaussage.de/goethe-werther-gleich-mitreden

LT4: Fragen und Antworten zum Roman „Die neuen Leiden des jungen Werther“
https://textaussage.de/goethe-werther-fragen-und-antworten

„Werther“ Vergleich mit der Novelle: „Sommerhaus später“

https://www.einfach-gezeigt.de/werther-vergleich-sommerhaus

Vergleich des Gedichtes „Prometheus“ mit „Werther“

https://www.einfach-gezeigt.de/vergleich-prometheus-werther

Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ schon mit Kennzeichen der Romantik
Auswertung einer Bachelor-Arbeit
(Gut geeignet, um die  wissenschaftliche Vorgehensweise bei einer Facharbeit kennenzulernen.)
https://textaussage.de/facharbeit-aufbau-darstellungsweise-vorbild-bachelorarbeit-werther

LT5: Mögliche Klausur-Aufgaben zu Goethes Werther

Weiterführende Hinweise

 

LT2-K: Goethe, Die Leiden des jungen Werther“: kurzer Überblick über den Inhalt und Schlüsselzitate

Das Folgende ist als erster, kurzer Überblick über den Inhalt und wichtige Textstellen gedacht, so dass man gleich schon mal mitreden kann.

Wir konzentrieren uns auf 10 Punkte, damit man sich das leicht merken kann.

  1. Goethes Bestseller von 1774 „Die Leiden des jungen Werther“ ist ein Briefroman, in dem es um eine seltsame Dreierbeziehung geht.
  2. Da ist zum einen die Titelfigur,
    1. ein junger Mann, der wegen einer unglücklichen Liebschaft von zu Hause fast geflohen ist und nebenbei familiäre Angelegenheiten regeln will.
    2. Er entspricht dem Geniekult der Zeit des Sturm und Drang. D.h., er lebt intensiv seine Gefühle aus und stößt sich an den Konventionen der Gesellschaft.
      1. Typisch für Empfindsamkeit ist der Brief vom 10. Mai (Seite 7) in dem er angesichts der ihn umgebenden Natur die „Gegenwart des Allmächtigen“ spürt, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wesen des Allliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält.
      2. Was ihn an der Gesellschaft stört, sind die fatalen bürgerlichen Verhältnisse.“ S. 76) Schon auf Seite 12 beklagt er, dass „die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt“ sind und einem nur eine „träumende Resignation“ bleibt.
        Seine Konsequenz: „Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt!“
      3. Aber auch mit einzelnen Menschen hat Werther Probleme: Er sieht sie als „verzerrte Originale“ (S. 12 ) – eine interessante Formulierung, weil sie das eigentliche Positive, ein „Original“ zu sein, ins Negative zieht.
  3. Dann gibt es Lotte, die als älteste Tochter eines Amtmannes sich in einem Ort Wahlheim nach dem Tod ihrer Mutter um die vielköpfige Familie kümmert. Ihr Problem ist, dass sie sich von Werthers Empfindsamkeit anstecken lässt, zugleich aber in ihre familiären Pflichten eingebunden bleibt.
  4. Zum Problem wird, dass Werther sich in dieses Mädchen verliebt, obwohl sie bereits mit dem zunächst abwesenden Albert verlobt ist. Lotte sie zurecht in ihm ein Mann, dessen Liebe und Treue sie kannte, dem sie von Herzen  zugetan war, dessen Ruhe, dessen Zuverlässigkeit recht vom Himmel dazu bestimmt zu sein schien, dass eine wackere Frau das Glück ihres Lebens darauf gründen sollte; sie fühlte, was er ihr und ihren Kindern auf immer sein würde.“ (Reclam, EBook Ausgabe, Seite 131)
  5. Der vierte, ein Wilhelm, ist nur als Adressat der Briefe Werthers vorhanden, in denen er über dessen  Erlebnisse und Gefühle auf dem Laufenden gehalten wird.
  6. Das Besondere an der Beziehung zwischen Werther und Lotte ist, dass Letzterer jede Gelegenheit nutzt, um mit Lotte zusammen zu sein. Damit wird er in gewisser Weise zu einem Bestandteil von deren Familie.
  7. Unerträglich wird die Situation schließlich, als Albert zurückkehrt. Er ist zwar erstaunlich tolerant, aber es ist ganz klar, dass Lotte ihm treu bleiben wird. schließlich nimmt Werther aus lauter Verzweiflung einen Job bei einem Gesandten an,  der ihm aber auch viel „Verdruss“ (74), also Unannehmlichkeiten und Ärger, bereitet. In einem Brief an Lotte schreibt er: „Wie ausgetrocknet meine Sinne werden; nicht einen Augenblick der Fülle des Herzens, nicht eine selige Stunde!„(78)
  8. Schließlich kehrt er nach Wahlheim zurück, wo Lotte inzwischen ihren Albert geheiratet hat und die Verhältnisse zwischen den drei Personen immer peinlicher werden. Werther dazu: „Es geht mir ein Schauder durch den ganzen Körper, Wilhelm, wenn Albert sie um den schlanken Leib fasst. (…) Sie wäre mit mir glücklicher geworden als mit ihm! O er ist nicht der Mensch, die Wünsche dieses Herzens alle zu füllen.“ (91) 
  9. Schließlich hält Werther es nicht mehr aus und erschießt sich. Als Selbstmörder wird er außerhalb des Friedhofs und ohne kirchlichen Beistand von Lottes Vater beerdigt. All das wird aus der Perspektive eines Herausgebers der Briefe berichtet.
  10. Insgesamt ist dieser Brief Roman typisch für die Zeit des „Sturm und Drang“, in der vor allem junge Dichter die vorangehende Vernunftkultur der Aufklärung und die Parallelbewegung der Empfindsamkeit vereinigten zu einem stark gefühlsbetonten Geniekult mit sehr viel radikalerer Kritik an der Gesellschaft.

