Manche Themen tauchen in politischen Gedichten immer wieder auf – im 18. Jahrhundert genauso wie heute: Macht und Ohnmacht, Arm und Reich, Anpassung und Aufbegehren. Wir haben die Gedichte deshalb nach solchen Themen geordnet und jedem Thema eine kurze Einführung vorangestellt: Warum kehrt es durch die Jahrhunderte immer wieder? Das hilft besonders beim Vergleichen von Gedichten, etwa in Klausuren.
Die Grundfragen der politischen Lyrik behandeln wir auf unserer Themenseite zur politischen Lyrik. Dieselben Gedichte, aber nach Epochen geordnet und mit Hintergrundinfos zur jeweiligen Zeit, gibt es hier: Politische Lyrik nach Epochen.
Macht und Unterdrückung
Warum das Thema immer wiederkehrt: Wo Menschen Macht über andere haben, gibt es auch die Versuchung, sie zu missbrauchen – ob durch einen absolutistischen Fürsten, einen Staat, der „Ruhe und Ordnung“ über alles stellt, oder ein totalitäres System. Gedichte können hier etwas, was Sachtexte oft nicht können: Sie lassen die Betroffenen selbst zu Wort kommen und machen Unrecht spürbar.
Gottfried August Bürger, „Der Bauer. An seinen durchlauchtigen Tyrannen“
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https://textaussage.de/buerger-der-bauer-an-seinen-durchlauchtigsten-tyrannen-einfach-erklaert
Ein Bauer stellt die Frage, mit welchem Recht der Fürst ihn so behandelt – und spricht ihm am Ende jede göttliche Berechtigung ab.
Gottfried August Bürger, „Für wen, du gutes deutsches Volk“
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Die Frage, wem die Arbeit und die Opfer des Volkes eigentlich zugutekommen.
Johann Martin Miller, „Lied eines Gefangnen“
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Unterdrückung ganz konkret: der Verlust der Freiheit.
Friedrich Leopold Graf zu Stolberg, „Die Freiheit“
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Das Gegenbild zur Unterdrückung: ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Freiheit.
Kurt Tucholsky, „Ruhe und Ordnung“
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Was verbirgt sich hinter den so harmlos klingenden Begriffen „Ruhe“ und „Ordnung“? Das Gedicht klopft sie kritisch ab.
Peter Huchel, „Gericht“
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Unterdrückung in totalitären Systemen trifft nicht nur den Angeklagten, sondern auf andere Weise auch den Richter.
Arm und Reich – die soziale Frage
Warum das Thema immer wiederkehrt: Die Kluft zwischen Arm und Reich ist so alt wie die Gesellschaft selbst. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde das Elend in den Städten aber so sichtbar wie nie zuvor. Die Gedichte zeigen ganz unterschiedliche Wege, darauf zu reagieren: mit christlichem Mitleid, mit scharfer Anklage, mit nüchterner Beschreibung – oder mit der Frage, wer eigentlich die Geschichte macht.
Novalis, „Armenmitleid“
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Der Appell an die Reichen, in den Armen die Mitgeschöpfe des gleichen Gottes zu sehen.
Heinrich Heine, „Die schlesischen Weber“
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Aus dem Elend wird Wut: Die Weber verfluchen Gott, König und Vaterland.
Georg Herwegh, „Vom armen Jakob und von der kranken Lise“
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Soziale Not am Beispiel zweier Einzelschicksale.
Karl Isidor Beck, „Im wilden Viertel“
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Armut schafft nicht nur Leid, sondern auch gefährliche Vorbilder – und die Frage, wie viel Verantwortung die Gesellschaft dafür trägt.
Arno Holz, „Die Nacht verrinnt …“
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Starke Gegensätze zwischen Elend und Luxus, Volk und Oberschicht – und der Mensch, der zur Maschine wird.
Bertolt Brecht, „Fragen eines lesenden Arbeiters“
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Wer hat eigentlich die großen Bauwerke gebaut und die Schlachten geschlagen? Die Geschichte aus der Sicht der einfachen Menschen.
Werner Bergengruen, „Das Warenhaus“
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Die Kehrseite: eine Welt fast unendlichen Konsums – kritisiert nicht von links, sondern mit Rückgriff auf den deutschen Idealismus.
