„Helden“-Balladen

  1. Schiller, „Der Handschuh“:In der Ballade geht es um einen Ritter, der von seiner Dame herausgefordert wird. Er soll ihr einen Handschuh aus einer mit wilden Tieren gefüllten Arena holen. Den hat sie wohl mutwillig hineingeworfen. Der Ritter stellt sich tatsächlich dieser Herausforderung, macht dann aber auch deutlich, was er von dieser Dame und ihren Aktivitäten hält.
  2. Theodor Fontane, „Gorm Grymme“:
    In der Ballade geht es um einen König, der seinen Sohn sehr liebt. Das geht so weit, dass er für den Fall seines Todes dem Überbringer der schlechten Nachricht auch seinerseits den Tod androht. Als der Sohn tatsächlich umkommt, entwickelt die Königin einen Plan, wie man dieser Drohung entkommen kann.
    Auf unserer Seite gehen wir beispielhaft auf künstlerische Mittel in dieser Ballade ein.
  3. Paul Pfeffer, „Das Ei des Kolumbus“
    – eine schöne Ballade, die eine berühmte Anekdote aus der Zeit der Entdeckungen zum Anlass nimmt, auf den entscheidenden Unterschied zwischen „etwas grundsätzlich können“ und „etwas wirklich tun“ aufmerksam zu machen. Implizit steckt aber noch mehr drin, nämlich, überhaupt erst mal auf die Idee des später scheinbar Selbstverständlichen zu kommen – und dann auch noch den Mut gegen alle Warnungen aufzubringen.
  4. Louise Brachmann, Columbus,
    hier wird aus der Entdeckung eine richtig dramatische Heldenstory, bei der Kolumbus im letzten Augenblick den Kopf „aus der Schlinge“ ziehen kann. Interessant ein Vergleich mit der historischen Realität. Daraus ergibt sich dann die Frage: Was macht eine Schriftstellerin (übrigens eine ganz frühe!!!) mit der historischen Realität?
  5. Bürger, Das Lied vom braven Mann
    – diese Ballade schildert eine Heldentat, bei der ein einfacher Mann eine Familie aus einer Flutkatastrophe rettet, am Ende die Geld-Belohnung ausschlägt und sie den Geschädigten zukommenh lässt. Interessant ist die Art der Darstellung, bei der der Sprecher in gewisser Weise mit sich selbst und indirekt auch mit den Zuhörern bzw. Lesern kommuniziert – und dabei  das Geschehen kommentiert.
  6. Fontane, John Maynard
    – diese sehr bekannte Ballade passt sehr gut zu dem „Lied vom braven Mann“ – allerdings konzentriert sie sich weniger auf Auseinandersetzungen, sondern ganz auf die Tat des „Ausharrens“ am Steuer und den Dank der Menschen für diesen Opfergang.
    Hierzu gibt es übrigens auch eine Anleitung zur Modernisierung bzw. Aktualisierung:
    https://schnell-durchblicken3.de/index.php/schnell-durchblicken-kurse/lernkurs-kreativitaet-beim-schreiben-von-texten/331-john-maynard-in-heutiger-sprache
  7. Wolf Biermann, „Ballade vom Briefträger William L. Moore“
    Die Geschichte eines weißen Amerikaners, der in die Südstaaten aufbricht und dort für die Gleichberechtigung der Rassen wirbt. Er bekommt durchaus Zustimmung, hört aber auch eine Warnung, muss Steinwürfe ertragen und wird schließlich erschossen. All das wird äußerst distanziert präsentiert mit einem Schluss, der eher zur Recherche auffordert als zum Nachdenken.
    https://schnell-durchblicken3.de/index.php/faq/faq-gedichte/334-anmerkungen-zu-wolf-biermann-ballade-vom-brieftraeger-william-l-moore
  8. Schiller, Der Kampf mit dem Drachen
    Gehorsam wichtiger als soziale Tat
    Es handelt sich um eine eher unbekannte Ballade, sehr lang und konzentriert auf die Frage, was wichtiger ist: Hilfe für andere oder Gehorsam gegenüber den Glaubensregeln des Ordens. Ein Ritter wird auf Rhodos bejubelt, weil er nach sorgfältiger Vorbereitung einen Drachen getötet hat, der schon viel Unheil angerichtet hat. Umso erstaunter ist er, als der Vorsteher seines Mönchsordens ihn scharft kritisiert: Er habe mit seinem Ungehorsam gegenüber dem Verbot, sich nach mehreren missglückten Versuchen Anderer noch mal an den Drachen zu wagen, einen viel schlimmeren inneren Drachen in die Gemeinschaft gebracht. Der Ritter nimmt das Urteil an und wird am Ende deshalb „begnadigt“, weil er jetzt ja Gehorsam gezeigt hat.
    Eine gekürzte Fassung mit Aufgaben findet sich hier.
  9. Otto Ernst, Nis Randers
    – diese Ballade ist insofern besonders interessant, weil sie auf besonders originelle Art und Weise den persönlichen Mut des Helden belohnt. Während seine Mutter alles tut, um ihn von einer gefährlichen Rettungsfahrt auf die See hinaus abzuhalten (sie hat schon einen Mann verloren und ein weiterer Sohn ist vermisst), wird bei dieser Aktion gerade dieser Sohn gerettet und wäre umgekommen, wenn Nis sich nicht in Gefahr begeben hätte.
  10. Schiller, Die Bürgschaft
    – In dieser berühmten Ballade geht es vor allem um eine Freundschaft – da dabei aber auch alles riskiert, d.h. sogar das Leben eingesetzt wird, soll sie hier auch unter dem Stichwort „Helden“ aufgeführt werden.
  11. Schiller, Der Taucher
    Hier geht es auch um Leben und Tod – allerdings geht hier das „Heldentum“ einen Schritt zu weit. Eine schöne Gelegenheit, mal die Frage von Berühmtheit und Karriere zu erörtern.
  12. Nikolaus Lenau, Der Polenflüchtling:
    Helden können auch mal weinen – und das auch schon in der Gedankenwelt des 19. Jahrhunderts. Interessant ist diese Ballade vor allem auch für das Nachdenken über verschiedene Kulturen und trotzdem vorhandene menschliche Gemeinsamkeit.
  13. Ludwig Uhland , „Der blinde König“
    https://textaussage.de/ludwig-uhland-der-blinde-koenig
    Eine Ballade, bei der ein König versucht, seine geraubte Tochter wiederzufinden. Seine Leute verhalten sich seltsam zurückhaltend. Daraufhin erklärt der Sohn sich zum Kampf bereit.
    Der Schluss ist unklar – auf jeden Fall geht es um die Frage: siegreicher oder sich aufopfernder Held.
  14. Ballade um einen Anti-Helden, der in der Stunde der Bewährung nur durch die Klugheit seiner Frau gerettet wird. Ein schöner Anlass um über wahres Heldentum zu reden, aber auch um den Umgang mit besonderen Herausforderungen durch einen mehr oder weniger stärkeren Gegner:
    https://textaussage.de/wilhelm-brandes-ballade-paddy-fingal

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