Thema „Krieg, Unterdrückung“

#Krieg / Unterdrückung

  • Bender, Der Brotholer (relativ lang für eine Kurzgeschichte)
    Eine Geschichte aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges oder danach. Es geht um den Umgang mit deutschen Kriegsgefangenen. Einer von ihnen, vergreift sich wider Erwarten nicht an einem Brot, das zuviel geliefert wurde, sondern bringt es der Lagerleitung. Diese honoriert das durch eine Verlegung in einen besseren Teil des Lagers. Dann aber wird er als Spitzel auf einen befreundeten Mitgefangenen namens Wansdorf angesetzt. Als er sich weigert, verliert er seine Privilegien. Er bekommt dann wieder ein Brot zuviel ausgehändigt. Dieshalb behält er es lieber. Dann stellt sich heraus, dass das eine Falle war. Jetzt legt man es darauf an, dass er von den eigenen Kameraden bestraft wird. Am Ende bleibt offen, inwieweit er von Wansdorf geschützt oder gar gerettet wird.
    Die Geschichte ist äußerst interessant im Hinblick auf menschliche und unmenschliche Verhaltensweisen unter extremen Bedingungen
  • Hans Bender, Die Wölfe kehren zurück
    Eine interessante und berühmte, aber von Aufbau, Gestaltung und Aussage her fragwürdige Kurzgeschichte. Sie ist vor allem geeignet, Schüler zu eigenständigem Denken  zu ermutigen, das auch keine falsche Achtung vor angenommener Meisterschaft zeigt.
  • Hans Bender, „Forgive me“
    Unmenschlichkeit und Menschlichkeit am Ende des Zweiten Weltkrieges am Beispiel des Todes eines jungen deutschen Soldaten
  • Böll, „An der Brücke“https://textaussage.de/boell-an-der-bruecke
    •  In der Kurzgeschichte geht es um einen im Krieg verwundeten Soldaten, der die Aufgabe bekommt, die Leute zu zählen, die über eine neue Brücke gehen.
    • Er nutzt das, um sich eine Art Spiel mit seinen Vorgesetzten zu gönnen: Je nach seiner Laune meldet er niedrigere Zahlen oder höhere, was dann Begeisterung auslöst.
    • Dazu kommt, dass er sich vor allem auf eine „kleine Geliebte“ konzentriert, die er zwar gar nicht kennt, die aber zweimal am Tag über die Brücke geht und bei ihm dann intensive Gefühle auslöst.
    • Eines Tages bekommt er den Tipp, dass er heimlich kontrolliert werden wird. An dem Tag zählt und meldet er genau, allerdings bleibt auch hier die „kleine Geliebte“ außen vor.
    • Die Geschichte endet mit der Belohnung, dass er nur noch die (geringere) Zahl der Pferdefuhrwerke zählen muss.
    • Er überlegt, ob er eine bestimmte Sperrstunde für Pferdefuhrwerke nicht nutzen sollte, um seiner „Geliebten“ zu folgen und mit ihr Kontakt aufzunehmen.
    • Insgesamt ein Plädoyer für die Schaffung persönlicher Spielräume in Zeiten, in denen ansonsten über einen verfügt wird.
    • Diese Geschichte musste übrigens im Zentralabitur 2022 in NRW mit dem Roman „Unter der Drachenwand“ von Arno Geiger verglichen werden.
      Anmerkungen zu dieser Aufgabe gibt es hier:
      https://textaussage.de/ungezaehlte-geliebte-und-unter-der-drachenwand
  • Böll, Heinrich, „Mein teures Bein“
    Ein Soldat, der ein Bein verloren hat, möchte eine höhere Rente. Der Beamte rechnet ihm vor, was das kosten würde. Darauf macht der Soldat eine Gegenrechnung auf, indem er die Geschichte seiner Verwundung erzählt: Er hat so lange ausgehalten (und ist dabei verwundet worden), bis höhere Offiziere, die viel mehr Rente kosten, sich retten konnten. Das bringt ihm zwar bei dem desinteressierten Beamten keine höhere Rente ein, aber er kann zumindest hocherhobenen Hauptes den Raum verlassen und hat sich Luft gemacht.