Nation und Vaterland
Warum das Thema immer wiederkehrt: Die Frage, was „deutsch“ ist und wie viel Stolz auf das eigene Land angemessen ist, hat die deutsche Geschichte über zwei Jahrhunderte begleitet – von der Sehnsucht nach nationaler Einheit über ihren Missbrauch im Nationalsozialismus bis zum Bemühen um Bescheidenheit nach 1945. Gerade hier zeigt sich, wie viel Sprengkraft in Liedern und Gedichten stecken kann.
Ernst Moritz Arndt, „Was ist des Deutschen Vaterland“
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Die Suche nach dem „deutschen Vaterland“ – von einem Dichter, dessen nationalistische und antijüdische Äußerungen heute sehr umstritten sind.
Bertolt Brecht, „Kinderhymne“
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Das Bemühen um nationale Bescheidenheit – als bewusstes Gegenstück zum „Lied der Deutschen“ von Hoffmann von Fallersleben. Den Text gibt es zum Beispiel hier:
https://www.volksliederarchiv.de/deutschland-deutschland-ueber-alles/
Zur besonderen Geschichte dieses Liedes:
https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Lied_der_Deutschen
Anpassung und Obrigkeitshörigkeit
Warum das Thema immer wiederkehrt: Nicht nur die Mächtigen werden in politischen Gedichten kritisiert, sondern auch die Menschen, die sich alles gefallen lassen – aus Bequemlichkeit, aus Angst oder weil sie lieber ihre Ruhe haben. Das Spießbürgertum ist seit dem 19. Jahrhundert eine beliebte Zielscheibe der Satire, und die Frage, wie man sich gegen Mitläufertum wappnen kann, ist bis heute aktuell.
Ludwig Pfau, „Herr Biedermeier“
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Das Porträt des braven Bürgers, der sich aus allem heraushält – als bissige Satire.
Heinrich Heine, „Erinnerung aus Krähwinkels Schreckentagen“
https://textaussage.de/klausur-vergleich-heines-kritik-am-deutschen-volk-mit-gedicht-erinnerung-aus-kraehwinkels-schreckentagen
Obrigkeitshörigkeit, vorgeführt in einer fiktiven Kleinstadt – als Klausurvergleich aufbereitet.
Heinrich Heine, „Verheißung“
https://textaussage.de/5-min-tipp-zu-heines-gedicht-verheissung
Ein Gedicht, das so nicht ernst gemeint sein kann – oder nur im höheren Sinne der Provokation.
Erich Kästner, „Große Zeiten“
https://textaussage.de/schnell-durchblicken-bei-erich-kaestner-grosse-zeiten
Die Klage über die zunehmende „Wasserköpfigkeit“ der Menschheit, bei der die wirklich Klugen nicht beachtet werden.
Hans Magnus Enzensberger, „ins lesebuch für die oberstufe“
https://schnell-durchblicken.de/klausur-enzensberger-ins-lesebuch-fuer-die-oberstufe-und-widerstand-im-roman-der-trafikant
Ein provozierender Rat, wie man sich gegen Vereinnahmung schützen kann – hier im Vergleich mit dem Widerstand im Roman „Der Trafikant“.
Vorgaben, Normen und Autonomie
Warum das Thema immer wiederkehrt: Politik beginnt nicht erst im Parlament. Schon in der Familie, in der Schule oder in festen Rollenbildern wird festgelegt, wie man zu leben hat. Die folgenden Gedichte fragen, wie viel davon man annehmen muss – und wo man seinen eigenen Weg gehen sollte. Das Thema eignet sich besonders gut für Vergleiche, weil fast jeder dazu eigene Erfahrungen hat.
Klaus Konjetzky, „An die Eltern“ und Wolfgang Hilbig, „ihr habt mir ein haus gebaut“
https://textaussage.de/vergleich-klaus-konjetzky-eltern-wolfgang-hilbig-haus
Zwei Gedichte im Vergleich: die Vorgaben der Elterngeneration und der Anspruch auf ein eigenes Leben.
