Lars Krüsand, „Untergrundarbeit“ – Insider-Tipps für Lehrkräfte (Mat958-lv)

Kurzübersicht: Das Wichtigste auf einen Blick

  • „Untergrundarbeit“ geht dramaturgisch auf einen fiktiven Bühnendialog zurück, der erst nachträglich um innere Monologe und erzählende Überleitungen zur Kurzgeschichte ausgebaut wurde.
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  • Der Dialog lässt sich in rund 30 Sprechakte zerlegen und vollständig nach dem Vier-Seiten-Modell (Schulz von Thun) auswerten.
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  • Das Schweigen der Klasse zu Beginn ist selbst schon ein Beleg für Watzlawicks Axiom „Man kann nicht nicht kommunizieren“.
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  • Der Vertretungslehrer bedient sich wiederholt sogenannter „Null-Aussagen“ – Sätze, die inhaltlich nichts hergeben, aber die Gesprächsführung retten sollen.
  • Jan nutzt gezielt Metakommunikation, Rechtsbegriffe und Wortspiele, wodurch sich die Beziehungsverhältnisse mehrfach umkehren.
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  • Inhaltlich lässt sich die Geschichte der Kategorie „Schein-Schuld“ zuordnen: Der vermutete Regelverstoß entpuppt sich als eigenständige Unterrichtsarbeit.
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  • Der Vertretungslehrer handelt zudem aus einem klassischen Vorurteil heraus: Handynutzung unter der Bank wird automatisch als Störung gedeutet.
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  • Krüsand hat zum selben Thema einen argumentativen Sachtext verfasst – „Das beste Mittel gegen Langeweile und Misserfolg – fängt mit ‚R‘ an …“ –, der sich als Sachtext-Pendant zur Kurzgeschichte eignet.
    https://textaussage.de/klausur-sachtext-lars-kruesand-mehr-rhetorik-in-der-schule
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  • Didaktisch lässt sich der Text in den Klassen 8 bis 11 an die Themenfelder Kommunikation, Vorurteile/Begegnung mit dem Fremden und Selbstbehauptung anschließen.
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  • Zum Weiterdenken: Wie viel rhetorische Freiheit darf einem Schüler gegenüber einer Lehrkraft zugestanden werden, bevor Schlagfertigkeit in Respektlosigkeit kippt – und woran lässt sich diese Grenze im Text festmachen?

Worum geht es auf dieser Seite?

Diese Seite richtet sich an Lehrkräfte und andere Interessierte, die mit Lars Krüsands Kurzgeschichte „Untergrundarbeit“ über das im Unterricht unmittelbar Verwertbare hinausgehen möchten. Sie versammelt vertiefende Beobachtungen zu Entstehung, Kommunikationsstruktur und thematischer Einordnung des Textes sowie Vergleichstexte für weiterführende Aufgabenstellungen. Die Grundlage bilden drei Auswertungen, die im Rahmen einer NotebookLM-Recherche entstanden sind.

Vom Bühnendialog zur Kurzgeschichte

Bemerkenswert ist der dramaturgische Ursprung des Textes: Im Kern basiert „Untergrundarbeit“ auf einem fiktiven Konfliktgespräch bzw. sprachlichen Wettkampf zwischen Schüler und Vertretungslehrer, wie er sich auch als reiner Theaterdialog hätte umsetzen lassen. Für die vorliegende Kurzgeschichte wurde dieser Kerndialog um innere Monologe Jans und narrative Überleitungen ergänzt. Für den Unterricht ergibt sich daraus ein interessanter methodischer Zugang: Die Klasse kann den Dialogkern freilegen und mit der ausgebauten Erzählfassung vergleichen, um zu erarbeiten, welche Funktion Erzählerkommentar und innerer Monolog gegenüber dem reinen Wortwechsel übernehmen.

Kommunikationsanalyse nach dem Vier-Seiten-Modell

Der Dialog lässt sich vollständig in etwa 30 Sprechakte zerlegen und systematisch nach dem Vier-Seiten-Modell (Schulz von Thun) auswerten – also nach Sachinformation, Appell, Beziehungsebene und Selbstkundgabe/Selbstoffenbarung. Diese Feinanalyse liefert deutlich mehr Material, als für eine schülernahe Basisanalyse benötigt wird, eignet sich aber hervorragend als vertiefende Aufgabe oder als Modell für eine eigene Analyse-Tabelle, die Lernende auf ausgewählte Sprechakte anwenden.

