Kurzgeschichten zum Thema „Arbeit“ – Überblick

#Arbeitswelt
  • Böll, Heinrich, Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral
    Zumindest teilweise Bekehrung eines Touristen, der einem glücklich in natürlichen Verhältnissen lebenden Einheimischen moderne Arbeitsmoral beibringen will. (cf)
    Parallelen finden sich in: Marinić, Jagoda, „Kurzbiografie“
  • Marinić, Jagoda, „Kurzbiografie“
    https://www.schnell-durchblicken2.de/kg-marinic-kurzbiografie
    Präsentiert wird die Geschichte einer Frau wohl aus dem Bereich des Balkans, deren Mann in Deutschland mit seiner Arbeit zwar Wohlstand in ihr Dorf und ihr Leben bringt. Dafür muss sie aber auch allein die Kinder aufziehen. Später folgt sie ihrem Mann mit den Kindern nach Deutschland, nur um dort wieder ein fremdbestimmtes Leben führen zu müssen. Es geht wieder um Arbeit, für die Kinder bleibt wenig Zeit.
    Am Ende sitzt diese Frau nach dem Tode ihres Mannes allein in dem von dem vielen Geld gebauten großen Haus in ihrem Dorf, aber die Kinder sind in Deutschland geblieben und von ihren Enkeln kommen nur Fotos.
  • Böll, Heinrich, Es wird etwas geschehen
    In der Kurzgeschichte „Es wird etwas geschehen“ von Heinrich Böll wird auf satirische Weise die moderne Arbeitswelt aufs Korn genommen.
    (cf)
  • Berg, Sybille, „Alles wie immer“
    Die Kurzgeschichte präsentiert die Gedanken, die einem Menschen morgens durch den Kopf gehen, wenn nichts als immer der gleiche Alltag zu erwartet ist. Der tritt dann auch so ein, bis, ja bis die Protagonistin plötzlich merkt, dass sie ohne Schuhe losgezogen ist. Das nutzt sie, um am Ende eine sehr originelle Schlussfolgerung aus ihrer Erfahrung der Langeweile zu ziehen. Die kann natürlich nicht wirklich ernst gemeint sein, regt aber sehr zum Nachdenken an.
    (cio)
  • Brambach, Rainer, „Besuch bei Franz“
    In der Geschichte geht es um den Tod eines deutschen Bauarbeiters, der seinem italienischen Bauleiter vom Gerüst aus auf den Kopf spuckt und dann ein paar Tage später vom Gerüst fällt. Auf der Beerdigung ist der Bauleiter derjenige, der am meisten zu trauern scheint. Insgesamt eine Geschichte, die mit den verschiedenen Erklärmöglichkeiten für das Geschehen wunderbar herumspielt. Ist der Bauleiter der Mörder und will durch geheuchelte Trauer nur von sich ablenken – oder bereut er seine Tat oder aber schließt er auf seine Art („Verstehe einer die Südländer“ heißt es am Schluss) die Geschichte ab: Man rächt sich, erweist dann aber durchaus dem Opfer die letzte Ehre. (cf)
  • Frerichs, Hajo, Wenn Schule „Schule macht“
    Eine amüsante Kurzgeschichte über die Problematik von Abmachungen: Wie lange sollen sie gelten? Wann können oder sollen sie neu „ausverhandelt werden“?
    Es mag uns verziehen werden, wenn wir den Bereich „Schule“ der „Arbeitswelt“ zuschlagen – aber viele Schüler werden uns verstehen 😉
  • Lili Grün, „Man hat gelacht“
    Thema: Angst vor einem Auftritt
    https://textaussage.de/lili-gruen-man-hat-gelacht
  • Hemingway, Ein sauberes, gutbeleuchtetes Café
    Diese etwas längere Kurzgeschichte besteht eigentlich nur aus einem Gespräch zwischen zwei Kellnern, die sich über einen alten, lebensmüden Gast unterhalten, der von selbst nicht gehen will. Die Geschichte zeigt sehr schön, wie an einem bestimmten Ort drei Menschenschicksale aufeinandertreffen können, die dann wie in einem kürzeren oder auch längeren Blitzlicht zumindest in Teilen sichtbar werden. Letztlich geht es um die Frage, was ein Mensch als Minimum braucht, nämlich ein „sauberes, gutbeleuchtetes Café“, in dem er sich sein Elend von der Seele trinken kann. (cf)
  • Krüsand, Lars, „Pannen auf dem Weg zum Praktikum“
    https://textaussage.de/kruesand-pannen-auf-dem-weg-zum-praktikum
    In dieser Kurzgeschichte geht es um die praktischen Herausforderungen im Leben, besonders bei der Vorbereitung von Projekten und Terminen.
