Schnell erkennen, worum es geht ...

Autor: heltor2020 (Seite 1 von 2)

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Mat1753  © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag
Diese Seite darf gerne – wie alle, die ich im Internet veröffentliche – im Unterricht eingesetzt werden. Dafür ist sie nämlich da 😉

Weiterführende Hinweise

 

Wulf Kirsten, „Ausflug“

Anmerkungen zum Gedicht „Ausflug“ von Wulf Kirsten

Auswertung der Überschrift

  • Die Überschrift des Gedichtes deutet nur eine ungefähre Richtung an, dass da jemand mal kurzzeitig aus seiner normalen Alltagswelt ausbricht.
  • Überlegt man, in welchen Kontexten das Wort Ausflug auftaucht, fallen einem eigentlich nur der Schulausflug und der Familienausflug ein. Natürlich kann es sich bei einer Kreuzfahrt zum Beispiel auch um ein besonderes Highlight für eine Reisegruppe handeln.

Versgruppe 1

  • Die erste Versgruppe machten deutlich, dass hier eher eine negative Veranstaltung stattfindet, die kaum Zeit hat für die Natur und sie auch gar nicht wirklich wahrnimmt.
  • Bezeichnend ist, dass der Ruf, der aus den Kronen der Bäume heraus kommt und den Sommer entweder ankündigt oder feiert, nur lautlos im Reisebus zum Beispiel wahrgenommen werden kann. D.h., es gibt ihn eigentlich nur in einer verkümmerten Form.
  • Sehr schön am Ende auch der Hinweis darauf, dass es bei diesem Ausflug auch schnarchende Schläfer gibt.

Versgruppe 2

  • Die ersten beiden Zahlen der zweiten Strophe beziehen sich dann auf etwas, was zumindest früher in Reisegruppen üblich war, dass da plötzlich jemand ein Lied anstimmen ließ, das möglicherweise etwas Stimmung aufkommen ließ, die aber mit der Realität nicht viel zu tun hat.
  • Die nächsten beiden Zeilen beschreiben dann wohl die Reisegruppe und heben einfach äußere Utensilien hervor, die im wahrsten Sinn des Wortes „aufgesetzt“ sind, also nicht wirklich etwas mit dem Leben der Reisenden zu tun haben.
  • Die vorletzte Zeile dieser Versgruppen macht dann deutlich, dass das Ziel dieser Reise vor allem ein Lokal ist, bei dem der Wald höchstens als Kulisse fungiert.
  • Die letzte Zeile präsentiert den Anfang eines bekannten Wanderliedes, das bezeichnenderweise im Gedicht schon nach dem dritten Wort abgebrochen wird, wohl um anzudeuten, dass es hier nur um das Singen als Ritual geht und der Inhalt des Liedes eigentlich egal ist.

Versgruppe 3

  • Die letzte Versgruppe macht im Hinblick auf den Berg als ein mögliches Ausflugsziel deutlich, dass der nur abgetreten wird, von einer wirklichen Begegnung mit der Natur ist keine Rede. Zurückbleibt auch eher eine beschädigte Natur.
  • Das Ziehen des Hutes durch den Berg könnte deutlich machen, dass in der Vorstellung der Reisenden der Berg sich genauso verhält wie sie selbst. Auf jeden Fall wird deutlich, dass man hier über eine minimale Begegnung und über konventionelles Verhalten nicht hinauskommt.
  • Es ist schon eine beeindruckende Idee, das Verhältnis dieser Reisenden zu ihrem angeblichen Objekt der Begierde zu vergleichen mit einer flüchtigen Begegnung, bei der man sich nur kurz sieht und sich schnell von einander wieder entfernt.
  • In den folgenden Zeilen wird dann hervorgehoben, wie weit entfernt die wirkliche Welt diesen Reisenden bleibt. Und dann noch eine überraschende Verschärfung: Wenn jemand ein Fernglas dabei hat, sieht er nur scheinbar mehr, was dann durch die Wendung „böhmische Dörfer verdeutlicht“ wird.

Aussage und Bedeutung

Insgesamt ein Gedicht, das deutlich macht, wie das Freizeitverhalten vieler Menschen zur Zeit der Entstehung des Gedichtes ausgesehen hat, und zwar im Hinblick auf ein nicht stattfindendes Naturerlebnis.

Anregung: Viele und vor allem junge Menschen werden sich eine solche Art von Ausflügen kaum noch antun. Die Frage bleibt aber, ob man heute die Natur mehr wahrnimmt, wenn man auf einem Mountainbike durch sie hindurchrast. Es soll ja Wanderer geben, die an bestimmten Stellen im Wald große Angst haben vor einer solchen Begegnung, bei der sie genauso überrollt werden können wie die Natur im Gedicht.

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Weiterführende Hinweise

 

Sarah Kirsch, „Fluchtpunkt“

Auswertung der Überschrift

  • Die Überschrift Fluchtpunkt ist zunächst rätselhaft. Allenfalls fällt einem dazu ein, dass damit ein Punkt in der Ferne gemeint ist, der es einem möglicht, eine gerade Linie zu ziehen.

Die ersten Zeilen – die Langsamkeit des Reisens früher

  • Das Gedicht beschreibt in den ersten Zeilen den Unterschied zwischen Reisen zur Zeit Heines, also in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und unseren Zeiten, etwa 150 Jahre später.
  • Die Zeit früher hat dabei durch die Langsamkeit des Reisens viel mehr Möglichkeiten geboten, sich mit den Eindrücken unterwegs zu beschäftigen. Im Hinblick auf unsere Zeit wird nur erwähnt, dass diese Möglichkeit so nicht mehr besteht.

Die Probleme des schnellen Reisens heute

  • Auf die Auswirkungen wird dann in den nächsten Zeilen eingegangen.
  • Dann erfolgt eine Zuspitzung. Es wird nämlich deutlich gemacht wird, dass die heutigen Reisen und wahrscheinlich auch Begegnungen zwischen Menschen häufig im Äußerlichen stecken bleiben. Das bedeutet dann, dass es weniger innere Erforschung und Begegnungen gibt.
  • Sehr schön ist der Einfall mit den Kellnern, die schon alles aus der Zeitung wissen und sich nicht mehr für das interessieren können oder wollen, was ihre Gäste gegebenenfalls an Erfahrungen gemacht haben.
  • In den letzten beiden Zeilen wird auf den Unterschied eingegangen zwischen Autos und Menschen. Es ist nicht ganz klar, was damit gemeint ist. Aber es könnte sich darauf beziehen, dass man sich heutzutage lieber über neue Autotypen (wichtig für die Geschwindigkeit des Reisens) unterhält als über Menschen, die scheinbar gleich aussehen.
  • Die letzte Zeile bringt dann noch einen neuen Gesichtspunkt hinein, dass nicht nur die Menschen uninteressant geworden sind, sondern auch die Orte, an denen sie wohnen. Das könnte sich beziehen auf die Gleichförmigkeit des Aussehens, die heutzutage immer mehr zur Normalität wird. Alles, was neu gebaut wird, sieht zumindest nach Auffassung des lyrischen Ichs irgendwie gleich aus, soweit es eben mit dem Menschen zu tun hat.

Verhältnis des Gedicht-Inhalts zur Überschrift

  • Am Ende fragt man sich, was die Überschrift jetzt mit dem Inhalt des Gedichtes zu tun hat. Möglicherweise bedeutet reisen heute auch, nur noch an ein gegebenfalls auch recht weit entferntes Ziel zu denken und das, was dazwischen ist, ist nichts mehr als eine Linie, deren einzelne Punkte gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Zusammenfassung: Aussagen und Bedeutung

  • Insgesamt ein Gedicht, das vor dem Hintergrund der modernen Verkehrsmittel auf die Unterschiede in den Erfahrungen zwischen früheren und heutigen Zeiten aufmerksam macht.
  • Inwieweit das im Einzelnen alles überzeugt, kann am besten im Austausch über dieses Gedicht geklärt werden. Dafür stellt es eine großartige Anregung bereit.
  • Zum Beispiel wird in keiner Weise darauf eingegangen, dass die Geschwindigkeiten und Gefahren in früheren Zeiten auch nicht nur als lustig empfunden wurden.
  • Wer zum Beispiel im 19. Jahrhundert nach Amerika auswanderte, hat die zurückgebliebenen Freunde und Familienmitglieder in der Regel nie wieder gesehen.
  • Das ändert aber nichts daran, dass schnelle Bewegung von einem Ort zum andern den Details unterwegs schon etwas an Bedeutung nimmt.