Zwei taktische Sprachmuster verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit:

  • „Null-Aussagen“ des Lehrers: Formulierungen wie „Wird ja immer besser“ stammen aus einem klischeehaften „Bausteinkasten für durchsetzungsbereite Pädagogen“ und dienen dazu, bei inhaltlicher Schwäche die Gesprächsführung nicht vollständig zu verlieren.
  • Metakommunikation und Wortspiel bei Jan: Durch Rechtsbegriffe („Prozessaussichten“, „Fachkompetenz“) und das Wortspiel „Untergrundarbeit“ vs. „Unterbankarbeit“ verschiebt Jan wiederholt die Beziehungsebene zu seinen Gunsten.

Ein feines sprachliches Missverständnis entsteht zusätzlich um die Formulierung, die „Rhetorik“ habe es „gewagt, sich mir bisher […] noch nicht vorzustellen“ – eine Wendung, die der Lehrer zunächst wörtlich auffasst. Auch dieses Detail lohnt sich als Beispiel für sprachliche Mehrdeutigkeit im Unterrichtsgespräch.

Das Watzlawick-Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren

Ein besonders instruktives Detail für den Unterricht: Bereits das Schweigen der Klasse auf die Ansage des Lehrers ist Kommunikation im Sinne Watzlawicks. Die Klasse „sagt“ durch ihr Schweigen nichts – und zwingt den Lehrer damit dennoch zu einer Reaktion, nämlich zur Umstellung seines pädagogischen Konzepts. Dieses Beispiel eignet sich gut, um das Axiom nicht nur zu zitieren, sondern am Text konkret nachzuweisen.

Thematische Einordnung: Schein-Schuld und Vorurteil

Inhaltlich lässt sich „Untergrundarbeit“ in Sammlungen zum Thema Schuld unter der Kategorie „Vermutung einer Schuld, wo keine echte ist“ verorten: Der vermeintliche Regelverstoß – die Handynutzung unter der Bank – entpuppt sich am Ende als eigenständige, sogar zielführende Unterrichtsarbeit. Eng damit verknüpft ist ein Vorurteils-Motiv: Der Vertretungslehrer geht automatisch davon aus, dass Smartphone-Nutzung unter der Bank Ablenkung oder Störung bedeuten muss, und deutet das Geschehen dramatisierend als „Bombenbau“. Für den Unterricht bietet sich hier eine Brücke zu größeren Themenfeldern wie Vorverurteilung und erstem Eindruck an.

Der Sachtext-Pendant

Lars Krüsand hat zum selben Themenfeld – der Bedeutung von Rhetorik in Schule und Beruf – auch einen argumentativen Sachtext verfasst: „Das beste Mittel gegen Langeweile und Misserfolg – fängt mit ‚R‘ an …“. Der Sachtext ruft Schüler*innen dazu auf, den „dicken Tanker Schule“ durch eigene Sprechkunst mitzugestalten. Für den Unterricht ergibt sich damit die Möglichkeit einer Textsortenkontrastierung: dieselbe inhaltliche Botschaft einmal literarisch-erzählend (Kurzgeschichte) und einmal argumentativ-appellativ (Sachtext) vermittelt.

Vergleichstexte für den Unterricht

Für vergleichende Analysen, Klausuraufgaben oder Referate bieten sich zahlreiche Kurzgeschichten an, die sich in Thema oder Struktur mit „Untergrundarbeit“ berühren. Eine erste Auswahl, geordnet nach Herkunft der Vergleichstexte:

Aus der eigenen Kurzgeschichten-Sammlung

Aus dem literarischen Kanon und allgemeinen Sammlungen

Besonders ergiebig erscheinen zwei Vergleichsachsen: zum einen der direkte Gegensatz zu „Die Vertretung“, wo eingeschüchtertes Schülerverhalten Jans selbstbewusste Gegenwehr kontrastiert; zum anderen „Ein Tisch ist ein Tisch“ von Peter Bichsel, das über die reine Schulthematik hinausführt und einen grundsätzlicheren Vergleich zur Frage ermöglicht, wozu bewusster Umgang mit Sprache und Begriffen führen kann – bei Bichsel in die Isolation, bei Jan hingegen zu erfolgreicher Selbstbehauptung.

Didaktische Einordnung und Rezeption

In schulischen Zusammenhängen dient die Kurzgeschichte als Aufhänger für die Themenfelder Kommunikation in der Schule, Begegnung mit dem Fremden bzw. Vorurteile sowie Selbstbehauptung und wird in der Regel den Klassen 8 bis 11 zugeordnet. Positiv hervorzuheben ist dabei, wie die Geschichte vorführt, dass aus einem zunächst disziplinarisch gerahmten Konflikt durch produktive Umleitung ein lösungsorientiertes Gespräch auf Augenhöhe entstehen kann – ein Aspekt, der sich gut als Gesprächsanlass für die Frage eignet, wie Lehrkräfte mit Provokationen konstruktiv umgehen können, ohne die eigene Autorität übermäßig zu verteidigen.

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