    Die Schüler können hier gleich zwei Dinge gleichzeitig lernen: den Umgang mit Kurzgeschichten und die optimale Vorbereitung auf ein schulisches Praktikum. Wir liefern wie immer Infos und Tipps zum Einsatz der Geschichte im Unterricht.
  • Lenz, Siegfried „Drei Männer und ein Augenblick“
    Die Kurzgeschichte schildert das Zusammentreffen von zwei Einbrechern und einem etwas seltsamen Maler. Was andere Menschen als Gefahr für ihren Besitz und vielleicht sogar für ihr Leben ansehen würden, betrachtet er als eine Art Geschenk des Himmels. Diesen besonderen „Augenblick“ nutzt er dafür, sie zu zeichnen. Es gelingt ihm, der sonst wenig verkauft, das fertige Bild bei einem Händler für einiges Geld unterzubringen. Die Geschichte endet mit dem Zählen des Geldes und der nicht weiter erläuterten Feststellung des Erzählers: „Dann klingelte es, als ob jemand lachte.“ Insgesamt zeigt die Kurzgeschichte eine Situation, in der ein Mensch sich sehr sonderbar verhält und dabei offensichtlich sein Glück findet.
    Kleine Anregung: Reizvoll könnte es sein, eine Unterhaltung der beiden Einbrecher nach ihrer Rückkehr zu gestalten, in der sie das Ereignis aus ihrer Sicht kommentieren.
  • Maatmann, Thore, Man muss sich auch mal Luft machen
    In der Kurzgeschichte von Thore Maatmann geht es um einen Angestellten, der sich täglich über seinen Chef ärgert.  Als es einmal besonders schlimm wird, platzt er abends auf einer privaten Geburtstagsfeier gegenüber einem wildfremden Menschen richtig los – um dann am Ende festzustellen, dass es sich um den neuen Vorstandsassistenten seiner Firma handelt.
  • Marti, Kurt, „Neapel sehen“
    In der Kurzgeschichte geht es um einen Arbeiter, der sich durch eine Bretterwand von seiner Fabrik, die er mit samt ihrer Arbeit hasst, abschottet. Als er dann krank wird, lässt er die Wand wieder stückweise entfernen, bis er schließlich entspannt sterben kann. Deutlich wird in der Geschichte, wie sehr auch eine unangenehme, quälende Umwelt einen Menschen prägen kann. Man könnte auch sagen, wie wichtig ihm die Teilnahme am Leben ist, auch wenn es sich um unangenehme Arbeit handelt. (cf)
  • Michaela Seul, Allmorgendlich
    Kritische Auseinandersetzung mit einem vorschnellen Urteil über einen anderen Menschen und die sich daraus ergebenden Konsequenzen (cf)
  • Wondratschek, Wolf, Mittagspause
    Ähnlich wie in der Kurzgeschichte „Die Tochter“ von Bichsel geht es um einen jungen Menschen im Ablöse-, bzw. hier im Prozess des Aufbaus eines eigenen Lebens. Eine große Rolle spielt dabei der Umgang mit Männern, der auf der einen Seite auf Annäherung, andererseits auch auf Abgrenzung aus ist. Eine zentrale Rolle spielen die Begriffe „Spiel“ und „Katastrophe“ – alles, um von der Langeweilse des normalen Arbeitslebens abzulenken. Spannend wird es, wenn man diese schon fast 50 Jahre alte Geschichte mit heutigen Rollenbildern vergleicht.
    Vergleiche auch Wohmann, Der Antrag. (cf)
  • Mark Zwollich, Die Entscheidung
    Die Kurzgeschichte macht deutlich, dass es nicht darauf ankommt, wieviel Angst man vor einer Aufgabe hat.
    Wichtig ist, dass man jemanden findet, der einem hilft, den richtigen Blick für die eigenen Fähigkeiten zu bekommen.
    Gezeigt wird das am Beispiel eines Referendars, der sich den Anforderungen der Lehrerausbildung nicht gewachsen fühlt, aber eigentlich schon alles richtig macht und kann.
  • Müller, Stefan, Die Fleischsonate
    (Einfach Deutsch, Die Kurzgeschichte auf dem Weg ins 21. Jahrhundert, 2007, S. 55/56)
    Diese recht ungewöhnliche Kurzgeschichte schildert die blutige Arbeit eines Angestellten einer Großschlachterei, der den ganzen Tag Tiere tötet und sich abends dann bei klassischer Musik erholt. Eines Tages fängt er an, eine Verbindung zwischen beiden Tätigkeiten herzustellen und er versteht die tägliche Blutorgie immer mehr als eine sehr spezielle Sonate, also auch ein klassisches Musikstück. Er vertieft sich immer mehr in diese Vorstellung hinein und findet schließlich auch den abrundenden Schlusspunkt in sich, der aber zugleich seinen eigenen Tod bedeutet.