Weiterführende Hinweise

 

Ludwig Fels, „Fluchtweg“

Ludwig Fels, „Fluchtweg“  – die Welt „erfahren“, bevor sie vergeht

Hier zunächst einmal die wichtigsten Signale des Textes:

  • Der Titel geht von der Notwendigkeit einer Flucht aus und verweist auf einen Weg.
  • Inhaltlich wird ein Projekt vorgestellt, vielleicht auch vorgeschlagen, bei dem man „einen Sommer lang“ sich noch einmal ganz tief auf die Natur einlässt. Dabei geht es um:
    • durch natürliche Landschaften gehen („Heide“, „Gebirg“)
    • „sich vom Wegrand ernähren“ – damit ist sicher nicht gemeint, dass man dort Blumen und Gras essen soll. Es ist wohl eher gemeint, dass man nicht plant und vieles mitnimmt, sondern von dem lebt, was der Weg bietet. Das kann auch die Einkehr in einem Bauernhaus sein.
    • „segeln durch wogendes Getreibe“: Auch das darf nicht wörtlich genommen werden – dann wäre das schöne Getreidefeld ja zerstört. Vielmehr soll man es gewissermaßen mit den Augen überfliegen und vielleicht dankbar sein, dass es „wogt“, also so viel bietet wie das Meer.
    • Zum Sich-Einlassen auf die Natur gehört auchz, dass man „den Vögeln“ folgt und den „Sonnen“. Erstere sind attraktiv, weil sie uralten Flutrouten oder ihren Instinkten folgen – auch darauf kann man sich einlassen.
    • Am schwierigsten ist die Sache mit den „Sonnen“: Real gibt es auf der Erde nur eine, auch hier ist man als Leser gefordert, sich zu überlegen, wofür dieses Wort stehen könnte. Vielleicht stehen sie für Sonnentage, in deren Licht man auf eine Idee kommt, welche neue Natur-Freundschaft man an diesem Tage schließen könnte. Vielleicht ist es aber auch die „Sonne“ einer plötzlichen Begegnung, Wahrnehmung oder Einsicht.
  • Die letzten beiden Zeilen dann machen deutlich, warum das so wichtig ist, es jetzt oder bald zu tun. Diese Welt ist nämlich bedroht und deshalb soll man sich auf sie einlassen.
  • Sicher nicht, damit man sie dann in Ruhe untergehen lassen kann.
  • Es ist wohl eher so, dass der „Fluchtweg“ des Gedichtes dieser Gang ist, dessen Antriebskräfte beschrieben werden.
  • Am Ende steht dann möglicherweise eine Flucht nicht aus dieser Welt, sondern aus dem Verhängnis, indem man etwas gegen den drohenden Untergang tut.

Das Gedicht macht also aufmerksam auf Bereiche der Natur um uns herum, die wir vergessen haben oder zu wenig wahrnehmen.

Ziel ist dabei, dabei ein anderer Mensch zu werden, natürlicher zu leben und damit vielleicht das Vergehen der Schöpfung zu verhindern – vor allem dann, wenn viele andere auch diesen „Fluchtweg“ gehen.

Vergleich mit Lars Krüsand, „Konturen“

Zu diesem Gedicht passt gut das Gedicht „Konturen“ von Lars Krüsand: Es macht auf andere Weise deutlich, wie man die Dinge um sich herum anders und damit auch neu sehen kann.
https://textaussage.de/lars-kruesand-konturen

Mat1751 © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag

Weiterführende Hinweise

Eichendorff, „Der Jäger Abschied“

Vorüberlegungen zum Titel

Joseph von Eichendorff

Der Jäger Abschied

  • Der Titel dürfte für heutige Leser gewisse Schwierigkeiten beinhalten, weil sie zwar grundsätzlich wissen, was Jäger sind, aber weniger eine Vorstellung haben, was Abschied hier bedeuten könnte.
  • Wer sich ein bisschen näher auskennt, könnte an das „Halali“ am Ende einer Jagd denken, wenn alle Jäger vor der so genannten „Strecke“ stehen, also all den Tieren, die sie „zur Strecke gebracht“ haben. Nähere Infos dazu finden sich hier:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Halali_(Jagd)

Strophe 1

01 Wer hat dich, du schöner Wald,
02 Aufgebaut so hoch da droben?
03 Wohl den Meister will ich loben,
04 So lang noch mein Stimm erschallt.
05 Lebe wohl,
06 Lebe wohl, du schöner Wald!

  • Die erste Strophe bringt dann zunächst einmal überhaupt keinen Bezug zu dem, was in der Gedichtüberschrift angedeutet worden ist.
  • Stattdessen beginnt das Gedicht mit einer Frage, die es dann auch gleich selbst beantwortet.
  • Es geht um die Bewunderung des Waldes und eine Art Lob oder Dank gegenüber dem Schöpfer eines solchen Wunderwerks, also Gott.
  • Erst am Ende der Strophe wird dann deutlich, dass das lyrische Ich sich aktuell von diesem Wald verabschiedet. Von anderen Jägern ist keine Rede, stattdessen wird aus der Sicht des Individuums heraus gesprochen.

Strophe 2

07 Tief die Welt verworren schallt,
08 Oben einsam Rehe grasen,
09 Und wir ziehen fort und blasen,
10 Dass es tausendfach verhallt:
11 Lebe wohl,
12 Lebe wohl, du schöner Wald!

  • Die ersten beiden Zeilen der zweiten Strophe machen dann die typische romantische Distanz deutlich zwischen der verworrenen Welt und der anscheinend gegebenen Klarheit, die einsam grasende Rehe verbreiten.
  • Die nächsten beiden Zeilen stellen dann endlich einen klare Beziehung zum Titel her. Offensichtlich verlässt das lyrische Ich mit anderen zusammen nach einer Jagd den entsprechenden Wald und preist ihn auf die gleiche Weise wie in der ersten Strophe.
  • Für den heutigen Leser ist erstaunlich, wie wenig hier von den erlegten Tieren, also von dem die Rede, ist, was Jäger als Jagderfolg verstehen und womit viele andere Menschen erst mal ein Problem haben. Immerhin geht es hier um Tiere, die eben noch gelebt haben – und mit ihnen haben feinfühlige Menschen heute in der Regel Mitleid.
  • Wer nicht selbst Jäger ist, kann wahrscheinlich auch die Beziehung von Wald und Jagderfolg nicht direkt nachvollziehen. Das gilt aber sicherlich nur für Mitteleuropa, die Welt, in der Eichendorff lebte. In anderen Teilen der Welt hat es wohl immer auch Jäger gegeben, die in Gras- und Buschlandschaften erfolgreich waren.

Strophe 3

13 Banner, der so kühle wallt!
14 Unter deinen grünen Wogen
15 Hast du treu uns auferzogen,
16 Frommer Sagen Aufenthalt!
17 Lebe wohl,
18 Lebe wohl, du schöner Wald!

  • Der Beginn dieser Strophe ist zunächst einmal schwer verständlich. Offensichtlich ist mit einem Banner eine Art Fahne gemeint. Normalerweise ist das sprachlich als Neutrum zu bezeichnen, hier ist es aber anscheinend maskulin und hervorgehoben wird eine Bewegung in der Luft bei dieser Fahne, was als kühl wahrgenommen wird. Worauf sich das bezieht, bleibt unklar.
  • Wichtiger ist dem lyrischen Ich, hervorzuheben, dass dieses Banner offensichtlich für die Erziehung der Menschen wichtig war. Dabei wiederum spielten dann fromme Sagen eine große Rolle, die auf irgendeine Art und Weise in dem Banner, zum Beispiel in einem Bild, verewigt, also dauerhaft vorzeigbar gehalten wurden.

Strophe 4

19 Was wir still gelobt im Wald,
20 Wollens draußen ehrlich halten,
21 Ewig bleiben treu die Alten:
22 Deutsch Panier, das rauschend wallt,
23 Lebe wohl,
24 Schirm dich Gott, du schöner Wald!

  • Die letzte Strophe macht dann das Walderlebnis zu einer Grundlage auch des Verhaltens außerhalb des des Waldes. Es geht im folgenden vor allem um die Treue, die diesem als deutsche empfundenen Panier (der Kampfruf auf dem Banner) entgegengebracht wird.
  • Die letzte Zeile bittet Gott an, diesen Wald zu beschützen.

Aussage und Bedeutung des Gedichtes

Insgesamt dürfte dieses Gedicht heutigen Lesen sehr fremdartig vorkommen. Zum einen ist der Beruf des Jägers bei all seiner Wichtigkeit auch für die Hege von Jagdrevieren, eher in die öffentliche Kritik geraten.

Dann bleibt die Bedeutung des Waldes doch etwas unklar. Dass er für Jäger wichtig ist, kann man noch nachvollziehen. Aber hier geht es ja ganz offensichtlich auch um eine größere Dimension der Bedeutung.

Neben dem Wald spielt die Tradition in diesem Gedicht auch noch eine große Rolle. Hier hätte man als Leser gerne etwas Genaueres erfahren, um was für Sagen es sich da handelt, die als eine Art erstrebenswertes Vorbild auf dem Banner sichtbar gemacht worden sind.

Im Zeitalter der Distanzierung von allem, was das national empfunden wird, ist darüber hinaus diese Stelle im Gedicht fragwürdig und es sollte überlegt werden, was damit positiv gemeint sein könnte.

Vergleich mit dem Gedicht „Ausflug“ von Wulf Kirsten

Noch spannender und vielleicht leichter zu klären ist die Frage, was das Gedicht von Eichendorff mit dem Gedicht „Ausflug“ zu tun hat, immerhin wird es in einer Sammlung für die Schule nebeneinander gestellt.
https://www.cornelsen.de/produkte/kursthemen-deutsch-lyrik-reisen-vom-sturm-und-drang-bis-zur-gegenwart-schuelerbuch-9783062001680

In dem Gedicht „Ausflug“ geht es ganz eindeutig um ein vordergründiges Freizeitritual, bei dem man sich offensichtlich auf dieses Gedicht von Eichendorff bezieht, indem man es gemeinsam singt.

