Kurzgeschichten zum Thema „Arbeitswelt“ (Mat940)

Worum es auf dieser Seite geht

Arbeit ist in Kurzgeschichten fast nie nur Arbeit. Es geht um Träume und Erwartungen, um Langeweile und kleine Fluchten, um Angst vor dem Scheitern – und manchmal um die ganz große Frage, wofür man eigentlich lebt. Wir haben die Geschichten deshalb nicht alphabetisch sortiert, sondern nach fünf Themen gruppiert. So findet man schnell passende Texte für den Vergleich.

Titelbild zur Kurzgeschichte „Nicht mein Grabstein“ von Kimia Tivag

Ganz neu und schülernah: Kimia Tivag, „Nicht mein Grabstein“ – ein Sohn will Musiker werden, der Vater träumt vom gemeinsamen Familienbetrieb. Mehr dazu gleich im ersten Abschnitt: Berufswahl, Ausbildung, erste Schritte

Berufswahl, Ausbildung, erste Schritte

  • Kimia Tivag, „Nicht mein Grabstein“
    https://schnell-durchblicken.de/kimia-tivag-nicht-mein-grabstein
    Thema: Konflikt zwischen elterlichen Erwartungen und Selbstverwirklichung. Ein Sohn mit wirtschaftlichem Talent will Musiker werden, sein Vater träumt von der gemeinsamen Zukunft im Familienbetrieb – beim Mittagessen prallen ihre Vorstellungen aufeinander. Die Geschichte zeigt, wie schwer es ist, eigene Träume gegen familiäre Erwartungen zu verteidigen, und dass Selbstbestimmung manchmal bedeutet, Enttäuschung in Kauf zu nehmen.
  • Lars Krüsand, „Pannen auf dem Weg zum Praktikum“
    https://textaussage.de/kruesand-pannen-auf-dem-weg-zum-praktikum
    Es geht um die praktischen Herausforderungen im Leben, besonders bei der Vorbereitung von Projekten und Terminen. Schüler lernen hier zwei Dinge gleichzeitig: den Umgang mit Kurzgeschichten und die optimale Vorbereitung auf ein schulisches Praktikum. Dazu wie immer Infos und Tipps zum Einsatz im Unterricht.
  • Mark Zwollich, „Die Entscheidung“
    https://textaussage.de/mark-zwollich-die-entscheidung
    Ein Referendar fühlt sich den Anforderungen der Lehrerausbildung nicht gewachsen, macht aber eigentlich schon alles richtig. Die Geschichte zeigt: Es kommt nicht darauf an, wie viel Angst man vor einer Aufgabe hat – wichtig ist, jemanden zu finden, der einem den richtigen Blick auf die eigenen Fähigkeiten verschafft.
  • Hajo Frerichs, Wenn Schule „Schule macht“
    https://textaussage.de/frerich-wenn-schule-schule-macht
    Eine amüsante Kurzgeschichte über die Problematik von Abmachungen: Wie lange sollen sie gelten, und wann können oder sollen sie neu ausgehandelt werden? Man mag uns verzeihen, dass wir die Schule der Arbeitswelt zuschlagen – aber viele Schüler werden uns verstehen 😉
  • Kreativ-Tipp: Mascha Kaléko, „Unsinn und Sinn“
    https://textaussage.de/mascha-kaleko-unsinn-und-sinn
    Man kann auch einmal kreativ an das Thema Arbeit und besonders an das Studieren herangehen: Dieses wunderschöne Gedicht lässt sich gut zu einer eigenen Kurzgeschichte verarbeiten.