Vorschlag für einen schnellen Einstieg in die Besprechung des Romans

Und wenn man gleich zu Beginn im Unterricht eine intelligente Frage stellen will, dann könntet ihr zum Beispiel so aussehen:

Ist Werther nicht eigentlich auch ein Romantiker?
Hier zu kann man sich gut den Brief vom 22. Mai anschauen (Seite 12 folgende).

    1. „Dass das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum.
    2. Wenn ich
      1. die Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen eingesperrt sind;
      2. wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere arme Existenz zu verlängern,
      3. und dann, dass alle Beruhigung über gewisse Punkte des Nachforschens nur eine träumende Resignation ist, da man sich die Wände, zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten bemalt –
    3. Das alles, Wilhelm, macht mich stumm. Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt!
      1. Wieder mehr in Ahnung und dunkler Begier als in Darstellung und lebendiger Kraft.
      2. Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so träumend weiter in die Welt.
    4. Dass die Kinder
      1. nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelahrten Schul- und Hofmeister einig;
      2. dass aber auch Erwachsene gleich Kindern auf diesem Erdboden herumtaumeln und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen,
      3. ebensowenig nach wahren Zwecken handeln, ebenso durch Biskuit und Kuchen und Birkenreiser regiert werden:
      4. das will niemand gern glauben, und mich dünkt, man kann es mit Händen greifen.
    5. Ich gestehe dir gern, denn ich weiß, was du mir hierauf sagen möchtest,
      1. dass diejenigen die Glücklichsten sind, die gleich den Kindern in den Tag hinein leben, ihre Puppen herumschleppen, aus- und anziehen und mit großem Respekt um die Schublade umherschleichen, wo Mama das Zuckerbrot hineingeschlossen hat, und, wenn sie das gewünschte endlich erhaschen, es mit vollen Backen verzehren und rufen: »Mehr!« –
      2. Das sind glückliche Geschöpfe.
    6. Auch denen ist’s wohl,
      1. die ihren Lumpenbeschäftigungen oder wohl gar ihren Leidenschaften prächtige Titel geben und sie dem Menschengeschlechte als Riesenoperationen zu dessen Heil und Wohlfahrt anschreiben. – Wohl dem, der so sein kann!
      2. Wer aber in seiner Demut erkennt, wo das alles hinausläuft, wer da sieht, wie artig jeder Bürger, dem es wohl ist, sein Gärtchen zum Paradiese zuzustutzen weiß, und wie unverdrossen auch der Unglückliche unter der Bürde seinen Weg fortkeucht, und alle gleich interessiert sind, das Licht dieser Sonne noch eine Minute länger zu sehn –
      3. ja, der ist still und bildet auch seine Welt aus sich selbst und ist auch glücklich, weil er ein Mensch ist. Und dann, so eingeschränkt er ist, hält er doch immer im Herzen das süße Gefühl der Freiheit, und dass er diesen Kerker verlassen kann, wann er will.“

Weiterführende Hinweise

 

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