Nun ist es bei häufig gesungen Liedern immer so eine Sache, inwieweit der schon häufig gehörte Inhalt überhaupt noch wahrgenommen wird.

Hier geht es wohl darum, dass einfach nur eine Tradition aufrecht erhalten wird, die genauso fragwürdig ist wie das Tragen von Tirolerhüten bei Leuten, die mit Tirol sonst nichts „am Hut haben“.

Die Gemeinsamkeit der beiden Gedichte dürfte also vor allem in der Oberflächlichkeit kultureller Rituale liegen. Dabei ist natürlich zu beachten, dass Eichendorff wahrscheinlich das, was er im Gedicht geschrieben hat, durchaus ernst genommen hat. Er hatte es beim Schreiben ja noch nicht schon 1000 mal gesungen 😉

Letztlich geht es um zwei verschiedene Zeit–, Wahrnehmungs– und Verwendungsebenen.

Abschließend könnte man fragen, welche Vorstellungen heute ähnlich wirksam sind bei Menschen wie es damals Wald, Tradition und Religion waren.

Mat1748 © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag

Weiterführende Hinweise

Karl Krolow, “Vorbereitung einer Reise“

  1. Karl Krolows Gedicht „Vorbereitung einer Reise“ gehört zu denen, bei denen man als Leser möglicherweise schnell aufgibt, vielleicht sogar auf den Autor sauer ist. Denn der Text ist schon sehr irritierend.
  2. Deshalb beschreiben wir hier einfach mal unsere Erfahrungen beim Versuch, das Gedicht zu verstehen. Vor allem zeigen wir, wie man trotz Irritation und vielleicht auch Ärger weiter die Augen offen halten soll, um am Ende vielleicht doch noch rechtzeitig „die Kurve zu kriegen“.
  3. Die Überschrift liest sich recht praxisnah und man ist gespannt, wie der Dichter diesem Alltagsthema noch etwas Besonderes hat abgewinnen können.
  4. Der Anfang des Gedichtes ist sehr rätselhaft, denn was hat das Wechseln eines Hemdes oder das Verhängen eines Kalenders mit einer Reise zu tun.
    1. Allenfalls könnte man das so verstehen, dass man ein frisches Hemd anzieht, aber das sollte man ja wohl immer tun, wenn man morgens aufsteht.
    2. Das Verhängen des Kalenders hat mit einer Reise überhaupt keine Funktion, denn man selbst sieht ihn ja nicht.
    3. Allenfalls könnte hier eine übertragene Bedeutung vorliegen, die deutlich macht, dass mit dem Antritt einer Reise der normale Kalender zu Hause gewissermaßen stoppt beziehungsweise unterbrochen wird.
  5. Das Herausnehmen der Blumen
    1. kann natürlich sinnvoll sein, aber natürlich nur dann, wenn man sie in den Mülleimer wirft oder sonstwie entsorgt, weil man sie bei der Rückkehr von einer längeren Reise nicht verfault vorfinden möchte.
    2. Die Idee, die leeren Vasen dann mit abgelegten Handschuhen zu füllen, hört sich nach irgendeiner skurrilen Marotte an, wie sie früher den Engländern als angebliche Nationaleigenschaft angehängt wurde.
  6. Auf jedenfall ist man gespannt, wie dieses Gedicht weitergeht, ob es sich noch auf irgendeinen Sinn hinarbeitet oder hinwendet.
  7. Die Zahlen 7-9 setzen die skurrile Handlung fort. Offensichtlich hat dieses lyrische Ich das Bedürfnis, von jemandem verabschiedet zu werden und wenn es sich auch nur um diese abgelegten Handschuhe handelt.
  8. Ab Zeile 10
    1. wird wird das Thema komplett gewechselt oder aber die Reise bekommt eine neue Richtung .
    2. Dass die Trauer „unbekleidet“ ist, ist ein schöner Gedanke, der aber in den nachfolgenden Zeilen nicht näher erklärt wird.
    3. Immer mehr verstärkt sich der Eindruck, dass dieser Autor mit Textelementen spielt, die geheimnisvoll wirken, aber keinen rechten Zusammenhang ergeben.
    4. Zumindest ist ein Zusammenhang für einen Leser, der sich nicht ständig mit Gedichten von Karl Kronos beschäftigt, nicht recht einsichtig.
  9. Der Schlussteil des Gedichtes
    1. beginnt erfreulicherweise mit einer Doppelzeile, die man unterschreiben kann, wenn man glaubt, dass Tisch und Stuhl ein besonderes Verhältnis zu einander haben und für einen Reisenden von Bedeutung sind.
    2. Dass Wände flüstern ist ebenfalls eine sehr originelle Sicht auf die Wirklichkeit. Am einfachsten erklärt sich die Passage, wenn dieser Autor normalerweise Wände laut reden hört, wenn er mit ihnen spricht. Dann ist es natürlich nachvollziehbar, dass diese Wände enttäuscht nur noch einer der Flüstern, wenn der Hausherr das Haus verlassen hat.
    3. Dass die letzte Mahlzeit vergeht, wahrscheinlich vergammelt, hängt damit zusammen, dass der Autor sich nur mit dem Abschied von seinen Vasen beschäftigt hat und vergessen wurde, nun auch die letzte Mahlzeit noch abzuräumen.
    4. Dass die Südfrüchte aus unerfindlichen Grunde im Unterschied zu den Wänden nichts mehr zu sagen haben, ist bedauerlich, aber genauso unverständlich, wie ein Großteil des Textes.
  10. Wer hat diesen Versuch, das Gedicht zu verstehen, aufmerksam gefolgt ist,
    1. hat sicherlich mitbekommen, dass wir dem Produkt dieses Autos genau so offen und unvoreingenommen gegenüber getreten sind wie allen anderen lyrischen Texten auch.
    2. Wir müssen allerdings zugeben, dass wir schon andere Gedichte von Karl Krolow gelesen haben und dort auch das Gefühl hatten, dass da mehr vorgegeben wurde, als wirklich drin war.
    3. Ebenso dürfte aber auch klar geworden sein, dass sich im Laufe der Zeit Verstimmung und schließlich sogar Zorn aufbaut, wenn jemand ein solches Spiel treibt mit einem unbedarften Leser.
    4. So kamen wir denn auch zu dem Schluss, dass solche Gedichte in der Schule überhaupt nichts zu suchen haben, es sei denn, ihre Besprechung dient genau der Erkenntnis, die wir selbst ja auch gewonnen haben. Da meinen wir, das Leben ist zu kurz und Gedichte können zu schön sein, um sich mit manchen Exemplaren abzuquälen, bei denen man am Ende keinen Gewinn für sich sieht.
    5. Dann kamen bei uns natürlich auch alte Vor-Urteile durch:
      „Es gibt Autoren, die offensichtlich nicht das geringste Interesse daran haben, dass sie von jedem verstanden werden. Warum werden ihre Texte denn dann veröffentlicht und nicht per Mail oder per Brief früher nur an Freunde und Verehrer ihres Werkes verschickt?“
    6. Aber dann dachten wir, wir fassen trotzdem alles zu Aussagen zusammen – und dabei wurden wir dann angenehm überrascht.

Das Gedicht zeigt,

  1. dass dieses lyrische Ich ganz eigene Vorstellungen hat von dem, was zur Vorbereitung einer Reise gehört, um den Titel noch einmal aufzunehmen.
  2. Ebenso zeigt dieses Gedicht, dass das lyrische Ich seltsame Vorstellungen hat von dem Treiben der Dinge, nachdem es die Wohnung verlassen hat.
  3. Schließlich präsentiert das lyrische ich noch einige Gedanken zum Thema Trauer, denen man mit einiger Mühe durchaus folgen kann:
    1. Natürlich kann man Trauer als „unbekleidet“ empfinden, weil die Kleidung der Normalität mit ihrer Schutzfunktion  verloren gegangen ist.
    2. Nachvollziehbar ist auch, dass man Trauer nicht einfach mit einem Kopfnicken hinter sich lassen kann, so wie man es bei jemandem, der nicht so wichtig ist, durchaus als kurzes Begrüßungsritual vollziehen kann.
    3. Vor diesem Hintergrund kann man dann doch auch verstehen, dass die Gegenstände, die man bisher gemeinsam benutzt hat, nun unter sich bleiben.
    4. Ebenso wird jetzt deutlich, dass der Verlust eines Menschen auch verstanden werden kann als Reisenotwendigkeit für die Hinterbliebenen.
    5. Und wenn man das Ganze noch weiter von hinten aufrollt, dann wird auch das Wechseln des Hemdes letztlich mit Sinn gefühlt, weil man sich jetzt ein neues Outfit verschafft.
    6. Ebenso kann man dann auch das Verhängen des Kalenders verstehen, denn der spielt im Hinblick auf einen Verstorbenen keine Rolle mehr, wenn dessen Todeszeitpunkt feststeht.
    7. Die Aktion mit den Handschuhen kann dann verstanden werden als sicherlich kaum gelingender Versuch, dem Inhalt der Vase als Symbol für das verflossene gemeinsame Leben noch etwas mehr Haltbarkeit zu geben.
    8. So stellen wir am Ende fest, dass die induktive Interpretation nicht von vornherein richtige Erkenntnisse produziert, sie aber am Ende doch eher ermöglicht, wenn man im hermeneutischen Prozess bleibt. Der verlangt ja gerade, dass man jede sich aufbauende Variante des Verständnisses immer wieder am Text überprüft und gegebenenfalls auch korrigiert beziehungsweise verbessert.