  • Böll, Weggeflogen sind sie nicht
    Eine Geschichte zwischen Sachtext und Fikitonalität, die sich mit der Frage der Freiheit in den Zeiten der Unterdrückung befasst
  • Borchert, Wolfgang, Die Katze war im Schnee erfroren
    • In der Kurzgeschichte geht es um ein Dorf, das im Krieg von Soldaten in Schutt und Asche gelegt wird, nachdem wie im Nachbardorf, wo sich wohl ein Kommandostand befindet, den entsprechenden Befehl per Telefon bekommen haben.
    • Nach dem ersten Teil (Zerstörung) und dem zweiten Teil (Rückblick auf die Befehlserteilung und das ganz normale Leben nach der Zerstörung bei den Tätern) kommt noch ein dritter Teil, in dem erzählt wird, wie die Männer im nächsten Frühjahr allein schon durch die blutrote Sonne an das brennende Dorf erinnert werden. „Und dann gingen sie wieder. Doch sie summten nicht mehr. Denn unter den blühenden Birnen schrie rosaner Schnee. Und sie wurden den rosanen Schnee nie wieder los.“
    • Den Schluss bilden spielende Kinder, die neben verkohlten Holz auch den Knochen einer erfrorenen Katze finden, mit dem sie in typisch Borchertscher Manier („Draußen vor der Tür“) das Schlagen der kriegerischen Trommel nachmachen.
    • Die Kurzgeschichte zeigt die Selbstverständlichkeit der Unmenschlichkeit im Krieg neben der Wiederkehr des scheinbar normalen Lebens.
    • Dann zeigt sie aber auch, dass von solchen Untaten auch in den Tätern etwas übrig bleibt und sie dauerhaft belastet.
    • Besonders interessant an der Geschichte ist, dass sie gar nicht so eng und eindeutig auf den Zweiten Weltkrieg bezogen ist, sondern sich auf alle Situationen übertragen lässt, in denen auf Befehl Grausamkeiten verübt und Zerstörungen angerichtet werden. Das geht vom Bürgerkrieg bis hin zu einer Mafia-Racheaktion. Immer gibt es dieses Nebeneinander von scheinbarer Normalität und exzessiver Grausamkeit, die auch in den Seelen der Täter Spuren hinterlässt und Menschlichkeit im Miteinander abbaut.
  • Borchert, Wolfgang, Die Kegelbahn
    Sehr distanziert angelegte Kritik an der Selbstverständlichkeit, mit der Menschen im Krieg auf andere schießen (müssen). Das Bild der Kegelbahn wird verwendet, um die Doppelrolle als Täter und Opfer zu verdeutlichen.
  • Borchert, Das Brot
    Ein Mann wird nachts von seiner Frau überrascht, währernd er in der Not der Nachkriegszeit sich eine zusätzliche Portion vom gemeinsamen Brot „gönnt“. Das Großartige an der Geschichte liegt jetzt in der behutsam-verständnisvollen Reaktion der Frau. Sie stellt ihren Mann nicht bloß, sondern sieht seine Notlage und geht damit sogar noch positiv um.
    Kleiner Tipp: Es lohnt sich, parallel dazu Borcherts Kurzgeschichte „Die Kirschen“ zu behandeln.
  • Borchert, Die Kirschen
    Diese Geschichte geht auch von einer problematischen Situation aus, allerdings beruht sie auf einer falschen Annahme, einer ungerechtfertigen Verdächtigung. Ein krankes Kind glaubt auf Grund eines Geräusches, dass sein Vater die ihm zugedachten Kirschen isst. In Wirklichkeit aber ist er nur dabei hingefallen, als er seinem Kind die Kirschen bringen wollte. Hier wird Blut mit Kirschsaft verwechselt. Als das Kind erkennt, dass es statt nachzufragen, an seinem Verdacht festgehalten und sich entsprechend verhalten hat, schämt es sich.
  • Borchert, Wolfgang, Die Küchenuhr
    Die Kurzgeschichte zeigt, was für einen Menschen als Wert bleibt, wenn er alles andere verloren hat, und wie er damit umgeht.
  • Borchert, Wolfgang, Nachts schlafen die Ratten doch
    Die Geschichte zeigt, wie man auch in ganz schlimmen Zeiten einem anderen Menschen helfen, aus seinem Trauma herauszukommen. Wir gehen auf diesen Weg von der „Trümmerwüste“ hin zur „Sonne“ in einem Schaubild genauer ein.