Alltagstrott und kleine Fluchten

  • Sibylle Berg, „Alles wie immer“
    https://textaussage.de/sybille-berg-alles-wie-immer
    Die Geschichte präsentiert die Gedanken eines Menschen am Morgen, wenn nichts als der immer gleiche Alltag zu erwarten ist. Der tritt auch ein – bis die Protagonistin plötzlich merkt, dass sie ohne Schuhe losgegangen ist. Daraus zieht sie am Ende eine sehr originelle Schlussfolgerung aus ihrer Erfahrung der Langeweile, die nicht ganz ernst gemeint sein kann, aber sehr zum Nachdenken anregt.
  • Wolf Wondratschek, „Mittagspause“
    https://textaussage.de/wolf-wondratschek-mittagspause-anregungen-fuer-schule-und-unterricht
    Ähnlich wie in Bichsels „Die Tochter“ geht es um einen jungen Menschen im Ablöseprozess, hier beim Aufbau eines eigenen Lebens. Eine große Rolle spielt der Umgang mit Männern, zwischen Annäherung und Abgrenzung; zentral sind die Begriffe „Spiel“ und „Katastrophe“ – alles, um von der Langeweile des normalen Arbeitslebens abzulenken. Spannend wird es, wenn man die fast 50 Jahre alte Geschichte mit heutigen Rollenbildern vergleicht. Vergleiche auch Wohmann, „Der Antrag“.
  • Lars Krüsand, „Manchmal passt es einfach“
    https://schnell-durchblicken.de/lars-kruesand-manchmal-passt-es-einfach
    Tipps, wie man dem „Kurzzeit-Elend“ des Alltags entkommt.
  • Michaela Seul, „Allmorgendlich“
    https://textaussage.de/michaela-seul-kurzgeschichte-allmorgendlich-infos-und-anregungen
    Kritische Auseinandersetzung mit einem vorschnellen Urteil über einen anderen Menschen und den Konsequenzen, die sich daraus ergeben.

Druck, Angst und Scheitern

  • Burkhard Spinnen, „Ente Orange“
    https://textaussage.de/5-min-tipp-zur-kurzgeschichte-ente-orange-von-burkhard-spinnen
    Analyse und Anregungen zur Kurzgeschichte. Thema ist der Umgang mit einem beruflichen Schicksalsschlag, der Lernschwerpunkt liegt bei Kommunikation und Interaktion. Kreative Aufgaben: Miriam reagiert anders – sie zeigt Empathie und bittet um Verständnis; oder die Hauptfigur kommentiert den Tag abends in ihrem Tagebuch.
  • Thore Maatmann, „Man muss sich auch mal Luft machen“
    https://textaussage.de/thore-maatmann-man-muss-sich-auch-mal-luft-machen
    Ein Angestellter ärgert sich täglich über seinen Chef. Als es besonders schlimm wird, platzt er abends auf einer Geburtstagsfeier gegenüber einem Wildfremden richtig los – und stellt am Ende fest, dass es sich um den neuen Vorstandsassistenten seiner Firma handelt.
  • Martin Suter, „Decision Making“
    https://schnell-durchblicken.de/martin-suter-decision-making
    Oder die Frage, was verborgene Ängste mit einem machen können: Ein Angestellter aus dem mittleren Management begegnet einem Arbeitslosen, der Zeitschriften anbietet. Das löst geheime Ängste aus, die man gut mit Kafkas „Der Nachbar“ vergleichen kann.
  • Lili Grün, „Man hat gelacht“
    https://textaussage.de/lili-gruen-man-hat-gelacht
    Thema: die Angst vor einem Auftritt.
  • Thomas Hürlimann, „Der letzte Auftritt“
    https://textaussage.de/thomas-huerlimann-der-letzte-auftritt-leben-zwischen-schein-und-sein
    Eine noch recht junge Schauspielerin ist am Ende ihrer Karriere angelangt und erlebt beim Treffen mit Bekannten aus früheren Tagen eine Art „letzten Auftritt“. Ein guter Ausgangspunkt für eine Diskussion über Sein und Schein – und darüber, wann Notlügen eine kleine Rettung sein können oder aber ein letzter Schritt in die Ausweglosigkeit.