Mat1753  © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag

Weiterführende Hinweise

 

 

Gottfried Benn, „D-Zug“

Allgemeines zu dem Gedicht „D-Zug“ von Gottfried Benn

Das Gedicht „D-Zug“ von Gottfried Benn stammt aus dem Jahr 1912, also zwei Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Gottfried Benn lebte von 1886 bis 1956 und gehört damit zu den Dichtern des Expressionismus, die den Krieg überlebt haben.

Für uns heißt das, dass seine Texte bis 70 Jahre nach seinem Tod geschützt sind, deshalb präsentieren wir das Gedicht hier nicht komplett.

Wir gehen aber davon aus, dass Schüler das Gedicht vorliegen haben, zum Beispiel in einem Arbeitsheft des Cornelsen-Verlags (S. 46). Näheres dazu findet man hier:
https://www.cornelsen.de/produkte/kursthemen-deutsch-lyrik-reisen-vom-sturm-und-drang-bis-zur-gegenwart-schuelerbuch-9783062001680

Das Besondere an dem Gedicht ist, dass es zu den Texten gehört, die für Leser, die sich im Werk von Benn nicht speziell auskennen, eine große „Zumutung“ darstellen. Wir fragen uns, ob man das Gedicht eigentlich im normalen Deutschunterricht überhaupt behandeln kann.

Deshalb gehen wir in zwei Schritten vor:

Zunächst einmal versuchen wir, das Gedicht allein aus sich selbst heraus zu verstehen.

Im zweiten Schritt verweisen wir dann auf eine Interpretation im Internet und prüfen, inwieweit sie für unser Ziel, die Aussage des Gedichtes zu verstehen, hilfreich ist.

Erster Schritt: Versuch, das Gedicht aus sich heraus zu verstehen

Auswertung des Titels

Gottfried Benn

D-Zug

  • Der Titel bietet nur einen sehr knappen Hinweis auf das, was der Leser erwarten kann.
  • Auf jeden Fall geht es wohl um das Reisen mit der Bahn.

Versgruppe 1 (1/2)

  •  Die erste Versgruppe (1/2)  beginnt sehr seltsam, weil vier verschiedene Farbtöne, zum Teil mit Vergleichen, aufgeführt werden, ohne dass deutlich wird, welche Bedeutung das hat..
  • Die zweite Zeile liefert hier einen gewissen Hinweis, indem Orte genannt werden, die der im Titel genannte D-Zug ansteuert: „Berlin-Trelleborg und die Ostseebäder“.
  • Zunächst vermutet man, dass die Farben sich möglicherweise auf die Landschaften bezieht, die der Zug durchfährt.

Versgruppe 2 (3-7)

  •  Die zweite Versgruppe macht darüber klar, dass es offensichtlich um Menschen geht, die wahrscheinlich in diesem D-Zug mitfahren und sich auf unterschiedliche Art und Weise haben von der Sonne bräunen lassen. Betont wird die Nacktheit als Voraussetung und die Wirkung des Meeres.
  • Bei der 5. Zeile weiß man nicht, was da „reif gesenkt“ ist „zu griechischem Glück“.
  • Der Rest der Versgruppe hilft dann das zu verstehen, weil es sich offensichtlich um den Schluss des Sommers handelt. Man kann sogar den 29. September herausrechnen.
  • Und das Gesenktsein in Verbindung mit „Sichel“ könnte sich auf die Ernte beziehen.

Versgruppe 3 (8-10)

08 Stoppel und letzte Mandel lechzt in uns.

09 Entfaltungen, das Blut, die Müdigkeiten,

10 die Georginennähe macht uns wirr.

  •  Die dritte Versgruppe ist ein schönes Beispiel dafür, wie sehr Dichter das, was sie eigentlich sagen wollen, in ihren Texten auch verstecken können.
  • Worin besteht also die Verbindung von Stoppel und Mandel und was hat das mit dem lyrischen ich und seinem Inneren zu tun.
  • „Stoppel“ könnte man vor dem Hintergrund der Ernte-Hypothese mit „Stoppelfeldern“, also abgeernteten Ackerflächen in Verbindung bringen.
  • Mit der Mandel wird es sehr schwierig, um die Frucht kann es sich an der Ostseeküste nicht handeln. Es könnte sich noch um die Mandeln im Mund handeln, die durchaus was mit „lechzen“ zu tun haben können – aber kaum in Verbindung mit Stoppelfeldern.
  • Wir sagen das ganz offen: Solche Gedichte sollte man in der Schule eigentlich weglassen, es sei denn, man hat Lust auf Interpretationskriminalistik und die entsprechenden Experten in Reichweite.
  • Die Zeile neun beschäftigt sich dann mit weiteren Elementen, die offensichtlich zum Inneren des Menschen gehören.
    • Mit „Entfaltung“ sind möglicherweise positive Veränderung gemeint.
    • Das „Blut“ mag für Gefühle stehen
    • und „Müdigkeiten“ würde zu einem Alter passen, bei dem man sich fühlt wie am Ende des Sommers und in Erwartung von Herbst und Winter.
  • Warum die „Georginennähe“ (Georginen sind eine Dahlien-Variante) das lyrische Ich mit anderen zusammen „wirr“ macht, ist erst mal auch ein Geheimnis. Vielleicht spielt hier eine Rolle, dass diese Blumen „von Ende Juni bis zum ersten Frost“ blühen und damit auch ein Zeichen für den vergehenden Sommer sind.
    https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/balkon-terrasse/dahlien-im-topf-pflanzen-und-pflegen-29391

Versgruppe 4 (11)

11 Männerbraun stürzt sich auf Frauenbraun:

  •  Diese Zeile ist auch wieder recht rätselhaft,
  • kann aber möglicherweise bedeuten, dass braun gebrannte Männer sich für braun gebrannte Frauen interessieren
  • und dabei schon in eine gewisse Gefühlswallung geraten.
  • Auf jeden Fall finden hier mögliche Begegnungen erst mal einseitig und recht rasant statt.

Versgruppe 5 (12-15)

  •  Die ersten beiden Zeilen dieser Versgruppe bestätigen dann, dass es hier um eine Sicht von Männern auf Frauen geht, die wir heute als absolut machomäßig und potenziell übergriffig kritisieren würden.
  • Man kann sogar von Menschenverachtung sprechen, wenn Frauen nur „etwas für eine Nacht“ sind und ggf. noch eine weitere bekommen, „wenn es schön war“.
  • Das wird dann noch dadurch unterstrichen, dass anschließend das Alleinsein des Mannes gepriesen wird. Keine Rede von Zusammenleben und echter Partnerschaft.
  • Für Männer gibt es nach einer Begegnung mit einer Frau offensichtlich nur zwei Möglichkeiten,
    • nämlich einmal das Verstummen. Es gibt ja viele Geschichten, in denen Männer als angeblich weniger gesprächig und kommunikationsbereit beschrieben werden als Frauen.
    • Das Wort „Getriebenwerden“ sieht ein bisschen nach Selbstkritik aus, denn hier ist der Mann nicht mehr der Bestimmende, der alles im Griff hat. Man muss wohl annehmen, dass damit die Lust auf neuen Sex gemeint ist.

Versgruppe 6 (16-19)

  • Vor dem aufgebauten Macho-Hintergrund hat man kein gutes Gefühl als Leser, wenn als nächstes Frau definiert wird als „etwas mit Geruch“. Wahrscheinlich ist damit Parfüm gemeint.
  • Den Stoßseufzer „Unsägliches“ wollen wir mal positiv verstehen: Männer können letztlich nichts wirklich Wesentliches über Frauen aussagen, weil sie sie einfach nicht begreifen.
  • Die folgende Aufforderung „Stirb hin! Resede.“  kann man erst mal so verstehen, dass man den aktuellen Vegetationsprozess jetzt gerne abkürzen möchte, denn die Resede ist eine Pflanze, die eben bis September blüht. Und oben war ja von „Müdigkeit“ die Rede, die das lyrische Ich empfindet.
  • In den letzten beiden Zeilen dann plötzlich eine Wendung:
    In diesem Sterben liegt anscheinend etwas, das man nördlich der Alpen seit langem schon mit dem „Süden“ verbindet, idyllischen Vorstellungen von „Hirt und Meer“. Dazu kann man auch Zeile 5 herangeziehen, wo von „griechischem Glück“ die Rede ist.
  • Das lyrische Ich nimmt das sogar wortwörtlich noch einmal auf: „An jedem Abhang lehnt ein Glück.“ Gemeint ist damit, dass in dieser Weltgegend überall Glück zu finden ist.

