#Vorurteile:

  • Aichinger, Ilse, Das Fenstertheater: In dieser Geschichte geht es um die Distanz und die Vorurteile, die zwischen Menschen herrschen, die sich zu wenig umeinander kümmern.
    Siehe dazu auch die Geschichte von Hajo Frerichs, „Zu schnell – zu langsam“ – weiter unten
  • Brambach, Rainer, „Besuch bei Franz“
    In der Geschichte geht es um den Tod eines deutschen Bauarbeiters, der seinem italienischen Bauleiter vom Gerüst aus auf den Kopf spuckt und dann ein paar Tage später vom Gerüst fällt. Auf der Beerdigung ist der Bauleiter derjenige, der am meisten zu trauern scheint. Insgesamt eine Geschichte, die mit den verschiedenen Erklärmöglichkeiten für das Geschehen wunderbar herumspielt. Ist der Bauleiter der Mörder und will durch geheuchelte Trauer nur von sich ablenken – oder bereut er seine Tat oder aber schließt er auf seine Art („Verstehe einer die Südländer“ heißt es am Schluss) die Geschichte ab: Man rächt sich, erweist dann aber durchaus dem Opfer die letzte Ehre.
  • de Cesco, Federica, Spagetti für zwei
    In dieser wunderbaren Geschichte werden Vorurteile auf sehr amüsante Weise in einem Schnellrestaurant entlarvt.
    Wir stellen die Geschichte vor und verdeutlichen die zentrale Aussage in einem Schaubild – dazu kommen Tipps zum Einsatz im Unterricht und als Klassenarbeit.
  • Henning Venske: Eine schöne Beziehung
    In dieser Geschichte, die viel Ähnlichkeit hat mit „Spagetti für zwei“ geht es um eine Frau, die nach dem Tod ihres Mannes ihr Heimatdorf verlässt, um noch etwas vom Leben zu haben und etwas von der Welt zu sehen. Im Restaurant eines Warenhauses kommt es dann zu der Parallelsituation zu der Spagetti-Geschichte. Der Unterschied ist hier, dass es am Ende keine Klärung zwischen den beiden Personen gibt über das, was zwischen ihnen auf Grund eines Missverständnisses vorgefallen ist, sondern die Frau damit alleine klarkommt – und anscheinend ohne Probleme. Die Verarbeitung der Peinlichkeit wird gewissermaßen dem Leser überlassen.
    Noch ein Nachtrag: Die Situation der Frau nach dem Tod des Mannes erinnert an „Die unwürdige Greisin“ von Bertolt Brecht, nur dass dort andere Akzente gesetzt werden.
    ttps://www.schule-bw.de/themen-und-impulse/individuelles-lernen-und-individuelle-foerderung/allgemein-bildende-schulen/kompetenzraster-2016/deutsch/d_nl52_3_lm_7_10.pdf
  • Oleolegua, nennt sich selbst „Hobbydichter“
    „Man sieht es den Leuten doch an“‚
    Geschichte zum Thema „Vorurteile“
    In der Geschichte geht es um einen Vorfall in einer Bäckerei, bei dem alle glauben, ein Junge mit vermutetem Migrationshintergrund wolle nachträglich einen Geldwechsel zu seinen Gunsten ausnutzen, also betrügen. Nachdem genügend Leute ihre Vorurteile ausgedrückt haben, stellt sich heraus, dass der Junge zuviel Geld herausbekommen hat und es jetzt zurückbringt.
    https://www.leselupe.de/lw/titel-Vorurteile-121965.htm
  • Frerichs, Hajo, Zu schnell – zu langsam
    Diese Kurzgeschichte behandelt in äußerst knapper Weise das Problem der Gaffer auf Autobahnen, die zum Beispiel Rettungsgassen missbrauchen und damit im Extremfall sogar eine Rettung verhindern.
    Die Geschichte lässt sich sehr gut mit Ilse Aichingers „Fenster-Theater“ vergleichen.
  • Özdogan, Selim, „Zuerst den Linken“
    In der Geschichte geht es um eine Ich-Erzählerin, die sich zu Recht darüber aufregt, dass in der Wohnung über ihr jemand auch noch spätabends oder Nachts seine Schuhe gegen die Wand donnert.
    Darauf angesprochen, verspricht die Nachbarin, das nicht mehr zu tun.
    Umso mehr ist die Ich-Erzählerin empört, als sie in der nächsten Nacht durch einen Schuhwurf geweckt wird und dann vergeblich auf den anderen wartet. Dadurch ergibt sich noch mehr Schlaflosigkeit als sonst.
    Am nächsten Morgen wird sie dann von der angeblichen Übeltäterin selbst angesprochen. Es stellt sich heraus, dass sie es nur kurz vergessen hat, dann aber eine Rücksicht genommen hat, die sich in diesem Fall negativ ausgewirkt hat.
    Die Geschichte endet mit der Erklärung: Eine gute Gelegenheit, sich für die Ich-Erzählerin eine gute Antwort und vielleicht auch noch ein bisschen gemeinsame Zukunft auszudenken.