Wenn die Arbeit den Menschen verschluckt

  • Theo Schmich, „Die Kündigung“
    https://schnell-durchblicken.de/theo-schmich-die-kuendigung
    Ein Mann sucht verzweifelt nach dem Grund für seine plötzliche Entlassung, über die ein Computer entschieden hat. Die Geschichte kritisiert die Entmenschlichung der Arbeitswelt durch Technik und Bürokratie, der Einzelne steht undurchsichtigen Entscheidungen machtlos gegenüber. Angesichts der rasanten Entwicklung der KI ist sie aktueller denn je – ähnliche Probleme kann es heute etwa in der Medizin geben.
  • Heinrich Böll, „Es wird etwas geschehen“
    https://textaussage.de/heinrich-boell-es-wird-etwas-geschehen-anregungen-fuer-den-unterricht
    Böll nimmt auf satirische Weise die moderne Arbeitswelt aufs Korn.
  • Stefan Müller, „Die Fleischsonate“
    Fundstelle: Einfach Deutsch, Die Kurzgeschichte auf dem Weg ins 21. Jahrhundert, 2007, S. 55/56
    Eine recht ungewöhnliche Geschichte: Ein Angestellter einer Großschlachterei tötet den ganzen Tag Tiere und erholt sich abends bei klassischer Musik. Eines Tages verbindet er beides und versteht die tägliche Blutorgie immer mehr als eine ganz besondere Sonate. Er vertieft sich so sehr in diese Vorstellung, dass er schließlich den abrundenden Schlusspunkt in sich findet – der zugleich seinen eigenen Tod bedeutet.
  • Kurt Marti, „Neapel sehen“
    https://www.deutschunddeutlich.de/contentLD/GD/GT83mNeapel.pdf
    (Text der Geschichte) Ein Arbeiter schottet sich mit einer Bretterwand von seiner Fabrik ab, die er samt ihrer Arbeit hasst. Als er krank wird, lässt er die Wand Stück für Stück entfernen, bis er entspannt sterben kann. Deutlich wird, wie sehr auch eine quälende Umwelt einen Menschen prägt – und wie wichtig ihm die Teilnahme am Leben ist, selbst wenn es um ungeliebte Arbeit geht.

Arbeit und die Frage, was im Leben zählt

  • Heinrich Böll, „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“
    https://textaussage.de/boells-anekdote-zur-senkung-der-arbeitsmoral-anregungen-fuer-schule-und-unterricht
    Ein Tourist will einem Fischer, der zufrieden in natürlichen Verhältnissen lebt, moderne Arbeitsmoral beibringen – und wird zumindest teilweise selbst bekehrt. Parallelen finden sich in Jagoda Marinićs „Kurzbiografie“ (direkt darunter).
  • Jagoda Marinić, „Kurzbiografie“
    https://schnell-durchblicken.de/marinic-kurzgeschichte-kurzbiografie
    Eine Frau, wohl vom Balkan: Ihr Mann bringt mit seiner Arbeit in Deutschland Wohlstand ins Dorf, doch sie muss die Kinder allein großziehen. Später folgt sie ihm nach Deutschland – und führt wieder ein fremdbestimmtes Leben, in dem für die Kinder wenig Zeit bleibt. Am Ende sitzt sie nach dem Tod ihres Mannes allein im großen Haus im Dorf; die Kinder sind in Deutschland geblieben, von den Enkeln kommen nur Fotos.
  • Siegfried Lenz, „Drei Männer und ein Augenblick“
    Zwei Einbrecher treffen auf einen etwas seltsamen Maler. Was andere als Gefahr ansehen würden, betrachtet er als Geschenk des Himmels: Er nutzt den besonderen „Augenblick“, um die beiden zu zeichnen – und verkauft das Bild, obwohl er sonst wenig loswird, für einiges Geld. Die Geschichte endet mit dem Zählen des Geldes und dem rätselhaften Satz: „Dann klingelte es, als ob jemand lachte.“ Kleine Anregung: Gestaltet ein Gespräch der beiden Einbrecher nach ihrer Rückkehr, in dem sie das Ereignis aus ihrer Sicht kommentieren.
  • Ernest Hemingway, „Ein sauberes, gut beleuchtetes Café“
    Die etwas längere Geschichte besteht fast nur aus einem Gespräch zweier Kellner über einen alten, lebensmüden Gast, der nicht gehen will. An einem Ort treffen drei Menschenschicksale aufeinander und werden wie im Blitzlicht zumindest teilweise sichtbar. Letztlich geht es um die Frage, was ein Mensch mindestens braucht – eben ein sauberes, gut beleuchtetes Café, in dem er sich sein Elend von der Seele trinken kann.
  • Rainer Brambach, „Besuch bei Franz“
    https://schnell-durchblicken.de/brambach-besuch-bei-franz
    Ein deutscher Bauarbeiter spuckt seinem italienischen Bauleiter vom Gerüst aus auf den Kopf und stürzt ein paar Tage später selbst ab. Auf der Beerdigung scheint ausgerechnet der Bauleiter am meisten zu trauern. Die Geschichte spielt wunderbar mit den Erklärungsmöglichkeiten: Ist er der Mörder und lenkt mit geheuchelter Trauer ab, bereut er die Tat – oder schließt er die Sache auf seine Art ab („Verstehe einer die Südländer“): Man rächt sich, erweist dem Opfer dann aber die letzte Ehre?

Weitere Infos, Tipps und Materialien

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