    Versgruppe 7 (20)

„Frauenhellbraun taumelt an Männerdunkelbraun:“ (20)
zu vergleichen mit:
„Männerbraun stürzt sich auf Frauenbraun:“ (11)

  •  Diese Zeile muss natürlich im Zusammenhang mit einer anderen weiter oben gesehen werden
  • und soll wohl deutlich machen, dass die Frauen, die das lyrische Ich sieht, auf die Anmache durch die Männer positiv reagieren und dabei sogar ihren festen Stand verlieren.
  • Das scheint eine spezielle Variante von Hingabe zu sein, bei der Frauen ganz eindeutig als das schwache, nicht standfeste Geschlecht betrachtet werden, während die Männer sich wie früher üblich in bestimmten Situationen das Recht herausnehmen, sich auf die Frauen zu stürzen – auch wenn das hier sicher unterhalb jeder Schwelle von körperlicher Gewalt abspielt. Aber es hört sich schon nach Zudringlichkeit an – und es ist fraglich, ob heute noch viele Frauen darauf positiv reagieren.

Versgruppe 8 (21-24)

  • Die Zeile 21 („Halte mich! Du, ich falle!“) muss wohl im Zusammenhang mit dem Taumeln in der Zeile davor gesehen werden.
  • Warum die Frauen „im Nacken so müde“ sind, muss offen bleiben – aber viele Männer werden das als Frage verstehen, ob man nicht gemeinsam zu Bett gehen könnte.
  • Was das mit der Fahrt im D-Zug zu tun hat, bleibt fraglich. Wahrscheinlich ist das lyrische Ich mit seinen Gedanken und Wünschen innerlich spazieren gegangen.
  • Wenn man sich daran erinnert, dass der Geruch vorher den Frauen zugeordnet worden ist, sind die beiden letzten Zeilen wohl eine Art Abschluss aus Männerperspektive.
  • Der Blick auf die spätsommerliche Erntewelt draußen würde sich dann verbinden mit einem vorgestellten oder erhofften Zusammensein von Frau und Mann.
  • Das Motiv des Fieberns passt zu anderen Stellen im Gedicht:
    • „lechzt in uns“ (8)
    • „macht uns wirr“ (10)
    • „stürzt sich auf “ (11)
    • „Getriebenwerden“ (15)

Aussage(n) des Gedichtes

Das Gedicht zeigt

  1. auf was für Gedanken ein wahrscheinlich männliches lyrisches Ich während einer spätsommerlichen Zugfahrt kommen kann,
  2. wie sehr es dabei das Gefühl des sinkenden Jahres verbindet mit Beziehungen zwischen Männern und Frauen
  3. wobei hier eine sehr dominant männliche Sicht vorherrscht, die sich auch vor sehr problematischen Formulierungen nicht scheut.
  4. Neben all dem gibt es eine Sehnsucht nach dem Süden, nach Erfüllung, die möglicherweise auch etwas mit der unterschwelligen Sexualität zu tun hat.

Insgesamt ein Gedicht, was sich auf sehr eigenartige Weise mit eine Situation im September im Zug beschäftigt. Dabei werden Männer und Frauen auf äußere Dinge reduziert.

Insgesamt präsentiert sich das lyrische ich als müde und will eigentlich nur noch das dieser Sommer jetzt schnell zu Ende geht.

Check einer Interpretation, die über den Text hinausgeht

Zu diesem Gedicht gibt es eine recht ausführliche und detaillierte Interpretation auf der Seite:
https://lyrik.antikoerperchen.de/gottfried-benn-d-zug,textbearbeitung,87.html

Dort wird sehr viel Wissen herangezogen, das über den Text des Gedichtes hinausgeht und zum Teil auch bei einem Leser nicht vorausgesetzt werden kann.

Natürlich kann auch da viel Interessantes bei auftauchen – allerdings haben wir in einer Schule, in der Schüler mit und an Gedichten notenmäßig geprüft werden, dabei immer ein ungutes Gefühl.

Deshalb werden wir diese Interpretation hier nur unter dem Gesichtspunkt prüfen, ob man als „normaler“ Schüler ohne spezielle Kenntnisse auch hätte darauf kommen können. Außerdem interessiert uns natürlich, inwieweit wir diese „externe“ Interpretation überhaupt für uns als verbindlich anerkennen müssen.

  1. Nach einer längeren Vorstellung der Epoche des Expressionismus und ihrer Kennzeichen kommt es zu einer ersten zentralen These:
    „D-Zug gehört zum Themenkomplex des Ichzerfalls, der eng in Zusammenhang mit der Zivilisations- und Großstadtkritik der Lyriker steht.“
    Hier kommt es natürlich auf nähere Ausführungen an.
  2. Die gibt es dann auch bald:
    „Einerseits wird die Ichdissoziation negativ beschrieben wie in Alfred Lichtensteins Punkt, andererseits wird sie in Benns D-Zug oder in Kokain als lustvolle Ich-Entgrenzung erlebt, in der man der Rationalität entgeht.
    Benn thematisiert in diesem Gedicht Erotik als Rausch-Erfahrung, wobei sich das Ich zeitweise im Rausch und in einem Zustand des Unbewussten auflöst. Er verdeutlicht den Drang der Menschen nach der Ich-Entgrenzung, die sich im sexuellen Rausch ergibt.“
  3. Jetzt muss man also prüfen, ob es in dem Gedicht wirklich um „Erotik als Rausch-Erfahrung“ geht.
    1. Im Hinblick auf den Anfang des Gedichtes heißt es: “ Der Kognak deutet auf Rausch.“ Das kann natürlich sein, reicht aber in dem Kontext als Begründung für die Erotik-Rausch-These nicht aus.
    2. Dann geht es um das nackte Fleisch, das wir zunächst einmal mit der Farbe der Leute am Ende des Sommers in Verbindung gebracht haben:
      „Man kann davon ausgehen, dass die Vereinigung der Geschlechter bildlich durch die Dominanz der Farbe Braun symbolisiert wird, die sich in der gemeinsamen Farbe des gebräunten Fleisches vereinen. Der dritte Vers verdeutlicht durch die Verwendung des Präteritums, dass der Urlaub beendet ist. Der Urlaub wird nicht erwähnt, sondern nur angedeutet. Die Urlauber werden nur mit dem Begriff ‚Fleisch‘ bezeichnet und entpersonalisiert, was wiederum das Körperliche betont.“
      Das überzeugt hier nur teilweise: Das „Körperliche“ wird sicher betont, aber von einer „Vereinigung der Geschlechter“ kann man am Anfang noch nicht ausgehen.
    3. Ähnliches gilt für die folgende Gleichsetzung: „Bei der Georgine handelt es sich um einen Frauennamen und um den Namen einer Pflanze. Die Pflanze wird in einer Chiffre auf das weibliche Geschlecht übertragen und stuft es als Lustobjekt herab. Da nicht von einer bestimmten Frau die Rede ist, ergibt sich eine Entindividualisierung, die noch weiter getrieben wird zur Enthumanisierung: „Eine Frau ist etwas für eine Nacht“ (V. 12), „Eine Frau ist etwas mit Geruch“ (V. 16). Der unbestimmte Artikel betont die Anonymität und die beliebige Austauschbarkeit. Das Wort ‚etwas‘ verdeutlicht die Überlegenheit des Mannes, der das weibliche Geschlecht unterordnet und verdinglicht. Die Wörter ‚Frau‘ und ‚Georginennähe‘ beziehen sich hier nur auf die Sexualität.“
      Dem kann man man weitgehend zustimmen, allerdings ist im Gedicht eher allgemein von Männern die Rede.
      Vor allem darf man den Titel und die damit angesprochene Situation nicht vergessen, die eher Öffentlichkeit meint. Außerdem ist am Anfang von vielen Farben die Rede, was auch eher auf viele Menschen schließen lässt.
    4. Im weiteren Verlauf verlässt die Interpretation doch recht stark den konkreten Text und sieht alles sehr schnell im Kontext anderer Gedichte. Das wird besonders an der folgenden Stelle deutlich:
      „In den nächsten 2 Versen wird die Vergänglichkeit der Glücksmomente bzw. des Ichverlusts in erotischen Abenteuern bedauert: „Und dann wieder dieses Bei-sich-selbst-sein! Diese Stummheiten! Dies Getriebenwerden!“ (V. 14-15), was formal durch die Ausrufezeichen hervorgehoben wird. Nach dem angestrebten Rausch scheinen sich die Geschlechter nicht viel zu sagen zu haben und werden weiter getrieben zum nächsten Ichverlust, in dem man für kurze Zeit alles vergessen kann. Der bewusste Zustand des ‚Bei-sich-seins‘ (V. 14) wird nach Meurer bei Benn häufig beklagt. Benn hat versucht, der als Leiden empfundenen Vereinzelung zu entkommen, z. B. im Drogenrausch. In seinem Gedicht Kokain schwärmt er von der Wirkung dieser Droge: „Den Ich-zerfall, den süßen, tiefersehnten, [d]en gibst Du mir (Kokain, V. 1-2). Er beschwört den Rausch aber auch immer wieder im Aufgehen des Geschlechtlichen. Der Ichzerfall wird hier also im erotischen Rausch erstrebt und erlebt, aber er ist zeitlich begrenzt.“
    5. Auch etwas später wird der Text doch sehr freizügig erläutert: „Mit der Aufforderung „Stirb hin. Resede.“ (V. 17) scheint der Befehl zum Fallenlassen im Liebesakt gemeint zu sein.
      Der 19. Vers bringt noch einmal die Einstellung des Mannes auf den Punkt: „An jedem Abhang hängt ein Glück“ (V. 19). Das Glück wird personifiziert und bezieht sich auf die Sexualität. Mit dem Abhang könnte eine feste Bindung gemeint sein, der man versucht in oberflächlichen Bindungen zu entgehen. „
    6. Die Feststellung: „In dem Satz ‚Ich falle‘ wird die Ich-Auflösung im erotischen Glücksmoment verdeutlicht“ kann man sicher so sehen. Allerdings bezieht sich das auf einen ganz besonderen körperlich-seelischen Moment und es ist sehr fraglich, ob es mit dem um 1900 beschriebenen und auch erlebten Ich-Zerfall zu tun hat.
    7. Sehr sorgfältig sind im Folgenden wichtige Elemente des Textes zusammengestellt: „Für Benn ist die Erfüllung nach Meurer untrennbar mit der Vorstellung des Sterbens verbunden. Die Sehnsucht nach der Erfüllung schließt die Sehnsucht nach dem Hinsterben mit ein: Die Todessehnsucht ist angesprochen in „Sichel-Sehnsucht“ (V. 6), „Stirb hin“ (V. 17) und in „ich falle!“ (V. 21). Diese Sehnsucht hat ihre zeitliche Entsprechung in der Betonung des baldigen Endes: „Vorletzter Tag“ (V. 7), „letzte Mandel“ (V. 8), „Letzte Geruch“ (V. 24). Die Bewegung im Raum führt dementsprechend immer abwärts: „Reif gesenkt“ (V. 5), „stürzt sich auf“ (V. 11), „taumelt“ (V. 20), „ich falle“ (V. 21). Der zentrale Begriff ‚Glück‘ verbindet sich bei Benn fast immer mit einer Abwärtsbewegung.“
      Allerdings wird auch das zu sehr von außen interpretiert – unsere Zuordnung der Sichel zur Ernte ist auf jeden Fall textnäher.
    8. Sicherlich bedenkenswert ist die Lösung des Problems, dass der Titel-Impuls im Gedicht selbst wenig Entsprechung findet:
      „Der Titel lässt darauf schließen, dass sich das Geschehen in einem Zug abspielt, was aber nicht unbedingt der Fall sein muss. Ein D-Zug bietet Menschen die Möglichkeit, sich für eine kurze Strecke zu begegnen. Man schließt oberflächliche Bekanntschaften, die selten vertieft werden. So kann der Titel, der auf den ersten Blick nicht unbedingt zum Inhalt passt, als kurze Zusammenfassung des Gedichts gelesen werden, das den Ichverlust in einer kurzen, lebhaften Beziehung darstellt.“
      Aber auch hier halten wir es zumindest für genauso möglich, bestimmte Elemente der Zugfahrt zuzuordnen und sich darüber die Gedanken- und Fantasiewelt des lyrischen Ichs erheben zu lassen.
    9. Nicht ganz überzeugend finden wir den Satz: „Der Ort des Geschehens, der D-Zug, steht für Schnelligkeit und Hektik, die sich im ganzen Text finden.“ Es liegen sicher Ansätze eines Bewusstseinsstroms vor, aber Hektik ist doch etwas anderes.
    10. Was die Zusammenfassung angeht:
      „Dieses Gedicht steht nicht in Zusammenhang mit den Themenkomplexen Krieg oder Stadt, es spricht eher die Zivilisation und zwischenmenschliche Beziehungen an. Die Zivilisation wird nicht direkt kritisiert, aber wenn die Suche nach dem erotischen Rausch so dringend ist, schwingt darin auch eine Furcht mit, die mindestens das Bei-sich-sein und vielleicht auch die Realität betrifft. Der Ichzerfall wird hier im Gegensatz zu Lichtensteins Punkt lustvoll erlebt, während unter dessen Vergänglichkeit gelitten wird.“
      So kann man der Anfangsthese natürlich zustimmen. Aber der erotische Rausch ist wohl kaum das, was die Zivilisation um 1900 in besonderer Weise gefährdet hat. Das spielt epochenübergreifend eine Rolle.