Bettina Wegner, „Über Gebote“
https://textaussage.de/ein-song-als-gedicht-bettina-wegner-ueber-gebote
Ein Song als Gedicht über Unangepasstheit und Zivilcourage.
Jörg Fauser, „Berlin, Paris, New York“
https://textaussage.de/schnell-durchblicken-bei-dem-gedicht-berlin-paris-new-york-von-joerg-fauser
Scheinbar ein Reisegedicht – aber an einer Stelle geht es um „Gesetze“, die viel mehr bedeuten als das, was in den Gesetzbüchern steht. Gut vergleichbar mit Bettina Wegners „Über Gebote“.
Bas Böttcher, „Schatzkarte“
https://schnell-durchblicken.de/ki-mia-bas-boettcher-schatzkarte
Ein Gedicht, das zu eigenem und sicher manchmal auch ungewöhnlichem Handeln auffordert.
Mascha Kaléko, „Die Leistung der Frau in der Kultur“
https://schnell-durchblicken.de/mascha-kaleko-die-leistung-der-frau-in-der-kultur
Ein Gedicht, das Vorurteile über Frauen und ihre Leistungen geradezu ins Gegenteil verkehrt. Vor allem geht es um den Anspruch, nicht auf Haus, Küche und Kinder reduziert zu werden.
Krieg und Frieden
Warum das Thema immer wiederkehrt: Kaum etwas hat die Menschen so erschüttert wie der Krieg – und kaum etwas hat so viele Gedichte hervorgebracht: erst Kriegsbegeisterung, dann Entsetzen, schließlich die Warnung vor dem nächsten Krieg. Für dieses große Thema haben wir eine eigene Seite eingerichtet. Hier nur eine Auswahl:
Politische Lyrik – Thema Krieg
https://textaussage.de/politische-lyrik-thema-krieg
Übersicht zu Kriegs- und Antikriegslyrik.
August Stramm, „Krieg“
https://textaussage.de/schnell-durchblicken-august-stramm-krieg-mit-video
Der Schrecken des Krieges, verdichtet auf wenige Worte.
Franz Werfel, „Die Wortemacher des Krieges“
https://textaussage.de/franz-werfel-die-wortemacher-des-krieges
Die Kritik richtet sich gegen diejenigen, die mit Worten zum Krieg anstacheln.
Erich Kästner, „Fantasie von übermorgen“
https://textaussage.de/erich-kaestner-fantasie-von-uebermorgen
Eine satirische Vision, wie man künftige Kriege verhindern könnte.
Bertolt Brecht, „An meine Landsleute“
https://textaussage.de/brecht-an-meine-landsleute
Der eindringliche Mahnruf nach 1945, sich nicht erneut in einen Krieg treiben zu lassen.
Exil, Flucht und Fremde
Warum das Thema immer wiederkehrt: Menschen mussten zu allen Zeiten ihre Heimat verlassen – wegen Verfolgung, Krieg oder Not. Die Exilgedichte der NS-Zeit und heutige Gedichte über Geflüchtete stehen deshalb in einer gemeinsamen Tradition. Ein Vorteil dieses Themas: So ziemlich jeder hat dazu eigene Vorstellungen, aus eigener Erfahrung oder durch den Kontakt mit Betroffenen – das hilft beim Verstehen und beim Stellungnehmen.
Bertolt Brecht, „Gedanken über die Dauer des Exils“
https://textaussage.de/5-min-tipp-bertolt-brecht-gedanken-ueber-die-dauer-des-exils
Zwischen der Hoffnung auf baldige Rückkehr und der Einsicht, dass das Exil lange dauern kann.
Bertolt Brecht, „Über die Bezeichnung Emigranten“
https://textaussage.de/brecht-ueber-die-bezeichnung-emigranten
Warum es einen Unterschied macht, ob man Menschen „Emigranten“ oder „Vertriebene“ nennt.
Mascha Kaléko, „Emigranten-Monolog“
https://textaussage.de/schnell-durchblicken-mascha-kaleko-emigranten-monolog
Heimatverlust aus sehr persönlicher Sicht.