    Die Geschichte lässt sich gut vergleichen mit Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte „Die Kirschen“.
  • Borchert, Die Kirschen
    • Diese Geschichte geht auch von einer problematischen Situation aus, allerdings beruht sie auf einer falschen Annahme, einer ungerechtfertigen Verdächtigung. Ein krankes Kind glaubt auf Grund eines Geräusches, dass sein Vater die ihm zugedachten Kirschen isst. In Wirklichkeit aber ist er nur dabei hingefallen, als er seinem Kind die Kirschen bringen wollte. Hier wird Blut mit Kirschsaft verwechselt. Als das Kind erkennt, dass es statt nachzufragen, an seinem Verdacht festgehalten und sich entsprechend verhalten hat, schämt es sich.
    • Ausführlich wird die vorwiegend personale Erzählweise auf der folgenden Seite herausgearbeitet. Dazu gibt es auch ein Video.
      https://www.schnell-durchblicken2.de/borchert-kirschen-mp3
  • Björn Lankert, „Der Streber“
    In der Kurzgeschichte geht es um Vorurteile gegenüber Menschen, die einfach gerne Leistung erbringen und dann feststellen müssen, dass sie auch negativen Gefühlen, ja sogar einem üblen „Streich“ begegnen.
    In diesem Falle löst sich das Problem durch den guten Einfall eines Vaters sowie einen erfolgreichen Rat einer Mutter auf.
    Wir zeigen, wie man die Geschichte in der Schule gut einsetzen kann.
  • Machma, Jana, „Schwarz auf weiß“
    Von der schwierigen Balance zwischen berechtigten und übertriebenen Vor-Urteilen und vom Glück, ein bisschen Wahrheit zwischen ihnen zu finden;
    Wir zeigen, wie eine junge Frau in einem Bewerbungsgespräch angenehm überrascht wird.
    Außerdem machen wir deutlich, wie man sich durch geschicktes Markieren einen optimalen Überblick über den Text der Kurzgeschichte verschaffen kann.
  • Artmann, H.C., „Keine Menschenfresser, bitte!“
    Jemand will bei der Vermietung eines Zimmers unerwünschte Personengruppen ausschließen, freut sich dann über einen Amerikaner, der als Mieter angekündigt und genommen wird. Dann wird deutlich, dass es sich um einen Afro-Amerikaner handelt.
    Eindrucksvolles Spiel mit Vorurteilen.
    Passt sehr gut zu Machma, Jana, „Schwarz auf weiß“ bzw.de Cesco, Federica, Spagetti für zwei
  • Schiefer, Dorothea, „Im Dschungel“
    Gut zu der Geschichte von Jana Machma passt diese, in der es um eine Situation in der Straßenbahn geht. Dort wird es immer enger und zwei Leute äußern sich negativ über mitfahrende Afrikaner. Der „Witz“ der Geschichte besteht darin, dass dann diese beginnen ein Lied zu singen, in das schließlich alle einstimmen – bis auf die beiden mit ihren fertigen Urteilen über scheinbar fremde Menschen.
    Nicht ganz unproblematisch ist am Ende die Erklärung eines der Afrikaner: „„Das ist der Gesang, mit dem wir im Dschungel wilde Tiere verjagen.““ Aber darüber und die gesamte Situation kann man sehr gut mit Schülern diskutieren.
    Eine kritische, letztlich aber positive Anmerkung zu der Geschicht gibt es hier:
    https://www.schule-des-schreibens.de/teilnehmer-erfolge/schreibdebuet-wettbewerb/kurzgeschichten-2013-runde-2/2-platz-dorothea-schiefer/
  • Steenfatt, Margret, „Im Spiegel“
    In dieser Kurzgeschichte geht es um die Auseinandersetzung eines Jugendlichen mit dem Vorwurf, er mache nichts aus seinem Leben: Sie wirkt zunächst verzweifelt, dann gewalttätig. Am Ende aber steht die Fähigkeit, seine Wunden zu lecken und zumindest zu seinen (!!!) Leuten zu gehen.
  • Kötter, Ingrid, „Nasen kann man so und so sehen“
    In dieser Kurzgeschichte geht es um Vorurteile sich selbst gegenüber: Ein Mädchen leidet sehr unter seinem Aussehen, bis ihm ihr Onkel deutlich macht, dass das alles eine Frage der Perspektive ist und er das gerade an ihr mag, was ihr nicht gefällt. Auf einer zweiten Ebene geht es um die Weiterentwicklung zweier junger Menschen, denn dieser Onkel ist kaum älter als das Mädchen Irina. Auch er hat sich weiterentwickelt und ermöglicht das jetzt auch seiner Nichte.
    In einem Punkt gibt es Ähnlichkeiten mit Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ – nämlich in der Frage der Wahrnehmung der eigenen Situation und wie sie sich verändern kann.


Weiterführende Hinweise