Fazit:

Es lohnt sich, die eigene Interpretation an einer anderen zu überprüfen. Wir sind der Meinung, dass unsere Variante nicht nur auch möglich, sondern auch textnäher ist – und das ist der Ansatz, der den Schülern in ihrer universitäts-fernen Situation sicher besser entspricht.

Mat1729 © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag

Weiterführende Hinweise

 

 

Georg Heym, „Columbus“

Allgemeines

Wir beschäftigen uns vor allem mit dem Inhalt von Gedichten – mit dem Ziel, ihre Aussage(n) feststellen zu können. Damit ist nicht gemeint, was der „Dichter mit dem Gedicht sagen wollte“, denn er kann auch was ganz anderes gemeint haben, aber es kam nicht richtig rüber.

Vielmehr geht es um die Zielrichtung  des Gedichtes.

Und die ermitteln wir, indem wir uns die einzelnen Aussagen des Lyrischen Ichs ansehen und dabei vor allem auf Signale achten, die sich wiederholen und damit gegenseitig verstärken.

Das heißt:

  1. Wir gehen erst die Details des Gedichtes durch …
  2. und formulieren am Ende auf dieser Basis die „Aussagen“ des Textes .

 

Auswertung des Titels und Vor-Erwartungen

Georg Heym

Columbus

  • Der Titel enthält nur einen Namen, mit dem aber in der Regel viel verbunden wird.
  • Dieser Mann gilt als der Entdecker Amerikas,
  • der die anschließende Herrschaft vor allem durch Spanier hervorgerufen hat.
  • Einige wissen wohl auch, dass dieser Mann nur durch Zufall ein Ziel gefunden hat, weil das damals den Europäern noch nicht bekannte Amerika günstig im Wege lag und er sein eigentliches Ziel, China und Indien nie erreicht hätte.
  • Von daher kann man gespannt sein, welche besonderen Akzente ein Dichter des Expressionismus mit diesem Mann verbindet.
  • In der Regel erwartet man inhaltlich Aufrührerisches in einer extremen Sprache, um es mal so zu formulieren.
  • Wer sich erst mal genauer informieren möchte, kann das zum Beispiel hier tun:
    • Mit Hilfe des folgenden Youtube-Films kann man sehen, wie man expressionistische Gedichte erkennt. Dabei wird der Schwerpunkt auf den grundsätzlichen Unterschied zwischen Eindruck und Ausdruck gelegt.
      https://youtu.be/tOpmqX2PyJk
      Die entsprechende Dokumentation ist hier zu finden:
      https://www.schnell-durchblicken2.de/video-expressionismus-ausdruck
    • Expressionistische Gedichte schnell erkennen:
      Das Entscheidende: Nicht irgendwelche Checklisten auswendig lernen, sondern möglichst viele Gedichte kurz checken und so ein Gefühl für die Epoche bekommen

Auswertung des Inhalts

Nicht mehr die Salzluft, nicht die öden Meere,
drauf Winde stürmen hin mit schwarzem Schall.
Nicht mehr der großen Horizonte Leere,
draus langsam kroch des runden Mondes Ball.

  • Das Gedicht beginnt mit der Aufzählung von Elementen einer Situation, die nicht mehr gegeben ist.
  • Alles bezieht sich, wenn man den Titel mit einbezieht, auf die lange Seereise des Kolumbus Richtung Westen.

Schon fliegen große Vögel auf den Wassern
mit wunderbarem Fittich blau beschwingt.
Und weiße Riesenschwäne mit dem blassem
Gefieder sanft, das süß wie Harfen klingt.

  • Diese Strophe beschreibt die Situation nach den Strapazen und Gefahren der langen Seefahrt.
  • Für einen Expressionisten klingt das erstaunlich positiv.

Schon tauchen andre Sterne auf in Chören,
die stumm wie Fische an dem Himmel ziehn.
Die müden Schiffer schlafen, die betören
die Winde, schwer von brennendem Jasmin.

  • Dies ist eigentlich eine Fortsetzung der vorangegangenen Strophe.
  • Allenfalls könnte man etwas misstrauisch werden, wenn von „betören“ die Rede ist.

Am Bugspriet vorne träumt der Genueser
in Nacht hinaus, wo ihm zu Füßen blähn
im grünen Wasser Blumen, dünn wie Gläser,
und tief im Grund die weißen Orchideen.

  • In dieser Strophe geht es um Kolumbus selbst, der hier distanziert als „Genueser“ bezeichnet wird.
  • Ansonsten steht auch hier die fremdartige und möglicherweise verlockende Natur im Vordergrund.

Im Nachtgewölke spiegeln große Städte,
fern, weit, in goldnen Himmeln wolkenlos,
und wie ein Traum versunkner Abendröte
die goldnen Tempeldächer Mexikos.

  • Hier verlässt das Gedicht das, was Columbus noch wissen konnte.
  • Was hier angedeutet wird, haben erst seine Nachfolger unter den Eroberern zu sehen bekommen.
  • Was bei dieser Zukunftsvision ausgeblendet wird, sind die Schrecken und Zerstörungen, die auf die indigende Bevölkerung zukam.

Das Wolkenspiel versinkt im Meer. Doch ferne
zittert ein Licht im Wasser weiß empor.
Ein kleines Feuer, zart gleich einem Sterne.
Dort schlummert noch in Frieden Salvador.