Vergleich: Hilde Domin, „Mit leichtem Gepäck“ und Nelly Sachs, „Auf der Flucht“
https://textaussage.de/vergleich-hilde-domin-mit-leichtem-gepaeck-und-nelly-sachs-auf-der-flucht
Ein Gedichtvergleich zum Thema Flucht, in den auch Enzensbergers „ins lesebuch für die oberstufe“ einbezogen wird.
Michael Spyra, „Der erste eigene Syrer“
https://schnell-durchblicken.de/michael-spyra-der-erste-eigene-syrer
Wie gehen wir mit Geflüchteten um? Ein Gedicht, das im Unterricht viel behandelt wird.
Reisegedichte – Teilthema Heimat und Fremde (auch Emigration und Exil)
https://textaussage.de/thema-reisegedichte-teilthema-heimat-und-fremde
Weitere Gedichte zu diesem Thema auf unserer Seite zu den Reisegedichten.
Hoffnung auf Veränderung
Warum das Thema immer wiederkehrt: Politische Gedichte klagen nicht nur an – viele entwerfen auch das Bild einer besseren Zukunft. Gerade in dunklen Zeiten halten sie die Hoffnung wach, dass sich auch scheinbar unverrückbare Verhältnisse ändern lassen. Spannend ist dabei immer die Frage: Wie realistisch ist diese Hoffnung – und was muss man selbst dafür tun?
Heinrich Heine, „Ein neues Lied, ein besseres Lied“
https://textaussage.de/heine-ein-neues-lied-ein-besseres-lied
Das Himmelreich schon auf Erden errichten – eine kritische Betrachtung eines an sich sehr menschenfreundlichen Gedichts.
Ludwig Uhland, „Freie Kunst“
https://textaussage.de/ludwig-uhland-freie-kunst-mutmach-gedicht
Ein Mutmach-Gedicht für künstlerische und geistige Freiheit.
Bertolt Brecht, „Lob der Dialektik“
https://schnell-durchblicken.de/bertolt-brecht-lob-der-dialektik
Nichts bleibt, wie es ist – die Hoffnung, dass sich auch scheinbar feste Machtverhältnisse ändern lassen.
Bertolt Brecht, „An die Nachgeborenen“
https://textaussage.de/schnell-durchblicken-bertolt-brecht-an-die-nachgeborenen
Die Bitte an spätere Generationen, nachsichtig zu urteilen – und die Mahnung, das Mögliche zu tun, damit es nicht wieder so weit kommt.
Bertolt Brecht, „Warum soll mein Name genannt werden?“
https://textaussage.de/schnell-durchblicken-bertolt-brecht-warum-soll-mein-name-genannt-werden
Nicht der eigene Ruhm zählt, sondern die bessere Zukunft, für die man gearbeitet hat.
Bertolt Brecht, „Der Pflaumenbaum“
https://schnell-durchblicken.de/brecht-pflaumenbaum-klassenarbeit-analyse
Ein kleiner Baum, der unter schlechten Bedingungen nicht wachsen kann – bei näherem Hinsehen hochpolitisch, im Hinblick auf Erziehung und Entwicklung.
Barbara Köhler, „Endstelle“
https://schnell-durchblicken.de/barbara-koehler-endstelle
Die Zerrissenheit der Wendezeit 1989/1990 – aber auch die Bereitschaft, sich einer neuen Zukunft zu stellen.
Die Rolle des Dichters
Ein Thema, das sich durch alle Epochen zieht, ist die Frage, welche Rolle Dichter selbst in der Politik spielen sollen: Dürfen sie Partei ergreifen? Können sie überhaupt etwas bewirken? Dürfen sie sich auch heraushalten? Diese Fragen behandeln wir ausführlich – mit Gedichten von Heine, Herwegh, Brecht, Theobaldy und anderen – auf unserer Themenseite zur politischen Lyrik.
Weitere Infos, Tipps und Materialien
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Themenseite: Politische Lyrik – was kann sie, und wo liegen ihre Grenzen?
Die Grundfragen der politischen Lyrik, jeweils an Beispielen erläutert. - Politische Lyrik nach Epochen
Vom Absolutismus bis zur Gegenwart – mit einer kurzen Einführung zu jeder Epoche. - Schnelle Hilfe bei Aufgaben im Deutschunterricht
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