  • Brecht, „Wenn die Haifische Menschen wären“
    Hier wird menschliches Verhalten in den Bereich der Haifische übertragen, um es kritisch zu hinterfragen. Das hat einen starken Parabelcharakter – aber zeigt auch die Besonderheit, dass nicht erst am Ende die Einsicht bzw. die Moral kommt, sondern sie schon zwischendurch immer im Spiel ist.
    Letztlich geht es hier um Fressen und Gefressenwerden – und die menschliche Kultur wird deshalb auf diesen auch kriegerischen Grundzug zurückgeführt.
    Näheres dazu auf der Seite:
    https://www.einfach-gezeigt.de/brecht-menschen-haifische
  • Hemingway, Alter Mann an der Brücke
    Es handelt sich um eine Kurzgeschichte, die den Spanischen Bürgerkrieg als Hintergrund hat und aus der Perspektive eines Soldaten erzählt wird, der mit einem alten Mann an einer Brücke spricht. Dieser macht sich Sorgen um seine Tiere, die er zurücklassen musste, weil die Kriegsgefahr näher rückt. Am Ende stellt der Ich-Erzähler fest, dass diesem Mann nicht mehr geblieben ist ein Tag, an dem Bombenflügzeuge wegen des Wetters nicht fliegen können und dass seine Katzen zumindest selbst für sich sorgen und die Tauben zumindest wegfliegen können.
    Insgesamt eine Kurzgeschichte, die den Wahnsinn des Krieges am Beispiel des Kummers eines alten Mannes deutlich werden lässt.
  • Kunert, Günter, „Stiefel“
    Es handelt sich um eine satirische Kurzgeschichte gegen Krieg und Gewalt. Ausgangspunkt sind genagelte Stiefel, die sich angeblich selbstständig machen und ihren Träger zu allerlei Gewalttaten veranlassen.
  • Als er zur Rede gestellt wird, verweist er auf anderes Schuhwerk, das die die Trägerin angeblich zu ständigem Tanzen gezwungen habe.
  • Er wird schließlich freigelassen, weil er die Stiefel ja braucht und verspricht, sich ab jetzt gegen sie zu wehren.
  • Bald entdeckt man ein weiteres „zertretenes Kind“ und überlegt, ob jetzt ein weiterer Mann unterwegs sei.
  • Die naheliegende Frage, ob der erste Mann sein Versprechen nicht halten konnte, stellt man nicht.
  • Kusenberg, Die Fliege
    In dieser Geschichte geht es um einen Sultan, der in einem bestimmten Raum unbedingte Ruhe braucht, um nachdenken zu können. Damit nicht mal eine Fliege ihn stört, ist ein Sklave, der früher mal Baumeister gewesen ist, angestellt, der mit einer Fliegenklatsche mögliche Unruhestifter beseitigen muss. Eines Tages gelangt eine Fliege in dieses Zimmer und der Sultan nimmt eine Sanduhr in Betrieb. Wenn sie abgelaufen ist, wird der Sklave getötet. Dieser versucht vergeblich, die Fliege zu erwischen – schließlich landet sie auf der Schulter des Sultans. In seiner Verzweiflung beschließt er Sklave, den Sultan zu töten, wenn er denn schon selbst sterben muss. In diesem Moment wacht der Sultan auf und trifft selbst die Fliege. Als ihm bewusst wird, in welcher Gefahr er geschwebt hat, gibt er dem Sklaven eine kurze Frist, in der er versuchen soll zu entkommen. Anschließend werde er ihn verfolgen und töten lassen. Während der Sklave um sein Leben läuft, bewegt sich die getroffene Fliege plötzlich wieder und kommt auf den Sultan zu – dieser nimmt das als Zeichen und lässt den Sklaven nicht verfolgen. Dieser kann jetzt in seiner Heimat wieder als Baumeister arbeiten.
    Die Geschichte zeigt sehr gut, was Despotismus und Sklaverei mit Menschen machen. Sie zeigt aber auch, welche Zufälle ihr Schicksal bestimmen können.

 

Weiterführende Hinweise