  • Die letzte Strophe deutet dann an, was eben angesprochen worden ist, nämlich den Noch-Friedenszustand einer Stadt, die natürlich diesen spanischen Namen zu dem Zeitpunkt noch nicht haben konnte.
  • In der Wikipedia heißt es über eine Stadt „San Salvador“
    „Nach der Eroberung des Aztekenreichs überquerte Pedro de Alvarado am 6. Juni 1524 den Río Paz. Nach zwei Schlachten in Acaxual (8. Juni) und bei Tacuzcalco (13. Juni) erreichte er am 17. Juni 1524 die Stadt Cuzcatlan, die er jedoch nicht einnehmen konnte. Am 21. Juli zog er wieder ab
    1525 gründete Gonzalo de Alvarado unweit von Cuzcatlan die Stadt San Salvador, die er jedoch nach einem Aufstand wieder verlassen musste. Diego de Alvarado gründete die Stadt San Salvador 1528 zum zweiten Mal und zwang am 23. November 1528 Cuzcatlan zur Aufgabe. 1540 war das gesamte Gebiet der einstigen Herrschaft von Cuzcatlan unterworfen.“
  • Was dieses Gebiet angeht, heißt es in der Wikipedia:
    „Cuzcatlan (Nawat Tekuyut Kuskatan, Nahuatl Tēucyōtl Cōzcatlān, spanisch Señorío de Cuzcatlán) war ein Staat der zu den Nahua gehörenden Pipil. Das Gebiet lag im heutigen westlichen El Salvador und bestand von ungefähr 1200 bis zur Eroberung durch die Spanier 1528.“
    Stand: 8.8.2020, 22:04 Uhr
    https://de.wikipedia.org/wiki/Cuzcatlan

Aussagen (Intentionalität) des Gedichtes

Das Gedicht zeigt:

  1. den Gegensatz zwischen den Entbehrungen und Gefahren der langen Seereise und den Wundern der neuen Welt.
    Es muss dabei aber festgehalten werden, dass der Rückblick doch insgesamt recht entspannt wirkt.
    Hier könnte man in einem Referat feststellen, inwieweit es dort doch etwas härter zur Sache ging.
  2. in vielfältiger Hinsicht die Schönheit des erreichten Landes,
  3. aber nur in einer Andeutung den Noch-Frieden einer einzigen Stadt, die wohl stellvertretend für das ganze spanische „Latein-Amerika“ steht.

Kritische Anmerkungen zum Gedicht

  • Wenn man nur ein bisschen etwas weiß über das, was die Spanier der indigenen Bevölkerung und ihrer Kultur angetan haben, ist man sehr erstaunt über diese Konzentration auf die ersten Gefühle der Entdecker und potenziellen Eroberer, während sie die neue Welt anstaunen.
  • Man muss schon genau hinschauen, um etwas von der wichtigeren Wirklichkeit der Ereignisse festzustellen.
    • Da ist zum einen der Noch-Frieden am Schluss.
    • Aber schon vorher ist die Rede von „goldnen Himmeln“ – und die beziehen sich vielleicht doch auch auf die Goldgier, die die Eroberer antrieb.
    • Und dann ist da von „versunkner Abendröte“ die Rede – vielleicht eine Anspielung auf die bald untergehenden Kulturen der Maya, Azteken und Inka.
  • „Sinn macht“ das Gedicht eigentlich nur, wenn man es für die grandiose Idee einer besonderen Bewältigung der Kolumbus-Problematik (Eroberung, Zerstörung, Ausbeutung) hält. Heym hält nämlich hier den Moment fest, in dem alles noch unschuldig war und man sich einfach als Mensch nach der entbehrungsreichen Seefahrt an der schönen Natur erfreuen konnte.
  • Und am Ende gibt es dann den äußerst kargen, aber desto wirkungsvolleren Hinweis auf den Noch-Frieden von Millionen Menschen, auf die Misshandlung und Ausbeutung wartete – vor allem auch der Verlust ihrer Kultur.
  • Hier wäre es jetzt spannend, mal zu recherchieren, inwieweit die Nachfahren der indigenen Bevölkerung sich heute noch an ihre Kulturen erinnern und vielleicht sich etwas davon zurückholen.
    Hier einige schnelle Funde, die vielleicht Lust machen, sich damit intensiver zu beschäftigen.

  • Und was den Expressionismus angeht, so kann er hier wohl wirklich nur darin gesehen werden, dass der Untergang vieler Kulturen und das menschliche Leid, das mit der Eroberung und Ausbeutung verbunden war, am Ende nur kurz angedeutet wird. Gerade das macht die ganze Schönheit eines Lebens nach langen Entbehrungen in einer ganz neuen Welt auf besondere Art und Weise brüchig. Man fragt sich, wie hätte die Begegnung der Menschen aus verschiedenen Kulturen anders aussehen können. Bedrückend dabei die Berichte über vielfältige freundliche Aufnahme am Anfang.
  • Wer sich übrigens ein anderes „Reisegedicht“ von Georg Heym ansehen will, das mehr von dem enthält, was man normalerweise unter Expressionismus versteht, der sollte sich das folgende Gedicht anschauen:
    Georg Heym, „Die Dampfer auf der Havel“:
    http://textaussage.de/heym-dampfer-auf-der-havel

Mat1727 © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag

Weiterführende Hinweise

Friedrich Nietzsche, „Der neue Columbus“

Allgemeines

Wir beschäftigen uns vor allem mit dem Inhalt von Gedichten – mit dem Ziel, ihre Aussage(n) feststellen zu können. Damit ist nicht gemeint, was der „Dichter mit dem Gedicht sagen wollte“, denn er kann auch was ganz anderes gemeint haben, aber es kam nicht richtig rüber.

Vielmehr geht es um die Zielrichtung  des Gedichtes.

Und die ermitteln wir, indem wir uns die einzelnen Aussagen des Lyrischen Ichs ansehen und dabei vor allem auf Signale achten, die sich wiederholen und damit gegenseitig verstärken.

Das heißt:

  1. Wir gehen erst die Details des Gedichtes durch …
  2. und formulieren am Ende auf dieser Basis die „Aussagen“ des Textes .

Zunächst das Gedicht von Nietzsche mit Kommentaren

Friedrich Nietzsche

Der neue Columbus

01 Freundin! – sprach Columbus – traue
02 keinem Genueser mehr!
03 Immer starrt er in das Blaue –
04 Fernstes lockt ihn allzusehr!

  • Das lyrische Ich berichtet hier von einem angeblichen Gespräch des Columbus mit einer Freundin, in dem er ihr rät, keinem Genueser mehr zu trauen – er selbst stammt ja als historische Person aus diesem Ort.
  • In der zweiten Hälfte der Strophe wird das dann begründet:
    Er starre immer in das Blaue, sein Blick sei also in die Ferne, das Meer oder den Himmel gerichtet.
    In der letzten Zeile wird dann erklärt, was mit diesem Blick verbunden ist, nämlich die Verlockung der fernsten Dinge.
  • Das lässt sich natürlich leicht beziehen auf einen neuen Seeweg nach Indien, der ihn dann an die Küste des damals in Europa noch nicht bekannten Amerika verschlagen hat.

05 Fremdestes ist nun mir teuer!
06 Genua, das sank, das schwand –
07 Herz, bleib kalt! Hand, halt das Steuer!
08 Vor mir Meer – und Land? – und Land? —

  • Hier beschreibt das lyrische Ich seine aktuelle Situation mit der klaren Orientierung hin auf das „Fremdeste“, das Äußerste, was ein Mensch ansteuern kann.
  • Die zweite Zeile verdeutlicht, wie sehr er sich entfernt von seiner Heimat.
  • Die dritte Zeile dann präsentiert Appelle an sich selbst, kaltblütig zu bleiben und sich voll auf das Steuer zu konzentrieren, also alle möglicherweise ablenkenden Gedanken und Gefühle beiseite zu schieben.
  • Die letzte Zeile macht dann die Spannung, den Gegensatz deutlich, zwischen dem aktuell ihn umgebenden Meer und der Hoffnung auf Land.

09 Stehen fest wir auf den Füßen!
10 Nimmer können wir zurück!
11 Schaun hinaus: von fernher grüßen
12 Uns Ein Tod, Ein Ruhm, Ein Glück!

  • Die letzte Strophe enthält noch einmal einen Appell an sich selbst, fest auf den Füßen zu stehen, also standhaft zu bleiben.
  • Die zweite Zeile macht deutlich, dass das eine Notwendigkeit ist, weil man nicht mehr zurück kann. Das mag historisch gesehen daran gelegen haben, dass man die Linie überschritten hatte, bei der die Vorräte noch für den Rückweg gereicht hätten.
  • Zu dem Zeitpunkt musste sowohl der historische Kolumbus weiter segeln, weil nur dort noch Hoffnung auf Wasser, Lebensmittel, ggf. auch Reparatur der Schiffe gegeben war.
  • Dies spielt wohl auch beim lyrischen Ich des Gedichtes eine Rolle.
  • Der Schluss beschäftigt sich mit der Perspektive: Es wird nur noch nach vorne geschaut – und das, was bevorsteht, wird trotz einer großen Spannweite zwischen Ruhm und Tod als ein Gruß empfunden, d.h. das lyrische Ich nimmt sein Schicksal an.

Vergleich mit einem Gedicht von Schiller

Vergleichen kann man dieses Gedicht mit einem von Schiller:

Friedrich Schiller,

Kolumbus

Steure, mutiger Segler! Es mag der Witz dich verhöhnen,
Und der Schiffer am Steur senken die lässige Hand.
Immer, immer nach West! Dort muss die Küste sich zeigen,
Liegt sie doch deutlich und liegt schimmernd vor deinem Verstand.
Traue dem leitenden Gott und folge dem schweigenden Weltmeer,
Wär sie noch nicht, sie stieg‘ jetzt aus den Fluten empor.
Mit dem Genius steht die Natur in ewigem Bunde,
Was der eine verspricht, leistet die andre gewiß.

  • Hier ist die Kommunikationssituation verändert, es spricht das lyrische Ich zu dem tapferen Seefahrer.
  • Hervorgehoben werden nicht nur sein Mut, sondern auch die Notwendigkeit eines glücklichen Endes.
  • Hier wird doch tatsächlich behauptet, dass das, was der „Genius“ wünscht, auch von der Natur, also der Wirklichkeit bereitgestellt wird.
  • Das kann man natürlich gut sagen, wenn das Glück, das dieser historische Held gehabt hat, schon für Schiller etwa 300 Jahre zurückliegt und Realität ist.
  • Der „Columbus“ Nietzsches ist da vorsichtiger und auch bereit, den Tod als Entscheidung des Schicksals anzunehmen.
  • Ansonsten ist das sicher ein schönes Thema für eine Diskussion, inwieweit man als Mensch sein Glück beeinflussen kann.
  • Spannend ist sicher auch die Frage, ob es zum Konzept der Weimarer Klassik gehört, solch einen Zusammenhang anzunehmen.

Näheres dazu findet sich hier:
https://www.schnell-durchblicken2.de/schiller-kolumbus

Mat1725 © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag

Weiterführende Hinweise

 

Friedrich Nietzsche, „Im Süden“

Allgemeines

Wir beschäftigen uns vor allem mit dem Inhalt von Gedichten – mit dem Ziel, ihre Aussage(n) feststellen zu können. Damit ist nicht gemeint, was der „Dichter mit dem Gedicht sagen wollte“, denn er kann auch was ganz anderes gemeint haben, aber es kam nicht richtig rüber.

Vielmehr geht es um die Zielrichtung  des Gedichtes.

Und die ermitteln wir, indem wir uns die einzelnen Aussagen des Lyrischen Ichs ansehen und dabei vor allem auf Signale achten, die sich wiederholen und damit gegenseitig verstärken.

 

Friedich Nietzsche, „Im Süden“: Was sagt das Gedicht aus?

Friedrich Nietzsche,

Im Süden

01 So häng’ ich denn auf krummem Aste
02 Und schaukle meine Müdigkeit.
03 Ein Vogel lud mich her zu Gaste,
04 Ein Vogelnest ist’s, drin ich raste.
05 Wo bin ich doch? Ach, weit! Ach, weit!

  • Die Überschrift ist relativ allgemein gehalten, löst aber nördlich der Alpen in Europa bei vielen Menschen ganz bestimmte Hoffnungen oder sogar Träume aus.
  • Das Gedicht beginnt mit einer Situationsbeschreibung, die gleich zwei negative Elemente enthält, nämlich einmal ist von einem „krummen Ast“ die Rede, was man sicher auch auf das lyrische Ich selbst beziehen kann. Und dann ist da noch die Müdigkeit.
  • Der zweite Akzent, der gesetzt, ist das Motiv des Vogels.
  • Von einem solchen ist das lyrische Ich als Gast eingeladen worden
  • und es behauptet auch,  jetzt in einem Vogelnest zu sein, was sicherlich nur im übertragenen Sinne zu verstehen ist.
  • Möglicherweise verbindet das lyrische Ich den Vogel mit Freiheit bzw. Freizügigkeit.
  • Das Gedicht endet mit der Frage „Wo bin ich doch?“ Diese Frage wird sehr gefühlsbetont durch die Wiederholung im Hinblick auf das Weite beantwortet. Das passt zur Überschrift.
  • Insgesamt hat man den Eindruck, dass hier ein krankes Wesen Linderung bzw. Heilung erhofft.

 

06 Das weiße Meer liegt eingeschlafen,
07 Und purpurn steht ein Segel drauf.
08 Fels, Feigenbäume, Thurm und Hafen,
09 Idylle rings, Geblök von Schafen, –
10 Unschuld des Südens, nimm mich auf!

  • Die zweite Strophe beschreibt die Idylle, die das lyrische Ich um sich herum sieht
  • und die mit „Unschuld“ verbunden wird, was nicht näher erläutert wird.
  • Man könnte an Natürlichkeit, Urspünglichkeit denken.

 

11 Nur Schritt für Schritt – das ist kein Leben,
12 Stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer.
13 Ich hieß den Wind mich aufwärts heben,
14 Ich lernte mit den Vögeln Schweben, –
15 Nach Süden flog ich über’s Meer.

  • Die ersten beiden Zeilen beschreiben dann, was das lyrische Ich im Leben störte.
  • Es sind vor allen Dingen wie Ordnung und Regelmäßigkeit gewesen, die es niedergedrückt haben, was erklärt, warum das lyrische Ich jetzt so auf Vögel und Fliegen steht.
  •  Interessant ist die Verbindung von „deutsch“ und „schwer“.G emeint ist hier wohl so etwas Disziplin, Gründlichkeit, Ordnungssinn und ähnliches, was mit der Vorstellung von der Lebensweise in Deutschland damals verbunden wurde.

16 Vernunft! Verdrießliches Geschäfte!
17 Das bringt uns allzubald an’s Ziel!
18 Im Fliegen lernt’ ich, was mich äffte, –
19 Schon fühl’ ich Mut und Blut und Säfte
20 Zu neuem Leben, neuem Spiel?
21 Einsam zu denken nenn’ ich weise,

  • In dieser Strophe klagt das lyrische Ich vor allem über die Herrschaft der Vernunft und damit verbundene unangenehme „Geschäfte“, also Aufgaben.
  • Interessant die Vorstellung, dass man auf diese Weise „allzubald an’s Ziel“ kommt. Gemeint sein könnte, dass man zu sehr auf ein Ziel ausgerichtet ist und anderes unterwegs gar nicht mehr wahrnimmt.
  • Dem entgegengesetzt wird das „Fliegen“, das ja eigentlich Menschen noch schneller zum Ziel bringt – aber natürlich nicht im 19. Jahrhundert, in dem Nietzsche lebte.
  • Gemeint ist hier wohl eher die schon angesprochene Freiheit der Vögel, die aus der Höhe einen anderen Blick auf die „Geschäfte“ der Menschen werfen können.
  • In der zweiten Hälfte der Strophe geht es dann um die wohltuenden Folgen dieses Lebens im Süden.
  • Die „Müdigkeit“ „auf krummem Aste“ ist ganz offensichtlich vorbei.
  • In der letzten Zeile kommt als neues Motiv die Einsamkeit hinzu, die offensichtlich positiv gesehen ist, vielleicht weil man zu sich selbst kommt.

 

22 Doch einsam singen – wäre dumm!
23 So hört ein Lied zu eurem Preise
24 Und setzt euch still um mich im Kreise,
25 Ihr schlimmen Vögelchen, herum!
26 So jung, so falsch, so umgetrieben

  • Diese Strophe bringt dann eine kleine Wende, was die Einsamkeit angeht.
  • Einsam zu „denken“ wird als positiv empfunden, hier geht es allerdings um „singen“ und das wird als Gemeinschaftsangelegenheit angesehen.
  • So gibt es auch gleich einen Appell an die fiktive Zuhörergemeinschaft,
  • zu deren „Preise“ erstaunlicherweise das lyrische Ich singen will.
  • Das wird dann verständlich, wenn anschließend deutlich wird, dass es um die Vögel geht, von denen das lyrische Ich sich umgeben fühlt.
  • Dass sie als die „schlimmen Vögelchen“ angeredet werden, soll wohl nur bedeuten, dass sie einen unordentlichen Weg der Freiheit und Selbstständigkeit gehen.
  • So sind dann wohl auch die Attribute „jung“, „falsch“, „umgetrieben“ zu verstehen.

 

27 Scheint ganz ihr mir gemacht zum Lieben
28 Und jedem schönen Zeitvertreib?
29 Im Norden – ich gesteh’s mit Zaudern –
30 Liebt’ ich ein Weibchen, alt zum Schaudern:
31 “Die Wahrheit” hieß dies alte Weib?

  • Das Gedicht endet mit der Frage an die Vogel-Zuhörer, ob sie „zum Lieben“ gemacht sind und zu „jedem schönen Zeitvertreib“. Damit will das lyrische Ich wohl nur ausdrücken, dass diese Dinge in diesem Umfeld jetzt möglich sind.
  • Die zweite Hälfte macht noch einmal deutlich, was den Süden vom Norden unterscheidet. Dort ging es vor allem um „Wahrheit“ – und das steht hier wohl für das schrittweise, konsequente Verstandesdenken, wovon vorher schon die Rede gewesen ist. Hier im Süden geht es für das lyrische Ich jetzt um eine ganz andere Art von Freiheit und Lebendigkeit.

Mat1724 © Helmut Tornsdorf – www.schnell-durchblicken.de – Tipps und Tricks für das Überleben im Schulalltag

Weiterführende Hinweise

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